Unser Lehrer hat zwar völlig recht, wenn er auf den Freiheitsdrang unsere Urahnen hinweist, doch lässt seine Betrachtung etwas nicht unwesentliches völlig vermissen. ;)
Die „germanisch“/deutsche Geschichte ist voll mit Bruderkämpfen, Uneinigkeit, Intrigen, Zwist und Streit. Nicht nur historisch, sondern der „Nachbar/Bruderstreit“ durchzieht sich auch durch die gesamte deutsche mittelalterliche Literatur, durch Sagen und Mythen. Z.B. Siegfried.
Auch Arminius, der Befreier Germaniens, wurde am Ende Opfer einer Intrige durch „die Eigenen“.
Scheint also Fluch und Segen zu sein.
Deutschlands politische Organisation bildete diesen Freiheitsdrang und die Souveränität der Stämme wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte immer ab.
Wenn man sich heute Europa anguckt wird man feststellen, dass Deutschland umgeben ist von lauter Zentralstaaten.
Ich kenne jetzt nicht die Geschichte jedes dieser einzelnen Länder, würde aber behaupten, dass diese auch in den Jahrhunderten davor in der Regel schon Zentralstaaten waren.
Also waren Deutschlands Feinde in der Regel Zentralstaaten.
Ein Zentralstaat hat folgende entscheidende Vorteile gegenüber einem föderalistischen System:
Er ist politisch weniger träge und kann schneller Entscheidungen treffen, er herrscht weniger Konkurrenz, also Streit untereinander, er ist von Aussen weniger anfällig für Intrigen die „Teile und Herrsche“ zum Ziel haben…
Bürokratie haben sie alle. Zentralistische Systeme wie auch föderalistische Systeme. Letztere sogar mehr, denn sie haben ja mehr Ausnahmen von der Regel. :)
Es ist kein Zufall, dass Napoleon aus Deutschland einen Flickenteppich gemacht hat und es ist auch kein Zufall, dass die Einigung zunächst am Widerstand durch die ganzen Fürsten gescheitert ist.
Denn wer will schon gerne seine Macht verlieren. In dem Kontext entstand dann übrigens auch: Deutschland über alles. Also nicht das Kleinklein und die Macht einzelner Fürsten sondern Deutschland sollte wichtig sein.
Rom ist nicht am germanischen Föderalismus zerfallen, sondern an der eigenen Grösse und daran, dass immer mehr „Fremde“ im Senat sassen die keine Römer waren. Also letztlich nicht an zu viel Einigkeit sondern am genauen Gegenteil.