Ohne Staat wirklich möglich

Ich bin Anhänger des Minimalstaates, aber einige hier, inklusive Roman, sind ja Anarchokapitalisten und lehnen einen Staat komplett ab. Ich wünschte, das wäre wirklich möglich, aber ich glaube, auf Grund der inzwischen sehr großen, dichten Bevölkerung ist es das nicht.

Warum funktioniert es in Somalia nicht? Da gibt es ja auch keinen Staat, der die Kontrolle hat und da ist Mord und Totschlag. Außer im Norden - da gibt es einen funktionierenden Staat und da ist Ruhe. Und die Leute finden es gut so, weil sie sehen, wie es sonst werden kann.

Warum entsteht in Zentral- und Südsomalia nicht so eine Privatrechtsordnung? Stattdessen sind da hunderte Warlords, Islamistenvereine und was weiß ich, die die Herrschaft wollen…

Die Antwort steht schon im Zitat.

Weil keinen Staat zu haben bedeutet niemand hat das Gewaltmonopol. Das bedeutet Machtvakuum. Und Machtvakuum bedeutet, dass sich früher oder später Menschen berufen fühlen werden, die Macht an sich zu nehmen.

Anarchokapitalisten sind genauso solche Träumer wie Kommunisten. Beide wollen keinen Staat und sich selbst regieren.

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OK, aber wie beantwortet ein Anarchokapitalist so eine Frage?

Ich persönlich würde dir recht geben: Einserseits sollte ein Staat so wenig wie möglich Einfluss auf die Menschen haben, aber einen gewissen Einfluss benötigt man eben um z.B. einen starken Helfer gegen Verbrecher zu haben.

Generell kann man aber sagen, dass sich sowas wie ein Staat immer bilden wird: Es wird immer Gruppen geben (die warum auch immer) etwas mächtiger werden als andere Menschengruppen. Und die Mächtigste davon wird eben dann den Staat bilden.
Das kann dann ein Monarch sein, eine Oligarchie oder die Mafia, ganz egal.

Die Mächtigste Gruppe ist der Staat, weil diese Gruppe eben dank ihrer Macht alle anderen dominieren können (egal ob diese Gruppe gutes oder schlechtes im Sinn hat).

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Der Markt regelt das alles. ;)

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Gerade Kommunisten wollen ebenso wie Sozialisten einen starken Staat…

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Ich denke nämlich auch, das Einzige, was funktionieren würde, wäre ein Minimalstaat.

Ich frage mich z. B. auch: Wenn es keinen Zwang mehr gibt und jemand keine Haftpflicht für seinen Wagen abschließt und er jetzt einen hohen Schaden verursacht, wie würde ein Anarchokapitalist das regeln, wenn bei demjenigen auch nichts zu holen ist?

Roman hatte mal zu dem Thema auf ein ausführliches Video verwiesen, was ich hier auch vor kurzem verlinkt gesehen hatte, leider finde ich es nicht mehr. Weiß einer, welches ich meine? Würde es mir gerne mal angucken.

Wenn Du vom Minimalstaat kommst, argumentieren Ancaps, dann wären innere und äußere Sicherheit, sowie Gerichtsbarkeit und Polizei auch privatrechtlich lösbar, ohne Einbußen an Funktionalität.

Somalia ist ein schlechtes Beispiel. Die Staatsquote von Somalia war bei 7,4%. D.h. selbst dort wo ein Staat aktiv ist bewegt er sich unter dem Optimum von 10-20% Staatsquote.

Im staatsfreien Teil gibt es vermutlich keinen Zusammenschluss von Menschen, die Regeln vereinbaren, und diese gegen Warlords verteidigen. Das hat mit Anarchie also wenig zu tun.

Jetzt wird es wieder kompliziert…;)

Zumindest keinen Staat wie wir ihn verstehen. Im verwirklichtigten echten Kommunismus gäbe es ja keine Hierarchien mehr. Also auch ein Machtvakuum bzw. eben auf kleiner Ebene dann nur möglich. So in kleinen Gemeinschaften.

“Kein Gott kein Staat kein Patriarchat” ist z.B. eine Parole aus so einer Ecke.

Also eben gegen jede Form von Hierarchie weil damit Unterdrückung gleichgesetzt wird.

Ganz einfach:

  • Gemeinden könnten beschließen, dass man z.B. deren Gelände nicht befahren darf, wenn man nicht sicherstellen kann, dass Schäden gedeckt sind.
  • Man könnte eine Nicht-Versicherten-Unfallgegner-Zusatzversicherung erfinden und anbieten.

Wie bemisst sich die Staatsquote eigentlich? Und wenn die so gering war, ist das doch gut, wenn man ein anarchokapitalistisches System im Blick hat oder?

Und zu deinem letzten Absatz: Aber WARUM schließen die Menschen sich nicht zu einer Privatrechtsordnung zusammen und handeln friedlich untereinander? Da ist ja kein Staat, der da nerven könnte, sowas aufzubauen. Wie wäre es hier in Dummland? Würde es sich genauso entwickeln? Warum gabs im Mittelalter selbst im relativ freien Ostfriesland später Herrscher, die Häuptlinge? Auch dort gabs doch die Chance für eine vollständige Privatrechtsordnung.

OK, aber wenn die Gemeinden das für ihr Gebiet beschließen, ist es doch das gleiche wie jetzt, nur komplizierter? Und was ist, wenn beides nicht da ist: Du brauchst in der Gemeinde keine Versicherung und der Unfallgegner hat keine Versicherung für seine erlittenen Schäden und der Verursacher ist ein armer Hund? Nix zu holen bei dem.

Alle Augaben des Staates geteilt durch das BIP

Ich vermute in Somalia gehen die wenigen Ausgaben in Korruption, statt in nützliche Dinge. Wirtschaftlich gesehen ist 10-20% der sweet Spot bei dem eine Gesellschaft bestes Wachstum hervor bringt.

Da wir bisher keine Ancap Gesellschaft haben, können wir sie mit solchen Minimalstaaten auch noch nicht vergleichen, und schauen, was besser funktioniert.

Das kann ich Dir nicht sagen, ich war nicht dort. Vermutlich ist das gegen Warlords auch nicht einfach. Dazu braucht es wohl eine gewisse Bildung sich Regeln un Gesetzt zu geben und deren Einhaltung und Überwachung zu planen. Menschen mit ausreichend Bildung wachsen auch nicht auf Bäumen.

Ich kann aber nur vermuten. Ich war wie gesagt nicht dort.

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Hört sich wie der Urkommunismus an. Aber der heutige Kommunismus baut auf einen starken Staat, wie Nordkorea, China, UDSSR usw.

Staat ist letztlich ja eine Entwicklung.

Es ist auch geradezu absurd lächerlich eigentlich, dass gerade die Marktradikalen völlig ignorieren, dass sich das Konzept des Staates als Organisationsform offenbar auf dem Markt weltweit durchgesetzt hat. ;)

Staat hat sich einerseits aus Notwendigkeit heraus entwickelt wie auch aus Zwang.

Die Entwicklung ist von klein zu gross. Familien schließen sich zu Sippen zusammen, Sippen zu Stämmen, Stämme zu Völker umd Völker organisieren sich heute eben in modernen Staaten.

Wer sich nicht organisiert kommt unter die Räder derjenigen, die sich organisieren. So war das in der Geschichte immer.

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Das ist ja auch ja auch kein echter Kommunismus oder sowas. Auch wenn man das so nennt. Aber egal.

Der Klassiker :upside_down_face:.

@Katja69: Ja, vielleicht hat das auch was mit dem Menschenschlag zu tun, ob das geht oder nicht… Hier bei den relativ friedlichen (echten) Europäern wäre das eher vorstellbar, dass es funktioniert, als beim Spezialklientel, welches wegen absolut nichts immer sofort ausrastet.

Schwer zu sagen. Wenn Leute unter Warlords gelebt haben, hat es sich evtl. auch als vorteilhaft erwiesen, gleich das Messer zu ziehen. Das wissen wir halt nicht.

Aber in Europa macht das Spezialklientel wie Du es nennst jedenfalls ziemlich Probleme. Äußerst fragwürdig ist auch, dass man zuwartet ohne das Experiment mal abzubremsen.

Also die Germanen waren immer schon sehr freiheitsliebend und auch demokratisch. Die haben ihre Anführer z.B. letztlich nur während Phasen des Krieges gewählt und im Frieden ging man dann wieder auseinander.

Der Thing war ja auch so eine Art basisdemokratische Ratsversammlung z.B. und auf Island regierte man sich noch im Mittelalter gut 100 Jahre auf diese Weise selbst, bis ein norwegischer König und Eroberer kam. ;)

auch das ist ein Markt!