Telefon Phishing mit gespoofter Telefonnummer der Polizei

Ich möchte euch von einem Erlebnis berichten, das mir kürzlich passiert ist – zur Warnung und Sensibilisierung für euch.

Seit dem Ledger Leak werde ich regelmäßig mit Phishing-Versuchen per Telefon, Post und E-Mail beglückt. Ich bin in Sachen Phishing also schon einiges gewohnt und entsprechend sensibilisiert.
Dachte ich jedenfalls. Aber was dann kam, hat alles Bisherige in den Schatten gestellt.

Der Anruf

Mein Mobiltelefon klingelt. Auf dem Display erscheint „Polizeiakademie Berlin“ mit einer Berliner Festnetznummer. Im weiteren Gesprächsverlauf überprüfe ich parallel die angezeigte Telefonnummer. Sie ist korrekt und gehört tatsächlich zur Berliner Polizei. Allerdings handelte es sich um einen Telefon-Phishing-Angriff. Die Telefonnummer war gefälscht, genauer gesagt: Die Betrüger hatten eine echte Telefonnummer der Polizei als Absenderrufnummer vorgetäuscht. Dieses Verfahren nennt sich Call-ID-Spoofing.

Eine Frau, die akzentfreies Deutsch sprach und vorgab, von der Polizei zu sein, verwickelte mich über mehrere Minuten in ein Gespräch. Die Gesprächsführung war äußerst professionell und sie verwendete entsprechendes Polizei- und Juristenvokabular.

Ich skizziere aus dem Gedächtnis den ungefähren Gesprächsverlauf:
Im Zusammenhang mit dem Drohnen-Vorfall in Leipzig sei eine Festplatte sichergestellt worden. Auf dieser habe man einen Datensatz mit zahlreichen persönlichen Informationen über mich gefunden, darunter sogar Bilder meines Personalausweises. Ich sei mutmaßlich Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. In dem Ermittlungsverfahren würde ich ausdrücklich nicht als Beschuldigter, sondern als Betroffener geführt. In den nächsten Tagen bekäme ich Post von meiner örtlichen Polizeidienststelle und könne anschließend auch Akteneinsicht erhalten. Aufgrund der Ernsthaftigkeit des Vorfalls wolle sie aber vorab einige Sicherheitsmaßnahmen mit mir abklären. Dann stellte sie mir eine ganze Reihe durchaus sinnvoll erscheinender Fragen zur IT-Sicherheit: Ob meine Geräte oder Konten kürzlich gehackt worden seien oder es entsprechende Versuche gegeben habe. Ob ich von Datenlecks betroffen sei. Ob ich sensible Daten in Cloud-Diensten gespeichert hätte. Ob mir ungewöhnliche Kreditkartenabbuchungen aufgefallen seien. Ob meine E-Mail-Konten unerwartet gesperrt worden seien. Ob ich Virenscanner verwenden würde. Und so weiter.

Die Dame ging dabei äußerst geschickt vor. Sie fiel weder mit der Tür ins Haus, noch setzte sie mich unmittelbar unter Druck. Stattdessen erfragte sie scheibchenweise Informationen und versuchte, Vertrauen aufzubauen. Ich antwortete zum Glück nur sehr zögerlich und oberflächlich, weil ich angesichts der ungewöhnlichen Art der Kontaktaufnahme von Anfang an misstrauisch war. Als sie dann erwähnte, dass man auch eine Seedphrase einer Krypto-Wallet gefunden hätte, habe ich den Braten gerochen und das Gespräch beendet.

Ich habe im Verlauf des Telefonats keine wichtigen Informationen preisgegeben, es ist nichts passiert und mir ist auch kein Schaden entstanden.

Trotzdem war ich im Nachhinein etwas über mich selbst schockiert, dass dieses Gespräch überhaupt stattgefunden hatte und die Tante mich rund zehn Minuten bei der Stange halten konnte.

Warum habe ich nicht sofort aufgelegt?

Drei Faktoren haben entscheidend dazu beigetragen:

  1. Die gefälschte Telefonnummer der Polizei.
  2. Ein gewisser Schockeffekt durch die Geschichte mit dem angeblichen Identitätsdiebstahl.
  3. Die äußerst professionelle und glaubwürdige Gesprächsführung.

Der eigentliche Türöffner war aber die Telefonnummer der Polizei. Ohne diese hätte das Gespräch gar nicht stattgefunden. Mir war bis dahin nicht bewusst, dass auch deutsche Festnetznummern auf diese Weise gefälscht werden können. Bei Telefonnummern aus dem Ausland, unbekannten Mobilnummern, unterdrückten Nummern oder mir unbekannten Nummern gehe ich meistens gar nicht erst ran und falls doch, rechne ich schon mit Betrügern oder Nervensägen. Aber eine tatsächlich existierende Telefonnummer der Polizei war eine andere Hausnummer. Das besonders Tückische daran: Ich habe die Telefonnummer während des Gesprächs überprüft, und sie war tatsächlich korrekt. Nur der Anruf kam eben nicht von dort. Eine einfache Google-Suche nach der angezeigten Telefonnummer bietet in so einem Fall also keinerlei Sicherheit. Das war für mich das nächste Level des Telefon-Phishings, mit dem ich bisher nicht gerechnet hatte.

Was kann man daraus lernen?

  • Selbst wenn auf dem Display „Polizei“ steht und die angezeigte Telefonnummer tatsächlich einer Polizeidienststelle gehört, ist das kein Beweis dafür, dass der Anruf von dort kommt.
  • Sich nicht durch irgendwelche Schock- oder Horrorgeschichten am Telefon ins Bockshorn jagen lassen. Auch wenn die Geschichte zunächst plausibel klingt.
  • Bei verdächtigen Anrufen keine persönlichen Informationen preisgeben. Auch vermeintlich harmlose Fragen können dazu dienen, Informationen für weitere Betrugsversuche zu sammeln.
  • Wenn jemand behauptet, von der Polizei zu sein: Namen und Dienststelle notieren, das Gespräch beenden und anschließend selbst bei der Dienststelle anrufen. Die Telefonnummer unbedingt unabhängig über eine offizielle Quelle recherchieren und nicht einfach eine vom Anrufer genannte Rückrufnummer verwenden.
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Sagen, dass man zurückrufen wird. Eingehende Nummern können sie nicht fälschen.

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Danke fürs Teilen

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…generell gehe ich nie ans Handy, wenn ich die Nummer nicht zuordnen kann.
Alle eure Versicherungen, wenn ihr noch habt Banken :wink:,
Verwandten und Freunde habt Ihr gespeichert, oder können per Mail Kontakt zu euch aufnehmen.

Wenn mich eine private/unbekannte Nummer anruft lass ich klingeln.
Wenn´s aufgehört hat google ich. Meistens findet man dann auch unseriöse Einträge dazu.

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Hatte gestern auch einen Anrufer mit der Nummer +49 4089741858

er sagte, das er von 21bitcoin komme aus Hamburg, habe gleich wieder aufgelegt

diverse Scam Mails auch schon erhalten

da hat er sich aber wenig Mühe gegeben.

0 Punkte

Richtige Antwort: Ich komme auch Salzburg.

Aber immerhin BURG war schon einmal richtig :rofl:

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Danke erstmal für deinen Erfahrungsbericht.

Warum? Lass die Polizei, ob echt oder Fake, doch klingeln. Wenn die was von dir wollen, sollen die dir einen Brief schreiben.

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Ist mir vor einem Monat auch passiert, auch „Polizeiakademie Berlin“.

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alter Hut, nirmal beim Enkel-Trick

Tipp an die Deutschen Behörden und Telecom-Firmen:

  1. Seit 1. Januar 2026 (Festnetz): Aus dem Ausland eingehende Anrufe, die eine Schweizer Festnetznummer vortäuschen, müssen von den Netzanbietern systematisch gekennzeichnet werden. Erkannte Fake-Nummern werden unterdrückt (als „unbekannt“/„anonym“ angezeigt) oder direkt blockiert.
  2. Seit 1. Juli 2026 (Mobilfunk): Diese Kennzeichnungs- und Blockierpflicht gilt seither auch vollumfänglich für Mobilfunknummern.
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Ich habe es leider nicht so schnell gecheckt wie du. So wäre es weitergegangen:

Bei mir war es das Gleiche. Johanna Gassbach vom LKA Berlin. Klang extrem professionell und seriös, perfektes deutsch. Das Gespräch ging min. eine viertel Stunde. Sagte auch, dass ich in der kommenden Woche einen Polizeibericht bekomme mit dem Aktenzeichen usw., damit ich dann Akteneinsicht bei meiner örtlichen Polizeidienststelle anfordern könne. Außerdem seien die Hardwarewallet Hersteller in der Pflicht zu überprüfen, ob ihr Kunden Opfer von Phishing oder Hacking wurden. 5 Minuten später rief mich also tatsächlich ein angeblicher Mitarbeiter von Bitbox an. Von einer Berliner Festnetznummer. Er klärte erstmal 10 Minuten über gängige Angriffsvektoren wie Dusting- oder NPM-Attacken auf. Ebenfalls äußerst seriös. Dann wollte er mich durch einen Support Prozess leiten, bei dem überprüft wird, ob meine Bitbox App kompromittiert sei (Im Polizei Bericht stand ja, der Angreifer hätte NPM Attacken durchgeführt, also sei Vorsicht geboten.) Er bat mich dann https://bitbox.com.lc aufzurufen.

Erst als ich dort auf „get startet“ klicken sollte roch ich den Braten und habe mein Hirn angeschaltet. Komische URL? Hat Bitbox überhaupt Telefonsupport? Und warum ruft ein Schweizer Unternehmen von einer Berliner Nummer an?.. Ich bin ebenfalls sehr versiert mit Phishing und wehre schon jahrelang erfolgreich alles ab, meistens durch Ignorieren. Ich bin extrem erschrocken über mich selbst und wie ich so neben mir stehe konnte. Die haben mich zusammen bestimmt eine halbe Stunde verarschen können, das hätte ich nie von mir gedacht!

Natürlich habe ich das Telefonat dann beendet und der Anrufer hat auch sehr verständnisvoll und ruhig darauf reagiert. Ich habe keinen Seed herausgegeben, also alles gut. Die wissen jetzt nicht mehr, als eh schon durch die Hacks der letzten Jahre im Darknet von mir zu finden ist… aber dennoch: das war ein gruseliges Erlebnis. Die Maschen werden immer besser! Bitte passt alle gut auf euch auf.

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So ein Timing in Deutschland :joy:

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Ich warte seit Wochen dass sich mal ein Handwerker zurück meldet. Scheinbar ist Phishing lukrativer als echte Arbeit. Sonst würden Handwerker schneller zurück rufen :joy::joy:

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Was mich bei sowas immer wieder wundert: Wiesongeht man ans Telefon? Ich überlege doch schon im ersten Moment ob ich einen Anruf von der Polizei (Alademie) erwarte?

Ich hatte erst heute einen Anruf aus Frankreich - ich kenne da niemanden, also gehe ich nicht dran.

Was mir bei Spam Mails oft hilft: ich bekomme die gleiche Mail 2-4 mal, da denke ich gleich „da kann was nicht stimmen“

Naja die Polizei kontaktiert auch Menschen die es nicht erwarten und sich nichts zu schulden haben kommen lassen. Das ist doch bekannt. Man muss ja nicht Beschuldigter sein, sondern die Polizei ermittelt ja auch andere Personen oder überbringt z.b. auch (z.b. traurige) Nachrichten an Personen. Wenn da nun „Polizei“ auf dem Handy display steht, dann gehst du nicht dran? Ich meine, da bist du eher die Ausnahme… Aber klar, wenn man von Krypto oder Hardwarewallet oder sowas hört, dann sollte man im Hinterkopf immer „Scamanruf“ haben, das ist klar.

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Ich würde tatsächlich nicht ans Telefon gehen. Wenn mir etwas in den Gedanken kommt, dass es um mich oder mir nahestehende Personen gehen könnte, würde ich im Abschnitt anrufen und nachfragen. Alles andere darf die Polizei mir gern per Post schreiben, da macht es sich auch besser mit dem Nachweis über Informationen - für beide Seiten.

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Sowas lässt sich im Nachhinein immer leicht sagen, wenn man auf dem Sofa sitzt und da ganz in Ruhe drüber nachdenken kann. Vor allem wenn man das in diesem Ausmaß an (vorgetäuschter) Professionalität noch nicht erlebt hat. Ich habe mich im Nachhinein auch über mich selber geärgert, dass ich überhaupt dran gegangen bin.

Ich habe bisher auch schon oft gedacht bei solchen Phishing-Geschichten: „Wie kann man nur?“ Aber man sollte da nicht so überheblich sein. Vor allem hat es mich nachdenklich darüber gemacht, was Phishing für ein potentielles Ausmaß haben könnte. Wir kennen in dieser Bubble hier solche Phishing-Geschichten ja eigentlich und sind, würde ich sagen, überdurchschnittlich sensibilisiert. Das bedeutet aber, dass es da draußen Millionen an ahnungslosen Opfern gibt.

Na gut, das ist aber auch easy. Ich habe schon seit Jahren die Vorwahlen einiger Länder vollständig blockiert. Ich erwarte auch keinen Anruf aus Nigeria. Außerdem sind die ganzen Prinzen mittlerweile alle tot. Müssen wirklich schlimme Zustände sein dort. Die armen Prinzen, ein richtiges Massensterben. Und die hilflosen Witwen, die gar nicht wissen, wohin sie mit dem ganzen Geld sollen. Schlimm, schlimm…

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Ich finde das nicht zu kurz gefasst. Überheblich klingen war jedoch nicht meine Absicht, sollte das so rübergekommen sein, entschuldige ich mich.

Für mich ist nur, gerade in unserem Space, eigentlich klar, dass man noch mehr als der „normalo“ auf sowas gefasst sein muss. Und zwar nicht erst seit den ganzen datenlecks der letzten Monate. Man sollte lieber ein Mal zu viel auflegen oder nicht dran gehen als einmal zu wenig.

In dem Sinn: Stay Safe!