Nicht nur. Dadurch, dass ca. 550 Mio Menschen auf der Welt nativ spanisch sprechen, gibt es auch wahnsinnig viel guten Content überall. Filme, Serien, Videos, Bücher und vieles mehr.
Auch der Blickwinkel auf die (Deutsche) Geschichte ist z. B. ein völlig anderer, wenn Du mal ein Buch aus Argentinien über den Zweiten Weltkrieg liest. Das ist teilweise sehr erstaunlich, was man da zu lesen bekommt. Für eine mögliche Auswanderung ergeben sich viele neue Optionen usw. Für mich ist es sehr bereichernd, spanisch zu können.
Ich kann leider kein Spanisch. Hast du solche Bücher gelesen und könntest dafür Beispiele nennen? Muss natürlich auch nicht konkret sein für den Fall, dass das hier problematisch wäre. Finde das nur interessant.
Sprachenlernen ist ohne Frage wertvoll, genauso wie Kartenlesen, Kopfrechnen oder Handschrift. Aber daraus abzuleiten, dass Nutzung von Werkzeugen automatisch geistige Verkümmerung bedeutet, ist ein Kategorienfehler. Denken ist nicht gleich Methode, sondern Ausrichtung.
Nach der Logik müsste man auch sagen:
Wer Google Maps nutzt, verliert Orientierungssinn → also besser Karten lesen
Wer Karten nutzt, verliert Himmelsnavigation → also Sonne & Sterne
Und wenn der Himmel bedeckt ist? Dann bitte stillstehen, sonst „verkümmert“ man geistig
Werkzeuge ersetzen keine Erkenntnis, sie verschieben den Fokus.
KI nimmt mir kein Denken ab. Sie nimmt mir mechanische Wiederholung ab.
So wie:
Taschenrechner nicht das Denken zerstört haben
Schrift nicht das Gedächtnis zerstört hat
Bücher nicht das Erzählen zerstört haben
Was wirklich verkümmert, ist nicht das Gehirn durch Technik, sondern Denken, das sich nur noch über Abgrenzung definiert: „Ich denke noch selbst, weil ich X nicht nutze.“
Erkenntnis entsteht nicht aus Verzicht auf Werkzeuge, sondern aus Bewusstsein darüber, wofür man sie nutzt. Das ist kein Angriff auf Sprachenlernen. Das ist eine Erinnerung daran, dass Bewusstsein nicht nostalgisch ist.
Tiefe zeigt sich nicht daran, welche Werkzeuge du verweigerst, sondern welche Verantwortung du mit ihnen trägst.
Werkzeuge sind neutral. Bewusstsein ist es nicht.
Ein Mensch mit wenig Bewusstsein nutzt KI, um Denken zu ersetzen.
Ein Mensch mit Bewusstsein nutzt KI, um mechanische Last abzugeben und klarer zu sehen.
Der Unterschied ist nicht die Technik. Der Unterschied ist die innere Haltung.
Abgrenzung fühlt sich wie Kontrolle an. Bewusstsein fühlt sich wie Offenheit an.
Abgrenzung sagt: „Ich bin noch ich, weil ich X nicht tue.“
Bewusstsein sagt: „Ich bleibe ich, egal welches Werkzeug ich nutze.“
Ich stimme dir in vielen Punkten zu. KI wird Aufgaben übernehmen, und zwar genau dort, wo Tätigkeiten standardisierbar, wiederholbar und gut formalisiert sind. Übersetzung, Verwaltung, Vorsortierung, einfache Sachbearbeitung, das ist realistisch und größtenteils auch sinnvoll. Das ist kein ideologisches Thema, sondern ein Effizienzthema. Werkzeuge ersetzen Tätigkeiten, nicht zum ersten Mal in der Geschichte.
Was ich aber wichtig finde zu unterscheiden:
KI ersetzt Aufgaben, nicht Menschen.
Auch früher hat die Industrialisierung nicht den Menschen ersetzt, sondern Muskelarbeit, Rechenarbeit oder bestimmte Handgriffe. Der Mensch ist nicht verschwunden, sondern seine Rolle hat sich verschoben. Genau das passiert jetzt wieder, nur auf der kognitiven Ebene.
Menschen werden nicht wertlos, weil Werkzeuge besser werden. Sie werden nur dort überflüssig, wo sie nur noch wie Werkzeuge eingesetzt wurden.
Rollenverschiebung:
weniger Ausführen - mehr Einordnen
weniger Abarbeiten - mehr Verantwortung
weniger „Ich mache das, weil es so vorgesehen ist“ - mehr „Ich entscheide, ob es sinnvoll ist“
Dass Handwerk schwerer ersetzbar ist, passt genau ins Bild.
Der Unterschied ist, dass man die, die während der Industriealisierung ihre Arbeit verloren noch weiterbilden konnte und sie sozusagen andere Rollen übernehmen konnten. Aus Arbeitern wurden dann eben die Verfaltungsfachangestellten usw. also die Büroarbeiter.
Die KI wird dafür sorgen, dass die Büroarbeiter durch sie zum Teil ersetzt werden. Der Sprung von Büroarbeit zu einer höheren Tätigkeit ist aber in den meisten Fällen viel höher als der vom Arbeiter zum Büroarbeiter und für die meisten intellektuell nicht zu bewältigen.
Kurz und plakativ: Man kann aus Arbeitern zwar Büroarbeiter machen, aber aus diesen Büroarbeitern keine Ärzte, Ings. und Forscher und Entwickler.
Da werden also sehr viele wieder absteigen und wahrscheinlich keine neue Rolle finden.
Die Frage stellt sich nur für einen selbst und nicht für die „meisten Menschen“. Denn die Vorstellung davon, dass die meisten Menschen ihre Zeit möglichst sinnvoll und effizient nutzen möchten, ist schon mal nicht zutreffend.
Es macht keinen Sinn, ohne ein Eigenmotiv seine Lebenszeit durchzuoptimieren. Es sollte sich immer die Frage stellen, ob man das braucht oder ob man aus anderen Interessen und Motiven es tun möchte, aber nicht um der Optimierung Willen.