@BTCommander, du hast recht, die 40% werden nicht auf alles angewendet sondern nur auf den Teil über der Grenze, das hab ich mir vorher noch nie so genau angeschaut.
Auf die ersten 12.000€ zahlt man keine steuern, von einem Jahresgehalt von 72.000€ werden also nur 60.000€ überhaupt versteuert. Und danach gibt es weitere Grenzen, die einen geringeren Steuersatz haben und die dann vom verbleibenden Betrag wieder abgezogen werden… Solange bis der Höchststeuersatz bei verbleibenden 277.000€ erreicht ist.
Damit kommt man dann auch auf einen niedrigeren Gesammt-Lohn-Steurersatz, den man effektiv zahlt. Für ein Durchschnittsgehalt sind das dann die angegebenen ca. 27%.
Erst für Leute, die deutlich mehr verdienen, fallen dann die ersten Freibeträge nicht mehr ins Gewicht und somit steigt der effektive Steuersatz mit steigendem Lohn immer weiter an, aber mir geht es hier ehr um die Durchschnittsbürger, was der Peak der Gauskurve in der Lohnverteilung sein sollte, also die Mehrheit der Gesellschaft.
Also
- 27% = ca. 1/4 des Jahres (oder 3 Monate) arbeitet man für direkte Staatsabgaben.
- Weitere 20% gehen direkt an die Sozialkassen.
- Es bleiben 100%-27%-20% = 53%, von denen bei Benutzung 19% Mehrwertsteuer abfällt: 53% * 19% = 10%
- → 53% -10% = 43% vom Lohn bleiben in der Tasche
Selbst damit wird einem schon mehr als 50% vom Staat ersteinmal abgenommen, dazu kommen aber noch weitere Lohnunabhängige Steuern, wie @Beobachter_90 schon richtig sagt:
Die meiner Meinung nach wichtigsten sind:
- Grundsteuer (nochmal ca. 500€ bis 1000€ pro Jahr für eigene Grundstücke, aber nur 50 bis 100€ pro Wohnung im Wohnbunker) nur dafür, dass man einen Platz zum Wohnen hat. Firmen zahlen hier mehr, was dann auch Lohn hätte sein können.
- Grunderwerbststeuer (ca. 25.000€ alleine für den Kauf eines Grundstückes im Wert von 400.000€, aber fairer weise fallen hier keine Mehrwertsteuern an)
- Erbschaftssteuer, sodass das Vermögen der Eltern nicht einfach auf die Kinder übergehen kann. Wenn ein Grundstück z.B. alleine durch Inflation von 100.000€ auf 600.000€ hochgegangen ist, dann kommt man schon über den Freibetrag und muss für den Besitz der verstorbenen Eltern wieder bezahlen.
- CO2-Steuer, die wir für jeden Transport bezahlen müssen, aber im Preis der Waren, die wir kaufen versteckt ist.
- Die Rundfunk-Gebühr mit 220€ pro Jahr, ein bedingungsloses Einkommen für Staatsmedien
Klar könnte man noch Bürokratie aufzählen, denn alleine dass Firmen verpflichtet sind gewisse Statistiken oder Finanzberichte anzufertigen bedeutet, dass man dafür Arbeitskräfte einstellen muss, die eigentlich nur einen Bullshitjob machen. Man kann fast sagen, dass für jeden Sachbearbeiter im Amt ein Sachbearbeiter in den Firmen angestellt werden muss, der die aufgetragenen Vorgaben umsetzen muss. Also jemand, der ein Loch aufmacht und andere, die das wieder zuschütten müssen. Aber auch das ist hier eigentlich nur ein Nebenschauplatz.
Das sind alles Leistungen, die direkt vom eigenem Lohn abgehen ohne dass man ersteinmal was dafür bekommt. Also wo der Staat diktiert, dass wir das abgeben und gleichzeitig diktiert, was wir dafür vielleicht wieder zurück bekommen.
Wie gesagt, klar bekommen wir was von den Abgaben zurück wie Schulen, Krankenhäuser usw. Aber das Problem ist wie gesagt, dass das Geld bedingungslos eingenommen bzw. abgenommen wird und der Staat danach selber entscheidet, was er damit machen will.
Klar, wenn der Staat das Geld zum Nutzen seine Bürger wieder ausgibt, dann kann das funktionieren (der Traum vom Sozialismus), aber das Problem ist doch, dass die Ansicht des Staates, was gut für die Bürger ist, von der Ansicht was die Bürger für sich gut finden unterscheiden kann. Alleine schon weil jeder Bürger eine andere Ansicht haben kann und der Staat nie alles unter einen Hut bekommen kann. Und umso weiter die Politiker von den Bürgern entfernt sind (also nicht Kommunen sondern Berlin oder sogar Brüssel), desto wahrscheinlicher ist es auch, dass das Geld nicht mehr für die Bedürfnisse der Bürger eingesetzt wird sondern sogar gegen sie verwendet wird.
Und das gilt natürlich auch für die Sozialabgaben. Auch wenn die uns für Rente oder im Falle einer Krankheit wieder ausgezahlt werden, der Staat bestimmt größtenteils, welche Leistungen von diesem Geld abgesichert sind und welche nicht. Damit sind auch Sozialabgaben oder der Rundfunkbeitrag eine Art Steuer.
Sicher ist, dass sich sowas wie ein Staat immer bilden wird, denn die stärkste Kraft in der Gesellschaft ist nunmal der Staat, egal ob das eine demokratisch gewählte Organisation ist, ein Monarch oder Diktator, oder ob das die Mafia ist, die die Regeln diktiert. Es wird also meiner Meinung nach nie mehr keinen Staat für eine Region mehr geben können, solange dort Menschen(ähnlich) denkende/intelligente Wesen leben (= eine Gesellschaft aufbauen/bilden).
Für eine langfristig funktionierende Gesellschaft benötigt man aber meiner Meinung nach ein Kräftegleichgewicht zwischen den verschiedenen Staatsorganen (Legislative, Judikative, Exekutive, Medien, Volk usw.), also Gewaltenteilung. Und die Gewaltenteilung ist in Demokratien am besten ausgeprägt. Diese Gewaltenteilung kann auf vielseitiger Art und Weise untergraben werden und zu einer Diktatur abgleiten, deswegen will ich den Fokus hier auf das Geld bzw. die Steuern legen. Also wenn die Demokratien „zu Fett werden“ und den Menschen zu viele Steuern abpressen, dann sinkt die Kraft des Volkes gegenüber des Staates und das destabilisiert die Gesellschaft im Sinne der Gewalltenteilung.
Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass ein Staat sich so wenig wie Möglich in die Angelegenheiten der Gesellschaft einmischen sollte und das kann man nur garantieren, wenn man die Abgaben strikt limitiert, die der Staat seinen Bürgern abnehmen darf. Diese Abgaben dürfen mit Sicherheit nicht die 50%-Grenze erreichen, denn dann kann der Staat schon fast diktatorisch vorgehen. Aber das andere Extreme ist eben genauso gefährlich. Ein Staat ohne eigene Finanzen bzw. Einkommen kann sich nicht selber verteidigen und damit die anderen gewallten schützen. Solange die Menschen sich diesen Schutz leisten können sind diese Abgaben auch meiner Meinung nach gerechtfertigt, alleine weil sie ja auch Vorteile vom Staat bekommen. wenigstens den Schutz.
Das Problem bei Deutschland ist aber, dass der Staat ja nicht direkt zeigt, wie viel er den Menschen abnimmt und man diese 50% Grenze also nicht einfach sehen kann, wo der Staat die eigenen Märkte der Gesellschaft dominiert und damit den Willen der Bevölkerung überstimmen kann.
Noch ein Gedanke dazu, für die Wissensbildung hilft die KI vielleicht, aber ich stelle die frage ja explizit in ein Forum um die Meinung von vielen anderen Menschen als Input zu bekommen um meine Gedanken zu hinterfragen und gleichzeitig andere Menschen zum Denken anzuregen, wo ich falsch liegen könnte.
Mit einer KI zu diskutieren hilft vielleicht mir, aber die KI hat von der Konversation ersteinmal nichts. Und ich erreiche keine anderen Menschen, die über diese „wirtschaftliche“ Situation von Deutschland nachdenken.
Mich persönlich macht es einfach nur traurig, wie das Land sich selber vernichtet, u.a. weil die Politiker nix von Wirtschaft verstehen.
Sätze wie: Das zahlen nicht die Rentenbeitragszahler sondern die Steuerzahler belegen das doch wunderbar. Das Problem von einem Topf in den nächsten Topf zu packen löst eben nicht das Gesamtproblem, das bei den Durchschnittsbürgern wieder zusammen kommt.
Dass Deutschland auf Talfahrt ist, das leugenen sie ja nicht mal mehr, aber solange sie die Realität der Menschen und die schon physikalisch-artigen Grundgesetze der Wirtschaft nicht begreifen, solange wird es wohl auch bergab mit unserem Wohlstand gehen, den unsere Eltern/Vorfahren so mühevoll aufgebaut haben.
Nichts was nicht von sich aus finanziert werden kann (also vom freien Markt aus ohne Subventionen auskommt) kann wirklich nachhaltig sein denn dann endet es mit den Subventionen.