Ich schaue hier eigentlich relativ regelmäßig vorbei, aber ich muss zugeben, dass ich auch die meisten Diskussionen überspringe.
Generell hat mich Bitcoin so fasziniert, weil es mein Interesse an Dingen geweckt hat, wo ich früher nie auf die Idee gekommen bin darüber nachzudenken:
- Ersteinmal das Lernen, wie Bitcoin funktioniert und wie die einzelnen Komponenten miteinander wechselwirken.
- Dann die Erkenntnis, dass es ein fundamentales Prinzip gibt, dass alle diese Komponenten vereint: Angebot und Nachfrage bilden den Preis und diese Preiskurve mit ihrem Minimum sorgt für das Gleichgewicht der Märkte, auch innerhalb von Bitcoin.
- Dieses fundamentale Prinzip kann man nicht nur auf die einzelnen Märkte von Bitcoin anwenden: Es findet überall im Leben statt. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist das gleiche Prinzip wie Dezentralität gegen Zentralität, denn beide Optionen haben ihre jeweilige Nachfrage und Angebote. Und wie bei jedem Markt funktioniert er irgendwo in der Mitte am besten, genau da, wo das Preisminimum liegt. Verallgemeinert man dieses Prinzip, dann kommt man sehr schnell auf eine physikalische Grundlage: Es gibt keine physikalischen Unentlichkeiten und das geht nur, wenn für jeden Effekt, der etwas Richtung unendlich zieht es immer einen Gegeneffekt geben muss, der das Erreichen der Unendlichkeit verhindert. Bedeutet: irgendwo dazwischen muss es ein Optimum geben und genau da zeigen alle Märkte hin. Ein Minimum, um das die wirklich gehandelten Preise schwanken können.
- Der Preis ist also eine Fundamentale, schon physikalisch wirkende Größe, eine Größe die wir aus der Physik kennen: Die Energie, die auch beliebige Formen annehmen kann. Je nach „Markt“ gibt es Beispielsweise die Rotationsenergie, die elektrische Energie oder die Wärmeenergie. Der Unterschied von der physikalischen Energie und der „Preisenergie“ am Markt ist nur die individuelle Bewertung der am Markt teilnehmenden Entitäten. Es gibt also eine exakte physikalische (intrinsische) Energieform (ich nenne sie Macht) in jedem am Markt erhältlichem Objekt, die aber nur ein allwissender Beobachter kennen kann. Jedes andere Lebewesen kann diese Macht der Objekte aber nur abschätzen bzw. mit Ungenauigkeitsbereich messen. Damit kann jedes Lebewesen selber entscheiden, wie viel Macht es ihm selber wert ist indem es diese Objekte individuell bewertet. All diese individuellen Bewertungen treffen dann auf einem Markt zusammen und bilden den aktuellen Preis.
- Dieses universelle Prinzip erklärt nun sehr viele Vorgänge im Leben: Physik, Informatik, Evolution, Biologie, Kunst, Kultur, Sprache, Schrift usw. All das kann man dann zusammenfassen zur Philosophie. Überall kann man auf einmal erklären, warum etwas passiert oder wie es zu dieser Situation kommen konnte. Diese Philosophie ist aber nur eine Metaebene, denn die wirkliche Analyse eines Systems geht natürlich nicht ohne weiteres Detailwissen über das System, aber die Metaphern und Analogien zeigen relativ eingänglich, wie man neue Systeme analysieren und bewerten kann, damit man die bestmöglichsten Schlüsse aus den gegebenen Informationen ziehen kann.
Ich habe mir vor der Reise mit Bitcoin z.B. nie vorstellen können, dass ich mich einmal für Sprachen interessieren würde. Aber diese Metaebene (der Kaninchenbau), in die Bitcoin einen reinzieht, die zeigt, dass selbst Sprache interessant sein kann. Einerseits benötigt man Sprache natürlich zur Kommunikation und dem Informationsaustausch (und Informationen sind wichtig), aber auch darüber hinaus ist es auf einmal erklärbar und einleuchtend, warum sich z.B. sowas wie das Grammatische Geschlecht gebildet hat, wozu es Zeitformen gibt usw. Denn jegliche Informationen benötigen immer wenigstens zwei Komponenten (das keine Unentlichkeitensprinzip): den Datensatz und den Algorithmus, wie man diesen Datensatz zu sehen hat. Eine Folge von Nullen und Einsen können also mit einem JPG-Algorithmus ein Bild ergeben und mit einem Text-Algorithmus eben ein Text.
Bezogen auf alle Sprachen gibt es also wenigstens die Grammatik und den Wortschatz. Jetzt kann man die Grammatik extrem einfach halten, dann muss aber jedes Objekt, das wir im Sprachraum benennen wollen, ein einzelnes Wort/Zeichen bekommen. Das alte Chinesisch ist da ein Beispiel, wo es extrem viele Schriftzeichen gab, die man alle lernen musste. Dafür hat man eben kaum Probleme mit der Reihenfolge/Grammatik der Schriftzeichen. Aber um die Masse an Schriftzeichen zu verkleinern kann man sich Algorithmen ausdenken wie z.B. die Zeitformen oder das grammatische Geschlecht, das die Anzahl der zu merkenden Datensätze deutlich reduziert, dafür aber eben die Grammatik verkompliziert. Statt wie im Chinesischen zu sagen: „Ich gehe gestern“ kann man mit einer Zeitform einfach sagen: „ich ging“. Oder mit dem grammatischem Geschlecht kann man Sätze vereinfachen wie: Die Vase fiel auf dem Boden. Sie (die Vase) war kaputt.
Auf der Metaebene gab es hier wieder einen „kampf“ zwischen Grammatik und Wortschatz. Keines der beiden extreme (nur Wörter ohne Grammatik vs. nur Grammatik ohne Wörter ) ist optimal, aber irgendwo in der Mitte bilden sich Sprachen aus, die versuchen bestmöglichst Informationen auszutauschen. Die eine Sprache macht das dann besser und die andere schlechter und der Markt entscheidet über längere Zeit, welche Sprachen sich durchsetzen und welche nicht.
Es hat mich wie gesagt sehr fasziniert, wie das Wissen über Märkte auch erklärt, wie sich z.B. die Sprachgrammatik gebildet hat und es gibt sehr viele weitere Bereiche, die sich somit erklären lassen, selbst die Politik und die Auseinandersetzungen oder Machtkämpfe in der Gesellschaft oder warum Sozialismus nicht funktionieren kann usw… All das, die ganzen Zusammenhänge wurde mir erst durch Bitcoin so wirklich bewusst.
Aber um darauf zurück zu kommen, warum ich hier weniger antworte ist, dass es immer schwieriger wird sich zu verständigen, wenn man immer die Grundlagen dazu schreiben muss. Aber wenn man sonst eine Aussage über die Metaebene trifft, dann fällt diese meist einfach so unverständlich vom Himmel.
Dazu kommt natürlich, dass man durch den Kaninchenbau sehr leicht vom eigentlichen Thema Bitcoin abkommt, also sehr schnell Themenfremd wird und die eigentlichen Bitcointhemen wie die Anderen schon sagen schon sehr oft abgearbeitet wurden. Auch diesen Konflikt Alt gegen Neu hat Roman ja schon häufiger angesprochen, dass es schwierig ist (ich halte es für unmöglich) gleichzeitig Kontent für die Alten zu machen aber dabei auch die Neuen nicht abzuhängen. Oder Kontent für die Neuen zu machen ohne die Alten zu verlieren…
Das ist vergleichbar mit einem Lehrer, der gleichzeitig eine Klasse aus 5 bis 16 Jährigen unterrichten soll. Bei der Bruchrechnung wissen die kleinen noch nichtmal was sie tun sollen und die großen langweilen sich nach 3 Minuten. Jede Wissensvermittlung muss also darauf zugeschnitten sein, welchen Lernstoff der Schüler schon kann, es muss gleichzeitig herausfordern aber nicht überfordern. Das ist für einen Schüler vielleicht machbar, aber nicht für eine inhomogene Masse an Schülern und damit verliert man sowohl die Schüler, die sich langweilen als auch die Schüler, die absolut nix verstehen und erstmal die Grundlagen bräuchten.
Die alten Bitcoiner sind also aus der Bitcoin-Schule raus. Es macht immernoch spaß sich hier herumzutreiben aber der Platz am Blocktrainer gehört den neuen Schülern ![]()