Gestern wurde auf YouTube eine neue Arte-Dokumentation über Bitcoin und das Finanzsystem hochgeladen mit dem Titel "Digitales Gold - Money | Doku HD | ARTE”
In weiten Teilen läuft sie leider wieder auf die üblichen Mainstream-Narrative hinaus (Tulpenmanie, Kriminalität, mangelnde staatliche Deckung).
Besonders eine Passage von Denis Dupré (Professor für Finanzen und Ethik) hat mich getriggert und ich wollte mal hören, was ihr von seiner Argumentation haltet. Er vergleicht Geld mit Sprache und zieht dabei folgenden Schluss:
Geld funktioniert im Grunde wie eine Sprache. Warum ist die englische Sprache am nützlichsten? Nicht, weil sie die schönste oder technisch interessanteste ist. Sie ist einfach die am häufigsten gesprochene. Dies macht sie zur zu erlernenden Standardsprache für diejenigen unter uns, die mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind.
Der Bitcoin ist so etwas wie das Esperanto der Finanzwelt. Jemand, der Esperanto spricht, hält das für wirklich wichtig.
Doch tatsächlich interessiert es niemanden. Beim Bitcoin ist es genauso. Die Leute, die Bitcoins wollen, halten es für extrem wichtig. Doch den durchschnittlichen Menschen interessiert das nicht.
Die Doku scheint aus dem Jahr 2023 zu sein. Eurozentriker sind darin stark vertreten.(ziemlich viel Unwissen zu Bitcoin)
Der Esperanto Vergleich ist nicht zu Ende gedacht, denn wenn Esperanto als konstruierte Sprache herangezogen wird, gibt es ein besseres und funktionierendes Beispiel dem Pidgin (Kreolsprache) das auf den kolonialen Handelschiffen untereinander (Europäer, Sklaven, Indigene, Asiaten) gesprochen wurde.
Hat er doch recht mit. Also Englisch hat sich zunächst verbreitet weil die Angelsachsen viel in der Welt rumkamen und Kolonialmacht wurden. ;)
Dann kam später sozusagen der Netzwerkeffekt hinzu und nach zwei gewonnen Weltkriegen war der Drops endgültig gelutscht.
Das ist halt so. Zumindest aktuell. Sonst stünde der Kurs halt deutlich höher. Also Bitcoiner legen ja immer so viel Wert auf Überprüfbarkeit und Fakten. Der Kurs ist der einzige Fakt der in diesem Zusammenhang zählt und die Nachfrage widerspiegelt.
Nicht die ganzen Wünsche, Annahmen und der Glaube an zukünftige Entwicklungen, sondern den Kurs den man jetzt hat.
Und da muss man eben ganz trocken feststellen, das Angebot übertrifft die Nachfrage. Interesse ist kaum vorhanden.
Da es tausende von Creol-Sprachen gibt, die von unterschiedlichen europäischen oder asiatischen Sprachen abstammen und jeweils in bestimmten Regionen konzentriert sind, wären das wohl eher die Altcoins der Kommunikation.
Aber naja, wie das mit Vergleichen halt so ist: die Aussagekraft ist begrenzt und eher zu rhetorischen Zwecken gedacht, als dass sich daraus logisch valide Schlüsse ableiten ließen.
Als ob es bei Währungen so unterschiedliche Faktoren gibt wie bei Sprachen, was diese besser oder schlechter macht.
Währungen sind da eher eindimensional: Entweder die Währung ist besser oder schlechter.
Und es macht nicht wirklich viel Unterschied welche der Hauptsprachen ein Mensch spricht, aber ob jemand in Bitcoin oder Euro spart ist eben schon ein krasser Unterschied.
Diese Tulpenerzählung läßt sowieso unglaublich tief blicken. Beschäftigt man sich mit der Quellenlage, stellt man erstaunt fest, dass es so gut wie kein zeitgenössisches Echo aus Holland gibt und die Erzählung über die angebliche Tulpenmanie und ihre schädlichen Auswirkungen erst fast 80 Jahre später beim wirtschaftlichen und ideologischen Widersacher England an Fahrt gewinnt.
Tatsächlich war es eine Spekulationsblase am Futures Markt, von der nur sehr wenige Händler überhaupt betroffen waren. Die Niederländer hatten damals schon eine Form des Kapitalmarkts vorweggenommen, die ausgerechnet im selbsternannten Mutterland des Kapitalismus nicht ausreichend verstanden wurde. Insofern war es auch leicht Horrorgeschichten zu erzählen, wenn der Gegner zusätzlich jenseits einer Sprachbarriere im anderen ideologischen Lager sitzt.
Wer heute die „Tulpenmanie“ als abschreckendes Beispiel verwendet, zeigt nur, dass er keine Ahnung von Ökonomie, Wirtschafts- und Kulturgeschichte hat. Oder er übernimmt, selbst böswillig um die Wahrheitswidrigkeit wissend, eine fremde Propagandaerzählung zu eigenen Zwecken.
Streng genommen beweist das natürlich nicht die Richtigkeit der Position der Bitcoiner aber als Argument dagegen taugt es halt auch nicht.
Gibt einen weiteren Aspekt. Heute sind die Niederlande mit Abstand das grösste Export Tulpenland weltweit. Ein Milliardengeschäft. Zur dokumentierten Tulpenbalse (erste schriftlich überlieferte Blase) gibt es einige Bücher.
War der Sinn meines Kommentars. Die Leute werden in Zukunft Bitcoin nutzen ohne das zu wissen, genau wie sie heute TCP/IP jeden Tag benutzen ohne zu wissen was das ist.
Bitcoin ist ideal positioniert als globales settlement Instrument für eine Multipolare Welt wenn die US Hegemonie zerfällt und damit der US Dollar seine Funktion als Leitwährung verliert.
Bitcoin wird der neue Kleber sein zwischen komplett entkoppelten FIAT Systemen. Und über kurz oder lang werden auch diese FIAT Systeme zu Bitcoin second Layer mutieren, weil das effizienter ist. Glaube aber den FIAT Charakter werden sie behalten.
Und keinen wird es wirklich interessieren weil das ist Nerd shit.