Bitcoin als Währung für Kriminelle und als Stromverbrauchsungeheuer sind nur zwei Elemente einer derart verfestigten Erzählung über Bitcoin, die man wohl in Deutschland nicht mehr überwinden können wird. Der Drops ist gelutscht. Ähnlich wie mit der Atomkraft: Da prallen die Pro-Argumente ebenfalls teflonartig ab. Ideologie schlägt Logik, und zwar zehn zu null.
Interessanter ist die Debatte über die Auswirkungen in der realen Welt. Im Gegensatz zur Atomkraft kann man Bitcoin bekanntlich nicht einfach staatlicherseits verbieten oder abschalten, aber durchaus empfindlich regulieren. KYC ist da schon fast am Anschlag, aber steuerlich ist noch viel Luft nach oben. Auch sonst läuft alles auf künftige Steuererhöhungen für Wohlhabende hinaus. Wie weit man da gehen kann, weiß ich nicht, aber die 70 Prozent Reichensteuer, die die Sozialisten in Frankreich eingeführt haben, hat sich als Bumerang erwiesen. Die Sozialisten gibt es nicht mehr und die Steuererhöhungen wurden kassiert.
Nehmen wir mal an, die Grünen hätten ab September ein Wörtchen mitzureden. Klar, sie sind maximal Bitcoin-feindlich und werden auf jeden Fall die 1-Jahres-Haltefrist kippen wollen. Damit haben sie gute Chancen durchzukommen. Aber eine massiv erhöhte Steuer für Bitcoin im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen erscheint mir maximal unwahrscheinlich. Das ist zu angreifbar, sie werden andere Probleme haben, um die sie sich kümmern müssen.
Im Endeffekt bleibt dann eine moderate Anhebung der Besteuerung übrig, wenn man mal vom Worst-Case einer Rot-Rot-Grünen Regierung absieht. Muss uns das stören? Ich glaube nicht.
Wesentlich mehr Sorgen bereitet mir die Tatsache, dass mit der oben beschriebenen verfestigten Erzählung (Stromverbrauch, Kriminelle etc.) der nächste digitale Trend an Deutschland vorübergehen wird. Wir sind dann immer noch das Land der Handwerker und Maschinenbauer, aber das Geld verdienen andere. Wahrscheinlich waren wir noch nie das innovative Land, als das wir uns gerne hinstellen, aber der Niedergang ist dann doch mit Händen zu greifen.
Gerade für diesen Fall - der mir aus vielen Gründen als sehr wahrscheinlich erscheint - ist Bitcoin für mich die ideale Rückversicherung. In einem Land, das kaum noch produktiv ist und in der Hauptsache vom Stimulus der EZB abhängig ist, kann ich mich mit Bitcoin bis zu einem gewissen Grad aus diesem Abwärtsstrudel aus niedriger Produktivität und schwacher Währung heraushalten. Mein Einkommen wird in einen wirklich sicheren Wertspeicher überführt, ohne dass ich auswandern müsste. Sollte es allzu schlimm werden - wovon ich nicht ausgehe -, kann ich immer noch auswandern.
Alle anderen schauen freilich in die Röhre, aber sie haben ja dann auch in der Mehrheit Grüne, Rote oder ganz Rote gewählt. Entscheidungen haben Folgen. Wir können uns nicht vorwerfen, nicht gewarnt zu haben.