Frage an Trader: wie Steuern bezahlen als beginnender Trader?

Ich weiß - unangenehmes Thema. Ich hab mich bereits schlau gemacht und komme zum Schluss, dass ich im Rahmen von Trades für jeden Gewinn aus den Trades Steuern zu bezahlen habe über die Einkommensteuererklärung. Natürlich will ich das legal machen und mich daran halten. Ich bin letztes Jahr neugierig geworden und hab dieses Jahr dann auf Bybit etwas getradet, leider marktbedingt mit soviel Erfolg, dass ich jetzt Angst bekomme, dass ich, wenn ich das so weiter mache, am Ende meinen ersten Bitcoin schon wieder verkaufen müsste, um die anfallenden Steuern bezahlen zu können. Hab ich irgendwo einen Denkfehler drin? Wie macht das jemand, der anfängt mit Traden, muss man da schon so viel Geld auf der hohen Kante haben?
Wie gesagt, noch bin ich voll im grünen Bereich, wenn ich aber so weiter mach, hab ich vermutlich in 2-3 Monaten die 100000 Gewinn drin und dann wird es knapp mit Reserven bei vermutlich 42% Steuerquote. Da wären dann doch bereits 42000 Steuern fällig? Gut, auch noch möglich, aber wenn der Bitcoin dann in den Bärenmarkt ginge… wird schon ne Belastung.
So oder so, natürlich suche ich mir einen guten Steuerberater (Tipps hierzu auch immer gerne), aber einfach mal so als erste Informationseinholung hier, falls sich jemand äußern mag und mich nach bestem Wissen aufklären könnte.

Hi,
Ich lese mich aktuell auch etwas in das Thema ein.

Mein aktuller wissensstand ist folgender. (Achtung bin mir nicht sicher ob das so korrekt ist. Bitte mit Steuerberater o.ä abklären)

Gewinne müssen hier nach §20 EStG abgführt werden. Sprich dein Gewinn wird mit 25%+ Soli + Kirchensteuer(wenn vorhanden) besteuert. Der Verkauf dieser coins ist auch erst nach 1 Jahr Steuerfrei. Alles unter einem Jahr fällt wieder in §23 EStG

Wenn du bei deinem Trade verluste machst müssen auch diese nach § 23 EStG (persönlicher Steuersatz) ca. 40% versteuert werden. Wenn du die Coins nicht schon länger als ein Jahr hältst und diese mit „Gewinn“ verlierst.

Ein guter Anhaltspunkt ist 40-50% des Gewinns sofort in Fiat/USDT zu tauschen, diese Rücklagen können am Ende zum bezahlen von Steuern verwendet werden.

Ich kenne keinen Deutschen (aus bekannten Gründen), der Daytrading im Kryptobereich macht. Die „normalen“ Trader handeln mit Aktien oder Währungen und da greift §23 nicht.

Das kommt darauf an. Wenn zu Deinen 100k noch etwas hinzukommt (Arbeitslohn, Vermietung, Verpachtung…), könnten es noch 45% werden.

Hm, für mich liest sich der Eingangspost eher, als ob dort traden und hodln verwechelt wird. Hast Du wirklich getradet?
Du musst nur Steuern auf realisierte Gewinne bezahlen. Wenn Du Dir vor 3 Jahren 3 BTC gekauft hast und die weiterhin hältst, dann hast du den Gewinn nicht realisiert und brauchst auch gar keine Steuern bezahlen.
Nur wenn Du deine Coins vor Jahresfrist wieder verkaufst werden Steuern auf die Gewinne fällig.
Ich schließe das daraus, weil Du, sofern Du Gewinne realisiert hast, eigentlich nix mehr verkaufen müsstest, es sei denn Du hast die daraus resultierende Kohle schon wieder unters Volk gebracht. Ansonsten sollte ja hoffentlich was übrig geblieben sein.

Danke sehr schon mal so weit.
@SuicideAngel: ja nun, wenn ich direkt wieder umtausch in Fiat entspricht das ja einem Verkauf, daher sind genau dann die Steuern fällig, oder? Genauso wie beim Traden selbst bzw. dann wohl die 25% wegen halten unter einem Jahr auf den Gewinn. Gut, ich verstehe, deswegen eben dann direkt Umtauschen, damit kein Gewinn entsteht… klingt plausibel und machbar. Guter Tip. Bisher sind sämtliche Gewinne stets in BTC zurückgekommen, da muss ich zwischendurch also mal z.B. USDT nehmen, damit der Kurs kein Problem mit Gewinnen ergibt.
@GermanCryptoGuy: Danke, diese Seite hatte ich tatsächlich noch nicht gesucht. Aber sie entspricht etwa dem, was ich ja schon dachte und geschrieben habe.
@Stephan2: Nene, mein Hodl-Ledger liegt hier im Tresor. Ich meine schon Trading auf Bybit. Wenn ich durch geschicktes Trading aus einem halben einen ganzen BTC mache z.B., dann ist bereits dieser Transfer steuerpflichtig als Einkommen (also bis zu 45% Einkommensteuer). Wenn ich diesen Bitcoin dann innerhalb eines Jahres verkaufe, muss ich direkt nochmal Steuern auf einen etwaigen erneuten Gewinn obendrauf bezahlen, das wären dann nach meiner Ansicht eben die 25%.

Ich seh schon, ganz schein ich mich nicht verrechnet zu haben oben. Es bliebe schon noch genug übrig, der Staat kann sich über ganz gute Steuern von mir freuen und ich kann ja dann 1 Jahr später wenn nötig die Gewinne in Euro einfahren. Nur es ist schon irgendwie befremdlich, wenn man versucht, erfolgreiches Trading absichtlich in Schranken zu halten, damit man am Ende nicht bankrott geht. Wenn man erst drin ist, denke ich geht das schon, man hat ja immer ein paar „reife“ Bitcoin zur Hand, sprich die, die man schon über ein Jahr hält, um seine steigenden Steuern zu bezahlen.
Puha - ich überlege mir jetzt eine Strategie, denn gerade jetzt im Bullenmarkt sind die Chancen einfach zu verlockend, daran teilzunehmen und Gewinne abzuschöpfen.

Nachtrag: Ich habe meinen Text zu FIFO und LIFO in dem verlinkten Beitrag heute angepasst.

Nein, auf gar keinen Fall. Egal wann, wie und gegen was Du Deine Bitcoin verkaufst, werden sie immer nach §23 EStG besteuert.

Das Daytrading mit BTC ist kein Aktienhandel! Die von Dir genannten 25% bezieht sich auf die Kapitalertragsteuer/Abgeltungsteuer und die haben mit der Veräußerung von Kryptowährungen nichts zu tun.

Bitte frag’ einen Steuerberater, bevor Du Dir Dein finanzielles Grab schaufelst!

Danke sehr für die Aufklärung. Wie gesagt, ich werde da sowieso noch woanders vorstellig.
Keine Sorge, mein finanzielles Grab schaufel ich mir damit aber zum Glück noch nicht und bis zur nächsten Steuererklärung hab ich dann auch genug steuerfreie BTC, sprich seit über 1 Jahr nicht angerührte, aus meinem Hodl-Portfolio von denen notfalls wenn das Bare nicht reichen sollte (auch da ist noch genug vorhanden) die Steuern nach deren Verkauf beglichen würden. Aber genau diese Vorstellung schwebte mir vor - wenn das jemand völlig unüberlegt zu weit treibt, kann er schnell trotz auf dem Papier hohen Gewinnen am Ende mit dicken Verlusten dastehen, wenn die Steuer winkt.
Deswegen großes Danke auch für die Warnung und die gebe ich auch gerne weiter. So etwa hab ich mir das alles gedacht, man braucht zumindest wirklich eine sichere Strategie bevor man tiefer einsteigt. Der derzeitige Geldbeutel sollte bereits jetzt für das Ende des Jahres ausreichen.

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