Man muss bedenken, dass ein Bitcoin-Treasury-Unternehmen auf Dauer nur funktionieren kann, wenn es kontinuierlich neues Kapital beschaffen kann. Klassische Kredite oder so was wie Wandelanleihen sind nicht ideal. Weswegen auch Unternehmen wie Strategy davon abgekehrt sind und auf die Ausgabe der Stammaktie und der Vorzugsaktien setzen.
Das gigantische Kapital im Markt, was Strategy mit den verschiedenen Vorzugsaktien anspricht, ist zwar gewaltig, aber verlangt auch viel Vertrauen und Sicherheit. Es wird Jahre dauern, bis diese Bitcoin basierten Finanzprodukte sich bewähren. Und dann spielt es eine Rolle, ob ein Unternehmen fast 1 Mio. Bitcoin als Absicherung der Finanzflüsse (Dividendenzahlungen) besitzt, oder ob es nur 500 oder 3000 sind. Es braucht eine gewisse Größe, um sinnvoll überhaupt solche Vorzugsaktien anzubieten, wie es Strategy, Metaplanet oder Strive aktuell tun. Hinzu kommen teilweise regulatorische Hürden, gerade in der EU und Deutschland sind diese Konzepte aus den USA und Japan nicht 1:1 kopierbar oder möglicherweise überhaupt nicht möglich.
Beispielsweise hat Capital B aus Frankreich zwar einen sehr guten Start hingelegt, aber sie haben aktuell Probleme, an neues Kapital zu kommen. Es gab längere Zeit keine Käufe, während Strategy oder Metaplanet auch in Downphasen weiter akkumulieren konnten. Erst gestern oder vorgestern haben sie nun 5 Bitcoin kaufen können, nach längerer Zeit. Das macht manchen Hoffnung, andere wiederum sind ernüchtert von der sehr geringen Anzahl. Und: Capital B ist das erste europäische Bitcoin-Treasury-Unternehmen, und der Name hat auch in der Hypephase weltweit die Runde gemacht, und trotzdem haben sie im Bärenmarkt große Schwierigkeiten, an Kapital zu kommen.
Das kann sich in einem Bullenmarkt auch schnell wieder ändern. Zeigt aber den Unterschied. Strategy kann mit seinen 700k Bitcoin viel leichter, notfalls auch klassische Kredite aufnehmen, als ein kleines Unternehmen wie Capital B. Dadurch können die Großen immer mehr Sicherheit anbieten und damit das Kapital anziehen.
Es klingt klischeehaft, aber es zeichnet sich halt wieder einmal ab, dass man in Europa wieder hinterherhinkt. Es gibt zwar Menschen und Unternehmen, die früh dabei sind, wie Capital B. Aber so, wie die ganze Regulatorik und der Markt hier gestrickt sind, können diese Unternehmen nicht so rasant und aggressiv wachsen, wie in den USA. Wenn Europa irgendwann die Bedeutung solcher Unternehmen erkennt, sind in den USA und Japan bereits große Kapitalzentren entstanden, die mit viel größeren Sicherheiten Kapital abwerben können. Man kann sich an lokale Faktoren klammern, so wie der Steuervorteil für Japaner, wenn sie Metaplanet-Aktien kaufen. Aber ob solche Vorteile in Europa dann ausreichen, um Unternehmen wie Capital B global relevant zu machen, ist fragwürdig.