Ich bin mir nicht sicher, ob er Bitcoin nicht versteht, oder einfach nicht verstehen will…
„Makroökonomie ist im Kern logisches Denken. Man könnte sie problemlos in Mathematik unterbringen. Wer versteht, dass Schulden und Ersparnisse immer zwei Seiten derselben Medaille sind, ist schon einen großen Schritt weiter als viele Wirtschaftskommentare.“
Vielleicht hat er Bitcoin wirklich nicht verstanden, denn Schulden und Ersparnisse sind definitiv nicht immer zwei Seiten einer Medaille! Es kommt auf die Art des Geldes an. Und Bitcoin ist – im Gegensatz zu Fiat-Währungen – eben kein Schuldgeld. Oder mit anderen Worten: die Bitcoin-Ersparnisse des Einen sind nicht die Schulden des Anderen.
Aber manchmal denke ich, er weiß ganz genau, was Bitcoin ist: Geld, das seine Nutzer von der Geisel zentraler Geldpolitik befreit! Denn im Gegensatz zu Fiatwährungen ermöglicht Bitcoin grundsätzlich Ersparnisse zu bilden! Jedem der möchte. Immer und überall. Ohne Bedingungen, ohne Einschränkungen durch Dritte. Und das akzeptiert er offenbar nicht, denn eine freie(re) Gesellschaft lehnt er als Verfechter der MMT ganz offensichtlich ab. Ihm geht es um souveräne Staaten, nicht um souveräne Individuen. Das lese ich auch hier zwischen den Zeilen:
„Wir denken betriebswirtschaftlich, also so, wie es für eine einzelne Person oder eine einzelne Firma sinnvoll ist – und schließen davon auf das große Ganze. Das ist menschlich. Aber es führt zu falschen Schlussfolgerungen. Ein klassisches Beispiel: Im Kino kann eine Person aufstehen, um besser zu sehen. Wenn aber alle aufstehen, sieht am Ende niemand besser. Es wird für alle nur unbequemer. So funktioniert Wirtschaft, nur etwas komplizierter und mit ernsteren Folgen.
[..]
Eine einzelne Person kann mehr sparen, um für die Zukunft vorzusorgen. Wenn aber alle mehr sparen, bricht die Nachfrage ein – und damit die Wirtschaft.“
Die individuelle Perspektive des Einzelnen ist also „zwar menschlich“, führt aber zu „falschen Schlussfolgerungen“… Du willst (mehr) sparen? Geht’s noch? Ein klassischer Fall von asozialem Verhalten… denn ein Kinobesucher (Sparer), der im Kino aufsteht (spart), um selbst besser sehen zu können, nimmt dadurch anderen die Sicht (killt die Wirtschaft)… also ganz klar: Sparen ist keine Tugend! Nein: Schulden! Das ist es Leute! Denn die Schulden von heute sind Eure Ersparnisse von morgen!
Warum verschweigt er dem geneigten Leser, dass es schlicht und ergreifend von der Art des Geldes abhängt, ob Ersparnisse und Schulden zwei Seiten einer Medaille sind? Wieso erklärt er nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob jemand gezwungen wird, Schuldgeld zu verwenden oder ob er sich aus freien Stücken für ein freies Geld wie Bitcoin entscheidet? Warum klärt er nicht über die ernsten Folgen zentraler Geldpolitik für das Leben des Einzelnen auf? Weil er es nicht besser weiß?
Es gibt ja diesen Spruch: „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“ Ich bin hin und hergerissen. Aber wie dem auch sei; sein „logisches Denken“, wie er es nennt, entbehrt jeglicher Logik: Wieso sollten denn plötzlich alle „zu viel“ sparen und „zu wenig“ ausgeben (oder Garnichts mehr), sodass „die Wirtschaft“ zusammenbricht? Wieso sollten plötzlich alle im Kino aufstehen, um besser zu sehen? Und wer sagt überhaupt, ab welchem Punkt „zu viel“ gespart, bzw. „zu wenig“ ausgegeben wird?
Für mich klingt das alles eher nach einer fadenscheinigen Begründung – einem klassischen Vorwand – um die Bürger durch eine zentrale Geldpolitik zu steuern! Sparen ist zwar menschlich, passt aber nicht ins System. Ergo: das Verhalten der Menschen muss zurechtgebogen werden, das Individuum wird ins System gepresst… Oder um in der Kino-Analogie zu bleiben: Um die Leute daran zu hindern, aufzustehen, werden alle kurzerhand an ihre Sitze gefesselt – zum Wohle aller! Das wird der Einzelne doch sicher verstehen…
Was geht in solchen Menschen vor? Ich meine, was sind das für „Ökonomen“, die anderen Menschen vorschreiben wollen, ob sie ihr Geld sparen dürfen oder ausgeben müssen? Was geht es denn andere an, ob oder wie viel jemand spart? Oder warum der Einzelne sein Geld jetzt gerade nicht ausgeben möchte? Vielleicht spart er auf etwas ganz Bestimmtes, einen besonderen Wunsch, den er sich eines Tages erfüllen möchte. Oder ein anderer spart, weil er genügsam ist oder ihm das aktuelle Produkt-Angebot einfach nicht gefällt. Oder ein Dritter spart für schlechte Zeiten, fürs Alter, für seine Kinder…. was ist daran bitte schlecht? Weil es schlecht für „die Wirtschaft“ ist? DAS ist der Trugschluss.
Was passiert denn gesamtwirtschaftlich betrachtet, wenn jemand sein Geld für eine bestimmte Zeit spart? Welches Signal sendet er denn dadurch an „die Wirtschaft“? Und werden die Coins der anderen in dieser Zeit tendenziell mehr oder weniger Wert?
In diesem Sinne:
„[Bitcoin] ist im Kern logisches Denken. Man könnte [es] problemlos in Mathematik unterbringen. Wer versteht, dass [Bitcoin] und Ersparnisse immer zwei Seiten derselben Medaille sind, ist schon einen großen Schritt weiter als viele Wirtschaftskommentare.“
PS: Wer Sats stapelt, steht im Kino nicht auf, er setzt sich hin ;)