Wurde alles schon durchdekliniert. Daher macht der Trump auch das, was er macht, aus diesen und ähnlichen zu erwartenden Problemen:
Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass ein zweimonatiger Ausfall des Internets nur ein technisches Problem wäre. Er wäre ein Stresstest für eine Gesellschaft, die sich selbst für hochentwickelt hält, deren Funktionsfähigkeit aber an einer erstaunlich schmalen digitalen Nabelschnur hängt. In Deutschland würde das sehr schnell sichtbar werden. Kartenzahlung fiele großflächig aus, Bargeld würde vom selbstverständlichen Zahlungsmittel zum knappen Gut. In den Supermärkten gäbe es nach wenigen Tagen Lücken, nach ein bis zwei Wochen würde man anfangen zu rationieren. Nicht aus bösem Willen, sondern weil die Logistik ohne digitale Steuerung schlicht nicht mehr hinterherkommt. Apotheken würden improvisieren, Lagerbestände mobilisieren, Papierrezepte hervorholen – bis klar würde, dass insbesondere spezialisierte Medikamente nicht beliebig verfügbar sind.
Der Staat würde nicht zusammenbrechen, aber er würde langsamer, schwerfälliger, sichtbarer in seiner analogen Hilflosigkeit. Verwaltung, Sozialleistungen und Abrechnung liefen weiter, allerdings im Tempo vergangener Jahrzehnte. Das Faxgerät, lange belächelt, würde plötzlich wieder als ernstzunehmendes Arbeitsmittel gelten. Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr blieben einsatzfähig, kritische Infrastrukturen haben eigene Netze. Eine sofortige Anarchie wäre daher unwahrscheinlich. Unruhe hingegen sehr wohl, vor allem dort, wo viele Menschen auf engem Raum leben und gewohnt sind, dass Dinge einfach funktionieren.
Besonders deutlich träfe der Internetausfall das Gesundheitswesen. Medizinisch würde vieles weitergehen: Intensivstationen, Operationen, Notfallversorgung. Strom, Wasser und Sauerstoff fallen nicht einfach aus. Aber die stille Selbstverständlichkeit digitaler Organisation würde fehlen. Elektronische Akten, Laborbefunde, Medikamentenbestellungen, Terminplanung – all das würde plötzlich wieder mühsam, fehleranfällig und personalintensiv. Die Medizin wäre nicht schlechter, aber langsamer. Und genau darin liegt das Risiko: Nicht im fehlenden Wissen, sondern in der stockenden Organisation.
Am härtesten würde es das Finanzsystem treffen. Börsenhandel, Onlinebanking, internationale Zahlungsströme – ohne Internet praktisch nicht existent. Nach kurzer Zeit müssten Banken Bargeldabgaben begrenzen, Unternehmen könnten Löhne nicht mehr zuverlässig zahlen. In diesem Moment würde vielen klar, dass Geld längst kein physisches Gut mehr ist, sondern ein Versprechen, das nur funktioniert, solange die Netze stabil sind.
Psychologisch wäre der Effekt nicht zu unterschätzen. Informationslücken werden nicht leer gelassen, sie werden gefüllt – mit Gerüchten, Halbwissen und Angst. Wer Ressourcen, Netzwerke oder Rücklagen hat, käme besser durch. Wer sie nicht hat, schlechter. Städte wären verletzlicher als ländliche Regionen, Nachbarschaften wichtiger als Apps. Im schlechten Fall käme es zu politischer Zuspitzung, Notstandsmaßnahmen, nachhaltigem wirtschaftlichem Schaden und einem weiteren Vertrauensverlust in globale Abhängigkeiten. Im guten Fall würde der Internetausfall als Weckruf dienen: weniger digitale Naivität, mehr analoge Rückfallebenen, mehr Resilienz. Zwei Monate ohne Internet würden nicht zeigen, wie modern unsere Gesellschaft ist, sondern wie wenig sie geübt ist, ohne permanente Vernetzung zu funktionieren. Und vielleicht wäre genau das die eigentliche Erkenntnis.
Fazit: Mit viel Glück kommt man irgendwann an seine Coins, besonders Bitcoins. Der Angriff sollte aber möglichst im Frühjahr/Sommer erfolgen. Mit einem Umbrel-Fullnode ist man der Herr über seine Coins. Sobald das Internet zurück ist, läuft alles wieder wie vorher.
Quellen:
BSI – Gesetzliche Definition und Bedeutung Kritischer Infrastrukturen
– Angaben zu KRITIS‑Sektoren, darunter Informationstechnik und Telekommunikation, inkl. Versorgungskriterien und deren Bedeutung für Staat und Gesellschaft.
- BSI – KRITIS Sektorstudie Informationstechnik und Telekommunikation (öffentliche Fassung)
– Beschreibt Funktionsweise, Abhängigkeiten und mögliche Auswirkungen von Beeinträchtigungen der IT/Telekommunikations‑Kritischen Infrastruktur.- BBK – KRITIS‑Gefahrenlagen (All‑Gefahren‑Ansatz, Abhängigkeiten, Domino‑/Kaskadeneffekte)
– Offizielle Risikoeinschätzung zu Störungen in KRITIS‑Bereichen und deren wechselseitigen Auswirkungen.- BBK – Risiko‑ und Krisenmanagement Kritischer Infrastrukturen
– Erläuterung, wie Behörden Szenarien, Risiken und Folgenabschätzungen für KRITIS erstellen.- BBK – Informationstechnik und Telekommunikation als KRITIS‑Sektor
– Beschreibt die zentrale Rolle von IKT für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sowie die wachsende Abhängigkeit.- BBK – Cyber‑Gefahren und potenzielle Effekte auf Kritische Infrastrukturen
– Offizielle Darstellung der Gefährdung durch Cybervorfälle (z. B. IT‑Ausfälle) und wie sie andere Versorgungsdienste betreffen können.- Bundesnetzagentur – Notfallvorsorge und Telekommunikation
– Informationen, wie Telekommunikationsnetze in Ausnahmesituationen (z. B. digitalen Notlagen) versorgt werden sollen und welche gesetzlichen Regelungen gelten.- OECD – Government at a Glance 2025
– Offizieller Bericht der OECD über die Bedeutung der Resilienz Kritischer Infrastrukturen (z. B. Telekommunikation, Energie, Transport) und Auswirkungen von Dienstleistungsstörungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.- OECD – Good Governance for Critical Infrastructure Resilience
– Wissenschaftlich fundierter OECD‑Report zu resilienten Infrastrukturen, u. a. zu Folgen extensiver Störungen in Kernsystemen.