AfD und Bitcoin?

…und was ist am „Protestwähler-sein“ denn schlecht?

Ergänzend dazu habe ich überwiegend geschrieben. Bedeutet nicht 100% ;-)

Überwiegend bedeutet aber mehr als 50%. Im Vergleich zur EU-Wahl hat sich das WahlErgebnis „nur“ um ca. 30% erhöht. Alle anderen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens das zweite Mal ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Bezogen auf die letzte Bundestagswahl waren es ca. 50% die die AfD wieder gewählt haben (wegen größerer Zahl der Wahlberechtigten dank Wahl ab 16 ist das nicht ganz korrekt, es soll nur eine Richtung deuten)

Also was sind Protestwähler?
Wie lange gilt man als Protestwähler, wenn man mehrfach dieselbe Partei wählt?
Ist nicht jede Wählerwandung Jahr für Jahr auf Protest bzw. Unzufriedenheit mit der jeweils anderen Partei begründet? Hat demnach nicht jede Partei Protestwähler unter sich?

Meines Erachtens hat der Kampfbegriff Protestwähler von Seiten der Mainstream-Presse nur den Zweck die Wähler zu diffamieren.
Keiner der Wähler soll ernst genommen werden.

Solange dieselben Wähler aber vorher noch brav eine der Altparteien gewählt haben, waren sie noch gut genug.

2 „Gefällt mir“

Man bleibt vermutlich protestwähler, bis der protest erfolgreich war. Wäre meine these.

Ich hau mal ne prognose raus:
In 10 jahren ist die afd (hoffentlich) wieder bei 5%, da wieder bessere politik gemacht wird. Hoffnung stirbt zuletzt und so

1 „Gefällt mir“

Ich stimme dir da vollkommen zu, dass nur durch einen Politikwechsel diese Wähler wieder eingefangen werden könnten.
Das stößt aber natürlich den Wählern auf den Magen, die genau die bisherige Politik möchten. Allen kann man es nicht Recht machen. Es bleibt den Parteien zu entscheiden, für welche Wähler sie sich entscheiden.

eher nicht.
Der Bodensatz liegt traditionell bei ca 13% - und die werden bleiben, ausser es bildet sich eine neue Rechte und verteilt sich dadurch.

Lt Berichten sind aktuell im Osten ca 40% der Mitglieder rechtsradikal bis extrem.
Insgesamt geht man von 30% bis 60% aus.
Wo sollen die bleiben?

Klar, bei der letzten Wahl ist viel irrlichternde Jungwählerschaft enttäuscht von der FDP zur AfD gewandert - die sind vermutlich bei vernünftigenm Angebot wieder wegzuholen.
Wer von den Grünen zur AfD gewandert ist, bei dem ist vermutlich nicht zu helfen, der war vorher auch schon nur irrtümlich bei den Grunen gelandet.

2 „Gefällt mir“

Meines Erachtens liegt der Erfolg sozusagen am östlichen „völkischen“ Flügel. Die AFD ist ja nicht homogen, da gibt es sozusagen auch die westlich orientierten Transatlantiker, die östlich orientierten Eurasier, dann gibt es Liberale und Kapitalisten und es gibt vor allem in Mitteldeutschland eher Vertreter eines starken Sozialstaates.

Die Frage ist wer sich da durchsetzt bzw. was beim potentiellen Wähler ankommt. Neue Liberale braucht ja kein Mensch. Da kann man auch FDP oder Union wählen. Das Alleinstellungsmerkmal der AFD kann ja nur Sozialstaat, aber eben nur für Deutsche ohne allzu zu große Einwanderung sein. Und noch eine Abkehr vom amerikanischen Einfluss. Wofür Trump gerade schon selber sorgt. Alles andere bieten ja die andere Parteien.

Und sollte die AFD mal tatsächlich in Verantwortung kommen, warum auch immer, sei es über eine aus meiner Sicht utopische Mehrheit oder das Fallen der Brandmauer, dann wird sie wahrscheinlich gerade an dieser Heterogenität zerbrechen.

Da bin ich mir nicht so sicher. Eine neue liberale Partei, die sich auch glaubwürdig für ihre Positionen einsetzt, die sie verspricht, würde sicher gut ankommen. FDP und CDU haben sich da meiner Meinung nach immer weiter von entfernt.

Inwiefern haben die sich von einer liberalen Geisteshaltung entfernt?

Ich möchte dich hiermit jetzt nicht konkret ansprechen, weil ich natürlich nicht weiß, ob das auf dich zutrifft, aber ich glaube, da besteht bei vielen ein grundsätzlicher Irrtum woher das, was viele zu recht kritisieren überhaupt kommt.

Nehmen wir die Massenmigration als Beispiel. Die ist eben das Ergebnis der liberalen Geisteshaltung. Was natürlich nicht liberal ist, ist, die Menschen über den Sozialstaat dazu zu zwingen diese auch zu bezahlen.

Aber was war zu erst da? Dass man die Migration auch bezahlen muss ist Folge einer liberalen Geisteshaltung die zur Migration erst führt, welche dann eben auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und staatliche Strukturen trifft, die darauf nicht vorbereitet sind und in Folge hat man eben Kosten.

Der nächste Schritt ist dann aber die Menschen alleine zu lassen, weil das eben kaum noch finanzierbar ist. Also mehr Eigenverantwortung. Zynischer kann es ja kaum noch sein. Erst sorgt man für die Zustände, dann lässt man die Menschen alleine und sagt ihnen, sorgt mal selber für euch. In Eigenverantwortung hätten die Menschen einem solchen Umbau von Gesellschaft und Nation niemals zugestimmt.

Man arbeitet hier daran eine EU nach us-amerikanischem Vorbild zu schaffen. Was gibt es da liberaleres?

Solange wir uns als Gesellschaft nicht aufrichtig um die klassisch roten Themen, wie soziale Gerechtigkeit, Interessen der ‚Arbeiterklasse‘, Versorgung alleinerziehender Mütter, Alter, Kranker… kümmern, wird Blaubraun weiter zulegen, und grüne Themen rutschen auf der Prio-Liste nach unten. Um so mehr, da D und die EU als ganzes jetzt unfreiwillig in den Rüstungsmodus gehen müssen (!), geht die Aufmerksamkeit erstmal dahin. Im Hinblick auf das Klima ist das katastrophal. Der Physik ist Parteipolitik nämlich herzlich egal.

Man hört seit der Wahl von der AfD erwartungsgemäß wenig. Die müssen mit der neuen geopolitischen Gemengelage auch erstmal klarkommen. Damit, dass Musk nur Wochen nach seinem feuchte-Augen-Video mit der Kanzlerin der Herzen so dermaßen freidrehen würde, hat sicher niemand gerechnet. Und dass Trump, der Gesinnungsgenosse und Diktator-in-spe, Deutschland so in den Rücken fallen würde, stellt die ganze Value Prop der AfD infrage.

Aber zurück zum Thema: Wenn nach Drogengeld-FUD und Energieverbrauch-FUD, jetzt auch noch die meistgehassteste Partei der Nachkriegsgeschichte Bitcoin vor ihren Propaganda-Karren spannen will, ist das sehr schlecht für Bitcoin. Und wenn sie ehrlich wären: Wenn die AfD eine Sache nicht will, dann wäre es die Trennung von Staat und Geld. Für kein Parteiprogamm wären CBDCs so wünschenswert wie für die Ein-Themen-Partei.

Wenn wir uns das Wahlprogramm der AfD anschauen, kann von Sozialstaat nicht die Rede sein. Da gab es vor allem Steuererleichterungen für die Reichen. Aber genau wie die Trumpists in USA denkt der deutsche Michel, das sei nicht wichtig, träfe auf ihn nicht zu. Derweil schichtet Trump gerade das Geld aus den Pensionsfonds (meinem auch) in die Taschen seiner Bros um. Das wäre hier - im sehr viel engeren Rahmen der dt. Verfassung - ähnlich.

nicht nur das.
Im Osten haben die Nachfolgeparteien drr SED vollständig versagt. Sie haben sich als die Kümmerer nach der Wende, die sie ursprünglich erfolgreich waren, von den mit den Springerstiefeln spätestens da in die Ecke stellen lassen, als die plotzlich statt Stiefeln Anzüge trugen.
Im Westen hat die SPD ihre Stammklientel schlichtweg verraten und marginalisiert. In diesem Zusammenhang ist auch die von dir angesprochene Migrationspolitik zu sehen. Genau die ursprüngliche Klientel der SPD fühlt sich doch am meisten durch die Migration bedroht.

Das Kasperletheater um die neue Koalition machts auch nicht besser, das zeigt doch eindeutig, die SPD hat immer nicht verstanden.
Und so holt man Menschen nicht zurück.

1 „Gefällt mir“

Ja, es gibt aber eben diesen Flügel. Der sog. Höcke Flügel. Die AFD ist da nicht homogen.

Ich verstehe aber deinen Optimismus bezüglich Bitcoin da nicht.

Ausgehend davon, dass auch die AFD zum größten Teil, wie Trump auch und andere, Vertreter der Besitzenden sind, fällt es doch eben auf, dass diese den Bitcoin hypen.

Macht dich das gar nicht stutzig? Wenn wir morgen den Schnitt hätten, das Fiatsystem crasht und Bitcoin wär da, wo würden sich denn Milliarden Menschen wiederfinden? In Freiheit? Nee, eben nicht. Wir hätten eine Neofeudalismus und ewige Sklaverei. Denn was vergessen oder bewusst ignoriert wird, ist, dass das Fiatsystem zwar über ein gesundes Maß hinaus einzelne wenige bevorteilt, aber auch den Massen zumindest ein gesundes Maß an Freiheit und Wohlstand garantiert.

1 „Gefällt mir“

Mit dem Thema Osten hab ich mich sehr viel befasst, als ich vor zehn Jahren nach langen Jahren im Ausland nach Berlin zog und mein Land nicht wiedererkannte. Da war zunächst die propagandistische Verortung der Nazis hinter den antifaschistischen Schutzwall ohne Aufarbeitung zu Hause. Da war natürlich auch die wirklich mies gelaufene Treuhandnummer, auch wenn man wschl. viele Betriebe ohnehin hätte abwickeln müssen. Ich habe mir so manche Einzelschicksale von Leuten angehört, da haben viele Leute sehr demütigende Erfahrungen gemacht. Sowas brennt sich ein.

Ich kann die Entstehung tradierter (!), kollektiver Unzufriedenheit einerseits (sozial) -psychologisch und innerfamiliär nachvollziehen, anderseits ist die Wende als politisch-wirtschaftlicher Prozess ein viertel Jahrhundert her. Absolut jeder hat in diesem Land eine Chance, es zu was zu bringen, wenn er will. Angela Merkel und Cem Özdemir sind lebende Beweise dafür. Kann schon sein, dass ein sächsischer Akzent dabei hinderlich ist, und das sollte auch so nicht sein. Aber sich auf den Ungerechtigkeiten von vor einem Viertel Jahrhundert auszuruhen, oder als junger Mensch Papas Gejammer am Mittagstisch unhinterfragt zu übernehmen, und sich als Opfer zu gerieren statt die eigenen Geschicke in die Hand zu nehmen, finde ich inakzeptabel.

Neofeudalismus

Genau so isses. Das Wesen des Menschen, die Psyche, das Motivationssystem, wie es seit Jahrtausenden unverändert besteht, ändert sich nicht dadurch, dass man eine andere Form des Geldes einführt. Trotzdem halte ich die Trennung von Staat und Geld, und die möglicherweise utopische Idee, dass Fiat irgendwann durch ein unzensierbares, globales, hartes Geld ersetzt wird, für notwendig.

Übrigens sehen wir gerade, wie early wir noch sind. Und zwar daran, dass der Goldpreis gerade durch die Decke geht, während Bitcoin so vor sich hineiert. Die Anleger denken noch in alten Kategorien.

1 „Gefällt mir“

Es sind ja neben dem Wesen des Menschen letztlich die Besitzverhältnisse die Macht zementieren und nicht die Art des Geldes.

In einer Bitcoinwelt hätten was weiß ich 90% der Menschen wie auch heute schon nichts, während 10% Besitz an Land, Produktionsmitteln, Ressourcen usw. hätten und darüber über die 90% Herrschaft ausüben würden.

Es ist in meinen Augen ein Missverständnis vieler Fiatgeldsystemkritiker, zu denen ich mich letztlich ja auch zähle, anzunehmen, dass Macht in erster Linie über das Geld bzw. die Druckerpresse ausgeübt würde.

Macht wird aber im Gegenteil über Besitz und über Narrative ausgeübt, mit denen man die Menschen erzieht. (Man kann auch viel Geld besitzen und trotzdem keine Macht haben/ausüben.)

Da war vor allem Ergebnis des kollektiven Erinnerns daran, dass wir Deutschen vor 80 Jahren komplett ausgebombt wurden und viele, meine Mutter eingeschlossen, Kriegsflüchtlinge wurden. Flüchtlinge aufzunehmen ist vielmehr eine - in der Verfassung verankerte - humanitäre Handlung als das Produkt einer politischen Geisteshaltung. Zweifellos hätte das besser laufen müssen, und es ist immer noch nicht gut geregelt.

Außerdem hat Deutschland ein Demografieproblem, das unbedingt und ASAP mitigiert werden muss. Wer wissen will, was passiert, wenn man dies verschläft, schaue nur nach Japan oder China. Letzteres Land blickt nach Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik auf eine Alterspyramide, die einem Geodreieck gleicht - nur auf dem Kopf.
Einwanderung ist volkswirtschaftliche Notwendigkeit.

Glaub mir, als Neuköllner bin ich persönlich auch nicht glücklich mit manchen Entwicklungen, die durch Einwanderung entstehen. Aber irgendwer muss halt meine Rente zahlen, und mir den Hintern abwischen, wenn ich irgendwann ins Altenheim muss.
Hätte ich halt mehr Kinder in die Welt setzen sollen. ;-)

Ja, am Besten nur Männer, nichtwahr? ;-)
Und am Besten nur Männer die gut mit Messern können, oder?

2 „Gefällt mir“

Ich bin gerade dabei, meine Schwester zu orangepillen. In dem Kontext hab ich mir wieder Gigi angehört (gibt’s umsonst als Audiobook bei Aprycot). Hör’ dir mal an, was der dazu zu sagen hat.
Sowieso sehr wissenswert und unterhaltsam, was Gigi da in seiner dünnen Fibel abgeliefert hat.

Ich glaube, dass die Zeiten der idealistisch motivierten Politiker und großen Staatsmänner vorbei sind, weil die Moral / Ethik, die u.a. durch die Kirchen propagiert wurde, zunehmend in den Hintergrund rückt. Auch rückt das große Leid, das durch den Krieg entstanden ist, als Motivator in den Hintergrund. Willy Brandts Kniefall z. B. hatte auch mit seiner eigenen Biografie zu tun. Solche Biografien gibt es heute nicht mehr. Im Gegenteil: Dinge, für die man sich vor 30, 50 Jahren geschämt hätte, sind heute salonfähig. Und das in allen Lebensbereichen. So auch das vor-sich-hertragen von Neurosen und das Trendy-Sein des Insta-Rebellen. Früher hat ein Halstattoo nicht gereicht, um bei den Damen zu punkten.

1 „Gefällt mir“

Das sehe ich etwas anders. Wobei die Motivation das zu befürworten sicherlich auch individuell unterschiedlich ausfallen dürfte und das von dir genannte Motiv sicherlich auch oft eine Rolle gespielt haben dürfte.

Grundsätzlich lässt sich aber doch sagen, dass in einer kapitalistischen Welt letztlich keine großen Entwicklungen ohne die Zustimmung von Kapitalisten stattfinden dürften. Der Kapitalismus den wir heute haben ist eng mit dem Liberalismus verknüpft. Eigentlich ist das ein nahezu deckungsgleicher Begriff.

Es ist der größte Schachzug der Kapitalisten, die Massenmigration Linken in die Schuhe zu schieben, die diese zwar argumentatorisch auf emotionaler Ebene begleitet haben (was blieb ihnen auch anderes übrigen) aber doch sicher nicht ursächlich dafür verantwortlich waren. Aus der Union ist natürlich keine linke Partei geworden und Merkel ist zwar eben eine linksliberale =kapitalistische Kanzlerin, aber eben keine Linke.

Auf emotionaler Ebene wurde das vielfältig begründet. Meistens mit der deutschen Geschichte. Damit wurde gewissermaßen der Widerstand gebrochen. Denn es ist natürlich auf dieser Ebene unanständig, gegen die Aufnahme zu sprechen.

Am Ende ist das aber ein kapitalistisches Programm wovon man auf vielfältige Art und Weise profitiert. Also ein liberales Programm. Über die Migration bekommt man Lohndrücker, Niedriglöhner, Preistreiber für den Wohnungsmarkt, einen Hebel zum Sozialstaatsabbau (nicht finanzierbar) und grundsätzlich ist das ein Programm zur Umverteilung von Volksvermögen in die Taschen der Privatwirtschaft. Jeder so neu generierte Transferempfänger bezahlt mit Geld, was man auch in Infrastruktur, Gesundheit, Bildung usw. hätte stecken können, seinen Konsum zum Lebensunterhalt.

Zusätzlich werden viele Migranten, die natürlich selber Opfer sind, unter eigentlich recht menschenunwürdigen Bedingungen irgendwo dauerhaft geparkt, ihnen wird suggeriert, dass man sie hier brauchen würde, was in vielen Fällen natürlich nicht wirklich stimmt usw. usf.

Daran ist nichts links. Das ist linksliberal=kapitalistisch.