Du schreibst, dass bestimmte Dinge im Sozialismus nicht in privater Hand sind. Nach der Definition von Sozialismus ist aber nichts in privater Hand. Bis auf die Konsumgüter und eigenen Habseligkeiten. Alles andere, also fast alles, ist in der Hand des Staates.
„Bestimmte Dinge“ klingt euphemistisch, und ist sicherlich auch euphemistisch gemeint. „Nix“ wäre ehrlicher gewesen.
Und genau hier ist eben das Problem: Wenn diese Dinge nicht in privater Hand sind sondern der Allgemeinheit gehören, dann verschlechtert sich der Zustand dieser Dinge. Aus dem einfachen Grund dass Alle diese Dinge einfach benutzen können aber Alle sich um die Wartung/Reparierung/Erneuerung kümmern müssen.
Wenn etwas allen Gehört ist es eben deutlich einfacher mehr zu nehmen als zu geben. Und daraus folgt, dass diese Dinge ihren Wert verlieren, der wirkliche Wert aber trotzdem von Allen bezahlt werden muss: Es wird also Wohlstand abgebaut.
Beispiele dafür gibt es doch sehr viele:
Autobahnrasthöfe: Wenn die Toiletten von der Allgemeinheit „gepflegt“ werden, dann sind diese Schmutzig und verwahrlost, sind die Toiletten aber in privater Hand, dann sind sie sauber und ordentlich und kosten entsprechend auch Geld.
Wenn der Wohnungsbau komplett staatlich geregelt wird, dann gibt es Sanierungsstaus, Marode Leitungen usw. Man muss eben darauf warten, dass der staatliche Bautrupp am eigenem Haus angekommen ist. Ist das Haus im Privatbesitz, dann muss der Eigentümer selber dafür sorgen, dass das Haus Wohnlich ist, weil er z.B. sonst keine Mieter bekommt. (BSP. DDR/Kuba)
Landwirtschaftliche Kollektivierungen sorgen dafür, dass nicht mehr der Bauer sich um seinen Boden kümmern muss und z.B. mit Dreifelderwirtschaft den Nährstoffgehalt regelt sondern dass großflächige kollektivistische Regeln gelten, egal wie der Boden dort ist.
Ja es mag ausnahmen davon geben. Eventuell ist Infrastruktur oder Forschung besser in öffentlicher Hand, der Großteil der Wirtschaft geht mit diesem Ineffizientsanreitz aber langfristig kaputt. Und damit verliert der Großteil der Bevölkerung in sozialistischen Systemen während in kapitalistischen Systemen es eben nur (in Bezug auf die Bevölkerung) relativ wenige wirklich Arme Menschen gibt.
Lobbyismus in Staaten ist natürlich ein Problem. Aber deswegen den Staat als solchen in Frage zu stellen würde ja bedeuten, den Teufel mit dem Belzebub austreiben zu wollen. Man muss eben die Demokratien so bauen, dass Lobbyismus erschwert bis unmöglich gemacht wird. Dass das natürlich auch nicht von oben so einfach geht, ist auch klar. Nichtsdestotrotz sind Staaten abzuschaffen ja nicht die Lösung.
Was wollen die USA in Grünland?
Eine libertäre Stadt. Frei von Kontrolle, eigene Gesetze…
Der Neoliberalismus, den Think Tanks seit den 70er/80er verbreitet haben, wurde ähnlich ausprobiert. Zu erst gewaltsam in Chile, dann übernahm die ganze Welt ähnliche Modelle. Überall wurde privatisiert, Staaten verloren mehr und mehr die Kontrolle an private Besitzende.
Der nächste Schritt ist die Privatstaat und die Privatisierung der Menschen. Das ist ein Neofeudalismus der da angestrebt wird. Die Menschen werden den Konzernen gehören, gezahlt wird mit einem begrenzten Geld, wie Bitcoin, was aber Besitzlose eben niemals in der Form sparen/anhäufen werden können, weil sie die Besitzenden die Regeln und Gesetze und Preise machen.
Alles wie heute auch schon, nur x-fach verschärfter.
Das sind am Ende die Narrative die in der Bitcoinblase verbreitet werden die genau zu sowas führen. Ob bewusst oder unbewusst. Das ist nicht für die Menschen, das ist für eine kleine Elite von Besitzenden und Superreichen die Privatstädte wollen um da wie Könige herrschen zu können.
Klar, Zukunftsmusik Aber die Vorhaben sind so real wie Bitcoin.
Mit Bitcoin ist die Einstiegshürde für Besitz so gering, dass selbst die “unten” einsteigen können. Das birgt das Potenzial für grundlegende gesellschaftliche Veränderungen, auf die ich wette. (Natürlich ohne Garantie)
Ja, aber nur unter der Bedingung, dass man den Kapitalismus einhegt. Unter der Bedingung von freien Märkten bleibt auch der Besitzlose mit seinen Satoshis oder Bitcoin besitzlos, weil er gezwungen wird abhängig zu arbeiten.
Also der mit Besitz an Land, Produktionsmitteln usw. der wird über die Zeit seine Bitcoin immer halten können bzw. vermehren können, während der ohne Besitz, nach wie vor im Hamsterrad sitzt, für den Besitzenden arbeiten muss und seine Produkte konsumiert/abkauft.
Diejenigen die wegen falschen Entscheidungen von oben nach unten fallen ändern an dieser Struktur nichts. Nach oben wird es noch weniger durchlässiger als es jetzt schon ist.
Ich glaube zu wissen, was Du meinst. Allerdings würde ich es anders ausdrücken. Für mich geht es nicht darum, den Kapitalismus “einzuengen”, sondern sein Wirken (aka Wettbewerb) zu maximieren.
Ich würde ihn mir also auch für die Staatslenkung wünschen. Die Schweizer setzen dies schon gut um. Nicht ein Staatschef, sondern ein Rat, der die Aufgabe hat, die besten Ideen beizusteuern und zu identifizieren. Das Veto Recht der Bürger dient dabei als Korrektiv, das vor den Irrtümern der Politiker schützt. Das ist für mich politischer Wettbewerb par excellence.
Wettbewerb ist ja auch gut. Das schädliche am Kapitalismus ist ja, dass es nur darum geht, das Kapital zu vermehren. Das alleine wäre auch nicht so schlimm, wenn diese Kapitalvermehrung “gerecht” verteilt würde. Aber das ist langsam wirklich Off Topic.
Aber du gibst dir die Antwort doch selber. Warum willst du noch mehr in privater Hand als Konsum - und Verbrauchtsgüter? Warum willst du Wälder, Wasser und Fabriken besitzen? Wofür?
Genau das ist das Wesen von Kapitalismus: Wettbewerb. Und dieser Wettbewerb darf auch in der Politik nicht fehlen, dann haben wir statt Kapitalismus Demokratie.
Klar ist Kapital ohne Wettbewerb auch schädlich weil es dann ein Monopol ist aber im Kapitalismus „kontrolliert“ sich das Kapital gegenseitig und wer das nicht gut macht stürzt ab und ist weg vom Fenster. Damit sitzt dann der Nächste auf dem Kapitalberg und muss es besser machen. Und das ist die „Demokratisierung“ der Wirtschaft.
Bedeutet: Nur wer oben bleibt ist effizient genug. Aber wer sich auf seinen Erfolgen ausruht, der wird eben schnell von anderen Konkurrenten überholt.
Aber genau dieser Konkurenz-Prozess wird im Sozialismus explizit ausgehebelt. Genau deswegen entstehen ja im Sozialismus diese ineffizienten Monopole wie die LPGs, Politbüros, staatlichen Bautrupps, X Jahrespläne usw. All diese Monopole müssen sich eben nicht gegen eine Konkurrenz durchsetzen, egal wie verschwenderisch oder Effizient sie wirklich sind.
Ja, das mag sein, aber egal wie gut oder schlecht eine Studie ist, sie muss sich am Ende mit der Realität messen. Und die historische Realität zeigt eben eindeutig gegen Sozialismus.
Das Prinzip der „Kapitalvermehrung“ ist nicht einfach wenn es Wettbewerb gibt. Die Kapitalvermehrung ist aber im Wettbewerb der Treiber für Wohlstand.
Kapitalismus ist also nicht nur Kapitalvermehrung und Wachstum, Kapitalismus ist auch Wettbewerb. Das solltest du nicht einfach vernachlässigen.
Der Kapitalismus scheitert jeden Tag. Siehe Indien, siehe USA. Er produziert wohin man guckt Elend und Armut und auch Kriege.
Wettbewerb kann es auch ohne Kapitalismus geben und Fortschritt auch. Man braucht keinen Privatbesitz und auch nicht das Prinzip der Kapitalvermehrung, also Profitdenken, um z.B. eine Hose zu erfinden. Die erfindet und produziert man weil man erkennt, dass das nützlich ist und den Menschen hilft. Nur der Kapitalist produziert sie, weil er Geld verdienen will. So viel wie möglich und deswegen tut er das z.B. da, wo er die Menschen ausbeuten kann. In Indien z.B:
Was ist genau Scheitern? USA und Indien existieren wunderbar und es ist soweit ich das aus Deutschland überblicke kein Auseinanderbrechen dieser Staatengebilde zu erkennen. Klar gibt es Bereiche, die besser laufen könnten, aber die wirst du immer finden und vorallem wirst du von jedem Menschen einen anderen Bereich hören, der Verbessert werden müsste. Aber genau das ist ja der Vorteil von Kapitalismus: Hier kann jeder seine Ansichten auch in die Gesellschaft einbringen. Und wenn seine Ansichten gut sind, dann profitiert die Gesellschaft, sind seine Ansichten schlecht, dann können die Anderen intervenieren bis der Kapitalist eben kein Geld mehr hat.
Hast du Beispiele für Wettbewerb ohne Kapitalismus? Dein Hosenbeispiel ist nicht wirklich hilfreich, gerade weil eine Hose „nützlich“ ist und sich durch Arbeitsteilung also immer Menschen finden werden, die den anderen Hosen bereitstellen, aber dafür natürlich eine Gegenleistung haben müssen (weil die Hosenhersteller ja auch leben wollen). Und ob du diese Handel jetzt mit Geld beschreibst oder als Tauschhandel stehen lässt, es ist Kapitalismus, denn auch die Hosenherstellung ist Kapital.
Warum ist es falsch Geld verdienen zu wollen? Warum ist es falsch dass man von den Profiten leben will?
Woher willst du wissen, warum der Kapitalist das gemacht hat? Warum unterstellst du ihm, dass es NUR niedere Gründe wie „Geld verdienen“ sein soll
Wenn die Menschen dem Kapitalisten die Hose freiwillig abkaufen, dann doch nur, weil die Anderen diese Hose bzw. das Produkt auch haben wollen. Damit hat der Kapitalist mit dem Verkauf doch sogar eine Gute Tat verbracht!
Warum beschränkst du scheinbar dein Denken immer nur darauf, dass Kapitalisten von Grund auf Böse sind? Auch deine sogenannten Kapitalisten sind immernoch „nur“ Menschen. Menschen, die eben mit mehr Macht/Kapital unterwegs sind als du. Das macht sie aber nicht persee böse.
Weil nochmal, das genau das Merkmal des Kapitalismus ist. Kapitalvermehrung. Also will ein Kapitalist Geld verdienen. Ich habe nicht gesagt, dass das böse ist oder ein niederer Beweggrund. Ich sage nur, dass das zwingend zu Armut und Elend führt.
Und das ist für mich scheitern. Was soll an Millionen Obdachlosen und Menschen die auf Müllbergen vom Müll leben ein Erfolg sein? Du guckst dich einfach in der Welt um, rufst dir ins Bewusstsein, dass wir seit Jahrzehnten im Kapitalismus leben und siehst überall da, wo es eben keine sozialistischen Bewegungen und Arbeiterkämpfe usw. gegeben hat die totale Armut und Ungleichverteilung.
Ja, hast du Beispiel für deinen Wettbewerb ohne Profitstreben?
Selbst Sport ist doch ein Wettbewerb, wo es nur einen ersten Platz geben kann.
Klar kann man sagen: Ja ich war dabei und weitere Ziele hatte ich nicht, aber dann stand man mit diesem Motto nicht wirklich im Wettbewerb drin.
Und inwiefern vermehrt der Sportler nun sein Kapital? (Selbst der Profisportler erhält ja “nur” eine Art Lohn, aber das ist ja nicht mit Profitstreben gemeint.)
Ok. Dann brauchen wir ja noch viel weniger den Kapitalismus.
Dann können wir doch produzieren um das Ansehen zu steigern z.B. und den Arbeitern mehr Geld für ihre Arbeit geben oder nicht?
Schön, dass du mir zustimmst. Das meine ich ja die ganze Zeit. Es ist eine Frage der Geisteshaltung und keine Notwendigkeit, dass es so läuft wie es läuft.