Bip110 bei bitcoin Knots ja oder nein?

Das Thema wäre ebenfalls sehr spannend für eine detaillierte Recherche durch das Blocktrainer-Team. So wie ich es sehe, zeigt sich ziemlich klar, dass die Zentralisierung im Bitcoin-Mining kein Zufall ist, sondern direkt aus den ökonomischen Anreizen entsteht.

Ein erster und der grösste Faktor ist die steigende Difficulty. Je schneller sie steigt, desto wichtiger wird es, regelmässig Blöcke zu finden. Pools können Erträge glätten und häufiger auszahlen, was mehr Hashrate anzieht. Das fördert Konzentration.

Ein zweiter, weniger grosser, jedoch trotzdem wichtiger Punkt sind Orphan- bzw. Stale-Blocks. Wenn zwei Miner fast gleichzeitig einen Block finden, existieren kurzfristig zwei gültige Chains. Am Ende gewinnt die Chain, auf der der nächste Block aufgebaut wird. Der andere Block wird verworfen und der Miner erhält keinen Reward.

Deshalb ist Geschwindigkeit entscheidend. Wer seinen Block am schnellsten verbreitet, reduziert das Risiko, dass er verwaist. Statistisch kommt es ungefähr alle 120 Blöcke (ca. 20 Stunden) vor, dass zwei Blöcke innerhalb von 5 Sekunden gefunden werden. Genau hier entsteht ein struktureller Vorteil grosser Pools: Sie haben eine zentrale Blockerstellung und sind oft sehr gut miteinander vernetzt. Blöcke zirkulieren schnell innerhalb dieses Kreises, während sie sich im breiten Netzwerk etwas langsamer verbreiten. Da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der nächste Block wieder von einem dieser grossen Pools kommt, haben grosse Pools im Schnitt ein geringeres Stale-Risiko und können früher mit dem Minen des nächsten Blocks beginnen.

Das führt zu einem selbstverstärkenden Effekt. Weniger Stales bedeuten stabilere Einnahmen, das zieht mehr Miner an und erhöht die Dominanz weiter.

Gleichzeitig verliert das restliche Netzwerk an indirektem Einfluss. Früher mussten Miner ihre Blöcke stärker über das breite Netzwerk propagieren. Dadurch hatten Nodes indirekte Wirkung über Policy und Mempool-Filter. Heute können grosse Pools über direkte Verbindungen und Systeme wie Libra Relay Teile des Netzwerks umgehen bzw. weniger stark darauf angewiesen sein. Nodes bleiben für die Konsensus-Überprüfung notwendig, verlieren aber Einfluss auf die Auswahl der Transaktionen.

Ein entscheidender technischer Punkt ist, ob Nodes die Transaktionen eines Blocks bereits kennen. Wenn ja, kann ein Block sehr schnell weitergereicht werden. Wenn nicht, müssen Transaktionen nachgeladen werden, was zusätzliche Zeit kostet. In einem System, in dem teilweise Sekunden entscheidend sind, ist das ein Nachteil. Genau hier wirken Filter indirekt. Grosse Pools reduzieren diesen Effekt, indem sie gut vernetzt sind und Transaktionen untereinander früh kennen.

Das ist auch der Zusammenhang mit Node-Filtern. Wenn mehr Blöcke über das breite Netzwerk propagiert werden müssen, steigt das Risiko für Miner, Transaktionen einzubauen, die viele Nodes nicht kennen, oder nicht weiterleiten. Das kann Miner indirekt disziplinieren.

Ein Ansatz gegen die Zentralisierung im Mining wird von Ocean verfolgt. Ziel ist eine stärker verteilte Blockproduktion, bei der Blöcke wieder breiter im Netzwerk entstehen und propagiert werden. Dadurch würden Nodes wieder mehr Bedeutung bekommen, weil Miner stärker darauf angewiesen wären, dass ihre Blöcke im gesamten Netzwerk akzeptiert und schnell weitergeleitet werden.

Das Problem: Solange Ocean klein ist, tragen sie ein höheres Stale-Risiko und sind wirtschaftlich im Nachteil. Erst ab einer gewissen Grösse könnte sich das drehen. Entscheidend ist immer, wer den nächsten Block findet und in dem Fall ob er aus dem Kreis der grossen Pools kommt, oder aus einem breiteren, dezentraleren Set von Minern.

Hier kommt Core v30 ins Spiel. Die Änderungen können den indirekten Einfluss der Nodes weiter verringern. Wenn Miner keinen Nachteil mehr haben, alles was konsensuskonform ist in Blöcke zu schreiben, gibt es weniger Anreiz, sich an die Policy individueller Nodes anzupassen. Das kann zu einem weiteren Einflussverlust der Nodes führen und die Dynamik zugunsten Miner verstärken.

Der Konflikt dreht sich letztlich um Macht im Netzwerk: grosse Pools gegenüber Ocean, Solo-Minern und Nodes. Grosse Pools haben ein Interesse daran, ihre Macht Position zu halten.

Die ursprüngliche Funktionsweise von Bitcoin hat sich durch zentrale Blockproduktion in Mining-Pools und durch Technologien, die das Netzwerk teilweise entkoppeln, verändert. Nodes haben heute weniger Einfluss darauf, was in Blöcke aufgenommen wird.

Das ist die Grundlage für die Idee eines Forks. Durch technologische Entwicklungen und eine nicht vollständig dezentralisierte Struktur im Mining ist ein Zentralisierungsproblem entstanden, das Mining-Unternehmen mehr Einfluss gibt. Da sich Miner nicht mehr an die Policy halten müssen, will man mithilfe des Forks, sie stärker über den Konsensus einzuschränken. Ein Fork würde Miner dazu zwingen, bestimmte Transaktionsarten, oder Grössen nicht mehr in Blöcke aufzunehmen.

Anhand meiner zwei ausführlichen Beiträge sollte nachvollziehbar sein, weshalb ich aktuell einen Fork befürworte.

Die Aussage das v30, oder der Fork keinen Einfluss auf Bitcoin hat, halte ich für falsch. Es gibt gute Argumente für einen Fork, aber genauso berechtigte dagegen. Am Ende hängt es davon ab, welche Prioritäten man setzt.

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Danke das du das so ausführlich erklärt hast :flexed_biceps:t2::innocent:
Es ist mir um das mal zu sagen absolut einerlei ob ich Core oder Knots benutze. Mir ist es aber wichtig für den Fall das mal der Blitz einschlägt nicht zu versagen weil mein Block verhungert unterwegs.

Doch, bei Knots kann man die maximale Block-Template-Groesse einstellen:

# Set maximum block size in bytes (default: 300000)
#blockmaxsize=<n>

# Set maximum BIP141 block weight (default: 1200000)
#blockmaxweight=<n>

Ja, auf Policy Ebene… eure Nodes akzeptieren in der Blockchain aber trotzdem Blöcke die Größer sind. So war das von mir gemeint, hab es etwas unklar ausgedrückt.

Und afaik ginge das bei Core mit maxblockweight ja auch…

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Ja? Ich hab das da leider nicht gefunden. Würde das dann über die conf. Laufen?

Ja, blockmaxweight gibt es auch bei Core, blockmaxsize nicht.

Bezüglich dieser Gefahr, welche durch die drastische Erhöhung des OP_Return mit Core v30 befürchtet wird und welche ein Auslöser des BIP-110 war, bitte ich um Kenntnisnahme des folgenden aktuell vorliegenden “Gesetzesentwurf im deutschen Bundesrat”:

„WER EINER DRITTEN PERSON EINEN mittels eines Computerprogramms erstellten oder veränderten INHALT (§11 Absatz 3), DER DEN ANSCHEIN ERWECKT, EIN TATSÄCHLICHES GESCHEHEN in Bezug auf eine andere Person WIEDERZUGEBEN, und der geeignet ist, dem Ansehen dieser Person erheblich zu schaden, UNBEFUGT ZUGÄNGLICH MACHT, WIRD MIT FREIHEITSSTRAFE bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.“

Es wird also diese Tage eine gesetzliche Regelung politisch vorangetrieben, entsprechend dem § 201b Abs. 1 StGB-E die folgendes einführen soll:

  • Strafbarkeit für das Zugänglichmachen von Deepfakes
  • wenn sie den Anschein echter Ereignisse erwecken
  • und geeignet sind, dem Ansehen der betroffenen Person zu schaden
  • Strafrahmen: bis zu 2 Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe

Solche Inhalte können mit einem OP_Return von bis zu 100kB in einem gemindten Block aufgenommen werden. Diese Blöcke würden dann in jedem voll funktionsfähigen Node gespeichert und von diesem auch verteilt werden können.
Mit dieser absehbar zu befürchtenden gesetzlichen Regelung wird zukünftig jeder Node-Betreiber in Deutschland potentiell straffällig (bereits wenn ein kritischer Block in der Kette aufgenommen wurde), wobei solche gesetzlichen Regelungen in der gesamten EU vorangetrieben werden. Diese Bedrohung ist also keine theoretische Möglichkeit gegenüber ‚Bitcoin‘ mehr, sondern eine gesetzliche Strafverfolgung wird zukünftig absehbar gegen alle Node-Betreiber, sofern ein kritischer Spam-Block in der Kette aufgenommen wurde und diese Regelung gesetzlich verabschiedet ist.
Mit BIP-110 soll und wird dieses Risiko spätestens ab September gebannt werden. Das Risiko des auftreten eines solchen gefährlichen Blocks wird als hoch bewertet, da es Organisationen gibt, die Bitcoin schwächen wollen und dies über die OP_Return Aufweitung jederzeit tun können.

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Vielen Dank, Mischa, für deine ausführliche Erklärung. Besonders die Hintergrundinformationen zu Stale-Blocks usw. waren sehr hilfreich.

Ich war lange nicht mehr aktiv hier im Forum, aber dieses Thema interessiert mich sehr. Ich lese derzeit täglich, z. B. auf X, wie sich Befürworter und Gegner von „Knots + BIP-110“ mitunter respektlos verhalten – und das, obwohl es sich bei beiden Seiten um Bitcoiner handelt.

Ich verstehe beide Standpunkte: einerseits die Freiheit und Zensurresistenz von Bitcoin, andererseits aber auch die Einbindung von „reinen“ und spamfreien Transaktionen (TX) in die Blockchain.

Ich habe die Situation für mich so zusammengefasst: Der Node gehört mir. Seit 2018 habe ich bereits drei Hardware-Upgrades (RPi3/4/5, SSD 500 GB / 1 TB / 2 TB) durchgeführt. Ich glaube, vielen hier im Forum ging es ähnlich.

Ich frage mich, wie viele der tausenden kleinen Nodebetreiber sich das in Zukunft noch leisten können – angesichts des wachsenden Speicherbedarfs der Blockchain und der aktuellen Preise für RAM und SSDs. Ich erkenne hier tatsächlich ein Risiko für die Dezentralisierung des Netzwerks.

Abschließend möchte ich es so formulieren: Ich bin für meinen Node verantwortlich und nicht länger bereit, tatenlos zuzusehen, wie andere ohne mein Zutun oder Einverständnis entscheiden, was auf meinem Node landet und wie groß die Blockchain sein soll.

Meine persönliche Meinung.

Peace.

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Genau!

Das ist lustig und widerspricht einem Open-Source System. Niemand hat etwas ohne Dein Einverständnis gemacht. Wie Du oben schreibst, hast DU etwas gemacht, und die Verantwortung dafür.

Wenn Du entscheidest den Konsensus zu verändern, dann wird es etwas anderes als Bitcoin. Kannst Du aber natürlich jederzeit machen. Die Sourcen sind öffentlich.

Peace

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Wen interessiert das, was irgendwelche parasitären Clowns beschließen? Ich betreibe die Node aus idealistischen Gründen, um das Netzwerk zu untersützten, und es ist mir egal, ob die Parasiten sich irgendwas aus dem Arsch ziehen um mich kriminalisieren zu können. Das passiert doch auf jedem Gebiet und man muss langsam mal aufhören so obrigkeitshörig zu sein.

Warum? Ich hab noch über 860 GB frei, das reicht doch noch für fast ein Jahrzehnt (voraussichtlich), bis dahin bin ich doch in der Lage mir eine neue SSD zusammenzusparen oder nicht?

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Hallo zusammen,

kurz aus meiner Sicht:

  • Core v0.30 erhöht das OP_RETURN-Limit und erleichtert größere Datenmengen in Transaktionen. Das reduziert den indirekten Einfluss der Nodes auf Blockinhalte, weil Miner weniger auf Node-Policies achten müssen.

  • Wer heute einen Node plus Services wie mempool/Electrum aufsetzt, braucht deutlich mehr Speicher – langfristig könnte das kleinere Betreiber abschrecken.

  • Ich betreibe meinen Node auch aus idealistischen Gründen, aber mir geht es um die Zukunft der Dezentralisierung: Nodes müssen genug Einfluss behalten, damit das Netzwerk robust bleibt.

Peace.

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ob dein Rechner , deine Disk in 10 Jahren noch leben - weiss keiner.
Vermutlich wirst du ohnehin auf dem Weg dort hin Komponenten austauschen. Die 8TB SSD wird auch weiterhhin den gleichen Preisverfall erleben wie die HD.
Ob der Rechner dann noch ein Raspi, alter Laptop oder sonst was sein wird, wird dein Budget auch nicht sprengen - oder zum gegebenen Zeitpunkt einfach ausschalten.
Meiner wird so oder so in absehbarer Zeit keinen Strom mehr verbraten - und das wird vermutlich nicht mal bemerkt.

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