@Roman: Wenn wählen nichts bringt – warum dann Petition & Abgeordneten-Mail?”

Kurz vorweg, damit’s nicht falsch ankommt: Das ist kein Front und keine Doppelmoral-Anschuldigung.

Ich bin großer Fan von Roman und dem Blocktrainer-Team – ich stelle die Frage genau deshalb, weil ich eine bestimmte Sichtweise ehrlich verstehen will und es bisher nicht tue.

Romans Haltung, warum Bitcoiner nicht wählen gehen sollen, kann ich zum Teil nachvollziehen.

Womit ich hänge:

  1. Wenn wählen angeblich nichts bringt – warum dann eine Mail an den Abgeordneten oder eine offizielle Petition, um Druck aufzubauen? Für mich fühlt sich das schwächer an als eine Stimme.
  2. Warum nicht direkt die Partei wählen (die blaue), die beim Thema Bitcoin viel Gutes durchsetzen will und bei der man keine Debatten wie die aktuelle oder das Kippen der Haltefrist befürchten muss?

Mein Denkfehler liegt vermutlich irgendwo dazwischen – deshalb würde mich echt interessieren, wie ihr das seht. Ist die eigene Stimme nicht das direkteste Druckmittel gegenüber der Politik? Bin für jede Erklärung dankbar.

Liebe Grüße

Das Kreuz an der richtigen Stelle bringt in meinen Augen mehr als garkein Kreuz. Das Problem ist nur, dass es keine Partei gibt bei der alles für mich stimmig ist und man vorher nicht weiß welche Punkte nur Wahlversprechen sind und welche wirklich umgesetzt werden

Weil die Petition viel günstiger ist als wählen. Also ich meine jetzt nicht im monetären Sinn, sondern im Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Beim Wählen muss man entweder an einem bestimmten Tag in einer bestimmten Zeitspanne beim Wahllokal sein (und sich dort ggf. noch eine Weile anstellen) oder man muss Briefwahlunterlagen beantragen und dann in einen Postkasten werfen.
Zusätzlich ist jeden einzelne Wahlprogramm sehr viel umfangreichen als die Petition. Und es gibt mehrere Wahlprogramme. Sich da zu informieren kostet also einiges an Zeit, und dann muss man noch abwägen, weil man nie alles von einer Partei gut findet. (Um dein Beispiel zu nehmen: AFD ist zwar pro Bitcoin(-Haltefrist), aber halt auch pro Zwangsarbeit (Wehrpflicht). Nicht jeder findet beides gut.

Auf der anderen Seite ist die Petition oder die E-Mail nur eine einzelne Sache, die noch dazu schnell und gemütlich online gemacht werden kann. Da muss man nicht viel abwägen, es gibt nur „pro das eine“ und nicht „aber damit wähle ich einen ganzen Korb an Dingen“.
Selbst wenn es „schwächer“ ist als eine Stimme, kann es doch ein höher Kosten-Nutzern-Verhältnis haben, wenn eben einfach die Kosten so viel geringer sind als beim Wählen. Das ist meiner Meinung nach hier der Fall.

das ist scheinheilig.
Briefwahl kostet dir ähnlich wenig.
Briefwahlunterlagen kann man in der Regel per Netz beantragen.
Auch die restlichen Argumente sind allenfalls Entschuldigung für Faulheit oder politischem Desinteresse.
Warum dann aber plötzlich Petition? Das entbehrt doch jeglicher Logik.

Wenn es unbedingt per Papier gehen soll, dann einfach keine Briemarke drauf - kostet dir also so viel, wie Briefwahl als solches.

Bei uns gibt es kein Quorum. Eine nicht oder ungültige abgegebene Stimme ist also eine rein statistische Zahl - ohne Auswirkung. Dem Politiker, der Partei ist es egal, ob sie mit 10 Stimmen oder 20 Mio gewählt werden.
Nur abgegebene gültige Stimmen zählen.
Nicht wählen macht nur in Autokratien und Scheindemokratien mit Quorum Sinn, da ist das offizielle und bestellte Ergebnis immer zwischen 85 und 98 %, völlig unabhängig von den gesetzten Kreuzen.

Was aber immer klar ist: nach der Wahl sind die Nichtwähler die unzufriedensten und die, die am lautesten Meckern.

Ich glaube, du hast meinen Post nicht verstanden.

Ich habe die Frage als spieltheoretisches Problem analysiert. Da ist es üblich, von Kosten zu reden und nicht unbedingt Geld zu meinen. Kosten können z.B. auch Zeit, Aufmerksamkeit, Informationsaufwand, kognitive Leistung, Abwägungskosten, Reputationskosten, Vertrauensverlust etc. sein.

Bei einer Petition muss ich nur eine konkrete Forderung bewerten. Der Aufwand ist klein: wenig Zeit, wenig Recherche, wenig Abwägung.
Beim wählen ist das anders. Da geht es nicht nur um eine Sache, sondern um ein ganzes Parteiprogramm. Um das hinreichend zu analysieren muss ich viel mehr Zeit investieren, mich in deutlich mehr Themen einlesen und am Ende abwägen, ob sich das Gesamtpaket mehr lohnt als das der anderen Parteien.

Dass Briefwahl logistisch einfach ist, ändert daran nichts. Das ist nur die technische Durchführung. Die relevanten Kosten liegen in der eigentlichen Entscheidung.
Deshalb sind Petition/E-Mail und wählen strategisch nicht dasselbe. Das eine ist die gezielte Unterstützung einer einzelnen Forderung, das andere ist ein Mandat für ein komplettes politisches Paket.

Ich denke nicht, dass Roman antwortet, verstehe ich auch, denn würde er anfangen jede Nachfrage im Forum schriftlich zu beantworten und so auszuformulieren, dass er nicht angreifbar ist, würde er sich in stundenlange Diskussionen verwickeln und nicht mehr zum Streamen und seinen anderen Arbeiten kommen :sweat_smile:

Ich versuche mal, das zu erklären, so wie ich es verstehe:

Zum einen geht es um einen anderen Kontext. Er findet es sinnlos zu wählen, weil er nicht möchte, dass eine Partei über sein Geld verfügt, das machen aber alle Parteien, also kann er nur verlieren und sieht es nicht ein, mit seiner Stimme zu signalisieren, dass dieser Prozess in Ordnung sei.

Ich würde nicht sagen, dass es garnichts bringt zu wählen, würde aber wie folgt argumentieren, dass eine E-Mail stärker ist.

Damit würde ich auch alles andere wählen, was die blauen so sagen, vielleicht passt mir das nicht. Vielleicht setzen sie alles um, was sie versprochen haben, außer zum Thema Bitcoin, weil sie nicht wissen, warum sie deine Stimme bekommen haben.

Anders gesagt: Bei einer E-Mail signalisiert man einem echten Menschen, dass man an einem konkretem Thema Interesse hat und kann ihm vielleicht sogar noch neue Informationen überbringen. Bei einem Kreuz bist du eine Stimme von Millionen, die keinen interessiert, und die ganz allgemein für das ganze Parteiprogramm stimmt.

..ich habe jetzt vieles überflogen, stimme mit den vielen weisen Aussagen überein.

Richtig, weil diese (meist von der Wirtschaft gesteuerten und lobbyismusgeprägten) Personen nicht ernst zu nehmen sind.

Ich nehme schon lange keinen Finanzminister mehr ernst, der Wasser predigt und Wein säuft !
Ist psychologisch auch nachvollziehbar, da klopft man sich für Schulden auf die Schulter, wenn es im Folgejahr zwar weniger, aber immer noch hohe Schulden sind.

Politiker sind keine Wertschöpfer ! Das Gespür dafür fehlt gänzlich. Sie bekommen etwas vorgegeben zu sagen, was gut bezahlte Berater ihnen vermitteln.
Ist auch egal, welcher Partei sie angehören, (durch die Bank weg, sehr kommunistisch) unwissend das Geld anderer Leute mit vollen Händen für fragwürdige Aktionen rauswerfen.
Meines Erachtens nach dürfen nur verantwortungsbewusste UNTERNEHMER eine Partei führen, Ziele vorgeben und für die Umsetzung sorgen. Das sind Macher, keine Labertaschen !

Und das von mir, einem Angestellten im ÖD ! Wahrscheinlich genau deshalb, weil ich weiß wie es hier läuft ! Die in Berlin legen dann gerne nochmal ne Schüppe drauf !

Was noch nicht erwähnt wurde:

Mails/Fax/Petition zu Themen versenden kann viel öfter gemacht werden, als eine Stimme abzugeben von der die Partei gar nicht weiß warum diese gegeben wurde.

Das ist der Partei auch egal warum, denn Wählerfang ist ziemlich entkoppelt vom Einhalten der Wahlversprechen.

Ich verstehe den Gedanken hinter dem nicht-wählen, finde ihn am ende aber immer noch völlig falsch. Die Wahlbeteiligung zu sehen ist immer eine Enttäuschung - eher schon peinlich. Und dass Bitcoiner dazu beitragen…ohne Worte.

Wählt doch einfach eine Satirepartei. Die Bierpartei, irgendeine Schwurbeltruppe, mir egal. Wenn ihr die wählt signalisiert ihr zumindest, dass euch ALLE größeren Parteien in ihrer Form nicht gefallen. Es ist auch ein Statement, wenn der Balken für „Sonstige“ 50% erreicht.

Nicht wählen ist einfach politisches Desinteresse.

Eine Ausnahme: Wer in Vorbereitung ist auszuwandern hat mit dem Land naturlich nichts mehr am Hut und SOLLTE nicht wählen.

Wählen ist politische Illusion.

Inwiefern soll denn das was bringen?

Signalisiere ich nicht auch durch das nicht wählen, dass mir alle größeren Parteien in ihrer Form nicht gefallen?

Und bei vielen Nichtwählern sind es ja nicht „nur“ die Parteien als solche, sondern sie lehnen auch das System ab.

Warum soll also jemand der grundsätzlich mit dem Parteiensystem nicht einverstanden ist unter Umständen irgendeinen Clown irgendeiner Satirepartei ins Parlament wählen damit der sich auf Steuerzahlerkosten, also auf die Kosten des Arbeiters, einen schönen Tag machen kann?

Ist doch völlig egal was „signalisiert“ wird, sowas zählt nur in einer Demokratie.

Aber ein Machtsystem das sich als Demokratie ausgibt interessieren Signale, das es die Macht nicht „verdient“ hätte.

Es interessiert nur, ob die Macht durch das Volk besteht und das ist so, solange das Volk keine Revolution anzettelt auf welche Weise auch immer.

doch, ich habe dich sehr wohl verstanden - daher nicht nur der monitäre Bezug.

Ergänzender Nachtrag: Wenn man Demokratie ernst nimmt, ist sie nie bequem!

fein, und alle andere, zB der einfache Arbeiter, der Rentner, der Behinderte , Kinder, Umwelt, fallen ganz schnell hinten runter.
Sie sind ja nur Kostenfaktoren.

ist richtig.
Die Menscheit lebt auch auf weiten Strecken von Illusionen (siehe auch Bitcoin).

Nicht wählen ist mEn Dummheit.
Man schimpft und meckert permanent - nicht zu Unrecht - über die Unfähigkeit der Politik, überlässt aber die Grundentscheidung anderen.

Und , ob deine Stimme etwas bewirkt, kannst du im Voraus gar nicht wissen!

Ja, es gibt kleine Investigativparteien wie die Partei oder gute Opposition wie Piraten, bei denen die Stimme ganz ohne Regierungsbeteiligung sinnvoll aufgehoben ist.

meine grundsätzliche Meinung ist, verschenke deine Stimmrecht nicht durch Nichtwählen.

Zu bedenken ist aber auch, dass Stimmen für von vornherein erfolglose Wählergruppen letztendlich den anderen Parteien zugute kommen.
Wenn man schon die etablierten Parteien (einschließlich der, die andere gemäß Nazisprech als „Altparteien“ bezeichnen) nicht wählen will, dann wenigstens versuchen, taktisch zu wählen.

Ich bin selbst kein Liberaler/Libertärer, aber finde es sehr interessant wie viele von dennen die AfD loben, welche Wehrpflicht, Grenzschließung (nicht nur an der Europäischen Außengrenze) und viele weitere Freiheits Einschnitte propagiert.
Fast so als ob „Freiheit“ gar nicht das ist was diese Leute wirklich wollen?

Nein. Nichtwählen bei mir ist das Ergebnis der Lektüre einiger Bücher, beispielsweise „Das souveräne Individuum“ oder „The Fourth Turning“ oder auch „Die Kreatur von Jekyll Island“.

Ein anderer Grund ist, dass ich mich als politisch äußerst interessierter Mensch entschieden habe, mich nicht mehr um die Politik zu kümmern, weil ich ansonsten durchdrehen würde bei dem Scheiß, der da jeden Tag fabriziert wird.

Auch die Beschäftigung mit dem Stoizismus hat mir die Erkenntnis gebracht, dass ich mich in zunehmendem Maße nur noch um die Dinge kümmere, die ich direkt beeinflussen kann.

Es handelt sich also nicht um Desinteresse, sondern eher um mentale und emotionale Notwehr.

Spannend. Stimme dir im Grunde in allen Punkten zu. Mache es auch so zum Selbstschutz. Mir ist auch klar, dass es nicht wirklich Desinteresse ist. Die Botschaft nach außen bleibt aber die gleiche. Außerdem lässt man zu dass andere für dich entscheiden wer regiert. Und ich glaube nicht dass dir egal ist ob grün, blau oder Regenbogen regiert.