Ich habe Deutschland bereits verlassen und mich bewusst so positioniert, dass ich mir mehr Optionen offenhalte. Dazu gehört auch, über Dinge wie einen zweiten Pass nachzudenken, weil ich verstehe dass sich Systeme verändern können.
Die aktuelle Debatte rund um Ausreise, 17–45 Jahre usw. zeigt für mich weniger ein konkretes „morgen passiert X“, sondern eher, in welche Richtung das System mit Verfügbarkeit, Zugriff und Steuerbarkeit geht. Das heißt nicht, dass morgen jemand an der Grenze steht und dich aufhält.
Aber es heißt auch nicht, dass alles für immer so weich und offen bleibt, wie es sich die letzten Jahre angefühlt hat.
Ich versuche nicht, die Politik zu bekämpfen oder jemandem die Schuld zu geben.
Ich sehe das eher wie ein Spielfeld mit bestimmten Regeln.
Man kann sich darüber aufregen oder man positioniert sich innerhalb dieses Spielfelds so, dass man mit den möglichen Entwicklungen umgehen kann. Deshalb habe ich mich für meinen Weg in Vietnam entschieden (dies war eins von vielen Gründen). Nicht weil „Deutschland schlecht“ ist. Nicht weil „Auswandern die Lösung für alle“ ist. Und auch nicht, weil ich glaube, dass ich irgendetwas kontrollieren kann. Sondern weil ich verstanden habe, dass jede Position Konsequenzen hat.
Wenn du komplett im System bleibst, hast du bestimmte Vorteile aber auch eine stärkere Abhängigkeit von dessen Entwicklung. Wenn du rausgehst, hast du mehr Distanz und Optionen aber auch andere Risiken, Unsicherheiten und Verantwortlichkeiten. Beides ist legitim. Nur tun viele so, als gäbe es diese Unterschiede nicht.
Ohne gültigen Pass bist du faktisch extrem eingeschränkt. Selbst ohne „klassisches Verbot“ wird dein Handlungsspielraum massiv reduziert. Es ist heutzutage einfach jemanden einen Pass wegzunehmen (online/digital - deutsche Botschaft stellt in keinem Land mehr einen aus). Deshalb denke ich über Alternativen wie einen zweiten Pass nach. Nicht aus Lifestyle-Gründen, sondern weil ich verstehen, dass Identität, Staatszugehörigkeit und Bewegungsfreiheit am Ende systemisch kontrollierte Schnittstellen sind.
Viele Menschen leben so, als wären Bewegungsfreiheit, Rückkehrmöglichkeit, Auffangsysteme und Optionen einfach naturgegeben. Aber das sind sie nicht. Das sind historische Zustände und historische Zustände können sich verändern. Ich sehe das Ganze deshalb nicht moralisch und auch nicht parteipolitisch.
Viele reden über Freiheit. Wenige positionieren sich so, als wäre sie ihnen wirklich etwas wert.
