Wenn ‚absurd‘ hier das richtige Adjektiv ist, dann müsste das auch für die Jahrzehnte gelten, in denen diese Rentner hohe Summen in die Rentenkassen eingezahlt haben. Jedes Jahr im Voraus bekamen sie zur besseren Planung eine Übersicht der staatlichen Rentenkasse, wieviel sie bekommen werden. Und im Vertrauen auf den Staat, den sie mit tagtäglicher Arbeit getragen haben, nahmen sie das eben als gegeben an.
Ich sehe da keine ‚Absurdität‘, sondern Vertrauen in ein demokratisches Gemeinwesen.
Ich kann aber auch das Konfliktpotential fühlen, wenn grauhaarige Mitfünfziger oder Sechziger am hellen Tag in Pulks mit ihren teuren eBikes durch die Stadt radeln, wenn in der TV-Doku über teure Nobel-Kreuzfahrten berichtet wird, bei denen nur silbergraue Senioren im Speisesaal dinieren.
Hier im Ruhrgebiet waren und sind die Fitnessbuden voll mit Bergbau-Frührentnern, die mit Ende 40 schon zu besten Konditionen frühverrentet wurden. Usw.
Es steht ein heftiger Generationkonflikt an. Ich kann mein langes Alter nicht in Sicherheit und Luxus verbringen, während die aktive Generation lebenslang noch nicht mal eine Immobilie abzahlen kann, ihre Kinder auf desolate, unterfinanzierte Schulen schicken muss oder die Hälfte des Einkommens für Kranken- und Rentenversicherung der Senioren abdrücken muss.
Politische Lösungen werden sehr schmerzhaft und damit kaum durchsetzbar sein. Auch Demokratie hat ihre Grenzen. Ein Beispiel? In meiner Heimatstadt leben mehr als 2/3 der Menschen von Transferleistungen (Renten, Bürgergeld, etc.) und nur knapp 1/3 der Einwohner erarbeitet noch steuer- (und renten-)Pflichtige Bezüge. Wie willst du auf demokratischem Weg hier für eine Gerechtigkeit gegenüber den Einzahlern sorgen, wo doch immer der die Mehrheit bekommt, der die größten Sozialgeschenke verspricht?