Mit Verlust verkaufen

Ich lese vor allem im Kryptospace immer wieder, dass Leute nicht verkaufen wollen, weil sie im Verlust sind. Möchte gerne darauf hinweisen, dass man mit dieser Herangehensweise Opfer des Ankereffekts wurde. Es ist nicht rational, den Einstiegskurs in die Bewertung ob man verkauft einzubeziehen, außer es geht um steuerliche Aspekte. Eine rationalere Herangehensweise ist, die fundamentalen Änderungen im Bezug auf die Kursveränderung zu bewerten. Gab es starke Veränderungen bei einem Projekt, braucht es eine neue Bewertung.
Habt kein schlechtes Gefühl im Minus zu verkaufen, wenn sich wichtige Aspekte negativ verändert haben. Wir sollten beim Investieren versuchen, im schnellsten Zug zu sitzen, für das Verschließen der Augen gibt es weder Preise noch Rendite. Dabei den Zug zu wechseln, auch wenn er einen zuvor weiter vom Ziel entfernt hat, ist keine Schande, im Gegenteil.

Noch ein Zitat dazu:
»Fixiere dich nicht auf deinen Einstiegskurs und warte darauf, eine Verlustaktie zu verkaufen, sobald du wieder die Gewinn-schwelle erreicht hast. Die meiste Zeit agierst du emotional und es ist finanziell besser, den Verlust gleich zu realisieren und in Unternehmenspositionen zu wechseln, von denen du überzeugt bist."
(Ian Cassel)

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Grundsätzlich stimme ich Dir zu, aber diese „schneller Zug“-Analogie kann ich nicht nachvollziehen…oder ich verstehe sie nicht.

Wenn ich sie richtig deute, würde ich sogar behaupten, dass dies genau die falsche Taktik bei einem Investment ist.

Bestes Beispiel: Bitcoin.
Langsam. Schwerfällig. Weniger Gewinn als ALTcoins. Aber (darüber sind wir uns wohl alle einig, nehme ich an) Bitcoin wird höchstwahrscheinlich länger überleben als 99% der ALTcoins und dementsprechend auch im Preis steigen. Langfristig gesehen.

Es geht also nicht darum, wie schnell ein Zug fährt.

Es geht darum, dass der Zug ankommt.

Ob er kurze Stopps einlegt, Umwege fährt oder zwischendurch eine „Bummelfahrt“ macht, spielt weniger eine Rolle.

Gerade diese „heute investieren - morgen reich“-Denke ist tödlich für ein Investment.

Aber vielleicht verstehe ich Dein Beispiel auch falsch?! :slight_smile:

Da stimme ich dir zu, muss man für sich selbst neu bewerten, und dann gegebenenfalls auch mit Verlust verkaufen um nicht alles zu verlieren…
Wenn man allerdings von seinem Investment überzeugt ist, würde ich nicht so viel auf andere Meinungen setzen ( klar auf Fakten ), bestes Beispiel Btc, wer bis jetzt gehalten hat ist im +.

@Denni 100% einverstanden.

Die Frage, die man sich bei jedem Asset permanent stellen sollte - egal ob Aktie, Bitcoin, Altcoins etc: Würde ich das Asset, wenn ich es jetzt noch nicht im Bestand hätte, wieder kaufen? Ist die Antwort „nein“ ist, dann am Besten gleich verkaufen. Das schwierige ist dabei, die Neubewertung ohne die alten Emotionen vorzunehmen. Habe aus der Dotcom-Blase noch ein paar Penny-Stocks in meinem Aktiendepot als mahnende Beispiele.

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Hm. Das kann man aber im Kryptobereich mMn nicht ganz so einfach sagen.

Aktuell würde ich keinen meiner Coins/Tokens kaufen, sondern 100% auf BTC setzen.

Da ich aber ganz stark davon ausgehe, dass irgendwann auch die ALTs nachziehen werden, würde ich sie jetzt nicht verkaufen.

Wir sind noch im „Krypto-Zyklus“ und es geht stark rauf und stark runter. Bei Aktien usw. ist das anders. Der Kryptomarkt muss sich erst setzen und eine gewisse Größe haben, damit diese sehr starke Volatilität (größtenteils) raus ist.

Ab dann kann man sich wirklich fragen, ob man gewisse Coins noch kaufen würde.

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Beim Trading und Investieren mit anderen Assetklassen wie z.B. Aktien, Edelmetallen, Derivaten etc. stimme ich dir zu 100% zu! Allerdings ist die zu zahlende Abgeltungssteuer unabhängig von der Haltedauer. Deshalb hat man die Freiheit, fast jederzeit das Portfolio anzupassen.

Wie du aber schon schreibst, ist das bei Kryptos mit der aktuellen Steuerlage schlicht nicht möglich. Selbst wenn man Teil der wenigen Prozent von Tradern wäre, die kontinuierlich mit Erfolg die Investments hin und her schichten könnten (z.B. Bitcoin <-> Altcoin), müsste man fast doppelt so erfolgreich sein, um die Steuerverluste wett zu machen.

Beispiel: Beim Einkommensteuer Spitzensteuersatz von 42 % und einem BTC Anstieg von 10 k$ auf 110 k$ innerhalb von 12 Monaten, müsstest du durch Trading der BTC Schwankungen im gleichen Zeitraum (10->110 k$) schon insgesamt Wertsteigerungen von ca. 172 k$ erzielen, damit du beim gleichen Gewinn rauskommst.

Außerdem kann es bei Verlusten/Gewinnen mit einem Coin innerhalb eines Steuerjahres sinnvoll sein, diese zu realisieren, um andere Gewinne/Verluste zu kompensieren. Auch wenn das Timing dann nicht perfekt wäre.

Anders sieht es aus, wenn du gewerblich tradest. Dann kannst du alle anderen Ausgaben/Verluste gegenrechnen (z.B. Dienstwagen).

Das ist eine der wichtigsten Weisheiten im Trading. Der Hauptgrund, warum die meisten keine erfolgreichen Trader sind, ist nicht die Strategie, sondern eben dieses psychologische Problem.

Wenn man verkauft, also faktisch gegen andere Assets inkl. Fiat tauscht, dann „realisiert“ man keine Verluste. Diese hat man auch schon, wenn das Investment gefallen ist.

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Du hast recht, war ungenau ausgedrückt. Ich meine es so wie Du es erklärt hast.

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