Die Steuer-FAQ (READ ONLY)

Moin mitnanner!

→ Vorwort 1

Ich bin kein Steuer-, Finanz- oder Anlageberater!

Alle Aussagen geben meine persönlichen Erfahrungen wieder, die ich durch Eigenrecherche und in Gesprächen mit meinem Steuerberater gesammelt habe.

Das Blocktrainer-Team bzw. die bCyber UG war an der Erstellung dieses Beitrags nicht beteiligt und erteilt keine Beratung für Investments oder deren steuerliche Betrachtung.

Ich empfehle grundsätzlich jedem, die Hilfe eines Profis (z.B. Steuerberater:in) in Anspruch zu nehmen. Das gilt nicht zuletzt, aber ganz besonders, wenn durch Kryptowährungen größere Summen (4-stellig und mehr pro Jahr?) eingenommen werden.

In meinen Aussagen beziehe ich mich auf die aktuelle Gesetzgebung in Deutschland. (Stand: 02/2021)

Wenn ich in meinen Beispielen BTC, ETH usw. nenne, stehen diese exemplarisch für alle Kryptowährungen; inkl. Stablecoins.

→ Vorwort 2

Am 17.06.2021 veröffentlichte das Bundesministerium für Finanzen einen Entwurf zu „Ein­zel­fra­gen zur er­trag­steu­er­recht­li­chen Be­hand­lung von vir­tu­el­len Wäh­run­gen und von To­ken“

Die FAQ wird damit nicht obsolet, denn sie deckt sich in den Grundaussagen mit den Angaben im Entwurf.

Auf der Blocktrainer-Webseite findest Du zudem noch eine Zusammenfassung des Entwurfs: Steuerliche (Neu)Regelung von Kryptowährungen

Also:

  • FAQ
  • Entwurf
  • Zusammenfassung des Entwurfs

Holla! :partying_face:

Wer jetzt noch sagt, er hätte nichts gewusst, muss sich wohl an die eigene Nase fassen. :smiley:

→ Sind Steuern auf Kryptos zu zahlen?

Ja.

Realisierst Du beim Verkauf bzw. Tausch von Kryptowährungen einen Gewinn, ist dieser mit Deinem persönlichen Steuersatz nach §23 EStG zu versteuern.

Ebenfalls steuerlich relevant wäre es, wenn Du mit BTC, ETH etc. einen Einkauf bezahlst, denn letztendlich ist das auch nur ein Verkauf gegen Euro.

Steuerlich nicht relevant ist es, wenn Du Deine Coins von der Exchange zu Deiner Wallet bzw. von Deiner Wallet zu einer Exchange transferierst.

→ Wie hoch sind die Steuern?

Da die Einkommensteuer in Deutschland einem progressiven Steuersatz unterliegt, kann man dazu pauschal keine Aussage machen.

Dein persönlicher Steuersatz ist abhängig von Deinen Gesamteinnahmen, zu denen bspw. auch Dein Arbeitslohn zählt.

Es gibt insgesamt 5 Tarifzonen (Beträge aktuell aus 2021):

  • Zone 1 „Nullzone“ → 0 bis bis 9.744 Euro (steuerfrei)
  • Zone 2 „untere Progressionszone“ → von 9.745 Euro bis 14.753 Euro
  • Zone 3 „mittlere Progressionszone“ → von 14.754 Euro bis 57.918 Euro
  • Zone 4 „obere Progressionszone“ → von 57.919 Euro bis 274.612 Euro
  • Zone 5 „Proportionalzone“ → ab 274.613 Euro („Reichensteuer“)

Beispiel:
Du verdienst 36.000 Euro im Jahr und erwirtschaftest zusätzlich dazu mit Krypto noch einen Gewinn von 25.000 Euro, dann hast Du ein Gesamteinkommen von 61.000 Euro.

Mit 61.000 Euro befinden wir uns in Zone 4, wodurch sich (für eine alleinstehende Person) folgende Berechnung ergibt:

ESt = 0,42 * zvE - 9.136,63 = 0,42 * 61000 - 9136,63 = 16483,37 Euro
(zvE = zu versteuerndes Einkommen = 61000)

16483,37 Euro sind eine Durchschnittsbelastung von 27,02% oder anders gesagt: Von Deinen 61.000 Euro zahlst Du 27,02%, also 16483,37 Euro Einkommensteuer.

Je höher das Einkommen, desto höher wird auch die Durchschnittsbelastung, die sich immer mehr der Grenzbelastung von 45% angleicht.
Ab 62127 Euro (Ehepaare 124254 Euro) kommt noch der Solidaritätszuschlag oben drauf.

  • Einkommen von 100.000 Euro
    Einkommensteuer 32863 Euro + Soli 1807 = 34670 Euro (32,86% + 1,81% = 34,67%)
  • Einkommen von 300.000 Euro
    Einkommensteuer 117625 Euro + Soli 6469 = 124094 Euro (39,21% + 2,16% = 41,37%)
  • Einkommen von 1 Mio. Euro
    Einkommensteuer 432625 Euro + Soli 23794 = 456419 Euro (43,26% + 2,38% = 45,64%)
  • Einkommen von 2 Mio. Euro
    Einkommensteuer 882625 Euro + Soli 48544 = 931169 Euro (44,13% + 2,43% = 46,56%)

Wer es selbst mal nachrechnen möchte, kann dafür den Steuerrechner des Bundesministerium für Finanzen nutzen.

→ Ist die Abgabe einer Steuererklärung verpflichtend?

Unter gewissen Bedingungen bist Du verpflichtet, (unaufgefordert) eine Steuererklärung abzugeben.

Der Grund, der wohl bei den meisten zutrifft: Die Abgabepflicht besteht, wenn Du Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr hast.

Nebeneinkünfte können bspw. Miet- oder Pachteinnahmen, ausl. Arbeitseinkünfte oder eben auch zu versteuernde Gewinne aus Kryptogeschäften sein.

Quelle: steuerverbund.de

Hast Du steuerfreie Gewinne realisiert, weil zwischen Kauf und Verkauf mehr als 1 Jahr lag (Haltefrist/Spekulationsfrist), zählen diese nicht zu den 410 Euro dazu.

Nur für realisierte Gewinne, die auf

  • Kauf&Verkauf innerhalb eines Jahres
  • Lending
  • Staking
  • Mining
  • und andere Nebeneinkünften (Miete, Pacht etc.)

basieren, sind diese 410 Euro anzuwenden.

Theoretisch könntest Du demnach mit HODLn einen Gewinn von 100.000 Euro haben, aber weil Du die Spekulationsfrist (1 Jahr) erreicht hast und der Gewinn somit steuerfrei ist, musst Du keine Steuererklärung machen.

→ Siehe hierzu „Muss ich steuerfreie Gewinne angeben?“ im zweiten Beitrag (unten)

→ Aber das merkt doch niemand, oder?

Aktuell haben die Finanzämter vermutlich wirklich nicht die Mittel und Möglichkeiten, nach Steuersündern im Kryptobereich zu suchen.

Allerdings kann das FA bei vorsätzlicher Steuerhinterziehung, die letzten 10 Jahre prüfen.

Man muss wohl kein Finanz- oder Technikexperte sein, um sich vorstellen zu können, dass die Finanzämter innerhalb der nächsten 10 Jahre die entsprechenden Tools besitzen werden.

Dass die Blockchain alle Transaktionen für immer speichert, ist sicherlich sehr hilfreich dabei.

Zudem sind Broker, Exchanges usw. dazu verpflichtet, Transaktionen ab einer gewissen Höhe den Behörden zu melden.

Google-Tipp: KYC, FATF, AML5D, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und (ganz aktuell) Kryptowertetransferverordnung

siehe hier
und auch hier

→ Schade ich mir nicht selbst?

Einige Steuerberater:innen und Anwälte/Anwältinnen vertreten die Meinung, dass man sich selbst belastet, wenn man seine Kryptogewinne „ohne Aufforderung“ offenlegt. Das muss man nicht, denn niemand ist verpflichtet, sich selbst zu belasten.

Grundsätzlich ist das richtig und deshalb sollte man mit Expert:innen abklären, ob man die Gewinne unter Vorbehalt angeben sollte. Kommt ein Urteil hierzu, kann man sich darauf berufen und erhält im Idealfall die gezahlten Steuern zurück.

Allerdings rate ich dringend davon ab, Kryptogewinne vor dem Finanzamt zu verheimlichen :exclamation: :exclamation: :exclamation:

→ Was ist denn ein „Gewinn“?

Einen realisierst Du, wenn Du eine Kryptowährung verkaufst („Trade“) und diese beim Kauf weniger wert war, also beim Verkauf.
(Anmerkung: Beim Mining, Lending, Staking usw. erwirtschaftest Du die Gewinne anders. Siehe H I E R.)

Beispiel:

  • Am 01.01.2020 kaufst Du für 700 Euro 0.1 BTC
  • Am 01.12.2020 verkaufst Du diese 0.1 BTC für 1800 Euro.

Der Gewinn beträgt damit 1100 Euro, die Du versteuern musst.

W I C H T I G
Ein Tausch/Wechsel in eine andere Kryptowährung (auch Stablecoin!) ist ebenfalls ein steuerlicher Vorgang und ein Gewinn dementsprechd zu versteuern.

  • Am 01.01.2020 kaufst Du für 700 Euro 0.1 BTC
  • Am 01.12.2020 wechselst Du die 0.1 BTC in 2.5 ETH.

Steuerlich gesehen hast Du

  • am 01.01.2020 die 0.1 BTC für 700 Euro gekauft
  • am 01.12.2020 die 0.1 BTC für 1900 Euro verkauft
  • am 01.12.2020 die 2.5 ETH für 1900 Euro gekauft

Beim zweiten Schritt hast Du 1200 Euro Gewinn realisiert, die zu versteuern sind.

Deshalb sollte man seine Trades im Auge behalten, denn auch kleine Gewinne summieren sich sehr schnell zu einer großen Summe. Durch den Tausch von Coins mit kleiner Marktkapitalisierung kann man seinen Einsatz „leicht“ verdoppeln, doch auch der zu versteuernde Gewinn summiert sich.

Allerdings steigt nichts ewig und auch für den Kryptomarkt ist früher oder später zu erwarten, dass es einen starken und langanhaltenden Rücksetzer („Bärenmarkt“) wie Anfang 2018 geben wird.

Hierzu noch ein Beispiel (aus einem anderen Thread):

  • Sagen wir, Du fängst mit 1 BTC (Preis: 30.000€) an.
  • Du tauschst in den Coin X, Coin X verdoppelt sich, Du tauschst zurück und hast 2 BTC.
  • Bei diesem Trade hast Du 30.000€ Gewinn erwirtschaftet (weil Du ja aus 1 BTC 2 BTC gemacht hast) und diese 30.000€ sind zu versteuern.
  • Weil die Preise im Bullenmarkt ständig nach oben und nach unten gehen, kannst Du diesen Vorgang 5x mit Coin X, Coin Y und Coin Z machen.

Wir rechnen es mal durch…

  1. Trade = 30.000€ Gewinn (BTC-Preis: 30.000€ => 1 BTC → 2 BTC)
  2. Trade = 100.000€ Gewinn (BTC-Preis: 50.000€ => 2 BTC → 4 BTC)
  3. Trade = 280.000€ Gewinn (BTC-Preis: 70.000€ => 4 BTC → 8 BTC)
  4. Trade = 720.000€ Gewinn (BTC-Preis: 90.000€ => 8 BTC → 16 BTC)
  5. Trade = 1.920.000€ Gewinn (BTC-Preis: 120.000€ => 16 BTC → 32 BTC)

Insgesamt hast Du einen Gewinn von ~3 Mio. Euro erwirtschaftet. Davon zahlst Du 1.405.919 Euro Einkommensteuern plus Solidaritätszuschlag.
(siehe oben „Wie hoch sind die Steuern?“)

Beim Peak hat BTC einen Preis von 120.000€
Du hast 32 BTC, die zu dem Zeitpunkt einen Gegenwert von ca. 3.840.000€ haben.

Kein Problem“, denkst Du Dir, „1,4 Mio Euro zahlen, wenn ich 3,8 Mio Euro habe?! Läuft.

Doch dann knallt’s und der Markt geht nach unten.

Der BTC-Preis fällt innerhalb von 2 Tagen auf 100.000€

Noch glauben alle an eine „gesunde Korrektur“ und der Kurs wird sicher wieder nach oben geht.

Geht er aber nicht. Er fällt. 80.000€, 70.000€…innerhalb weniger Tage. Alle warten auf den „Bounce“, aber er kommt nicht.

Irgendwo muss doch der Boden sein…60.000€, 50.000€…

Warum fällt der Preis? Wieso kauft niemand?

Das Jahr neigt sich dem Ende, wir haben 2022 und die Steuern sind fällig.

In Deiner Steuererklärung steht ein Gewinn von 3,8 Mio Euro, also will das Finanzamt 1,4 Mio Euro von Dir haben.

Bis Du realisierst, was überhaupt passiert ist und wieso der Kurs so gefallen ist, steht der BTC-Preis vielleicht schon bei 40.000€

Du verkaufst Deine BTC und hast 1,28 Mio Euro (32 * 40.000€)

Es fehlen Dir somit ~200.000€, um Deine Steuerschuld zu zahlen und ganz plötzlich hast Du ein f*cking Problem!

Nicht nur, dass Du von Deinem schönen Gewinn nichts hast, Du hast jetzt auch noch Steuer-Schulden.

Ich gebe zu:

Die Zahlen mögen erschreckend hoch erscheinen, aber ich habe nur die Daten von 2017 (BTC war damals unter $1000) auf den heutigen Markt projiziert, in dem man durch solches Trades durchaus hohe Gewinne erzielen könnte.

Einige Coins werden das 10-, 20- oder 30-fache ihres jetzigen Preises erreichen und wenn man zur richtigen Zeit rein- und rausgeht, kann der Gewinn enorm sein.

Ich will damit niemandem Angst machen! Gewinne und Steuern sind grundsätzlich nicht schlecht. Allerdings sollte man seine Trades und Gewinne verfolgen, damit es bei der nächsten Steuererklärung kein böses Erwachen gibt.

Nachtrag:
@Baertiger hat mich auf eine Ungenauigkeit bei den 5 genannten Beispiel-Trades hingewiesen.

In dem Beispiel gehe ich der Einfachheit halber davon aus, dass der Trade von BTC in den nächsten Coin instant passiert bzw. dass sich zwischen dem Tausch Coin 1 → BTC und BTC → Coin 2 der Wert von BTC nicht verändert.

Denn wenn der BTC-Preis sich zwischendurch ändert, ergibt sich natürlich beim Tausch von BTC → Coin 2 auch ein Gewinn oder Verlust für die BTC und das wäre wieder steuerlich relevant.

→ Woher weiß ich, welche Coins ich verkaufe?

Laut §23 EStG gilt normalerweise die FIFO-Methode. (First In First Out)

Zitat: „Bei Anschaffung und Veräußerung mehrerer gleichartiger Fremdwährungsbeträge ist zu unterstellen, dass die zuerst angeschafften Beträge zuerst veräußert wurden.

Beispiel:

  • Am 01.01.2018 kaufst Du bei Bitwala 0.1 BTC → in Wallet 1
  • Am 01.01.2019 kaufst Du bei Kraken 0.1 BTC → in Wallet 2
  • Am 01.01.2020 kaufst Du bei Bitpanda 0.1 BTC → in Wallet 3

Wenn Du nun BTC verkaufst, wird bei FIFO der älteste Kauf zuerst für die Bewertung der Steuerpflicht herangezogen, also in dem Fall der Kauf bei Bitwala.

Dabei spielt es keine Rolle, auf welcher Exchange Du die BTC verkaufst und aus welcher der 3 Wallets die BTC stammen.

siehe auch weiter unten → „Tool für steuerliche Reports“

Es gibt auch noch die LIFO-Methode (Last In First Out), bei der die zuletzt gekauften Coins für die Bewertung der Steuerpflicht herangezogen werden.

Laut der Ausarbeitung „Umsatzsteuerliche Behandlung und Erörterung der ertragsteuerlichen Behandlung von Krypto Token“ durch Wissenschaftliche Dienste ist die Nutzung der LIFO-Methode auch möglich.

Zitat: „Kann der Steuerpflichtige den Bestand der angeschafften Krypto-Assets in seiner Wallet hinsichtlich Anschaffungszeitpunkt und Anschaffungskosten lückenlos zuordnen, kann durch Verlauf der jeweiligen zuordbaren Tranche durch den Steuerpflichtigen eine beliebige Veräußerungsreihenfolge herbeigeführt werden. Ansonsten wird die FiFo-Methode (vgl. Kapitel 4.2) verwendet.

Die genannte „…beliebige Veräußerungsreihenfolge…“ bezieht sich meiner Meinung nach auf die logisch möglichen Methoden FIFO und LIFO, denn dass der Gesetzgeber HFIO (Highest in, first out) und LOFO (Lowest in, first out) erlaubt, erscheint mir zweifelhaft.

Da im Folgesatz darauf hingewiesen wird, dass „Ansonsten“ die FIFO-Methode angewendet wird, verstehe ich es so, dass für Wissenschaftliche Dienste auch die LIFO-Methode in Frage kommt.

Möchte man beide Arten für mehrere Wallets nutzen, ist es unbedingt erforderlich, dass eine strikte Trennung zwischen den Coins erfolgt und An-/Verkäufe vollständig belegt werden können.

Und: Wenn man sich einmal für eine Methode entschieden hat, kann man nicht mehr wechseln. Also dass in 2020 die Verkäufe nach FIFO und 2021 die Verkäufe nach LIFO versteuert werden, ist nicht möglich.

Im internet findet man dazu keine rechtsgültige und eindeutige Einschätzung.

WINHELLER Rechtsanwaltsgesellschaft mbH schreibt beispielsweise, dass der Gesetzgeber bei Kryptowährungen ausschließlich die FIFO-Methode akzeptieren könnte und verweist hierbei auf die gesetzliche Regelung, dass bei Fremdwährungen die FIFO-Methode genutzt werden. Ob Kryptowährungen in diesem Zusammenhang wie Fremdwährungen behandelt werden, ist jedoch unklar.

Für die Steuerkanzlei Schittenhelm sind Kryptowährungen offenbar keine Fremdwährung.

Zitat: „Es steht dem Steuerpflichtigen somit wohl frei, ein Verbrauchsfolgeverfahren seiner Wahl anzuwenden. Er kann somit auch das LIFO-Verfahren (last in - first out) wählen.

Für die Hanseatic Bank GmbH & Co KG kann der Steuerpflichtige ihrem Text zufolge sogar zwischen allen 4 Methoden wählen.

Zitat: „Alternativ zu Fifo gibt es auch die Lifo-Methode: Last in, first out. Hierbei wird davon ausgegangen, dass das zuletzt Angeschaffte zuerst wieder verkauft wird. Dazu kommen Hifo (Highest in, first out) und Lofo (Lowest in, first out). Diese Verfahren gehen davon aus, dass die Exemplare, die man zum teuersten beziehungsweise günstigsten Kurs gekauft hat, als Erstes wieder verkauft werden. Die beiden letzten Methoden Hifo und Lofo werden allerdings nur selten angewendet.

Mein Fazit:
Wer nicht nach FIFO besteuert werden möchte oder sogar plant, verschiedene Methoden gleichzeitig anzuwenden, der sollte sich vorher Rat bei einer/einem Steuerberater:in holen und die Details klären.

→ Behalten die Exchanges die Steuer ein?

Nein.

Wie geschrieben richtet sich die Höhe Deiner Steuern nach Deinen persönlichen Gesamteinnahmen, die die Exchanges (hoffentlich :smiley: ) nicht kennen.

Du musst diesbezüglich selbst tätig werden.

siehe auch → „Tool für steuerliche Reports“

→ Welche Daten gebe ich dem heraus?

Dem/der Steuerberater:in einfach nur die Liste Deiner Trades zu geben, damit er/sie anhand dieser Liste Deine Steuererklärung macht, funktioniert nicht.

Natürlich könnte man das machen, aber diese Tätigkeit des/der Steuerberaters/Steuerberaterin wäre unbezahlbar, denn die händische Auswertung von 50 oder 100 Trades dauert Stunden, wenn nicht Tage.

Im Idealfall übergibst Du deshalb eine Übersicht Deiner Trades. Unten ist eine Summe (Gewinn oder Verlust), die in das entsprechende Feld im Formular „ANLAGE SO“ eingetragen wird. (Beispiel siehe Grafik weiter unten)

Diese Liste wird als Anlage an die Steuererklärung gehängt, damit auch das Finanzamt einen Beleg vorliegen hat, woher die Summe im Formular kommt.

Das reicht für den Moment aus. Mehr musst Du dem Stb. bzw. Finanzamt für Deine Steuererklärung nicht vorlegen.

Es könnte jedoch sein, dass das Finanzamt (innerhalb von 10 Jahren) Beweise dafür haben möchte, dass das, was in der Liste steht, auch der Wahrheit entspricht. Hierfür benötigst Du Screenshots, Kontoauszüge, EMails etc.

Nachtrag (01.05.2021)
Es ist nicht so, dass man dem FA am Ende des Jahres bzw. in der Steuererklärung die Coins auflisten muss, die man besitzt.

Das FA interessiert sich ausschließlich für den Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist und den dadurch realisierten Gewinn.

siehe unten → „Muss ich steuerfreie Gewinne angeben?“
siehe unten → „Tool für steuerliche Reports“

→ Tool für steuerliche Reports

Wer nur ein paar Trades im Jahr macht, hat vermutlich seine Käufe und Verkäufe im Blick bzw. kann sie relativ einfach mit Excel verwalten.

Ab 100, 200 oder mehr Trades im Jahr wird das aber schon schwieriger. Spätestens nun solltest Du Tools nutzen, die auf Basis Deiner Käufe und Verkäufe den Gewinn bzw. Verlust berechnen und in einer hübschen Übersicht darstellen:

(Anmerkung: Die Übersicht wird von den Tools in mehreren Formaten wie PDF, Excel, WORD usw. angeboten.
In dem Beispiel habe ich mich für den Excel-Export entschieden, damit ich ein wenig Einfluss auf die Textformatierung habe. Die Zahlen darf man natürlich nicht verändern.)

Grundlage dieser Übersicht sind Trading-Exports (z.B. CSV-Dateien), die man bei jeder guten Exchange bekommt. Diese Export-Datei(en) importiert man in das Tool und im Idealfall kommt eine übersichtliche Aufstellung heraus.

Das Ziel sollte sein, dem Finanzamt klar und deutlich darzulegen, wie die Zahl in der ANLAGE SO berechnet wurde und dass man die Sache ernst nimmt.

Schmiert man einfach nur ein paar Zahlen auf ein A4-Blatt, macht das sicher keinen guten Eindruck…wenn Du verstehst, was ich meine. :slight_smile:

Ein weiterer Vorteil, wenn man so ein Tool benutzt: Du erkennst auf einen Blick, bei welchen Coins die Haltefrist erreicht ist. Diese kannst Du dann steuerfrei verkaufen, sofern Dir der aktuelle Kurspreis zusagt. :+1:

Ein Tool, um so eine Übersicht zu erstellen, ist bspw. Cointracking

Am Anfang muss man sich ein wenig reinarbeiten, denn schließlich geht es auch um viele, viele Zahlen und es gibt unzählige Optionen, wie man Trades in das Tool importiert und auswerten lassen kann.

Aber diese Zeit solltest Du Dir nehmen, denn letztendlich erspart Dir so ein Tool sehr, sehr viel Arbeit.

An dieser Stelle verweise ich gerne auf Romans Videos CoinTracking - Crypto Steuern erfassen und Portfolio tracken - Anleitung & Review und auch auf Steuern erfassen auf Kryptowährungen - Tools im Vergleich

→ Gibt es eine Freigrenze?

Ja.

Die Freigrenze (nicht Freibetrag!) liegt bei 600 Euro. Das bedeutet: Gewinne bis 600 Euro sind steuerfrei und ab einem Gewinn von 601 Euro ist die komplette Summe zu versteuern.

Anmerkung: Auch wenn Du bspw. nur 580 Euro Gewinn machst und dieser Betrag somit steuerfrei ist, musst Du das in Deiner Steuererklärung angeben, sofern Du eine Steuererklärung machen musst. (Siehe „Ist die Abgabe einer Steuererklärung verpflichtend?“)

→ Und was ist mit Verlusten?

Verluste aus Kryptowährungen kannst Du natürlich auch geltend machen.

Beispiel:

  • Am 01.01.2020 kaufst Du für 700 Euro 0.1 BTC
  • Am 15.03.2020 verkaufst Du die 0.1 BTC für 500 Euro.

Die 200 Euro Verlust kannst Du mit Deinen sonstigen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften gegenrechnen:

  • Machst Du mit BTC 200 Euro Verlust und mit ETH 1000 Euro Gewinn, sind nur 800 Euro Gewinn zu versteuern.
  • Wenn Du bei einem Trade mit BTC 100 Euro Verlust machst und bei einem anderen Trade 1200 Euro Gewinn, wären es 1100 Euro zu versteuernder Gewinn insgesamt, sofern Du sonst nichts verkauft hast.

Nun muss man aber unterscheiden, um welche Gewinne/Verluste es sich handelt, denn wie ich weiter unten im Absatz „Gibt es eine Steuerpflicht bei Staking und Lending?“ schreibe, werden bspw. Staking-Rewards nicht nach §23 versteuert, sondern nach §22.

Für Verluste, die nach §23 entstanden sind, musst Du die Verluste in dem Jahr geltend machen, in dem sie auch entstanden sind.

Zitat aus §23 EStG: „Verluste dürfen nur bis zur Höhe des Gewinns, den der Steuerpflichtige im gleichen Kalenderjahr aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielt hat, ausgeglichen werden; sie dürfen nicht nach §10d abgezogen werden.

Beispiele:

  • Hast Du bei einem Trade in 12-2020 einen Verlust von 200 Euro und in 03-2021 einen Gewinn von 1000 Euro, kannst Du diese 200 Euro nicht geltend machen.

  • Du kannst nur die Verluste und Gewinne „der gleichen Art“ miteinander verrechnen, also in diesem Fall die Verluste, die im Zusammenhang mit §23 entstanden sind nur mit den Gewinnen durch §23.

  • Machst Du in 01-2020 mit einem Trade 200 Euro Gewinn und in 04-2020 mit einem anderen Trade 800 Euro Verlust, kannst Du nur 200 Euro geltend machen. Auf den restlichen 600 Euro bleibst Du leider sitzen.

  • Auch können Verluste nicht mehr geltend gemacht werden, wenn Du die 1-Jahres-Spekulationsfrist überschritten hast. (Siehe weiter unten „Gibt es steuerfreie Verkäufe/Gewinne?“)
    So wie das Finanzamt „raus aus der Nummer ist“, wenn Du Gewinne mit Coins machst, die Du schon über 1 Jahr hälst, so interessiert sich das Finanzamt logischerweise auch nicht mehr für Deine Verluste, wenn die Spekulationsfrist erreicht wurde:
    Kaufst Du am 01.01.2018 einen Coin für 1 Euro und verkaufst Du ihn am 01.01.2020 für 0,30 Euro, hast Du leider Pech gehabt.

Beim Staking, Leding etc. ist es ein wenig anders, denn da heißt es:

Zitat aus §22 EStG: „…die der Steuerpflichtige in dem unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum oder in den folgenden Veranlagungszeiträumen aus Leistungen im Sinne…

Hier gibt es demnach die Möglichkeit, einen Verlust aus dem Vorjahr bzw. aus der Zukunft geltend zu machen.

Das nennt sich Verlustvortrag bzw. Verlustrücktrag.

Allgemein gilt: Nicht nur Verluste durch Trades kann man vom Gewinn abziehen, sondern auch Verluste/Kosten, die unmittelbar mit Deinen Kryptogeschäften zu tun hatten:

  • SCAM
  • Coin-Verlust (bspw. private key vergessen oder Coins an falsche Wallet geschickt)
  • Verlust durch Börsenhacks
  • Anschaffungskosten für Hardware-Wallets (Leder, Trezor, BitBox)
  • Trading-Gebühren
  • Kosten für Software (bspw. cointracking.info)
  • Rechnung des/der Steuerberaters/Steuerberaterin

Wie und wann genau man diese Verluste/Kosten geltend machen kann, fragst Du bitte (D)eine/n Steuerberater:in.

Mir ist nämlich nicht klar, ob bspw. der Kauf einer Hardware-Wallet als Verlust nach §22 oder §23 (oder beides?) gewertet werden kann, denn eine Hardware-Wallet kann man ja sowohl für das klassische HODLn, als auf beim Staking nutzen.

(Fortsetzung im nächsten Beitrag → runterscrollen)

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Von Wallet ins Lending, teils Haltefrist kleiner als 1 Jahr
Ent­wurf ei­nes BMF-Schrei­bens 17.6.21: er­trag­steu­er­recht­li­che Be­hand­lung vir­tu­el­ler Wäh­run­gen
Versteuerung von USDT -> EUR
Transfer von Binance zu Kraken. Welches Netzwerk?
Haltefrist von mehr als einem Jahr
Crypto,com Staking
Mal wieder eine Steuerfrage
Wo tragt ihr Crypto Lending in die Steuererklärung ein?
Bitcoin Haltedauer
Übertragung von Bitcoin auf HW steuerlich relevant?
Ein weiterer Steuer-Thread. Offen für alle Fragen. :-)
Vermögensregister ich hör Dir trapsen
Vermögensregister ich hör Dir trapsen
Haltefrist fuer Staking Rewards (Steuern)

Info:
Ich musste den Beitrag aufteilen, da der ursprüngliche Beitrag für die Forum-Software zu lang war. :smiley:
Für den ersten Teil → hochscrollen

→ Gibt es steuerfreie Verkäufe/Gewinne?

Ja.

§23 EStG räumt eine Steuerbefreiung ein, wenn man die Haltefrist von 1 Jahr einhält:

Zitat: „Private Veräußerungsgeschäfte […] sind […] Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt.“*

Das bedeutet übersetzt: Liegt zwischen dem Kauf und dem Verkauf mindestens 1 Jahr, ist es kein Veräußerungsgeschäft und somit steuerfrei. :partying_face:

Beispiel:

  • Am 01.01.2020 kaufst Du für 700 Euro 0.1 BTC
  • Am 02.01.2021 verkaufst Du die 0.1 BTC für 3.500 Euro

→ Wodurch unterbreche ich die Haltefrist?

Durch den Verkauf bzw. Tausch gegen eine andere Kryptowährung (auch Stablecoins) und den Verkauf gegen Euro/Dollar etc.

Beispiel 1:

  • Am 01.01.2020 kaufst Du für 700 Euro 0.1 BTC
  • Am 31.12.2020 verkaufst Du die 0.1 BTC für 1800 Euro

Damit hast Du die Haltefrist nicht erreicht => Gewinn ist steuerpflichtig.

Beispiel 2:

  • Am 01.01.2020 kaufst Du für 700 Euro 0.1 BTC
  • Am 31.12.2020 wechselst Du die 0.1 BTC in 2.5 ETH.

Die Haltefrist für die 0.1 BTC wurde unterbrochen. => Gewinn ist steuerpflichtig.

Für die 2.5 ETH beginnt nun am 31.12.2020 die Haltefrist. Du könntest sie also am 31.12.2021 (oder besser am 01.01.2022) steuerfrei verkaufen.

Durch den Transfer von Coins zwischen 2 Wallets unterbricht man die Haltefrist nicht.

Das schließt den Coin-Transfer von der eigenen Wallet zur Exchange bzw. von der Exchange zur eigenen Wallet mit ein. Das ist kein steuerlicher Vorgang.

→ Muss ich steuerfreie Gewinne angeben?

Nein. Bei steuerfreien Gewinnen aufgrund der Überschreitung der Haltefrist ist das Finanzamt „raus aus der Nummer“.

Aber…

  1. Bei größeren Gewinnen ist es nicht falsch, das Finanzamt zu informieren.
    Das kann ein formloser Brief sein:

Dass daraufhin eine Prüfung o.ä. erfolgt, ist eher unwahrscheinlich. Normalerweise wird Dein Brief eingescannt, abgelegt und „vergessen“.

Sollten FA-Mitarbeiter:innen in der Zukunft ungewöhnlich hohe Beträge auf Deinem Konto auffallen, könnte dieser Brief von Dir dafür sorgen, dass niemand stutzig wird und anfängt zu suchen.

Je offener und ehrlicher man mit dem Finanzamt umgeht, desto besser.

Beim Finanzamt arbeiten Menschen und keine Monster!

  1. Ob steuerpflichtige Gewinne oder nicht: Ich empfehle Dir, jedes Dokument mindestens 10 Jahre lang aufzubewahren, um Deine Käufe und Verkäufe belegen zu können.
    Screenshots, Kontoauszüge, EMails, Blockchain-Transaktionen, Wallet-Adressen, Protokollierungen von Exchanges…alles kann eines Tages wichtig sein.
    Kaufst Du bspw. BTC anonym oder schickst Du sie durch einen Mixer, kannst Du ggf. das Kaufdatum nicht mehr beweisen. Das FA hat somit keine Möglichkeit, das Kaufdatum festzustellen und wird das Kaufdatum schätzen, um die Steuerpflichtigkeit bewerten zu können. (Das FA ist nicht verpflichtet, das Datum zu Deinen Gunsten zu schätzen!)

→ AirDrops, CashBack, Hard Forks

Coins aus Airdrops sind steuerfrei. Du kannst sie ohne Einhaltung einer Haltefrist sofort steuerfrei verkaufen.

Auch Coins aus Hard Forks (bspw. BTC → BCH oder auch BCH → BSV) sind steuerfrei.

Faustregel: Wenn Du keine Gegenleistung erbracht hast (nichts bezahlt, keine Arbeit geleistet,…), sind solche Coins steuerfrei.

Bist Du bspw. Influencer und hast aufgrund von Werbung Coins erhalten, ist es vermutlich kein Airdrop und muss versteuert werden.

Auch wenn Du auf einer Plattform Deine persönlichen Daten (Adresse, Telefonnummer,…) hinterlassen hast, um die Coins zu bekommen, könnte das Finanzamt dies als Gegenleistung werten, denn Du hast mit Deinen Daten bezahlt.

Wenn man sich unsicher ist, sollte man solche Coins idealerweise 1 Jahr halten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Die Versteuerung von Cashback-Aktionen muss im Einzelfall entschieden werden, da es auf die Umstände und nicht zuletzt auch auf die Summe ankommt. Eine einigermaßen nachvollziehbare Aussage habe ich hier gefunden.

Ich glaube nicht, dass das Finanzamt eine Cashback-Aktion von wenigen Euro im Jahr als zu versteuernde Einnahme deklarieren würde. Allerdings gibt es auch Menschen, die mit Cashback ein passives Einkommen generieren (was auch im Kryptobereich möglich wäre) und das ist natürlich eine steuerlich relevante Tätigkeit.

Empfehlung: Wer durch Cashback mehr als 50 oder 100 Euro im Jahr einnimmt, sollte vielleicht mal kurz beim Steuerberater nachfragen.

→ Steuerfreie Bitcoin als Zahlungsmitel?

Es wird oft darüber diskutiert, ob auch Steuern nach §23 EStG anfallen, wenn man Bitcoin als Zahlungsmittel nutzt, also wenn man sich bspw. etwas kauft und direkt mit Bitcoin bezahlt. (Nicht zu verwechseln mit den zahlreichen Kartenanbietern! Hier wechselt der Dienstleister „intern“ die Bitcoin in Euro und der Verkäufer/Händler wird mit Euro bezahlt.)

Leider habe ich dazu (wieder einmal) keine eindeutige und rechtsgültige Aussage gefunden.

Mirco von Bitcoin2Go hat in einem Interview Philipp Hornung von Winheller diese Frage gestellt und leider gab’s (aus meiner Sicht) keine eindeutige Aussage. Ich höre daraus „Es ist möglich, aber es kann sein, dass man sich vor dem Finanzamt erklären muss.“

Hier der Ausschnitt mit Timestamp zur Frage:

Rechts- und Steuerberatung Schmidt sieht das etwas anders: „Sofern erworbene Bitcoins als Zahlungsmittel eingesetzt werden, gilt dieses als Veräußerung der Bitcoins und führt - bei Einhaltung der Jahresfrist – ebenfalls zu sonstigen Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Tja. :man_shrugging:

Abschließend dazu noch das Schreiben vom Bundesministerium der Finanzen: Umsatzsteuerliche Behandlung von Bitcoin und anderen sog. virtuellen Währungen vom 27.02.2018

→ Gibt es eine Steuerpflicht bei Staking und Lending?

Ja.

Staking und Lending sind steuerpflichtig (genau wie die Gewinne durch Verkauf/Tausch) und die Freigrenze beträgt bis zu 256 Euro im Jahr.

Auch hier gilt: Es ist eine Freigrenze und kein Freibetrag. Das bedeutet: Hast Du Gewinne von 257 Euro und mehr, musst Du den gesamten Betrag versteuern und nicht nur das, was über den 256 Euro liegt.

Nachdem das BMF im Juni 2021 einen Entwurf zur Krypto-Besteuerung veröffentlich hat, kann man’s auf zwei Punkte herunterbrechen:

  • Die Versteuerung des REWARDS wird bei „Zufluss“ nach §22 Nr. 3 EStG fällig.
  • Um den STAKE steuerfrei verkaufen zu können, ist die Spekulationsfrist von 10 Jahren einzuhalten.

Diese Auffassung haben die Steuerberater:innen auch schon vor dem Entwurf vertreten, so dass davon auszugehen ist, dass es so auch final umgesetzt wird.

Anmerkungen:

  1. Die Versteuerung nach §22 bedeutet: Die Steuer fällt an, sobald der „Zufluss“ erfolgt ist.

Im Klartext heißt das: Sobald der Reward in Deinen Besitz übergegangen ist (Wallet) und Du über ihn verfügen kannst, ist der Zufluss erfolgt.

Anders verhält es sich, wenn der Reward zwar grundsätzlich vorhanden ist, Du aber noch einen Button drücken oder eine Transaktion ausführen musst, damit er letztendlich wirklich in Deinen Zugriff gelangt. Solange Du diesen Schritt nicht gemacht hast, ist es kein „Zufluss“ und demzufolge keine Steuer fällig.

  1. Es ist sinnvoll, vorher zu prüfen, ob ein Reward automatisch zum Stake hinzugefügt oder separat ausgezahlt wird, denn wird der Reward zum Stake, ist nicht nur der Gewinn bei Zufluss zu versteuern, sondern der Reward „wandelt“ sich zum Stake und dadurch erhöht sich die Spekulationsfrist auf 10 Jahre.

  2. Es spielt keine Rolle, ob die Coins 1 Sekunde, 1 Stunde, 1 Tag oder 1 Jahr als Stake gedient haben. Sobald Coins gestaked werden, erhöht sich die Haltefrist auf 10 Jahre.

  3. Tipp: Falls möglich, solltest Du den Zufluss des Rewards erst dann durchführen, wenn die Coins einen geringen €-Preis haben, denn je kleiner der Preis, desto kleiner der Gewinn und somit auch die Steuer. :slight_smile:

  4. Der Reward kann ohne jegliche Haltefrist verkauft werden, denn er wurde ja schon beim Zufluss versteuert.
    Siehe dazu Interview mit Roland Elias bei Börse Stuttgart (mit Timestamp)

Aber wie immer gilt:
Wer Staking und/oder Lending betreiben möchte (insbesondere, wenn es um größere Summen geht), sollte vorher mit einem/einer Steuerberater:in sprechen, um sich rechtlich abzusichern.

Außerdem hat jeder Bürger das Recht, sich unter gewissen Voraussetzungen und (natürlich :roll_eyes: ) gegen eine Gebühr eine „Verbindliche Auskunft“ beim zuständigen Finanzamt einzuholen. (Bitte Google nutzen für Details bzw. Steuerberater:in fragen!)

Nachtrag (12.02.2021)
Zum Thema Staking gab es im Interview von Bitcoin2Go und Winheller eine sehr interessante Aussage des Steuer-Experten: Wenn Du einen Coin 1 Jahr gehalten hast und Du ihn dann zum Staking benutzt, gibt es keine neue Haltefrist für den Coin.

Seine Aussage (Zitat): „Wenn der Coin steuerfrei war, wird er nicht wieder steuerpflichtig.

Damit wäre der STAKE steuerfrei und lediglich die Rewards („neuen“ Coins) müssten (nach §22) versteuert werden.

Danke an @skyrmion für diesen Fund! Ich denke, dass das für einige HODLer und Staker eine sehr, sehr wichtige (und positive) Information ist.

Nachtrag (12.03.2021)
@Marco1 hat in diesem Beitrag alle Steuer-Fakten rund um Staking zusammengefasst.
Wer grundsätzlich Interesse am Staking hat, kann den Beitrag als Entscheidungshilfe nutzen, um die Risiken und die steuerliche Situation abzuschätzen.
Danach kann man immer noch zum/zur Steuerberater:in gehen und Details klären.

Nachtrag (25.06.2021) zum Nachtrag vom 12.02.2021
Und wieder gab’s ein Interview-Video von Bitcoin2Go mit Winheller und in diesem Ausschnitt relativiert Philipp Hornung seine Aussage aus dem Februar-Video.

→ Gibt es eine Steuerpflicht beim Mining?

Ja.

Hierbei muss besonders darauf geachtet werden, welche Art und welchen Umfang des Minings man betreibt.

Stellt man selber eine Mining-Farm zusammen, wäre das ggf. eine gewerbliche Tätigkeit, die unter andere Steuergesetze fällt. Bei gewerblichen Verkäufen gibt es bspw. auch keine Haltefrist und somit keinen steuerfreien Verkauf.

Das Cloudmining ist laut Steuerkanzlei Elias als Leistung in der Steuererklärung anzugeben.

Es könnte aber auch sein, dass Du Miteigentümer/Anteilseigner bist oder Dich an einer Kapitalgesellschaft beteiligst. Bevor man also Geld investiert, sollte man dies ganz genau klären, denn die Besteuerungen sind völlig unterschiedlich.

LHP Luxem Heuel Prowatke – Rechtsanwälte Steuerberater PartG mbB geht im Kapitel „Besteuerung von Kryptowährungen im Privatvermögen“ auf die unterschiedliche Betrachtung/Besteuerung recht detailliert ein.

Fazit: Bitte mit dem Steuerberater abklären!

→ Sind Gesetze in Stein gemeißelt?

Nein.

Das Erlassen bzw. die Änderung von Gesetzen ist ein laufender Prozess. Finanzgerichte sprechen häufig neue Urteile, auf die man sich beziehen könnte.

Bei den Kryptowährungen hat es sich die dt. Gesetzgebung etwas leicht gemacht und alles in §22 bzw. §23 EStG gepackt, obwohl sich dadurch widersprüchliche Aspekte ergeben bzw. Details nicht genau definiert werden. (Bspw. die Haltefrist beim Staking.)

Deshalb sollte man sich 1x im Jahr informieren oder alternativ einen Expert:innen-Rat einholen.

Noch ein Hinweis:

Wer bei der aktuellen Gesetzgebung mit Kryptowährungen handelt, kann davon ausgehen, dass selbst bei einer zukünftigen Änderung der Gesetze die bereits gekauften/verkauften Kryptowährungen nach dem „alten“ Gesetz besteuert werden.

Tritt also bspw. ein neues Gesetz bzw. eine Gesetzesänderung ab dem 01.01.2022 in Kraft, werden alle bis dahin getätigten Käufe/Verkäufe so besteuert, wie ich sie hier beschrieben habe.

Eine rückwirkende Änderung der Steuergesetz ist nicht möglich. (Google-Tipp: Vertrauensschutzes)

→ Muss ich einen Steuerberater beauftragen?

Nein, das musst Du nicht. Wenn Du keine Beratung brauchst und Deine Steuererklärung selbst machen willst, hast Du das Recht dazu.

Allerdings sollte man es sich gut überlegen, ob die (je nach Einkommen) 500…1000 Euro für einen Steuerberater angesichts der teils undurchsichtigen Rechtslage nicht doch gut angelegt sind.

Bei einem Fehler ist nämlich der Steuerberater haftbar und nicht Du.

→ Wie finde ich einen Steuerberater?

Ich würde die Steuerberater im näheren Umkreis anrufen und einfach fragen, ob sie sich mit der Besteuerung und den zahlreichen Varianten (HODL, Staking, Mining etc.) auskennen.

Falls ja, empfehle ich Dir, ein erstes Beratungsgespräch zu vereinbaren. Das ist in der Regel kostenlos und dient dazu, sich zu „beschnuppern“. Falls Du kein gutes Gefühl bei dem Steuerberater hast, fragst Du den nächsten.

Wer keinen Wert auf ein persönliches Gespräch legt, kann natürlich auch deutschlandweit suchen.

Ich habe diese Übersicht gefunden, kann aber nicht sagen, wie vertrauenswürdig oder empfehlenswert die dort genannten Steuerberater sind.

→ Ein abschließender Tipp?

Auch wenn man durch Staking, Lending, Mining usw. Geld verdienen kann, empfehle ich aufgrund der rechtlichen Unsicherheit immer nur das klassische HODLn, denn es besteht aus nur 5 einfachen Schritten:

  1. Finde durch Recherche ein gutes Krypto-Projekt. DYOR
  2. Investiere in das Projekt.
  3. Transferiere die Coins in Deine Wallet, von der nur Du den Private Key kennst.
  4. Setze Dir ein Preisziel (bspw. investiert Du 50 Euro und Dein Preisziel liegt bei 500 Euro) und sobald Du das Preisziel und die Haltefrist von 1 Jahr erreicht hast, verkaufst Du Deine Coins.
  5. Freue Dich über den Gewinn.

Auch von Investitionsplattformen, die mit 5, 8 oder 10 Prozent locken, rate ich ab. Es muss sich nicht zwingend um SCAM-Projekte handeln, aber warum soll man seinen Gewinn teilen, wenn man genauso gut (und einfach) alleine die Gewinne erzielen kann?

→ Video-Empfehlungen

Am 10.02.2021 fand ein Webinar auf Youtube zum Thema „Bitcoin-Steuern - Staking, Haltefrist, Tipps & AMA“ mit dem Rechtsanwalt und Kryptosteuerexperte Philipp Hornung (Rechtsanwälte und Steuerberater Winheller) statt.

Auch auf Romans Video Krypto-Steuern Dominik Freber im AMA | Lending, Trading, Mining - Steuererklärung! möchte ich hier noch verweisen.
(Bitte auch die Video-Beschreibung dazu lesen!)

→ Steuerpflicht bei Lightning Node

Leider äußert sich das BMF in ihrem Entwurf und auch kein/e Steuerberater:in zu der steuerlichen Behandlung bei Einnahmen durch eine Lightning Node.

Deshalb kann ich hier nur eine Einschätzung abgeben, die ich jedoch mit keiner Experten:innen-Aussage belegen kann:

Als Betreiber einer Lightning Node ist man eine Art „Dienstleister“, da ja kein Lending, kein Mining, kein Staking und auch kein An-/Verkauf stattfindet.

Der Betreiber bietet einen Service an und erhält Einnahmen in Form von Transaktionsgebühren.

Ob meine Einschätzung richtig ist und wie das Betreiben einer Lightning Node besteuert wird, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt (08/2021) nicht sagen.

In diesem Thread wurde ein wenig über das Thema diskutiert.
Vielleicht hilft es als Hintergrund-Material beim Steuerberater:innen-Gespräch. :slight_smile:

→ Letzter Hinweis

Ich bin kein Steuer-, Finanz- oder Anlageberater!

Im Zweifel und bei Sonderfällen bitte immer eine/n Steuerberater:in hinzuziehen.

→ D A N K E

Danke an

für Kritik, Verbesserungsvorschläge und Input :slight_smile:

:heart:

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04.06.2021
→ Text-Update zu Und was ist mit Verlusten?, denn ich vermute, dass ich’s vorher falsch bzw. unklar beschrieben habe. Mit den Beispielen sollte es nun klar(er) sein. :slight_smile:

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05.06.2021
@Normen hat mich auf einen Fehler bei der Berechnung der Steuerbelastung in Wie hoch sind die Steuern? hingewiesen, den ich nun korrigiert habe.
Danke für den Hinweis.

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Update 22.06.2021

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Nachtrag (25.06.2021) zum Nachtrag vom 12.02.2021
Und wieder gab’s ein Interview-Video von Bitcoin2Go mit Winheller und in diesem Ausschnitt relativiert Philipp Hornung seine Aussage aus dem Februar-Video.

Danke @skyrmion

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Text-Update im Abschnitt

→ Gibt es eine Steuerpflicht bei Staking und Lending?

Der BMF-Entwurf hat einige Unklarheiten beseitigt, weshalb es nicht mehr sinnvoll ist, sowas zu schreiben wie „Dummerweise sind sich die Steuerberater nicht 100%ig einig, wenn es um die Besteuerung beim Staking geht.

Deshalb habe ich den gesamten Abschnitt umgeschrieben.

Ich hoffe, es damit eindeutig(er), wie es sich mit der Besteuerung bei Lending/Staking verhält.

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Neuer Abschnitt

→ Steuerpflicht bei Lightning Node

Viel können wir dazu aufgrund von fehlenden Experten:innen-Aussagen leider nicht sagen, aber ich hab’s in die FAQ aufgenommen, da es für ein interessantes Thema halte.

Zudem wollte ich eine Verbindung zu diesem Thread schaffen, da dort von allen Beteiligten viele kluge Worte geschrieben wurden. :slight_smile: :heart: