Das ist der entscheidende Punkt.
So wie ich dich verstehe willst du praktisch eine Wallet aufmachen und die eingehenden Transaktionen „zählen“. Spenden mit 1 Sat gehen an Partei 1, Spenden mit 2 Sats gehen an Partei 2 usw.
Das Problem ist aber die Identität der Spenden. Wie willst du so sicherstellen, dass
- nur Wahlberechtigte abstimmen und nicht irgendein Brasilianer oder Australier mit in die Wahl eingreift?
- Ein Wähler auch nur eine Stimme hat und nicht einfach von einer anderen Wallet nochmal so eine Transaktion durchführt? Das kann er ja beliebig oft von beliebig vielen verschiedenen selbst erstellten Wallets machen.
So einfach ist es also nicht, die Wahlen durch Bitcoin abzubilden.
Aber Bitcoin liefert eine Technologie, die bei digitalen Wahlen durchaus hilfreich sein kann: Die Blockchain als dezentraler öffentlicher und transparenter Layer.
Die Kernfrage bei einer Wahl ist wie schon erwähnt die Identität. Einerseits will man bei einer Wahl die Identität der Wähler sicherstellen, andererseits sollen die abgegebenen Stimmen nicht mehr Rückverfolgbar sein.
Gerade Punkt 1, die Sicherstellung der Identität, widerspricht also dem Bitcoinnetzwerk schon inhärent, sodass man mit Bitcoin definitiv keine Wahlen durchführen kann, zumindest so wie wir sie kennen.
Aber man muss so eine Wahl ja auch nicht auf dem Bitcoinnetzwerk abbilden. 
Wenn man die aktuellen Wahlen digital abbilden will, dann wäre mein Vorschlag so:
Der Staat gibt eine eindeutige und zuordenbare ID aus und überwacht auch die legitimität dieser ID. Immerhin bestimmt auch der Staat, wer, wann und wo wählen können darf. Im Prinzip macht er diese Identitätsabklärung ja heute auch schon bei einer Wahl.
Der Prozess der legitimen ID ist natürlich der fehleranfälligste und angreifbarste, aber ohne eine eindeutige ID gibt es nunmal auch keine freien und fairen Wahlen weil ja sonst, wie schon geschrieben, jeder beliebig viele Stimmen erfinden kann.
Auch heute schon kann sich jemand, der zugriff auf beliebig ausstellbare IDs vom Staat hat, eine Wahl auch beliebig manipulieren, weil er seine eigene Stimme auf beliebig viele legitime Fake-Stimmen replizieren kann.
Wenn wir das Problem der legitimen IDs also auf den Staatsaufbau bzw. den Staatsprozessen verschieben können, dann können wir also ersteinmal davon ausgehen, dass der Staat schon dafür sorgt, dass jeder eine eindeutig zuordenbare ID hat, die er für eine Wahl benutzen kann (z.B. Personalausweis).
Der Staat kann jetzt also für eine Wahl eine komplett neue Blockchain starten. Diese Blockchain ist dann wie bei Bitcoin mit einem fest definierten Root-Block gesichert, auf dem dann mittels PoS oder PoW aufgesetzt werden kann.
(Da wir hier von vornhinein mit einem System starten, wo Identitäten eine Rolle spielen, ist PoS aufjedenfall eine theoretische Möglichkeit, die Wahlblockchain abzusichern.)
Wir müssen hier auch kein allzu kompliziertes PoS-Verfahren verwenden, wie es bei Etherium oder Co. verwendet wird. Grund dafür ist, dass die Wahlblockchain ja mit Sicherheit irgendwann auch endet und nicht unendlich lange weiterlaufen muss.
Ich stelle mir das also so vor, dass ein User seine Stimme abgibt und mit seiner ID verschlüsselt. Dabei kann man ein Kryptografieverfahren verwenden, der sicherstellt, dass die ID gültig sein muss (z.B. von einem Root-Zertifikat des Staates abstammt), aber man nicht zurückrechnen kann, welche ID die Stimme dann abgegeben hat.
Über alle abgegebenen Stimmen in der Blockchain kann man dann wie bei Bitcoin zwar die öffentlich sichtbaren Infos ablesen, wie z.B. welche kryptische ID wen gewählt hat, aber den Kryptischen IDs kann man keine echten IDs mehr zuordnen. Die Stimmen kann man also eineindeutig zählen und es ist trotzdem gleichzeitig sichergestellt, dass man sowohl den Stimmen keine echten Identitäten zuordnen kann als auch keine ID mehr als eine Stimme abgeben darf. Solche „Transaktionen“ wären dann einfach ungültig in der Blockchain.
Das anfügen der Blöcke, wo die Stimmen verzeichnet sind, kann dann relativ ähnlich zu Bitcoin passieren, es können aber auch andere PoS Algorithmen zum Einsatz kommen.
Die Bitcoin-Analogie wäre dann, dass ein User, der seine Stimme abgeben will diese ersteinmal in den Mempool schmeißt. Um die Rückverfolgbarkeit zu reduzieren, kann der User ja auch mit seiner Stimme 10 oder 100 ungültige Stimmen mit in den Pool werfen. Diese ungültigen Stimmen machen zwar beim Auszählen mehr mühe, aber dafür kann das ja auch wirklich jeder zuhause mit seinem Rechner machen. Die Stimmen sind ja völlig öffentlich einsehbar in der Blockchain.
Dann kommen die Miner ins Spiel. Wir brauchen einen Konsensmechanismus, der die Blöcke aus dem Mempool in eine Reihenfolge bringt und an die Blockchain anhängt. Das kann wie gesagt PoS sein, da die Blockchain ja ein definiertes Ende hat (spätestens, wenn die Wahl vorbei ist oder wenn alle Stimmen abgegeben wurden und der Mempool leer bleibt).
Da wir hier ja keine Reihenfolge oder Transaktionsgebühren brauchen, kann der Mempool dann zufällig abgearbeitet.
Wenn wir hier Bitcoin-Like sein wollen, kann man sich vorstellen, dass man z.B. Prestige bekommt, wenn ein eigener Miner einen Wahlblock gefunden hat. Der Staat könnte aber z.B. auch eine Belohnung für jeden gemineten Block ausgeben. In diesem Fall können wir gewohnt das PoW ansetzen und beliebige Miner, auch jeder Hausserver, kann sich an die Arbeit machen und gültige Blöcke finden um den Mempool zu leeren und die Wahlblockchain zu verlängern. Wie bei Bitcoin würde es dann eine Blockbelohnung geben, aber eben keine Transaktionsgebühren. Das PoW sorgt dann dafür, dass z.B. jede Minute oder jede Stunde ein Block gefunden wird, während sich jeder am Miningprozess beteiligen kann.
Alternativ findet man einen PoS-Konsenz-Algorithmus, der das gleiche tut. Wie gesagt: Da die Blockchain garantiert endet, ist es bei ausreichend dezentralem Anfang für die Laufzeit theoretisch vernachlässigbar, dass sich die Dezentralität der Miner über die kurze Laufzeit zentralisiert. Über die langen bzw. unendlichen Laufzeiten von Bitcoin bzw. Etherium macht diese Zentralisierungswirkung aber definitiv einen unterschied.
Mit diesem Prozess könnte man also analog zu Bitcoin digitale Wahlen abhalten und vorausgesetzt einer legitimierten Identität (ID) freie, gleiche und geheime Wahlen umsetzen.
Du hast natürlich recht, dass ein öffentlicher Ledger das Konzept unserer bekannten Wahlen wunderbar widerspiegelt.
Aber bedenkt, dass das nur ein schnell erdachtes Wahlkonzept ist, dass nur die gängigsten Wahlmanipulationen verhindert und auf Basis der Blockchaintechnologie/Kryptografie funktioniert.
Aber es könnte auch für dieses Konzept bestimmt schnell ein Angriff erdacht werden, das nur mit einer Prozessänderung verhindert werden kann. Wie groß oder weitreichend so ein (mir noch unbekannter) Angriff und die damit nötige Prozessänderung aber ist, das kann ich hier noch nicht abschätzen.
Spontan würde ich aber schätzen, dass digitale Wahlen, basierend auf einer Blockchain, deutlich sicherer und Manipulationsunanfälliger sein sollten, als es irgendein bedrucktes Papier oder einer nicht nachzuvollziehenden Blackbox von Wahlmaschine sein sollte. Immerhin kann bei einer Blockcahin als öffentliches Medium sogut wie jede Aktion (von der Stimmabgabe über den Mempool zur entgültigen WahlListe) alles komplett dezentral, transparent und für jedermann (bzw. Jedercomputer) nachvollzogen werden. Alleine das macht Manipulationen schon deutlich schwieriger als z.B. eine Wahlurne von Wochenlang aufbewahrten Briefwahlstimmen zu knacken oder einer undurchsichtigen Machine vertrauen zu müssen, dass sie schon richtig aufgebaut worden ist und richtig zählt…