Ich denke trotzdem, dass auch mit Medienkompetenz die Medien eine Mitschuld tragen, wenn sie ihre Kommentare als News oder Wahrheiten verkaufen.
Irgendwo im Kleingedruckten dann Kommentar hinschreiben sichert sie vielleicht davor ab, dass man rechtliche Schritte gegen solche Unwahrheiten einleiten kann, aber der erste Eindruck bleibt wegen der Verbreitung der Meinung als Wahrheit bestehen.
Ich meine in der Tagesschau ist es doch exakt das Gleiche: Nach vielen sachlichen Beiträgen muss sich ein Reporter in die Kamera stellen um dieses Geschehen einzuordnen und seine Meinung dazu zu geben. Wenn man darüber nachdenkt sind diese Meinungen als Interview getarnt und somit eigentlich klar als Kommentar anzusehen. Aber sie werden in die täglichen News mit eingestreut ohne das genau zu kennzeichnen. Nicht immer fällt dabei der unterschied zu den wirklichen Nachrichten auf und nicht jeder kann das erkennen, auch wenn er etwas geschulter ist.
Dieses gezielte Platzieren der Meinungen, gerade in der Tagesschau, ist meiner Meinung nach journalistisch hochgradig fragwürdig weil den Leuten gleichzeitig die Nachrichten präsentiert werden und sofort gesagt wird, wie sie diese Nachrichten zu sehen haben. Das ist vielleicht rechtlich ok aber grenzt eben schon an Propaganda.
Und wenn Zeitungen beliebige Kommentare genauso herrichten wie ihre eigenen Artikel, dann stehen sie auch zu diesem Artikel, sonst würden sie ihn nicht in dieser Form auf ihrer Plattform vertreiben sondern klar von eigenen Inhalten trennen. Solange also der Eindruck entsteht, dass dieser Artikel von der Redaktion kommt, solange können sie sich zwar rechtlich hinter Kommentar-Verweisen verstecken aber die Botschaft selber, die an die Leser gesendet wird, ist eine Andere.
Und ja man kann nicht alles und jedem vorkauen, was der Unterschied zwischen Fakten und Meinungen ist. Also auch die Leser müssen eine gewisse Kompetenz besitzen um Nachrichten zu interpretieren. Aber die Schuld nur bei den dummen Lesern zu suchen find ich zu einfach, gerade weil viele Medien selber nicht mehr groß zwischen Meinung und Fakten unterscheiden.
Im Prinzip ist es doch die gleiche Diskussion wie die Werbung von Influenzern. Es macht eben einen großen Unterschied aus, ob man die angebotenen Produkte mit Werbung kennzeichnet oder ob man diese als selbstverständlich mit in den Stream einbaut. Natürlich verdient man mehr, wenn man das nicht als Werbung kennzeichnet und somit die arglosen Zuschauer zum Kauf animiert. Wenn die Werbung aber gekennzeichnet ist weiß jeder, dass es Werbung ist. Ansonsten fühlt man sich eben langfristig von dem Streamer verarscht oder manipuliert.
Und bei Kommentaren zwischen den News ist das doch exakt genauso. Und je nachdem wie deutlich die Kommentare gekennzeichnet sind, je nachdem kann man sich danach mehr oder weniger verarscht fühlen.