Über das Absichern von Online Wahlen mit Hilfe von Bitcoin

Hallo Leute,

ich bin seit langem stiller Mitleser und nun habe ich mich angemeldet, weil ich etwas beizutragen habe. :slight_smile: Erstmal Grüße und vielen Dank für alles - das Forum hat mir schon viel geholfen.

Seit den Unruhen der aktuellen Wahlen und den diversen Diskussionen über Wahlmanipulationen kommt wieder die Idee auf, die Leute online wählen zu lassen. Prof. Rieck hat dazu letzte Woche ein Video gemacht und verweist dort auf die Unsicherheit solcher Systeme. Er schlägt einen mechanischen Apparat vor, weil er den für sicherer hält.

Sofort kamen mir andere Lösungen in den Sinn. Leider bin ich weniger Programmierer als in anderen Technikfeldern bewandert.

Wie wäre es, wenn wir, anstatt irgendwelche externen (Un-) Wahrheiten in die Blockchain zu schreiben, einen transparenten Open Source Code für Optionen / Entscheidungen / Parteien (ist ja nicht nur für eine Wahl verwendbar, die Idee) laufen lassen, der unsere gewählte Entscheidung an eine Gebühr koppelt, die zusätzlich zur Fee in die Transaktion eingebunden wird?

Als Beispiel: Es gibt die Parteien 1, 2 und 3.

Partei 1 → Gebühr 0,00000001 BTC / 1 SAT

Partei 2 → Gebühr 0,00000002 BTC / 2 SAT

Partei 3 → Gebühr 0,00000003 BTC / 3 SAT

Bei den (aktuell) geringen Beträgen ist die Reihenfolge wenig relevant. Die Gebühr müsste seperat zur Mining Fee im Netzwerk nachweisbar sein. Dann wäre jede Wahl / Stimme im Netzwerk nachweisbar und kann gezählt werden. Auch andere Entscheidungen wären im Netzwerk nachweisbar, es gäbe genügend andere Anwendungen. Wenn der Code schlicht konzipiert wird, kann man ihn mit der Community gut überprüfen. Eine Art mempool-Tool könnte alles grafisch aufbereiten.

Wenn der Code schmal genug und die Community genau genug ist, reicht dann die Vertrauensbasis? Oder würden lediglich externe (Un-)wahrheiten in die Chain geschrieben? Habe ich hier einen Denkfehler?

Ich vermute die Ebene wechselt dann eventuell darauf, sicher nachzuweisen, dass man nur mit einem einzigen privaten Schlüssel als Person an der Wahl teilnimmt. Aber den könnte man ja im Wählerverzeichnis beim Einwohnermeldeamt registrieren und für alles Mögliche verwenden.

Freue mich auf Anregungen / Diskussionen.

2 „Gefällt mir“

Edit: Natürlich sollte die Gemeinde nicht sehen, welche Partei man gewählt hat, sondern allesfalls, dass gewählt wurde. Es muss auch sichergestellt werden, dass die Gemeinde nicht einfach irgendwelche Wähler „erfindet“ und Keys / private Schlüssel erstellt, zu der es keine Wähler gibt. Vermutlich ist der Private Key besser an einer anderen Stelle aufgehoben, aber das werden die Cracks von euch besser beurteilen können. ;-)

1 „Gefällt mir“

Wie soll das gehen, wenn sie deinen Key überwachen müssen um sicherzustellen, dass jeder nur einmal wählt?

Das Problem ist leider, dass man nicht sicherstellen kann, dass jeder nur einmal wählt. Selbst wenn man den (Public) Key registriert, verlagert man das Problem der Wahl auf diese Registrierung. Wer weiß, ob die Gemeinde nicht die Schlüssel ausgetauscht hat oder ob jemand mit deinem Ausweis dort war…

Ein anderes Problem ist, dass ein Land durch so eine Wahl über Monate den ganzen Blockplatz der Blockchain brauchen würde. Die Wahl wäre nicht nur sehr sehr lange, es dürfte auch keiner sonst Transaktionen durchführen.

Die Idee an sich ist schon cool, aber sorry, die Bitcoin Blockchain ist für Bitcoin und sonst nichts. Alles andere funktioniert nicht und würde Bitcoin uU sogar schaden.

Die Komplexität übersteigt deutlich das Ankreuz-Niveau, deshalb hat das BVG bereits gegen Wahlautomaten entschieden. Auch fehlt die Gewährleistung des Wahlgeheimnisses, wenn man es in privatem Umfeld durchführt.

Ansonsten wird bereits erörtert, wie man mit Wahlberechtigtem-Ledger, Wahl-Blockchain, Wallets für jede Wahl, sowie privaten und öffentlichen Schlüsseln zu einem unfälschbaren Ergebnis gelangt. Es wird noch eine Generation dauern, bis die ersten Wahlautomaten in Wahllokalen aufgestellt werden und eine weitere, bis es individuell online geht.

1 „Gefällt mir“

Das Problem des Blockplatzes ließe sich über eine Skalierungslösung ähnlich Lightning angehen, vielleicht sogar mit Lightning direkt. Kanäle könnten ggf. nach einer Wahl geschlossen werden. Die Gemeinde (dezentral) oder eine Registrierungsbehörde (zentral) müsste von außen von jedermann überprüfbar sein, bzw. die Einträge im Register müsste man anonym / pseudonym abfragen können. Wenn die Anzahl der Wähler grob der Anzahl der Einwohner entspricht, sollte es stimmen. Ist auf jeden Fall knifflig. Wenn man nur einen Key pro Ausweis erstellen kann, kann man es nicht eindämmen?

1 „Gefällt mir“

Das Wahlgeheimnis muss dann jeder für sich selbst eigenverantwortlich sicherstellen, wenn er die Wahl durchführt. Aber interessant zu hören, dass da bereits einige Kreise daran zu arbeiten scheinen. Eine ganze Generation? Dann müssen wir uns mehr anstrengen ;-)

Wie so ein Public Key für Umfragen?

Damit kann nur in eine Richtung ermittelt werden, dass gewählt wurde, aber in die andere Richtung durch private keys bestätigt werden, dass wirklich für etwas bestimmtes gewählt wurde?

1 „Gefällt mir“

Ja, dass könnte ein Ansatz sein. Natürlich kann man das Verfahren beliebig verkomplizieren mit Schnorrsignaturen, Ringstrukturen, etc. Die Grundfrage bleibt, ob es möglich ist so ein System zu bauen.

Welche „Unruhen“ bei aktuellen Wahlen sollen das eigentlich sein? Mir sind keine bekannt.

Für mich wirkt das Konzept vor allem unnötig kompliziert und wie der Versuch, Bitcoin krampfhaft einen weiteren Usecase zu verpassen.

Das ist der entscheidende Punkt.

So wie ich dich verstehe willst du praktisch eine Wallet aufmachen und die eingehenden Transaktionen „zählen“. Spenden mit 1 Sat gehen an Partei 1, Spenden mit 2 Sats gehen an Partei 2 usw.

Das Problem ist aber die Identität der Spenden. Wie willst du so sicherstellen, dass

  • nur Wahlberechtigte abstimmen und nicht irgendein Brasilianer oder Australier mit in die Wahl eingreift?
  • Ein Wähler auch nur eine Stimme hat und nicht einfach von einer anderen Wallet nochmal so eine Transaktion durchführt? Das kann er ja beliebig oft von beliebig vielen verschiedenen selbst erstellten Wallets machen.

So einfach ist es also nicht, die Wahlen durch Bitcoin abzubilden.


Aber Bitcoin liefert eine Technologie, die bei digitalen Wahlen durchaus hilfreich sein kann: Die Blockchain als dezentraler öffentlicher und transparenter Layer.

Die Kernfrage bei einer Wahl ist wie schon erwähnt die Identität. Einerseits will man bei einer Wahl die Identität der Wähler sicherstellen, andererseits sollen die abgegebenen Stimmen nicht mehr Rückverfolgbar sein.

Gerade Punkt 1, die Sicherstellung der Identität, widerspricht also dem Bitcoinnetzwerk schon inhärent, sodass man mit Bitcoin definitiv keine Wahlen durchführen kann, zumindest so wie wir sie kennen.

Aber man muss so eine Wahl ja auch nicht auf dem Bitcoinnetzwerk abbilden. :wink:


Wenn man die aktuellen Wahlen digital abbilden will, dann wäre mein Vorschlag so:

Der Staat gibt eine eindeutige und zuordenbare ID aus und überwacht auch die legitimität dieser ID. Immerhin bestimmt auch der Staat, wer, wann und wo wählen können darf. Im Prinzip macht er diese Identitätsabklärung ja heute auch schon bei einer Wahl.

Der Prozess der legitimen ID ist natürlich der fehleranfälligste und angreifbarste, aber ohne eine eindeutige ID gibt es nunmal auch keine freien und fairen Wahlen weil ja sonst, wie schon geschrieben, jeder beliebig viele Stimmen erfinden kann.

Auch heute schon kann sich jemand, der zugriff auf beliebig ausstellbare IDs vom Staat hat, eine Wahl auch beliebig manipulieren, weil er seine eigene Stimme auf beliebig viele legitime Fake-Stimmen replizieren kann.


Wenn wir das Problem der legitimen IDs also auf den Staatsaufbau bzw. den Staatsprozessen verschieben können, dann können wir also ersteinmal davon ausgehen, dass der Staat schon dafür sorgt, dass jeder eine eindeutig zuordenbare ID hat, die er für eine Wahl benutzen kann (z.B. Personalausweis).

Der Staat kann jetzt also für eine Wahl eine komplett neue Blockchain starten. Diese Blockchain ist dann wie bei Bitcoin mit einem fest definierten Root-Block gesichert, auf dem dann mittels PoS oder PoW aufgesetzt werden kann.

(Da wir hier von vornhinein mit einem System starten, wo Identitäten eine Rolle spielen, ist PoS aufjedenfall eine theoretische Möglichkeit, die Wahlblockchain abzusichern.)

Wir müssen hier auch kein allzu kompliziertes PoS-Verfahren verwenden, wie es bei Etherium oder Co. verwendet wird. Grund dafür ist, dass die Wahlblockchain ja mit Sicherheit irgendwann auch endet und nicht unendlich lange weiterlaufen muss.

Ich stelle mir das also so vor, dass ein User seine Stimme abgibt und mit seiner ID verschlüsselt. Dabei kann man ein Kryptografieverfahren verwenden, der sicherstellt, dass die ID gültig sein muss (z.B. von einem Root-Zertifikat des Staates abstammt), aber man nicht zurückrechnen kann, welche ID die Stimme dann abgegeben hat.

Über alle abgegebenen Stimmen in der Blockchain kann man dann wie bei Bitcoin zwar die öffentlich sichtbaren Infos ablesen, wie z.B. welche kryptische ID wen gewählt hat, aber den Kryptischen IDs kann man keine echten IDs mehr zuordnen. Die Stimmen kann man also eineindeutig zählen und es ist trotzdem gleichzeitig sichergestellt, dass man sowohl den Stimmen keine echten Identitäten zuordnen kann als auch keine ID mehr als eine Stimme abgeben darf. Solche „Transaktionen“ wären dann einfach ungültig in der Blockchain.

Das anfügen der Blöcke, wo die Stimmen verzeichnet sind, kann dann relativ ähnlich zu Bitcoin passieren, es können aber auch andere PoS Algorithmen zum Einsatz kommen.

Die Bitcoin-Analogie wäre dann, dass ein User, der seine Stimme abgeben will diese ersteinmal in den Mempool schmeißt. Um die Rückverfolgbarkeit zu reduzieren, kann der User ja auch mit seiner Stimme 10 oder 100 ungültige Stimmen mit in den Pool werfen. Diese ungültigen Stimmen machen zwar beim Auszählen mehr mühe, aber dafür kann das ja auch wirklich jeder zuhause mit seinem Rechner machen. Die Stimmen sind ja völlig öffentlich einsehbar in der Blockchain.

Dann kommen die Miner ins Spiel. Wir brauchen einen Konsensmechanismus, der die Blöcke aus dem Mempool in eine Reihenfolge bringt und an die Blockchain anhängt. Das kann wie gesagt PoS sein, da die Blockchain ja ein definiertes Ende hat (spätestens, wenn die Wahl vorbei ist oder wenn alle Stimmen abgegeben wurden und der Mempool leer bleibt).

Da wir hier ja keine Reihenfolge oder Transaktionsgebühren brauchen, kann der Mempool dann zufällig abgearbeitet.

Wenn wir hier Bitcoin-Like sein wollen, kann man sich vorstellen, dass man z.B. Prestige bekommt, wenn ein eigener Miner einen Wahlblock gefunden hat. Der Staat könnte aber z.B. auch eine Belohnung für jeden gemineten Block ausgeben. In diesem Fall können wir gewohnt das PoW ansetzen und beliebige Miner, auch jeder Hausserver, kann sich an die Arbeit machen und gültige Blöcke finden um den Mempool zu leeren und die Wahlblockchain zu verlängern. Wie bei Bitcoin würde es dann eine Blockbelohnung geben, aber eben keine Transaktionsgebühren. Das PoW sorgt dann dafür, dass z.B. jede Minute oder jede Stunde ein Block gefunden wird, während sich jeder am Miningprozess beteiligen kann.

Alternativ findet man einen PoS-Konsenz-Algorithmus, der das gleiche tut. Wie gesagt: Da die Blockchain garantiert endet, ist es bei ausreichend dezentralem Anfang für die Laufzeit theoretisch vernachlässigbar, dass sich die Dezentralität der Miner über die kurze Laufzeit zentralisiert. Über die langen bzw. unendlichen Laufzeiten von Bitcoin bzw. Etherium macht diese Zentralisierungswirkung aber definitiv einen unterschied.


Mit diesem Prozess könnte man also analog zu Bitcoin digitale Wahlen abhalten und vorausgesetzt einer legitimierten Identität (ID) freie, gleiche und geheime Wahlen umsetzen.

Du hast natürlich recht, dass ein öffentlicher Ledger das Konzept unserer bekannten Wahlen wunderbar widerspiegelt.
Aber bedenkt, dass das nur ein schnell erdachtes Wahlkonzept ist, dass nur die gängigsten Wahlmanipulationen verhindert und auf Basis der Blockchaintechnologie/Kryptografie funktioniert.

Aber es könnte auch für dieses Konzept bestimmt schnell ein Angriff erdacht werden, das nur mit einer Prozessänderung verhindert werden kann. Wie groß oder weitreichend so ein (mir noch unbekannter) Angriff und die damit nötige Prozessänderung aber ist, das kann ich hier noch nicht abschätzen.

Spontan würde ich aber schätzen, dass digitale Wahlen, basierend auf einer Blockchain, deutlich sicherer und Manipulationsunanfälliger sein sollten, als es irgendein bedrucktes Papier oder einer nicht nachzuvollziehenden Blackbox von Wahlmaschine sein sollte. Immerhin kann bei einer Blockcahin als öffentliches Medium sogut wie jede Aktion (von der Stimmabgabe über den Mempool zur entgültigen WahlListe) alles komplett dezentral, transparent und für jedermann (bzw. Jedercomputer) nachvollzogen werden. Alleine das macht Manipulationen schon deutlich schwieriger als z.B. eine Wahlurne von Wochenlang aufbewahrten Briefwahlstimmen zu knacken oder einer undurchsichtigen Machine vertrauen zu müssen, dass sie schon richtig aufgebaut worden ist und richtig zählt…

2 „Gefällt mir“

Mir fehlt bei der ganzen technischen Diskussion vor allem die reale Umsetzung. Wie soll ein Wähler ohne IT- oder Kryptografie-Kenntnisse damit sicher seine Stimme abgeben?

Sobald dafür Wallets, Keys, Signaturen oder spezielle Software nötig sind, muss der normale Wähler letztlich irgendeiner App oder einem Dienstleister vertrauen. Dann kann er selbst überhaupt nicht mehr überprüfen, ob seine Stimme korrekt signiert, anonymisiert und gezählt wurde.

Bei einem Wahlsystem reicht es nicht, dass Kryptografen erklären können, warum es theoretisch funktioniert. Millionen Menschen müssen es sicher bedienen und den Wahlvorgang zumindest grundsätzlich nachvollziehen können. Genau da sehe ich bisher keine Lösung.

Dafür könnte man wie bisher Wahlkabinen aufbauen. Statt einem Zettel und Papier findet man da eben einen Bildschirm (Touchscreen), wo man seine Daten geführt eingeben kann, genauso wie man es zuhause machen würde :woman_shrugging:

Die Wahlsoftware, die auf diesen Geräten läuft kann ja genauso Open-Source sein und beliebig von jedem einsehbar sein wie die Software, die man dann zuhause verwendet um seine Stimme abzugeben.

Wer sich also nicht für die Prozesse dahinter interessiert, der kann einfach die Anleitungen befolgen, seine IDs und seine Stimme eingeben und der Software vertrauen (So wie wir aktuell vertrauen müssen, dass die jetzigen WahlProzesse schon richtig und unmanipuliert sind).

Wer sich aber für die Prozesse interessiert, der kann eben beliebig tief in den Blockchain-Wahlprozess einsteigen und verifizieren, so wie bei Bitcoin.

Und das geht, weil es hier eine strikte Trennung zwischen ID (Geheimnis) und freier, öffentlich zugänglicher Software (bzw. deren Prozessen) gibt, genau so, wie uns es das Bitcoinnetzwerk lehrt.

Klar, das ist alles noch Theorie, aber man könnte ja mal Pilotprojekte anstoßen, dass man so eine Blockchain gesteuerte digitale Wahl neben der echten Wahl abhält. Damit könnten erstens die Kinderkrankheiten der Software ausgebügelt werden und zweitens das Vertrauen in die Technik aufgebaut werden.

Ja das stimmt zwar in erster Linie, aber wenn man dafür sorgt, dass nur Open-Source verwendet wird, dann hat jeder User eben die Möglichkeit, es nachzuprüfen. Das bedeutet nicht, dass auch wirklich jeder das nachprüft. Aber jeder kann es eben machen, wenn er will.

Erst wenn Closed-Software dabei ist, dann verlagert sich der Prozess wieder auf das Vertrauen, dass die Software schon das macht, was sie machen soll. Aber Bitcoin hat eben gezeigt, dass der vollständige Transaktionsprozess 100% komplett Opensource und für Jedercomputer lesbar sein kann und trotzdem per Kryptografie geheime Transaktionen möglich sind. Genau dieses Prinzip ist für eine Wahl wie gezeigt grundsätzlich auch möglich.

Aber überleg dir mal die Analogie im aktuellem Wahlsystem: Haben wir da die Möglichkeit, in jeden Prozess hineinzuschauen, dass er auch ordnungsgemäß läuft? Hast du z.B. die Möglichkeit, nachzuverfolgen, was mit deiner Stimme passiert, sobald sie in der Wahlurne verschwindet? Wer sagt dir, dass die per Post verschickten Briefe wirklich am Ende gezählt werden? Wer garantiert, dass die abgegebene Stimme in der Urne nicht verändert wird bzw. einfach andere Zettel aus der Urne gezogen werden als die, die man oben reintut?

All diese Probleme kannst du mit einer öffentlich einsehbaren Blockchain sofort verhindern. Jede Änderung würde da sofort auffallen.

Ist das nicht ein guter Grund um schnell eine Akzeptanz für so ein Wahlsystem zu schaffen?

Weil es aktuell keine marktreife Lösung für Wahlen gibt. Aber ich halte die Durchschnittsmenschen für klug genug, dass sie so ein Wahlsystem verstehen könnten, vorallem wenn ihnen die Chance gegeben wird, dass sie die Wahl direkt von zuhause aus 100% transparent verfolgen können, ohne dafür auf irgendwelche Medien oder sonstige Informationsverbreiter angewiesen sein müssen.

3 „Gefällt mir“

Also mit Unruhen bezog ich mich auf die Diskussionen zu Wahlmanipulationen, die in Sachsen-Anhalt in Altenheimen und bei der Briefwahl aufkamen. Ich will als einfacher Bürger in der Lage sein festzustellen, ob Altenheim XY zu 100% Partei 1 gewählt hat (weil manipuliert wurde) und ob die Briefwahlstimmen in Bundesland ABC bei der Partei 2 auffällig hohe Abweichungen zu den Urnenwahlstimmen hat. Das kann ich aktuell schlecht nachvollziehen. Eine Blockchain oder ein offenes Register kann es mir ermöglichen.

Ich finde die Vorschläge richtig gut. Es müssten möglichst die Vetrauensparteien zusammengeschrumpft werden, weswegen ich zunächst von der BTC-Blockchain ausging. Mit externen Informationen (Wählerverzeichnis, Einwohnerzahl) könnten manche Manipulationen sofort auffallen. Warum wir das alles brauchen? Nicht weil Bitcoin einen neuen Usecase bekommen soll, sondern weil ich unserem Wahlsystem in der jetzigen Form nicht mehr vertraue. Und das geht nicht nur mir so. Ich war zweimal Wahlhelfer. Beim ersten Mal wollte eine Partei X Zugehörige in meinem Ort Stimmen von Partei Y verschwinden lassen. Ich habe diese an mich genommen und persönlich ausgezählt. Ich habe den Vorfall mehrmals angesprochen, aber ich wurde ignoriert. Beim zweiten mal habe ich mit dem Bürgermeister gesprochen. Ich habe ihn zu dem Prozess befragt. Er sagte mir, dass alle gezählten Stimmen im Vier- Augen-Prinzip von ihm und seinem Stellvertreter zur nächst höheren Ebene weitergeleitet werden. Ich wollte wissen, wie ich das als Bürger überprüfen kann. Er sagte nur: „So viel Vertrauen müssen Sie haben. Da können Sie nichts prüfen.“ Eines von den alten Bundesländern.

2 „Gefällt mir“

Sehr spannend wären dann auch die Abweichungen von den Ergebnissen der neuen Software und legacy Wahlsystemen. Wenn Abweichungen gravierend wären, könnte so Manipulation frühzeitig erkannt werden. Dafür bräuchte die Software selbst an dem Punkt nicht mal irgendeine Machtausübung nach sich ziehen, die geschaffene Transparenz würde schon ihren Teil beitragen.

Falls wir als Grundannahme davon ausgehen, dass dem Staat nicht zu vertrauen ist, dann wäre die Frage, ob irgendwie mit Hilfe von Pfandhinterlegung Doppelstimmen verhindert werden können.

Also ein Dienstleister z. B. muss ein beträchtliches Pfand hinterlegen und funktioniert ähnlich wie ein Pool. Falls bekannt wird, dass der Dienstleister zugelassen hat, dass ein Teilnehmer mehrfach abstimmt wird das Pfand per Multi-Sig eingezogen und die Kunden wechseln zum nächsten Abstimmungsdienstleister.

2 „Gefällt mir“

Ja, die IDs sind nunmal die Grundlage für eine gerechte Wahl. Wenn man dem Staat also nichtmal mehr die legitime Herausgabe von Identitäten zutraut, dann ist natürlich jegliches Vertrauen, das auf den IDs beruht hinfällig, und damit definitiv auch das Vertrauen in die Wahlen, egal wie transparent die Wahlen dann stattfinden.

Dazu kann ich nur sagen: Ein legitimer Staat darf es nicht dazu kommen lassen, dass man ihm nicht mehr vertrauen kann. Kommt es doch zu so einem Vertrauensverlust, dann ist die darauf beruhende Demokratie genauso dahin.

Aber ich gebe dir recht, dass die letzten deutschen Regierungen sehr viel dafür getan haben, ihr Vertrauen zu verspielen und den Rechtsstaat in vielerlei Hinsicht anzugreifen, nicht nur im Bereich der Wahlen.

Alleine schon, dass ein politisches Gremium jetzt unliebsame Kandidaten einfach von der Wahl ausschließen kann, bevor die Kandidaten sich die Legitimität der Bevölkerung in einer Wahl hohlen kann ist eigentlich schon ein Skandal. Und die generelle Verfolgung und Diffamierung der unliebsamen Opposition ist genauso skandalös. Aber auch die bröckelnde Gewaltenteilung oder die Machtzentralisierung, weg von den Bundesländern hin zum Bund (eine Entmachtung der Länder zugunsten des Bundes) oder die Machtzentralisierung zur EU (Entmachtung des Bundes zugunsten der EU) sind Entwicklungen, die wir noch bereuen werden…

Umso zentraler die Machtausübung, desto weiter sind die Entscheider/Politiker von den eigentlichen Bedürfnissen der Bevölkerung weg. Bedeutet: Die eingeschlagenen Führungswegweisungen stimmen nicht mehr mit dem Willen der Bevölkerung überein und es gibt immer weniger Rückkopplung zwischen politischen Entscheidungen und deren Folgen auf die Bevölkerung. damit ist eigentlich klar, dass „die da oben“ immer nur Murks machen, egal wen wir da hin wählen.

Solange wir die Machtzentralisierung also nicht rückgängig machen und wieder eine ordentliche Gewaltenteilung einführen, solange wird sich auch nichts an den vielen Fehlentscheidungen der Regierungen ändern. Solange wird das Land auch weiter Richtung Abgrund fahren, oder wie Volker Pispers schon sagte: Die Schienen liegen, aber wir können den Lockführer austauschen.

3 „Gefällt mir“

Welche Unruhen?

Das die Briefwahl von der CDU dazu genutzt wird im örtlichen Altersheim Stimmen abzugreifen, dürfte seit Jahrzehnten bekannt sein. Macht den Merz aber auch nicht fett.

Online wäre das sogar noch einfacher, dann könnten die Ortsvorsteher das durch einen Bot erledigen lassen, statt da mühselig Leute vor Ort zu schicken.

Abgesehen davon, warum machst du dir Gedanken, wie du der Oligarchie zu mehr Glaubwürdigkeit verhilfst?

Mittlerweile hat es die Ursprungsidee der Demokratie sogar in den Wikipedia Beitrag geschafft.

Aristoteles sah in seiner Staatsformenlehre im Werk Πολιτικά (Politik) aus den Jahren 345 bis 325 v. Chr. eine reine Demokratie nur gegeben, wenn die Ämter alle durch Los besetzt wurden:

«λέγω δ᾽ οἷον δοκεῖ δημοκρατικὸν μὲν εἶναι τὸ κληρωτὰς εἶναι τὰς ἀρχάς, τὸ δ᾽ αἱρετὰς ὀλιγαρχικόν»

„Es gilt z. B. für demokratisch, daß die Staatsämter durchs Los, für oligarchisch, daß sie durch Wahl besetzt werden“

Wurden sie dagegen durch Abstimmung oder Wahl besetzt, betrachtete er die Staatsform als Oligarchie.

1 „Gefällt mir“

Ja man könnte mit BTC Kosten dafür erzeugen, zusätzliche Stimmen hinzuzumanipulieren. Wenn man nach meiner Idee vom Anfang die Sats zählt und diese dann in einem weiteren Schritt wie vorgeschlagen als Spenden für die Parteien nutzt, wäre auch die Parteienfinanzierung transparenter. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob überhaupt Parteien an sich noch zeitgemäß sind. Ich halte es für überlegenswert Resorts per Personenwahl direkt zu wählen. Also zum Beispiel das Verteidigungsministerium: Jeder kann sich bewerben, sofern er eine Mindestqualifikation erfüllt (z.B. 5 Jahre Berufserfahrung im militärischen oder polizeilichen Sektor). Und die Bürger stimmen unabhängig von Parteizugehörigkeit. Einige Ministerien könnte man gleich ganz streichen.

2 „Gefällt mir“

Wir müssen einen Weg finden, den Politikern mit unserem Geld die Richtung zu weisen und sie dorthin zu zwingen. Sie sind nur unsere Angestellten und sollen die Dinge umsetzen, die wir ihnen als Souverän auftragen.

3 „Gefällt mir“

Wir können natürlich als mündige Bürger und Bitcoiner selbst entscheiden, welche gesellschaftlichen Regeln wir für uns akzeptieren und praktizieren und über welche wir uns hinwegsetzen. Aber ich vertrete den Ansatz, es meinen Mitmenschen, die vielleicht nicht so mündig und freiheitlich denken wie wir, möglichst angenehm zu machen. Darum gehe ich wählen. Natürlich will ich es mir auch selbst möglichst einfach machen. Wenn alles verboten ist, was ich mag wird der Alltag schwieriger ;-)

2 „Gefällt mir“