Inflation durch Geldmengenausweitung oder sinkende Zentralbanksolvenz?

Im Prinzip ja!

Über das „unmittelbar“ könnte man zwar streiten, da ich denke die Inflation kommt erst verzögert. Aber auch ich vermute es gibt den Fall nicht, dass mehr Geld geschaffen wird, ohne dass dies jemals in Umlauf kommt. Also kommt die Inflation dann immer sicher irgendwann.

Abschließend nochmal zu Bitcoin:

Wir diskutieren bisher in diesem Thread hauptsächlich über Inflation der Verbraucherpreise.

Bei Bitcoin sieht die Situation natürlich anders aus. Bitcoin ist kein Konsumgut, sondern aktuell ein Anlage-Asset. Später übernimmt Bitcoin hoffentlich einmal die Rolle des Geldes.

Die starke Geldmengenausweitung der letzten Jahre, die sich zuerst in einer Asset Inflation niederschlägt, hat also wahrscheinlich schon einen starken Anteil an den Bitcoin Kurssteigerungen. Meine Aussage von oben, dass sich Bitcoiner bzgl. Inflation nur für die Druckerpresse interessieren, muss ich deshalb etwas relativieren.

Weiter oben habe ich schon einmal diesen Chart gepostet, in dem der Bitcoin Kurs um die Geldmenge M2 korrigiert ist. Solch eine Korrektur hat das Ziel, den Realpreis unabhängig von Inflation zu zeigen.

Bitcoin_M2

(aus diesem Video: Did Bitcoin Already Test The 2017 All Time High? - YouTube)

Benjamin Cowen hat inzwischen noch ein Video gemacht, in dem mit der Geldmenge M1 korrigiert wird. Hier wurde noch nicht einmal das ATH gebrochen:

Bitcoin_M1

(aus diesem Video: Bitcoin Through The Lens of M1 - YouTube)

Welcher Geldmengenwert (M1, M2, M3) sich am besten eignet, um die Asset Inflation herauszurechnen weiß ich natürlich nicht.

Ja das meine ich auch. Der Güteranspruch ist zwar unmittelbar zerstört worden, aber wer im Speziellen geschädigt wird, entscheidet sich erst, wenn die Ansprüche eingelöst werden.

Noch was zu Bitcoin in dem Zusammenhang: Satoshi meinte mal, dass verlorene Bitcoin eine Spende an alle Halter sind. Das ist das mit dem Güteranspruch, aber andersherum. Weniger Geld und gleicher Güteranspruch → das Geld wird mehr wert

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Der Markt schätzt anhand verschiedener Daten ein, wie viele Bitcoin verloren wurden. Je länger sie nicht bewegt wurden, desto höher schätzt man logischerweise diese Möglichkeit ein. Aber es dauert natürlich und hat bis auf proof of burn keine direkt messbare Relevanz, richtig.

Prof. Sinn erklärt den Euro indirekt zum Ponzi Schema (ab 17:40)

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Moin, bin gerade auf diese selten so genaue Erklärung von Inflation bei „Die Anstalt“ gestoßen.

Müsst ihr euch mal geben.
Interessanterweise werden dort einige Thesen die von Bitcoinern stets genutzt werden, als falsch gewertet.
Zum Ende gibt es noch einen Seitenhieb gegen Bitcoin…

Über den Graphen zur Geldausweitung musste ich irgendwie schmunzeln. Die prozentuale Ansicht der Geldausweitung sieht logischerweise nicht im Ansatz so drastisch aus, wie absolut.

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Das sind im Wesentlichen die Thesen, die wir gerade in letzter Zeit wieder öfter hier diskutiert hatten. Ich hatte z.B. hier etwas dazu geschrieben:

Geldmenge hat keine Auswirkung auf Inflation: Können wir die Gegenthesen zu MMT wirklich beweisen?
Die Zusammenhänge von Geldmengenausweitung und Inflation

Auch diese Ausgabe der Anstalt wurde schon erwähnt.

Ich komme mir ehrlich gesagt langsam ein bisschen veräppelt vor, wenn das das Niveau sein soll, auf dem Ökonomen argumentieren.

Ich schätze und respektiere ein wissenschaftliches Vorgehen. Deshalb bin ich mir bewusst und mache auch deutlich, wenn ich mich mit einem Gebiet nur laienhaft beschäftige. Schließlich ist die Chance groß, dass es irgendwo schlaue und erfahrene Fachleute gibt, die meine Argumente evtl. innerhalb von Minuten anhand von (durch Fakten gestützten) Modellen vernichten könnten.

Bei den ökonomischen Aussagen zur Inflation, die man als Laie auf verschiedenen Medien findet, habe ich aber so langsam den Verdacht, dass in der Ökonomie nur ein kleiner Anteil an Experten wissenschaftlich arbeitet.
Da ich selbst nicht vom Fach bin, kann ich das auf fachlicher Ebene leider nicht beurteilen. Entsprechende Fachartikel habe ich auch keine gelesen.
Stattdessen mache ich diese Einschätzung an der Methodik sowie an der Art und Weise fest, wie das Thema regelmäßig in der Öffentlichkeit erklärt wird.
Ständig wird etwas zu stark vereinfacht, nicht zu Ende gedacht, das Thema mehrfach gewechselt, Begriffe nicht klar definiert, nicht neutral berichtet / geframed, andere Aussagen ins Lächerliche gezogen, versucht mit Fachwörtern zu beeindrucken, Modelle nicht (seriös) anhand von Daten beurteilt etc. .

Diese Ausgabe der Anstalt, die ich früher gerne gesehen habe, passt da leider ins Bild…

Diese Erklärung muss ich irgendwie verpasst haben. Ich gehe die Aussagen dieser 7 Minuten mal grob durch:

  • Wie üblich wird Inflation zu Beginn des Videos nicht definiert. Deshalb definiere ich die Inflation hier (etwas schwammig) als Verbraucherpreissteigerung.

  • Aussage Merz:
    Zinserhöhungen sind eine Maßnahme gegen hohe Inflation.
    Je niedriger die Zinsen, desto höher Verschuldung und Geldmengenausweitung (GMA), desto höher die Inflation.
    Erklärung Anstalt:
    Es gibt keinen Zusammenhang zwischen GMA und Inflation. Ersichtlich sei das an einer Graphik, welche die jährliche GMA und Inflation über die Jahre zeigt.
    Mein Kommentar:
    Die Merz Aussage in dieser Formulierung ist natürlich nicht ganz richtig. Die niedrigeren Zinsen führen allenfalls zu höherer Neuverschuldung. Nach einer Zinserhöhung kann also die Neuverschuldung sinken, aber die Inflation trotzdem noch durch die Neuverschuldung (= GMA) der vorigen Jahre getrieben werden, die erst träge in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Wäre die Merz Aussage also minimal anders formuliert worden, würde sie sogar exakt dem entsprechen, was die Anstalt einige Minuten später bestätigt (siehe nächste Aussagen weiter unten).
    Die Erklärung der Anstalt ist einfach nur lächerlich. Zu der gezeigten Graphik habe ich etwas in dem ersten verlinkten Thread geschrieben. Ich habe zwar keine Ahnung welche Annahmen und Modelle am Ende richtig sind. Aber man kann an dieser Graphik sicher nicht ablesen, dass GMA nicht zur Inflation führt.
    Erstens kann man einen möglichen kausalen Zusammenhang von GMA und Inflation nicht daran ablesen, ob sich die Inflation immer 1:1 mit der GMA ändert. Dafür müsste sich die GMA immer sofort und vollständig auf den Geldwert auswirken, was doch bitte niemand annehmen wird (s.a. nächste Aussage der Anstalt weiter unten).
    Zweitens sind beide Wert im Mittel positiv und es gibt Flanken zu ähnlichen Zeitpunkten. Auch wenn es sicher viele andere Effekte auf die Inflation gibt, passt über den kompletten Zeitraum betrachtet die (um das Wirtschaftswachstum korrigierte) GMA sogar quantitativ relativ gut zur Inflation (siehe verlinkter Thread).

  • Aussage Anstalt:
    Entscheidend für die Inflation sind nicht die Geldmengen M1/2/3, sondern ob das neue Geld nachfragewirksam wird. Also am Ende die Umlaufgeschwindigkeit.
    Mein Kommentar:
    Das entspricht genau dem, was die Quantitätsgleichung beschreibt, und es erscheint mir sehr plausibel. Deshalb habe ich auch u.a. hier und in den verlinkten Threads so argumentiert.
    Um diese überraschende Kehrtwende nochmal zu verdeutlichen:
    Falls wir annehmen, dass jedes frische Geld irgendwann nachfragewirksam wird, bestätigt die Anstalt an dieser Stelle plötzlich den kausalen Zusammenhang von GMA und verzögert folgender Inflation!

  • Aussage Anstalt:
    Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation. Wenn überhaupt, dann heizt nur die Neuverschuldung die Nachfrage an und treibt damit die Inflation.
    Mein Kommentar:
    Die Anstalt bestätigt also zusätzlich, dass Neuverschuldung zu Inflation führt. Das ist keine großartig andere Aussage, als dass GMA zur Inflation führt (siehe letzter Punkt).
    An dieser Stelle müsste die Anstalt also eigentlich Zinserhöhungen unterstützen, da diese sofort die Neuverschuldung und GMA bremsen, und damit langfristig auch die Inflation. Worüber streiten wir dann also noch?
    Da die Anstalt den drohenden Konsens wohl erkannt hat, kommen sie jetzt mit weiteren, widersprüchlichen Aussagen, die offenbar Verwirrung stiften sollen…

  • Aussagen Anstalt:
    Aber die Neuverschuldung spielt aktuell gar keine Rolle, da wir momentan keine hohe Nachfrage haben. Die Konsumausgaben sind schließlich aktuell rückläufig (Graphik).
    Streng genommen haben wir außerdem aktuell gar keine Inflation. Inflation bedeutet, dass die Preise aufgrund höherer Nachfrage steigen. Aktuell steigen sie aber aufgrund von Angebotsverknappung.
    Zinserhöhung würden aktuell also nicht helfen, sondern eine Rezession auslösen.
    Mein Kommentar:
    Es gibt zahlreiche Effekte, die einen Einfluss auf die Inflation haben. Die volkswirtschaftlichen, psychologischen und politischen Zusammenhänge sind sicher sehr komplex. Deshalb kann es natürlich immer kurzfristige Einflussfaktoren geben, die stärker als der GMA Einfluss sind.
    Deshalb muss man nicht gleich anfangen Inflation umzudefinieren. Auch Ingo Sauer hat in seinen Videos als Inflationsursachen u.a. Nachfrageerhöhung und Angebotsverknappung genannt.

Wenn ich die Aussagen der Anstalt einmal wohlwollend zusammenfasse, dann heißt das:

Zinserhöhungen bremsen die Neuverschuldung und GMA, und damit langfristig auch die Inflation. Allerdings sollte man die Zinsen aktuell nicht erhöhen, da es in der momentanen Situation die Wirtschaft stärker schädigt, als es bei der Inflation hilft.

Über den zweiten Vorschlag kann man sich streiten. Aber bzgl. des Zusammenhangs von GMA und Inflation sehe ich keinen Widerspruch zu unseren Aussagen bzw. denen der „Bitcoiner“.

Warum versucht die Anstalt aber zu Beginn des Videos diesen Zusammenhang ins Lächerliche zu ziehen?
Erst wird er bestritten, dann unauffällig bestätigt und abschließend mit wirren Aussagen abgelenkt. Hauptsache man kann den anderen blöd dastehen lassen.

Obwohl klar ist, dass der Bitcoin aktuell noch von vielen als hochriskantes Spekulationsobjekt betrachtet wird.

Auf der kurzfristigen Zeitskala führt das zu extremen Schwankungen. Auf langfristiger Skala bisher zum größten Wertanstieg im Vergleich mit traditionellen Assets.

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Sehr schön zusammengefasst!

Habe auch mal in die Folge rein geschaut… Die schneiden ja ernsthaft ihre „Inflation hat nichts mit Geldmenge Grafik“ 2020 weg, nur weil es besser ins Skript passt. Das hat nichts mehr mit Satire zu tun sondern ist einfach nur manipulativ und irreführend.

Habe mir mal erlaubt zwei Jahre Inflation dran zu setzen… :grin:

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Ach @skyrmion, wenn wir dich nicht hätten :sweat_smile:
So genau meinte ich das eigentlich nicht, als ich von „selten so genaue Erklärung“ schrieb…
Innerhalb einer Satiresendung ist das wohl auch nicht zu erwarten. Mich hat nur beeindruckt, dass überhaupt mal Inflation und Geldmengenausweitung in diesem Maße zusammen erwähnt werden. Des Weiteren, dass (ohne genauere Erklärung) die Geldmengen M1, M2 und M3 vorkamen… davon hat der allgemeine Bürger noch nie etwas gehört.

Oh man, das ist mir tatsächlich garnicht aufgefallen, obwohl ich bei dieser Grafik pausiert hatte. Danke dir!

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Einfach mal die Glotze auslassen!

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Liebe Blocktrainer Community,
Erstmal möchte ich Danke sagen dafür, dass ihr maßgeblich an meinem Orange-pilling beteiligt seid. Ich bin also ein Bitcoiner und kein Ökonom – das nur mal vorweg.

Seit einiger Zeit verfolge ich die Diskussionen rund um die Inflation und wo denn nun deren Ursachen liegen, und ich wundere mich über die Unklarheit desselben. Die Diskussion zwischen Herrn Thelen und Frau Hermann konnte diese Frage leider auch nicht restlos klären, aber zumindest führte es dazu, dass ich mir einige Gedanken zu diesem Thema machte. Vielleicht könnt ihr diese Gedanken/Fragen beantworten oder hier diskutieren.

  1. Die Zentralbanken sind unsere Währungshüter. Ihre Aufgabe besteht darin, die Währung stabil zu halten und eine Inflation von ~2% zu erreichen. Die Hebel der Zentralbanken sind die Regulierung des Leitzinses sowie „weitere Instrumente“. (Geldpolitik)
    Ein niedriger Zins führt unmittelbar zu erhöhter Kreditvergabe, was eine Ausweitung der Geldmenge nach sich zieht. Eine Erhöhung des Zinses führt genauso zur Verringerung der Geldmenge.
    Laut Zentralbanken sollen die aktuellen Erhöhungen des Leitzinses die Inflation verringern, gleichzeitig wird von Ökonomen behauptet, die Geldmenge habe keinen Einfluss auf die Inflation. Wie soll die Erhöhung des Leitzinses dann die Inflation senken?

  2. Wenn die Ausweitung der Geldmenge nicht zu erhöhter Inflation führt, welche (negativen) Auswirkungen hat die Geldmengenausweitung aus Sicht der Zentralbanken und Ökonomen dann? Und wenn Geldmengenausweitung keine negativen wirtschaftlichen Folgen nach sich zieht, warum diskutieren wir dann über Hilfsgelder für Bedürftige im In- oder Ausland? Warum gibt es dann marode Schulgebäude, schlechte Straßen und andere „Baustellen“, die einfach mit Geld gelöst werden könnten. Warum schenken wir nicht einfach jedem Bürger 100.000 Euro und alle Probleme sind gelöst?

Ich stelle euch diese Fragen, weil ich sie so noch in keiner Diskussion zwischen Ökonomen und z.B. Bitcoinern oder zwischen „modernen“ Ökonomen und Anhängern der Österreichischen Ökonomie gehört habe. Das wäre bestimmt eine interessante Diskussion.

Viele Grüße.
Alex

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Ich weiß, du gibst auch nur wider, was immer von Zentralbank und Politik gesagt wird.
Aber das so in einem Satz zu lesen, erzeugt bei mir immer wieder großen Brechreiz.
Volksverdummung pur.

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@Alti, willkommen im Forum!

Da es schon einige Threads zum Thema gibt, habe ich dich mal hier rein verschoben.

Alternativen:

Die Zusammenhänge von Geldmengenausweitung und Inflation
Die Funktionsweise und Probleme der Geldpolitik

Dazu und zum Thema GMA/Inflation empfehle ich diese, auch für Laien verständliche Vorlesung, die oben schon verlinkt ist:

Vorlesung von Ingo Sauer - Quantitätsgleichung & Quantitätstheorie („Monetarismus“)

Dort wird deutlich, dass den Ökonomen die Wahrheit einfach zu komplex ist.
Nur weil die Quantitätstheorie (konstante Umlaufgeschwindigkeit) falsch ist, und neues Geld nicht immer sofort in den Konsum fließt, muss man nicht generell den GMA Einfluss auf die Verbraucherpreise abstreiten.

Dabei müsste man wahrscheinlich nur die Umlaufgeschwindigkeit im jeweiligen Kontext sauber definieren, und die Dynamik nach Geldmengenausweitungen berücksichtigen.

Jaja, ich sage ja nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich wundere mich nur, warum man (Ökonomen) glaubt, die Inflation mit Zinserhöhungen bremsen zu können, aber eine Geldmengenausweitung nicht zu höherer Inflation führt.

Das ist ein selbsternanntes Ziel der sogenannten Währungshüter weil sie unglaubliche Angst vor Deflation haben. Durch die vorrangegangenen Inflationsphasen liegt die Preisstabilität auf einem labilem Gleichgewicht bei 0%. Jeder Anstoß in eine Richtung kann zu einer Hyperinflation oder Deflation führen, beides endet mit einer Rezesion oder Wirtschaftszerstörung.

Hätten sie eine faire Geldpolitik betrieben, was meist bedeutet einfach nie in die Geldmärkte einzugreifen (nur wenn es offensichtlichen Bankbetrug gibt), dann wäre die Preisstabilität bei 0% ein lokales minimum, also jede Abweichung würde wieder mehr oder weniger zur Ausgangslage zurückführen. Heutige Eingriffe in die Märkte haben das gesammtsystem aber so ineffizient gemacht, dass wir weit vom Optimum entfernt sind, wo das System wieder hingeht wenn man es lassen würde.

Genau.

Und genau hier werden die Ökonomen unglaubwürdig die das Behaupten. Zeigt man ihnen den Widerspruch auf dann gehen ihnen die Argumente aus und sie werden oft Handgreiflich oder beleidigend.

Weil es nichts daran ändert dass Rohstoffe und Arbeiten durch Geld verteilt werden. Wenn alle gleichviel Geld bekommen, dann steigen einfach alle preise an und die Wirtschaft läuft genauso weiter. Kennst du die Geschichte vom König der bei seiner Hochzeit allen Bürgern seines Staates einen Goldklumpen schenkt?
Erstmal fühlen sich alle Reich bis sie merken dass ihnen der Goldklumpen nichts bringt wenn alle einen haben.

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Nachtrag:
Überleg mal woher die 100000€ pro Bürger kommen?
Die hat der Staat einfach aus dem Nichts gedruckt, er hat sich quasi einen zettel genommen, dort 100000€ raufgeschrieben und diese zettel verteilt.

Wirklich Werte würde der Staat nur unters Volk bringen, wenn er diese Scheine auch wieder zurück kauft, für echte Werte Wie Brote, Häuser usw. Aber woher soll der Staat diese Werte nemen? Durch Steuern die er dem Volk abnimmt?

Nein in Wirklichkeit läuft es genau andersherrum: Der Staat erstellt diese Zettel und kauft sich von seiner Befölkerung diese Dinge. Die „Wertlosen“ Zettel kreisen im Volk und der Staat hat die Wertgegenstände, für die er auch wieder echte Werte eintauschen kann. Die Zettel erreichen irgendwann ihren wirklichen Wert. Diese Entwertung nennt man dann Inflation.
Die Umverteilung der werthaltigen Sachen zum Staat Cantilioneffekt.

Natürlich ist der Zusammenhang ein wenig komplizierter und es gibt keine direkten Zusammenhänge, auch weil das Geldsystem sehr komplex und verschleiernd aufgebaut ist. Aber die Tendenz ist immer erkennbar auch wenn die „Ökonomen“ es abstreiten.

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Naja wer ist der „der Staat“?
Ich würd eher sagen: eine Umverteilung der werthaltigen Sachen zum Staat nahestehende Privilegierte.

So könnte man das dann auf jeden Fall in der Grundschule direkt mal lehren :smiley:

Danke für deine ausführliche Antwort.

Meiner Frage, warum wir nicht einfach jedem 100000 Euro geben um alle Probleme zu lösen, meinte ich aus Sicht eines Ökonomen. Ich bin Bitcoiner. Ich weiß, dass Probleme so nicht gelöst sondern verschlimmert werden. Ich verstehe nur nicht, warum Ökonomen, die keine negativen Auswirkungen der Geldmengenausweitung sehen, nicht solche Vorschläge machen. Oder zumindest habe ich noch nicht davon gehört.

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Weil die nicht weiter denken. Der Gedankengang hört dann auf nach: Höhere Zinsen → weniger Kredite → weniger Nachfrage. Aber dabei wird das Zusammenspiel mit der Geldmenge vergessen. Man muss aber auch sagen, dass so verblendet auch eigentlich nur die MMTler sind. Im Artikel zu Geldmengenausweitung und Inflation ist auch eine Quelle der Bundesbank, in der zugegeben wird, dass die Geldmenge eine Auswirkung hat bzw. sie ein Tool ist, was benutzt wird, um Inflationsrisiken vorherzusehen.

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Oder halt kreditwürdige Leute allgemein. Die kommen am besten und am günstigsten an das neue Geld.

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Mich würde auch interessieren, wie stark die Geldmenge bzw. die Quantitätsgleichung heutzutage noch in Entscheidungen von Zentralbanken einfließt.

Laut Ingo Sauers Vorlesung (Timestamp) fließen solche Analysen bei der EZB im Gegensatz zur FED zumindest immer noch am Rande in die Entscheidung über die angestrebte Geldmengenausweitung ein.

Auch dieses Papier von 2018 über die ersten 20 Jahre der EZB Geldpolitik untermauert die Aussage, dass die „monetary analysis“ nur als „cross check“ verwendet wird:

The first twenty years of the European Central Bank: monetary policy

Es wird hier ein „two-pillar framework“ beschrieben, auf dessen Basis Entscheidungen der EZB getroffen werden. Die beiden Säulen sind dabei die makro-ökonomische Analyse, aber eben auch die Beurteilung der aktuellen Geldmengenausweitung.

Dabei wird ein M3 Referenzwert angepeilt (s.a. unten), allerdings nicht aktiv angesteuert:

At the same time, it was made clear from the very beginning that monetary policy would not react mechanically to deviations of M3 growth from the reference value; it was not a monetary growth target (ECB, 1999)

Ich habe leider auch erst einige Minuten in das Papier reingesehen. Wenn man den Text nach „quantity“ durchsucht, findet man einige interessante Stellen.

In dem verlinkten Papier findet man dazu z.B. die folgenden Zitate aus der EZB Gründungszeit:

In December 1998, the Governing Council of the ECB adopted a quantitative definition of price
stability, which reads: “Price stability shall be defined as a year-on-year increase in the Harmonised Index of Consumer Prices (HICP) for the euro area of below 2%. Price stability is to be maintained over the medium term.”

Dieses Ziel wurde wohl von Kritikern als asymmetrisch empfunden. Allerdings nach meinem Verständnis lustigerweise nicht, da man 2% statt 0% anpeilt. Sondern deshalb, weil man als Ziel die Inflationsrate auf 2% begrenzen möchte, während man keine maximale Deflationsrate festlegt.

Zusätzlich hat Willem Duisenberg, der erste Präsident der EZB von 1998 bis 2003, deshalb 1999 klar gemacht, dass negative Werte, also Deflation, nicht gewünscht ist:

Some observers have criticised the strategy as „asymmetric“. In other words, they argue that the Eurosystem is more concerned about inflation than it is about deflation. In their view, such asymmetry will impose a drag on the overall performance of the euro area economy as a whole because monetary policy will be overly restrictive on average, and risks triggering a damaging deflationary spiral in some circumstances.
… I reject this criticism. The use of the word „increases“ in the definition imposes a floor of at least zero for the lower bound. … Let me state categorically, as I have often done in the past, that neither prolonged inflation nor prolonged deflation in the euro area would be deemed by the Governing Council to be consistent with the maintenance of price stability.”

Die EZB hatte, wie auch in der Ingo Sauer Vorlesung gezeigt, mithilfe der Quantitätsgleichung einen Referenzwert für das M3 Wachstum abgeschätzt, der zu der angepeilten Inflationsrate von 1…2 % führen sollte:

The reference value for M3 growth of 4.5% implicitly also revealed that the ECB was aiming at the upper half of the „below 2 percent“ price stability definition. As in this period the trend growth rate of GDP was assumed to lie in the range of 2 to 2.5% and the trend rate of decline in the velocity of circulation of M3 in the range of -0.5 to -1%, the arithmetic of the quantity equation of money suggests an operational inflation aim between 1 to 2%.
While it was never explicitly acknowledged, this was consistent with the emphasis on positive, but uncertain measurement biases in HICP inflation (up to 1%) as one of the explanations for why the ECB did not formulate a clear lower bound in the quantitative definition of price stability (Issing et al, 2001).

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