Fairer Preis des Bitcoin

Wie bestimmt man den fairen Preis des Bitcoins? Ich werde mehrere Methoden vorstellen.

(1) „Der faire Preis ist 0, da Bitcoin wertlos ist.“ Okay, Boomer. (könnte aber stimmen)

(2) Stock-to-flow Model:
https://digitalik.net/btc/
Das Stock to flow Modell wird zur Abschätzung des fairen Goldpreises verwendet. Wenn dasselbe Modell auf Bitcoin angewendet wird, sieht man o.g. Diagramm. Die Korrelation ist sehr gut, afaik r>0,9.
Ich halte das Model für problematisch, da sich dadurch theoretisch Werte für die Marktkapitalisierung ergeben, die größer sind, als das globale Weltvermögen. Eine Währung kann aber niemals mehr Kaufkraft haben, als es Waren gibt. Daher muss es eine Cap geben. Von daher: Vermutlich stimmt das Stock-to-flow Modell, muss aber nach o.g. Logik gedämpft verlaufen

(3) Exponentielles Wachsum
In Analogie zum Aktienmarkt nimmt man ein mehr oder wenig konstantes Wachstum an. Anhand der zeichnet man dann den Bitcoin (logarithmisch) nach.
https://www.blockchaincenter.net/bitcoin-rainbow-chart/
Ich halte das für sinnvoller, offensichtliche Schwächen hat die Methode nicht.

(4) Hashrate-Driven
Mein Favorit. Man sieht sich die aktuelle hashrate an und berechnet daraus, was die Miner zahlen müssen, um einen Bitcoin zu minen:


Die Mining-Geräte (ASICs) verbessern sich (aktuell) gemäß Moore’s law. Demnach sinkt die Effizienz der Geräte um 50% alle 1-2 Jahre. Anhand dessen kann man in etwa ausrechnen, wie viel Bitcoin man mit einem ASIC Gerät für wie viel Geld bekommt. Dies vergleicht man mit der Rendite, die man durch bloßes Bitcoin kaufen erhalten würde. Der Wert, wo die Rendite dieselbe wäre, ist der erwartete Preis des Bitcoins.
Die Theorie ist, dass Mining ein Investment für einen Zeitraum von 1-2 Jahren ist. Das Kollektiv der Miner einigt sich (marktwirtschaftlich) darauf, wo wohl der Preis in 1-2 Jahren steht. Diese Prognosen ändern sich selbstverständlich permanent, geben aber eine gute Orientierungshilfe ab.

Das letzte mal, wo ich das ausgerechnet habe, sah ich den BTC-Preis Ende 2020 bei 15.000-18.000 USD. Aktuell (02/2020) sehe ich Bitcoin bis 10.500 € auf buy.

beste Grüße,
Jafar

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Ist das Deine persönliche Meinung oder kannst Du das begründen/beweisen? (Rein interessehalber.)

Ist schon was her, dass ich ein VWL Lehrbuch in der Hand hatte.

Der Wert einer (nationalen) Währung wird dem Warengegenwert (Warenkorb) gegenüber gestellt. Steigt die Geldmenge zum Warengegenwert, verliert die Währung an Wert (Inflation). Hierdurch entsteht ein Marktgleichgewicht: In Ökonomien kann eine Währung nie mehr Kaufkraft haben, als es Waren gibt.

Theoretisch kann der Bitcoin im USD Gegenwert unbegrenzt steigen, da der USD ja wertlos werden könnte. Im Warengegenwert (Kaufkraft) aber nicht, was ja das eigentlich wichtige ist.

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Was ist denn der Warengegenwert eines Landes? Hat er etwas mit dem BIP zu tun?

Das BIP ist die Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres innerhalb eines Landes produziert werden. Wenn man die Kaufkraft einer Währung bewerten will, verwendet man den sog. Warenkorb, der eine repräsentative Zusammenstellung von Gütern und Dienstleistungen beinhaltet.
(Siehe auch Wikipedia.)

Für mein Argument („Es gibt eine Obergrenze für den Wert des Bitcoins, nämlich den Gegenwert der Güter die man dafür kaufen kann“), spielt es letztlich keine Rolle, ob man den Warenkorb, das Weltvermögen, oder irgendeine andere Größe nimmt. Das Ergebnis ist immer dasselbe:
Man kann nicht mehr kaufen, als es zu kaufen gibt.

Aus diesem Grund kann das stock-to-flow Modell beim Bitcoin nicht stimmen, da sich daraus unendlich große Zahlen ergeben, sobald der Block Reward gegen 0 geht. Klammert man diese aus (sagt z.B. nur das nächste halving voraus), könnte es aber stimmen.

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Grundsätzlich hast du Recht aber das hat doch damit nichts zu tun. Das Stock-to-Flow Modell geht doch auf den Wert in USD ein und nicht auf die weltweit „zu kaufenden“ Güter. Deshalb ist es komplett irrelevant, dass der Bitcoin nicht höher steigen kann als alle verfügbaren Güter.

Finde das Stock-to-Flow Modell aber auch etwas übertrieben. Google mal nach dem „Capped Stock-to-Flow“ Modell - könnte interessant für dich sein.

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Das "capped stock-to-flow " von diesem Schweizer Unternehmen hat eine Prämisse, die in meinen Augen nicht zu halten ist. Sie behaupten, dass das stock-to-flow modell nicht stimmen kann, weil dadurch die Menge des Kapitalfluss, die durch bitcoin entsteht, größer ist, als der Gesamtkapitalfluss.

Der Denkfehler ist, dass mit Zunahme des Kapitalfluss (Teilmenge) auch der Gesamtkapitalfluss (Gesamtheit) steigt. Ein capping ist unter dieser Prämisse überhaupt nicht notwendig.

Wenn der USD an Wert verliert, kannst Du jedes Modell aus dem Fenster werfen, da der Referenzwert nicht mehr stimmt. In einer Hyperinflation gewinnen meine getragenen Socken auch kontinuierlich an Wert in USD.

… vielleicht sollte ich Socken HODLn…

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Aber du sprichst doch von den Wirtschaftsgütern und nicht vom Dollar, oder?
Und was meinst du mit einem USD Wertverlust? Gegenüber der Wirtschaftsgüter oder gegenüber BTC? Beides hat in den letzten Jahren deutlich an Wert gewonnen (im Vergleich zum USD), das heißt wir können jedes existierende Modell über Bord werfen?

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Unter der Hypothese, dass der USD seine Kaufkraft mehr oder weniger behält (2% Inflation), kann das Stock-to-flow Modell für geringen „flow“/Block-Rewards beim Bitcoin nicht stimmen. Die Gründe habe ich oben beschrieben.

Unter Extremsituationen (USD wird wertlos), könnte das stock-to-flow modell auch bei geringen „flow“/Block-Rewards bestand halten. Dies ist aber irrelevant, weil es dann nichts mehr über den Wert des BTC aussagt, sondern nur noch über den Wertverlust des USD.

Das heißt nicht, dass wir 2022 nicht 90k USD sehen könnten. Ich glaube es zwar nicht, aber theoretisch wäre das möglich. Spätestens nach 2 oder 3 weiteren Halvings stößt das Modell aber an seiner theoretischen Grenze.

In meinen Augen lügt sich die Crypto-Community hier in die Taschen, weil wir alle gerne die gainz hätten, die es verspricht.

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