Was ist eigentlich Sozialismus, kann er funktionieren oder ist er sogar notwendig?

Und was war während der britischen Kolonialzeit anders zu heute?

Gar nichts. Die Inder wurden auch während der Kolonialzeit ausgebeutet so wie sie im Kapitalismus ausgebeutet werden.

Nur heute ist das Kapital globaler, damals waren es “nur” britische Kapitalisten.

Aber danke für die Vorlage.

Das Gegenteil ist richtig. Indien versuchte nach der Kolonialzeit durch sozialistische Maßnahmen die Folgen der Kolonialzeit zu überwinden und seit den 90er findet wieder der Rückschritt statt.

Ja, dann sind wir wieder bei den Floskeln: alles was schlecht ist wird halt Kapitalismus genannt, … :woman_shrugging:

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Nein, Kapitalismus wird etwas genannt, wenn es Privateigentum an Dingen wie Land, Rohstoffe usw. gibt. Wenn der Privatbesitz also einzelne Menschen befähigt große Macht auszuüben.

Das haben wir gerade erst vor wenigen Beiträgen wieder einmal festgestellt. Ja, du weiterhin nicht. Dir muss man das alle paar Beiträge wieder in Erinnerung rufen. ;)

Und natürlich gab es das während der Kolonialzeit und allg. im 19 Jahrhundert.

Die tun das im Auftrag von Kapital was eben mächtiger ist, bessere Lobbyarbeit geleistet hat oder die Menschen erfolgreicher korrumpiert hat.

Alles was im Kapitalismus geschieht, geschieht, weil Kapitalisten das so wollen. Kapitalisten machen die Regeln im Kapitalismus. Und natürlich gibt es Kapitalisten die mehr Macht haben als andere.

Besitz ist aber keine alleinige Erfindung von Menschen: Jedes Tier, jede Pflanze besitzt seien Körper, Jagttiere verteidigen ihr Revier als Besitz, Ameisen halten sich Läuse als Haustiere,…

Das Konzept von Besitz wirst du nicht abschaffen können, es steckt viel tiefer in uns als du glaubst.


Besitz ist ein evolutionäres Konzept um selber herauszufinden, was für Einem ein Vorteilhaft ist und was nachteilig ist.

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Aber das spielt doch keine Rolle bei der Frage wie wir uns als Gesellschaft organisieren. Es ist kein Naturgesetz, dass dem Adelsgeschlecht x der Wald y gehören muss oder dass sich nun ein US-Kapitalist ukrainische Rohstoffe unter den Nagel reisst.

Sondern das liegt am kapitalistischen System welches Menschen erschaffen und organisiert haben und entsprechend kann man auch andere Systeme erschaffen und organisieren.

Aber interessant, dass du das mit Ameisen vergleichst die sich Läuse als Haustiere halten…

Entsprechend sind Kapitalisten also Ameisen die sich Läuse halten. Nicht ganz zutreffend, aber auch nicht ganz abwegig. ;)

Natürlich spielt das eine große Rolle.

Wenn du Kapitalismus nur über Besitz erklärst, dann ist ALLES Kapitalismus, weil alles evolutionär voran geht, denn all diese Lebewesen definieren sich über ihren Besitz. Ja ihre Einflussnahme oder Machtausübung funktioniert NUR über ihren Besitz.

Oder anders gesagt: Jedes Objekt ohne Besitz hat auch keine Macht irgendwas in der Welt zu ändern und wird deswegen von anderen Mächten überrollt (oder in Besitz genommen).


Wenn du diesen Kapitalismusbegriff aber so definierst und gleichzeitig ablehnst, dann lehnst du die Realität der Welt ab :woman_shrugging:

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Ohne Besitz (Eigentum) keine Verantwortung!

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Nein. Nicht alle Lebewesen erklären irgendeine Art von Privatbesitz. Vögel haben in der Regel z.B. kein solches Revierverhalten. Dann geht es im Kapitalismus selbstverständlich um Besitz der über den eigenen Körper hinausgeht und nicht zwingend für das Überleben ist.

Man braucht persönlich keinen Wald besitzen oder keine Rohstoffmine. Davon ist die Existenz nicht abhängig.

Aber die Existenz vom Wolfsrudel unter Umständen wenn sich in das Revier ein anderes Rudel begibt.

Das sind völlig unterschiedliche Dinge du da wieder einen Topf wirfst.

Stimmt nicht.

Guck dich mal in Japan um.

Die Straßen sind sauber. Die Plätze sind sauber.

Trotz dem es alles öffentliches Eigentum und die Straßen nicht in privater Hand sind.

Dass alles verwahrlost ist der kapitalistischen Konditionierung zu verdanken.

Dann nenn mir doch mal ein Beispiellebewesen, dass nicht wenigstens seinen Körper oder seine Nahrung als Besitz benötigt…

Auch Vögel benötigen Nahrung, haben einen Körper und benötigen einen Stoffwechsel EGAL ob sie daran Denken das als Besitz zu erklären oder nicht.

Nur weil Menschen darüber nachdenken können und es als Besitz, Macht, Einfluss oder sonstwie benennen heißt es nicht, dass die Vögel, Pilze der Vieren nicht den gleichen Grundgesetzen des Lebens unterworfen sind.

Mal als Analogon deines Besitzverständnisses: Man braucht kein Jagtrevier um Beute zu fangen? Man braucht keine Nahrung um überleben zu können? Man muss als Vogel keine Insekten töten um selber zu überleben?

Nein, was du hier von dir gibst ist einfach nicht zuende gedacht.

Es gibt nunmal Macht oder Einfluss wenn man den Wald trotzdem besitzt. Und damit kann man dann Lebewesen beeinflussen, die diesen Wald nicht besitzen, beispielsweise sein eigenes Essen und damit Überleben sichern.

Diese Machtkämpfe wird es immer geben, ob du sie gut findest oder nicht.

Nein, das ist das zuende Denken von Besitz und Leben. Solange du dich aber nur auf der menschlichen Ebene bewegst und den Besitz von anderen Lebewesen nicht würdigst, solange wirst du auch nicht verstehen, warum Menschen das Konzept von Besitz benötigen.

Man kann Besitz nicht einfach überall heraus streichen und dann sagen: Wird schon gut gehen. Du vernachlässigst damit eines der fundamentalen Grundgesetze der evolutionären Entwicklung. Und diese Entwicklung geht auch innerhalb der Menschheit voran. Aber die Menschheit ist eben nur ein sehr kleines Teilgebiet der Evolution. Solange du dich also nur auf die Menschen fokussierst wirst du nie einen guten Überblick darüber bekommen, wie Gesellschaften aufgebaut sein sollten.

Mal eine Frage: Hast du dir nie die Frage gestellt, warum sozialistische Gebilde immer scheitern?

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Warum schreibst du eigentlich so viel nur um mich zu immer präziseren Def. zu bringen? Du weißt selbst ganz genau, dass es nicht um den eigenen Körper geht und du weißt auch ganz genau, dass es etwas vergleichbares in der Tierwelt nicht gibt.

Tiere besetzen und besitzen nicht mehr als sie für ihr Überleben brauchen.

Im Kapitalismus besetzen und besitzen manche Menschen viel mehr, als sie brauchen, einfach weil sie noch mehr haben wollen.

War das jetzt präzise genug? Für die meisten ja. Für die, die es nicht verstehen wollen bzw. absichtlich missverstehen wollen, sicher nicht.

Weil der Kapitalismus es nicht zulassen darf, dass es das gibt.

Aus folgenden Gründen:

Weil Kapital sich vermehren will. Das ist das Urinteresse von Kapital.

Deswegen will es überall investieren, die Produkte sollen überall verkauft werden können. Man möchte möglichst Zollfreiheit, Steuerfreiheit.

Kapital will keine Grenzen.

Deswegen ist jede Gesellschaft die dem Kapital Grenzen setzt ein Dorn im Auge und darauf wird mit Sanktionen reagiert oder auch mit Krieg. Bis man die Gesellschaften kapitalistisch umerzogen hat.

Das ist doch auch genau das was man immer hört. Zu viel Staat, zu viel Regularien, zu viele Steuern usw. Das sind Grenzen die national gesetzt werden und die weg sollen. Und dasselbe gibt es auf globaler Ebene zwischen Staaten auch.

Und natürlich darf es ein erfolgreiches Gesellschaftsmodell in dem es diese Art von Privatbesitz nicht gibt auch deswegen nicht geben, weil es ja sonst als Vorbild dienen könnte und die kapitalistische Schmarotzerklasse sonst Gefahr laufen könnte, dass man sich das als Beispiel nimmt.

Die haben kein Interesse an souveränen Völkern die über ihr eigenes Land selbst bestimmen. Ist doch wohl klar.

Edit:

Kapital will keine Grenzen.

(Und das ist übrigens auch einer der gemeinsamen Anknüpfungspunkte mit den linken “no Borders no Nation” und warum es so leicht gemacht wird, diese Sachen Linken in die Schuhe zu schieben. Denn letztlich sind auch viele Linke (nicht alle) eben für das Ende von Nationalstaaten usw. Aber eben aus anderen Gründen als es das globale (nicht nationale) Kapital ist. Das nationale “kleine” Kapital kann vom Nationalstaat profitieren.

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Kapitalismus: Der Staat möchte, dass die Bürger Geld haben (Finanzbildung, niedrige Steuern, aktienbasierter Staatsfonds für Rente, offen gegenüber Innovationen, bitcoinfreundlich, wenig Regulation), um Produkte und Waren zu kaufen, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Wettbewerb zu stärken. Damit letztendlich die Menschen davon profitieren. Größtmögliche Freiheit.

Sozialismus: Der Staat betrachtet seine Bürger als unmündige Wesen die an die Hand genommen werden müssen. Er möchte, dass die Menschen wenig Geld verdienen und abhängig von staatlicher Fürsorge bleiben. Der Staat erhebt hohe Steuern (Staatsquote) die er dazu nutzt um seine spätpubertären Vorstellungen, wie die Welt zu funktionieren hat, zu verwirklichen. Auf dem Nachttisch der Politiker liegt die Mao Bibel. Größtmögliche Gängelung. Die Menschen bleiben arm, und die Wirtschaft unterentwickelt. In den Straßen stinkt es, und die Häuser sind grau. Die Mundwinkel der Menschen ziehen gen Süden.

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Nein, ich schreibe so viel um dir zu zeigen, dass die Gesellschaft der Menschheit nicht einzigartig in der Natur ist.

Mal als Annalogie: Du bist auf dem Standpunkt des Geozentrischem Weltbildes, was ganz natürlich ist weil wir nunmal als Menschen ersteinmal nur unsere eigene Sichtweise (eben geozentrisch) auf die Welt sehen.

Aber die Welt ist deutlich vielfältiger als das was wir einfach nur mit unseren eigenen Augen sehen können. Wenn du also deinen Blickwinkel erweiterst und dich nicht rein auf Gesellschaften fokussierst, dann kannst du sehr viele Parallelen oder andere Gesellschaften erkennen, die es auch ohne Menschen gibt (Ameisenstaaten z.B.). Und von diesen Gesellschaften kannst du dann wieder auf unsere menschlichen Gesellschaftsform zurück schließen: Was läuft gut, was läuft schlecht usw.

Wie gesagt, das Konzept des Besitzes ist fundamentaler als nur von den Menschen entwickelt. Wir sind uns dieses Konzeptes nur bewusst. Angewendet wird es trotzdem überall in der Natur. Man erkennt es aber nur, wenn man auch willens ist das zu akzeptieren und die Analogienen zu sehen.

Wo ist also der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Besitz eines Jagdtreviers und dem Besitz eines Grundstückes. Genauso wie eine Katze oder ein Wolf sein Jagtrevier verteidigt, so verteidigen auch die Menschen ihre Grundstücke. Und natürlich bedeutet Besitz nicht, dass kein anderes Lebewesen in diesem Besitz sein darf, Pflanzen, Bäume oder andere kleineren Tiere wie Insekten, Spinnen oder Pilze gibt es trotzdem auf jedem Grundstück. Besitz bedeutet, dass man gegenüber der eigenen Spezies erlaubt bzw. verbietet dieses zu betreten und diese „Regel“ kann man nur durchsetzen, wenn man stärker ist als der Andere. In diesem Sinne geht es eben um Nahrungsrevier oder Partnersuche, und diese Konzepte haben auch so gut wie alle anderen Tiere.

ich mach das doch nicht um dich zu ärgern, ich mache das weil das fundamentale Prinzipien sind, die du scheinbar in deinen Überlegungen nicht bedacht hast. Aber nur weil du das nicht bedenkst bedeutet es nicht, dass diese Prinzipien trotzdem wirken.

Ja, es geht um Gesellschaften und wie die einzelnen Bestandteile der Gesellschaft miteinander interagieren. Warum lässt du die Analogie des eigenen Körpers nicht zu? Warum verweigerst du dich dem Gedanke, dass du Herrscher über deinem eigenem Körper bist? Was stört dich daran, dass es gewisse Parallelen zwischen dem Zellstaat=Mensch und einer Gesellschaft aus vielen Menschen gibt? Für so ziemlich alle makroskopischen Effekte gibt es parallelen, die du in deinem eigenem Körper finden kannst. Genauso wie du die Streitigkeiten zwischen den Staaten mit den Streitigkeiten zwischen einzelnen Menschen vergleichen kannst. Die Auswirkungen (der Einfluss bzw. die Macht) eines einzelnen Staates ist nur deutlich größer als die Macht eines einzelnen Menschens. Stetigkeiten zwischen Staaten kostet Menschenleben, Stetigkeiten zwischen Menschen kostet eben Menschenzellen das Leben.

Absolut falsch. Hast du schonmal eine Katze im Vogelhaus gesehen? Hast du schonmal die Vorräte eines Eichhörnchens bedacht? Wusstest du, dass die Territorien eines Wolfsrudels oft viel größer sind, als sie für das eigene Überleben wichtig wären? Wusstest du, dass einige Vögel ihr Revier nur aus Partnersuche blockieren und nicht weil sie es für das Überleben bzw. der Nahrung brauchen? Elefanten hindern andere Tiere ihre Wasserstelle zu benutzen auch wenn das Wasser für alle reichen würde. Sogar Pflanzen können toxische Stoffe abgeben, gegen die sie selber immun sind um ihr Wachstumsbereich frei zu halten und mehr Sonne zu bekommen. Sie halten ihr Revier damit frei. Oder Efeu als Kletterpflanze nimmt dem eigentlichen Baum all seine Ressourcen für sich und überwuchert den Baum,… All das sind Konzepte von Besitz.

Dazu kommt jegliche Art von Beute, egal ob Pflanzlich oder Tierisch: Jede dieser Mahlzeit geht immer zugunsten eines Lebewesens (dem Besitzer bzw. demjenigen, der das Essen isst) aber gleichzeitig auf Kosten des anderen Lebewesens (das, das aufgegessen wird).

All das sind keine rein menschlichen Eigenschaften. Aber trotzdem sind all diese Dinge Konzepte der Machtausübung.

Ja aber merkst du bei all den Versuchen der Definition nicht, dass du dich in eine Richtung verrennst, die ALLE Lebewesen mit einschließt? Auf jeder Ebene gibt es diese Machtkämpfe um mehr Besitz und um mehr Macht. Auf der Ebene zwischen Zellen, wo die Bakterien gegeneinander kämpfen und z.B. Körperzellen angreifen, auf der Ebene der Mikroben wo überall um uns herrum z.B. die Milben immerwährend miteinander um Nahrung kämpfen, genauso wie auf der menschlichen Ebene, wo es immer Streitigkeiten Zwischeneinander um Besitz gibt. Schau dir mal Kinder an, wie sie reagieren wenn du oder ein anderes Kind ihnen das Spielzeug wegnimmt. Selbst Kinder kennen damit schon den Begriff des Besitzes.

Und natürlich macht das auf der Ebene von Staaten nicht halt: Die Staaten werden genauso immer um Besitz und Macht kämpfen.

das alles erstmal zu wissen ist ja gut, aber wenn du das alles schon begriffen hast und als Kapitalismus bezeichnest (ich zumindest tue es als die Definition: Kapitalismus ist die Fortsetzung der Evolution innerhalb der Menschheit), dann kann die Schlussfolgerung nicht sein: Kapitalismus ist generell schlecht, denn sonst wäre damit auch jedes Lebewesen schlecht. Weil dann stellst du dich mit dieser Meinung gegen die natürlichen evolutionären Prozesse. Glaubst du wirklich, dass du damit „Besser“ oder „Richtiger“ liegst als alle Menschen, Tiere oder Lebewesen vor dir?

Mit anderen Worten: Wenn du diese Entwicklung verteufelst, dann verteufelst du gleichzeitig alles, was uns Menschen überhaupt erst zu dem gemacht hat, was wir sind: Denkende, Intelligente Wesen.

Und damit meine ich nicht, dass es sicherlich einige individuellen Punkte gibt, die man auf der Welt besser machen kann. Aber zu glauben, dass nur die böse Evolution=Kapitalismus schuld an den Streitigkeiten ist oder dass man den Menschen einfach das Konzept des Besitzes wegnehmen muss damit alles schon wieder friedlich wird ist mit dem Wissen über die Evolution einfach nur naiv und rückschrittlich. Also klar kannst du das so fordern, aber jeder der diese Konzepte des Besitzes einfach anwendet, selbst wenn er das nicht als Besitz, Macht oder Einfluss bezeichnet, wir dich mit der Zeit übertreffen können. Und dieses Grundgesetz der Evolution gilt auf jeder Skala: von der kleinsten Zelle über die Menschen bis hin zu den großen Staaten.

Solange du deinen Blick also auf die Menschheit einschränkst wirst du beim Bild des „geozentrischen Weltbildes“ bleiben und niemals die Vorteile des „heliozentrischem Weltbildes“ erkennen können. Und klar kann auch ich unrecht behalten, aber die historischen Vorgänge zeigen da eindeutig ein kapitalistisches Bild und kein sozialistisches Bild.

Wenn der Sozialismus so gut ist, warum sind dann die meisten Staaten kapitalistisch unterwegs und nicht sozialistisch? Und warum geht es den Sozialistischen Staaten mit der Zeit so schlecht?

Wie gesagt, es ist nicht eine Frage der Präzisierung, es ist eine Frage der Bedeutung:

  • Wenn Kapitalismus die erweiterte Evolution ist mit Besitz und Machtkämpfen ist, dann implitziert das Wort alle Lebensvorgänge. Dann ist es doch absolut nachteilig sich hin zu stellen und zu sagen: Das ist doch alles doof. Entweder du hast die Macht was zu ändern oder du hast diese Macht eben nicht. Und alle beobachteten Systeme weisen nunmal darauf hin, dass es besser ist, die Macht zu haben als sie nicht zu haben. Aber ich geb dir recht, dass man auch keine gute Diskussionsgrundlage hat, wenn das Wort einfach alles, was mit Leben zu tun hat, beschreibt.
  • Deswegen rede ich häufig auch nur vom marxistischem Kapitalismus. Bei diesem Kapitalismus kann man mehr differenzieren weil mit dieser Definition nicht gleich jedes System kapitalistisch ist. Wenn wie im alten Indien das eigene Kapital nicht regiert, (z.B. weil das Land von England gesteuert wird oder weil es ein Kastensystem gibt), dann ist das Land auch nicht kapitalistisch im marxistischem Sinne.

Wie gesagt, ein Kapitalismus, wo die Hierarchien nur über ihre eigenes Kapital verfügen ist gut weil diese Kapitalisten dann auch das Risiko ihres Besitzes tragen. Ein Kapitalismus im Sinne von Fremde bestimmen über das Kapital von anderen ist schlecht weil dann das Risiko nicht mehr von den Kapitalisten getragen wird sondern extern aufgezwungen wird.

Wenn du es dir also einfach machst und alles was dir an einem System nicht gefällt auf die bösen Kapitalisten schiebst, dann ist das vielleicht ein einfaches Weltbild, nur eben nicht wirklich die Wiederspieglung bzw. den Abgleich mit der Realität.

Ja und offensichtlich hat der Kapitalismus (egal wie wir ihn jetzt definieren) damit Erfolg weil es damit sozialistische Systeme immer wieder verdrängt.

Das ist der Abgleich mit der Realität. Da kannst du jetzt mit dem Fuß aufstampfen und sagen: Ich will aber das das anders funktioniert… Aber es kann nur funktionieren, wenn du mächtig genug bist um das umzusetzen. Und danach stellt sich eben die ökonomische Frage über die Zeit: Bleibt dein System stabiel? Wächst es sogar (also wird es möchtiger)? Oder Schrumpft es sogar?

Und die Ökonomie bzw. die Evolution gibt hier eine klare Antwort:

  • Wenn dein System schrumpft, dann wird es Zeitnah unter gehen. Das System wird absterben und seine so gebundenen Ressourcen frei machen für Nachfolgesysteme, die dann eventuell besser mit den Ressourcen umgehen und somit hoffentlich länger überleben.
  • Wenn dein System einfach nur stabil bleibt, dann kann es erst einmal theoretisch unendlich lange bestehen. Allerdings wird es sich gegen wachsende Systeme mit der Zeit immer schwieriger verteidigen können und irgendwann von so einem wachsendem System angegriffen/einverleibt/im Besitz genommen werden.
  • Nur wenn ein System wächst wird es sich auch langfristig gegen andere wachsende Systeme durchsetzen können und z.B. auch schlechte Perioden des Niedergangs überstehen können.

Wachsen bedeutet hier also mächtiger werden und mehr Einfluss gewinnen um sich gegen mächtiger werdende Angriffe verteidigen zu können. Nur Systeme, die ausreichend Macht gegen Angreifer besitzen können auch langfristig überleben. Und die Evolutionstheorie setzt mit der Positiv-Selektion einen entscheidenden Wegweiser, in welche Richtung die erstmal gleichwertigen Machtkämpfe gehen: der Mächtigere setzt sich tendenziell durch.


Deine Antwort halte ich also für 100% korrekt, aber die Frage ist doch: Welche Schlüsse ziehen wir daraus?

Während du scheinbar daraus schließt, dass Sozialismus trotz der vielen Gegenbeispiele der richtige Weg ist meine ich, dass es sinnlos ist den gleichen Fehler tausend mal zu wiederholen.

Aber ich habe dir ja auch recht gegeben, dass es nicht das schönste für die Menschen ist, wenn sie bedingungslos einer stärkeren Macht ausgeliefert sind (z.B. dem Staat).

Und deswegen ist meine Antwort: Das beste Zusammenleben können die Menschen nur erreichen, wenn sie eine „richtige“ Demokratie aufbauen. Also keine Demokratie, wie sie in Deutschland betrieben wird (dieses System kann man nicht wirklich demokratisch nennen weil die Gewaltenteilung verletzt ist und somit ein zentraler Machtapparat entstanden ist, dem man sich nicht einfach entziehen kann, die Deutschen sind der Besitz der deutschen Regierung).

Nein, eine wirkliche Demokratie hat eine möglichst flache Hierarchie mit Rückkopplungen zur jeweilig unteren Ebene. Alle Stufen in der Hierarchie müssen auf der positiv-Selektion beruhen: die besten steigen auf und schlechte „Führer“ müssen fallen. Genau dieses Konzept lässt sich am einfachsten realisieren, wenn es mehrere dieser Hierarchien gibt, die sich gegenseitig kontrollieren: Gewaltenteilung.

Eine wirkliche Demokratie ist also ein Sozialsystem mit Gewaltenteilung. Ein System mit mehreren Machtpolen, die sich zwar immer gegenseitig angreifen und damit kontrollieren, die sich aber nie vollständig vereinen oder zerstören können dürfen. Nur wenn das gewährleistet ist, dann wird es auch den meisten Menschen im System gut gehen. Wohl gemerkt nicht allen, nur den meisten.


Und jetzt überleg mal, warum die menschlichen Körper so gut funktionieren: Weil es eine Gewaltenteilung im Menschen gibt: Das Gehirn ist zwar der oberste Befehlshaber, aber es ist eine flache Hierarchie, das Gehirn kann zwar bestimmen, wie es nach außen (extern) reagiert und es kann intern bestimmte Botenstoffe ausschütten, die den Körper in eine gewisse Richtung lenken. Aber das Gehirn kann kein Mikrodirigismus machen und sagen, die Leber verstoffwechselt kein Alkohol mehr oder die Lungenbläschen stoßen jetzt gefälligst mehr CO2 aus. Das Gehirn kann also nur die Rahmenbedingungen festlegen, innerhalb derer die Organe arbeiten können.

Und das Gehirn ist zwar vielleicht gut im Planen oder Denken, aber ohne Blut wird es nicht versorgt, ohne Magen/Darm kann es die gebotenen Nährstoffe nicht verwerten, ohne Sensoren wie Augen kann es Närstoffe nicht lokalisieren usw. Hier gibt es die Gewaltenteilung. Es bringt dem Gehirn nichts, dass es die volle Kontrolle über dem Magen hat, der Magen oder das Blut können immer noch streiken. Und erst das Zusammenspiel aller menschlichen Zellen macht den Körper so robust und widerstandsfähig, wie er nunmal ist.

Genau deswegen bringe ich die Parallele zum Körper immer wieder. Das System menschlicher Körper ist eine Analogie, die einem erahnen lässt, warum ein Staat wie Deutschland vielleicht noch funktioniert aber ein Staat wie die Schweiz mit besserer Gewaltenteilung auch besser funktioniert und damit mit der Zeit mächtiger wird.

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Wer nichts besitzt muss sich auch um nichts kümmern. Das macht dann der Staat. In dem Sinne der Führer.

Wieder ein Beweis: Sozialisten und Linke brauchen einen Führer. Verantwortung ist zu anstrengend.

Das funktioniert aber auch nur, solange man die richtigen Bürger hat. Siehe Hamburg Kalifat-Demo und Daniel Günther, Schleswig-Holstein.

Nee, ich akzeptiere ja, dass das so funktioniert. Das war ja nur eine Antwort auf deine Frage, warum es keine echten sozialistischen Systeme gibt.

Der Unterschied ist, du stellst dich jetzt hin, zuckst mit den Schultern, sagst, da kann man nichts machen, dann bin ich eben Sklave und ich sage, vielleicht kann man doch was machen. Z.B. zumindest schonmal die Sklaven zu versuchen zu überzeugen, denen noch nicht einmal klar ist, dass sie Sklaven sind.

Die schlimmsten Feinde der Freiheit sind die glücklichen Sklaven. So oder so ähnlich..

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Nein, deswegen habe ich ja auch sofort danach geschrieben:

…Also keine Demokratie, wie sie in Deutschland betrieben wird…

Deutschland ist keine Demokratie, auch wenn es sich so nennt.

Wie ich danach erläutert habe braucht es in einer richtigen Demokratie nicht die „Richtigen Bürger“ weil durch eine positiv-Selektion die richtigen Bürger von alleine an die Entscheidungsgewalten kommen.

Naja, wie du vielleicht erkennst ist mir das Thema nicht ganz egal und deswegen „kämpfe“ ich hier für mehr Demokratie. Um genau solche Verhältnisse hier im Land zu verhindern, die du mit den Slums aus Indien hervorgehoben hast.

Wenn du für mehr Demokratie kämpfen wollen würdest, müsstest du aber eben gegen die Machtkonzentration im Kapitalismus sein.

Die Slums in Indien gibt es nur, weil einige wenige alles besitzen und sich nicht darum kümmern, wie es anderen geht.

Aber genau das ist doch der Punkt: Die Slum-Bewohner sind doch nicht so arm weil es andere reiche im Land gibt :woman_shrugging:

Was nehmen die Reichen den Slum-Bewohnern denn genau weg? Immerhin liefern sie doch Arbeitsplätze oder Lebensmittel…

Der Hass auf Reiche führt hier in eine völlig falsche Richtung. Der Hass auf Reiche führt nur dazu, dass die Reichen das Land verlassen und noch mehr Arme hinterlassen, die sich nicht selber ernähren können.

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Genau, Deutschland ist eine „repräsentative“ Demokratie. Keine „reine“ Demokratie. So wie Katzengold und echtes Gold.

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