Es funktioniert ja, und zwar nachweislich. Aber eben nur in kleinen Gruppen wie z.B. der Familie. Um genauer zu sein liegt die Grenze für menschliche Gruppen bei der Dunbarzahl ⩰ 150 Gruppenmitglieder.
Ist die Gruppe kleiner, dann ist soziales Handeln immer in Summe effektiver und stärkt die Gruppe, ist die Gruppe aber größer, dann ist egoistisches Handeln effektiver, also sich selber zu stärken auf kosten der starken Gruppe. Die Frage ist also: Zahlt man mehr aus der Gruppe ein als man von der Gruppe zurück bekommt oder bekommt man mehr aus der Gruppe als man einzahlt.
Vielleicht erklärt das, warum Sozialismus mit mehreren Millionen Menschen nicht geht (im Sinne von, ist nicht effektiv und damit schlecht für eine Gesellschaft, die ihren Wohlstand damit verliert).
Die Wirtschaft ist nur der Motor, der mal mehr und mal weniger Wohlstand erzeugt. Die Gesellschaft muss sich dann aber der Frage stellen, wie sie diesen Wohlstand verteilt. Und dabei gilt generell: Wer effektiv ist, der erzeugt auch mehr Wohlstand. Und mit dem Wohlstand kann er seine Effektivität noch weiter ausbauen. Nimmt man ihm diesem Wohlstand aber weg, dann ist er wieder nurnoch „normal“ effektiv.
Verteilt man den Wohlstand dann sozialistisch an alle, dann bekommen die Ineffektiven mehr ab als die Effektiven (denn genau das ist ja der Sinn der Umverteilung: Stärkung der schwächsten). Genau damit schwächt man aber die Gesellschaft insgesamt weil die Gesellschaft in Summe dann nicht so effektiv ist als wenn die Ressourcen bei den Effektiveren bleiben würde.
Solange die Gesellschaft Wachstum hat, solange kann sie es sich auch leisten den Leistungsträgern ihren Wohlstand zugunsten der Bedürftigen abzunehmen, aber umso mehr man ihnen abnimmt, desto ineffektiver werden sie. Eine Gesellschaft muss also darauf achten, eine gewisse Grenze der Umverteilung nicht zu überschreiten, ansonsten geht es in einer Abwärtsspirale nach unten.
Zusammenfassend: Umverteilung ist nicht generell schlecht, man darf es aber nicht übertreiben. Vorallem muss das Leistungsprinzip immer gewährleistet bleiben um den Motor der Wirtschaft, der das Land bergauf zieht, garnicht erst ins Stocken geraten zu lassen.
Wir in Deutschland haben dahingehend schon lange verkackt. Unser Motor zieht schon lange nicht mehr bergauf. Wir rutschen schon wieder ins Tal hinab. Wir befinden uns also schon im Teufelskreis der Umverteilung nach unten.
Der Kapitalismus hat für diese Prinzipien eingebaute Regulierungsmechanismen. Denn die Frage, die oben offen geblieben ist und keiner 100% korrekt beantworten kann ist: Woher weiß die Gesellschaft, wer effektiv ist und wer nicht?
Und klar, Reich sein bedeutet zwar, dass man irgendwann mal effektiv gewesen sein muss, aber nicht dass das ewig und immer so bleibt. Aber der Kapitalismus reguliert dann von alleine über seine freien Märkte. Wer Reich und effektiv ist, der wird im Kapitalismus noch reicher. Wer aber Reich ist und nicht effektiv, der verliert sein Reichtum von ganz alleine mit der Zeit.
Und das Gleiche gilt genauso für die Armen: Wer effektiv ist, der wird wohlhabender, aber wer nicht effektiv ist, der verliert seinen Wohlstand. Nur ab einer Untergrenze an Wohlstand ist man eben nicht mehr lebensfähig. Kapitalismus bedeutet also: Die starken setzen sich durch.
Der Sozialismus hingegen versuch jeden Mensch (und gerne mal darüber hinaus, jedes Tier, jede Pflanze… das kann man für beliebige Objekte erweitern, z.B Denkmalschutz, Landschaftsschutz,…) gegen die Kraft der Veränderung zu erhalten. Das Problem dabei ist aber, dass es Objekte oder Lebewesen gibt, die so ineffizient sind, dass man fast beliebig viel Wohlstand darauf werfen kann ohne dass es wirklich etwas bringt. Aber trotzdem nimmt man diesen Wohlstand dann den effektiveren weg und tätigt solche ineffizienten Investitionen. (Hat man schonmal was von Walen in Deutschland gehört?)
Der Sozialismus stellt also irgendwelche ideologischen oder moralischen Werte über die zwingende Ökonomie des Wohlstandes. Und wie gesagt, in gewisser Weise hilft das natürlich auch den Menschen und bringt sie auch vorwärts. Umweltschutz ist ja nicht persee ineffizient weil in einer Intakten Umgebung lebt es sich auch einfacher/gesünder. Oder Schutz vor sozialem Abstieg durch tragische Ereignisse kann eine Gesellschaft effektiver machen. Aber man darf dabei eben nicht übertreiben. Und ob man übertrieben hat sagt einem dann die völlig moralfreie Ökonomie.
Das beste Beispiel ist ja die Altenpflege. Hier kann man heutzutage beliebig übertreiben und jeden Menschen praktisch unendlich lange am Leben halten. Aber was bringt das, wenn diese Menschen nurnoch im Bett am Tropf von Maschinen hängen, die die Leistungsträger mit harter Arbeit, Fleiß, Konzentration und Disziplin erwirtschaften müssen? Es gibt eben immer eine moralische Abwägung: Wie viel Leistung bzw. Wohlstand kann man einem ineffizient (gewordenen) Menschen noch abgeben. Und ja, diese Abwägung ist nicht immer leicht und findet auch selten die Zustimmung aller Menschen im Land.
Jegliche Moral muss ein Staat (aber auch jeder Mensch) sich also leisten können. Und klar kann man auch von moralischen Handlungen leben, aber nur wenn sie auch wirklich nützlich sind (also gesellschaftlich geachtet bzw. wertgeschätzt werden). Ein Arzt kann jedem helfen und von den Überlebenden kann er was von ihrer zukünftigen (oder gespeicherten) Arbeit bekommen, die derjenige dann aus moralischen Gründen wahrscheinlich „freiwillig“ abgeben. Moral ist in diesem Sinne genauso eine Währung wie Ruf, Ehre oder religiöser Eifer. Hat eine Gesellschaft aber zu viel von diesen Währungen, dann inflationieren diese Werte extrem und man kann davon alleine nicht mehr leben.
Eine Gemeinde kann sich vielleicht einen Priester leisten, die ihren Eifer durch Essen bezahlt bekommen, ist jeder zweite Einwohner aber Priester wirds eng. Eine Gemeinde kann sich vielleicht einen Künstler leisten, ist aber jeder zweite Einwohner ein Künstler wirds wieder eng mit dem Einkommen. Eine Gemeinde kann sich vielleicht 3 oder 4 Gladiatoren leisten, die um ihre Ehre in der Arena kämpfen, ist aber jeder dritte ein Gladiator, dann reicht viel Ehre eben nicht mehr aus um Satt zu werden… usw.
Im Endeffekt ist eine ausgewogene Gesellschaft am effektivsten und freie Märkte sorgen intrinsisch für eine Ausgewogenheit weil freie Märkte sich immerwährend selber optimieren und das Effektivitätsmaximum anstreben.
Jegliche Monopole blockieren den Optimierungsprozess. Leichte Eingriffe lassen den freien Markt zu einem regulierten Markt werden, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Im Geringen Anteil kann das den Markt sogar fördern. Zu viele Eingriffe machen den Markt aber langsam und träge, sodass er sich nicht mehr schnell genug Optimieren kann oder an geänderte Umweltbedingungen anpassen kann.
Im Extremfall wird der Markt sogar zu einem planwirtschaftlichen Markt. Dann muss man darauf vertrauen, dass das Monopol schon im Sinne der Menschen handelt (was sehr wahrscheinlich nicht der Fall sein wird weil die Interessen des Marktbeherrschers nicht 100% mit den Interessen der Marktteilnehmer übereinstimmt) Explizit gehört dazu Beispielsweise das Staatsmonopol, das nur mit einer sehr guten Demokratie funktioniert während eine Diktatur die Differenzen zwischen Marktteilnehmern und Staatslenker offensichtlich zeigt.
Wie viel demokratischen Einfluss haben wir Bürger noch auf die Märkte, die durch den Staat gelenkt werden?