Hans-Werner Sinn: "keine Beziehung zwischen Geldmengenausweitung und Preisniveau"

Hallo Zusammen

Habe mir grade einen, sehr sehenswerten und Besorgnis erregenden, Vortrag von Sinn zur „neuen“ Inflation angeschaut. Den Link und einige meiner Highlights aus dem Vortrag findet ihr unten.

Im allgemeinen habe ich den Eindruck dass Sinn die EZB und ihre Geldpolitik ebenso verurteilt wie „wir Bitcoiner“, wohl aber aus nicht exakt den selben Gründen.

Aufhorchen lassen hat mich jedenfalls seine Aussage "Es gibt keinen ursächliche Beziehung (trivialer Art) zwischen Geldmengenausweitung und Preisniveau. Wie das in der klassischen Quantitätstheorie mal behauptet wurde“. Diese steht ja, jedenfalls nach meinem Eindruck, der allgemeinen Denke hier im Forum und von dem was ich von @Blocktrainer so höre, diametral gegenüber.
Wie seht ihr das? Woher kommt diese Aussage und auf welche Theorie stützt er sich da? Und wieso hat er Unrecht damit?

Ausserdem erwähnt er im Vortrag mehrmals dass das Preisniveau an sich ein inhärent Instabiles System darstellt. Es also bei Abweichungen (Inflation, Deflation) zu sich selbst verstärkenden Effekten in die gleiche Richtung kommt. Daher, so fasse ich jedenfalls seine Haltung auf, braucht es eine Institution (Zentralbank) die dieses System stabilisiert. Er findet halt einfach dass das die EZB gerade sehr schlecht, bzw. gar nicht macht.
However, seine Argumentation eines instabilen Preisniveaus das stabilisiert werden muss leuchtet mir ein. Doch steht diese doch auch gegensätzlich zu den Ideen die hier im Forum diskutiert werden.

Könnt ihr mir helfen diese Gedanken einzuordnen?

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Hier noch der Vortrag:

Start Vortrag: min 0:11:00

min 0:37:00 → Inflation nicht (vor allem) durch Energiepreis Anstieg bedingt („nur“ Faktor 2); Hauptsache ist die Pandemie

min 0:55:20 → „Es gibt keinen ursächliche Beziehung (trivialer Art) zwischen Geldmengenausweitung und Preisniveau. Wie das in der klassischen Quantitätstheorie mal behauptet wurde“

min 1:20:22 → siehe Bild unten

ab min 1:21:35 → „Entlarvung“ der gängigen Argumente der EZB für ihr Nichtstun

min 1:43:05 → Zur Nationalbank: „…In Wahrheit hat man eine Institution mit diktatorischen Vollmachten geschaffen die tun kann was sie will.“

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Ich habe seinen Vortrag auch gesehen und kann ihn jeden nur empfehlen.

Zum einordnen seiner Argumentation:
Prof. Sinn ist keynsianer (jedenfalls meiner Auffassung nach)
Er geht davon aus, dass die Preise sich erst verändern, wenn die ausgeweitete Geldmenge in umlauf kommt. Womit er völlig recht hat.
Nur die Definition von Inflation wird nicht konsequent verwendet. Darauf muss man sich konzentrieren.

Inflation = Geldmengenausweitung

Preissteigerung entsteht, wie er es richtig erklärt, nicht direkt durch inflation, sondern durch die, von ihm erwähnten Effekte danach.

Natürlich gibt es Effekte auf das Preisniveau durch Inflation. Diese fallen aber nicht auf, wenn die keynsianer das „richtig“ anstellen. Die Preise fallen nur nicht obwohl sie mit statischen Geld, bei steigender Wirtschaftsleistung fallen müssten.

Achte hier wieder auf die richtige Definition von Inflation und Deflation!
Fiatgeld bzw Schuldgeld ist wie eine atmende Geldmenge. Geld entsteht (boom) und geld verschwindet (bust).
Prof. Sinn denkt nur in Fiat Geld und daher ist seine Annahme, dass es gesteuert bzw „stabilisiert“ werden muss verständlich.
Bitcoin ist weder inflationär (abgesehen der minimalen mining rewards) noch deflationär (abgesehen der verlorenen coins), sondern statisch und damit ist keine institutionelle Intervention notwendig.

Empfehlen kann ich Kapitel 6 und 7 vom Bitcoinstandard.
Dort wird etwas auf die Keynesianische Denkweise eingegangen.

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Der Cantillioneffekt verhindert ja auch das die Inflation sofort auf die Güter des Alltages umgewälzt werden wenn das Fiatgeld ausgedehnt wird.
Aber irgendwann arbeitet sich die Inflation eben runter bis zu den Gütern des täglichen Bedarfs.

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Ich habe den Bitcoinstandard bislang nicht gelesen.
In einer Diskussion mit einem Freund, der seit Jahrzehnten im Bankwesen beschäftigt ist und deshalb wohl Bitcoin sehr skeptisch gegenüber steht bzw das Fiat-System vehement verteidigt, konnte ich leider keine Antwort entgegnen.
Findet man im Bitcoin-Standard auch eine Antwort auf die Frage, wie es (dem Staat) denn ohne Schuldgeldsystem wirtschaftlich möglich sein soll Transferleistungen z.B. an Benachteiligte wie Behinderte, Kinder, Arbeitsunfähige oder dergleichen zu leisten?
Die Menge an BTC ist schließlich auf 21 Mio begrenzt, und wenn jeder Erdenbürger rechnerisch ca. 200.000 Sats halten könnte, gäbe es trotzdem (Zentralisierungseffekt) rgendwann Menschen, die nicht ausreichend Sats hätten ohne Transferzahlungen der sozialen Gemeinschaft…

Gäbe es auf die Argumentation meines Freundes eine befriedigende Antwort im Bitcoin-Standard?

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Auch Kapitel 7 ab seite 204 „limitierte vs. allmächtige Regierung“

Ohne Gelddrucker hat der Staat immernoch die Möglichkeit Steuern zu erheben und er kann nur überleben wenn er sich auf seine Kernaufgabe beschränkt.

Die übermäßigen Transferleistungen selbst sind auch etwas schlechtes, da sie eine immer höhere Abhängigkeit vom Staat erzeugen.

Für wirklich bedürftige wird es freiwillige Hilfe geben und nur dann ist es eine solidarische Gemeinschaft.
Und eine effizientere dazu

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Natürlich, denn Bitcoin ersetzt nicht den Staat. Es würde den Staat nur dazu zwingen nach fairen Regeln zu spielen und sich über Steuern zu finanzieren. Mit dem System der Steuern muss der Staat sich für jede Ausgabe rechtfertigen.
Generell unterstelle ich der Allgemeinheit, dass sie natürlich gerne Polizeischutz haben will und deswegen auch bereit ist dafür zu bezahlen.

Aber Im heutigen System druckt der Staat einfach Geld und nimmt damit allen Leuten ihr Erspartes weg ohne dass sie es merken. Zumal im heutigen System ja auch nicht garantiert ist, dass der Staat das neue Geld wirklich für Bedürftige einsetzt sondern es auch für unrentable Subventionen wie zB. Kohle, Kernenergie oder Militär ausgibt, jehnachdem wer von der Industrie am besten betteln kann (Autoindhusthust).

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@mokr




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„Monopole sind ohne Regierung unmöglich“

Sehr tendenziös und surreal, wenn man in die Zeit des Adels schaut als alle an Gold gebunden war. Auch heutzutage könnte ohne Regulierung ein starker Spieler alle anderen Spieler aufkaufen.
Hier wird eine solche Geschichte beispielhaft beschrieben, wie einfach es damals war für die Vanderbilts die gesamten Zugstrecken aufzukaufen und am Ende wie die Regulierungen dieses Monopol erst zerschlagen haben: How the Vanderbilt Bloodline Lost Their Entire Fortune - YouTube

Klingt für mich nach „Falls es keine Machtergreifung mit allen Mitteln gäbe hätten wir keine Monopolisten“

Aber gut es ist eben auch ein Werbeblatt der Marktradikalen, was zu beachten gilt.

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Fugger dürfte sicher jeder kennen. Ein Monopollist, der Staat und Kirche finanzierte… Mit entsprechenden Forderungen.

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Na klar mit Forderungen.
Nur ich bin ein Nuttenpreller - der zahlt und dann nicht fickt. :upside_down_face:

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