Forensik - Datenträger eines Verstorbenen - Nadel im Heuhaufen

Ich frage mal anders - ist denn ein verstecktes Vermögen realistisch? Manisches Verhalten, Single, 2 Zimmerwohnung und 4,5 Tonnen Müll sind jetzt nicht so die ganz heissen Indikatoren auf verstecke Bitcoin Millionen. Alter, berufliche Vergangenheit, sonstiges Eigentum, usw sind da schon eher Faktoren mit denen du da zumindest was einschätzen könntest.

Aber wenn der schon sein ganze Freizeit dazu verwendet hat das Börsengeschehen handschriftlich zu dokumentieren(!) und gleichzeitig keinerlei Depot oder ähnliches durch den Nachlassverwalter auffindbar war, klingt das mehr nach Psychose oder anderen tiefergehenden Problemen des Verstorbenen.

Sehe ich mittlerweile auch so. Ich weiß nicht, ob der Nachlassverwalter beim Betreten der Wohnung Goldmünzen fand und sich persönlich freute. „Müll“ ist vielleicht übertrieben, der Mann hatte stapelweise ausgedruckte Börsendaten und Ordner in der Wohnung und beschriebene Finanzbücher sowie Möbel, die keiner mehr brauchen konnte. Ich habe heute den ganzen Tag die Daten systematisch analysiert und kann zumindest sagen, dass ich keinen Hinweis auf bestehendes Vermögen fand. Vielleicht ist irgendwo bei den tausenden gescannten Dokumenten noch was dabei, aber das ist mir den Aufwand nicht mehr wert. Ich schließe mich oldboy an, der arme Mann hatte wohl irgendeine Störung und hat sich vielleicht bei der beginnenden Demenz eingebildet er besäße BTC. Traurig.

Das wirft leider ein ganz anderes Licht auf den Fall.

So gut wie kein vermögender Mensch lebt so, nicht mal die Bitcoiner, die angeblich ihren Tisch verkaufen um mehr zu stacken. Wer viel Geld hat hat normal auch einen großen Fiat Notgroschen.

Vielleicht geht meine Fantasie mit mir durch, aber für mich sieht es so aus:

Er war besessen von Statistik und ähnlichem und wollte gerne Börse spielen, vielleicht war er früher sogar an der Börse aktiv, inzwischen hat er aber das Geld dafür nicht mehr. Börsianer hasst er dafür, dass sie seinen Traum leben. Die einzigen die er noch mehr hasst, sind Bitcoiner, weil sie das haben, von dem er träumt, rießige Gewinne. Aus neid checkt er jeden Tag dem Kurs und hofft, dass er endlich abstürtzt. Und weil er zu alt für Social Media ist, druckt er seine Memes noch auf Papier aus und macht sich über die Bitcoiner lustig: „Ziel 135.000$? Diese Spinner, Volltrottel“ „Ohh nein, ich habe meine Bitcoin verloren, weil ich so ein Volltrottel bin…“.

Ich bin mir inzwischen zu 90% sicher, dass er nie Bitcoin hatte, würde deswegen keine Zeit mehr reinstecken. Aber die übrigen 10% würden mich umtreiben. Hebe deswegen die Festplatten gut auf und frag auch nochmal höflich, ob man nicht doch noch irgendwo an den Papiermüll kommen könnte, vielleicht fällt dir irgendwann eine neue Theorie ein oder KI kann besser bei der Suche helfen :slight_smile:

Meine Mutter ist dement. Sie schreibt auch immer wieder Zettel um Dinge nicht zu vergessen und liest die Zettel dann normalerweise nicht wieder. Ich werfe das Zeug dann ab und zu weg.
Wenn man ihr etwas erzählt vergisst sie es teilweise.
Wenn sie dann mit einer Freundin telefoniert oder mit einer Nachbarin spricht gibt sie wieder woran sie sich noch richtig erinnert und einiges woran sie sich falsch erinnert und was nie gesagt worden ist. Nachdem sie das ein parmal wiederholt hat hält sie auch die „erfundenen“ Teile der Geschichte für real und vergisst sie auch nicht so schnell.
=> also ein parmal die Kurse gecheckt und davon geträumt im richtigen Moment eingestiegen zu sein und du glaubst vielleicht ganz ernsthaft daran das Asset zu haben…
Ich denke wer sich wegen Vergesslichkeit Zettel schreibt hat auf den Zetteln auch Kennwörter/Zugänge für Depots und KryptoBörsen usw. sofern etwas existiert.
Viele nutzen das Girokonto als Referenz/Verrechnungkonto. Auf den Kontoauszügen müsste irgendwas zu finden sein
Man speichert sich schonmal einen Depotauszug oder bekommt den auf Papier zugeschickt oder druckt den aus. Oder eine jährliche Steuerbescheinigung.
Wenn überhaupt gar nichts zu finden ist… also der druckt Kiloweise Börsendaten und Aktienkurse aus aber hat nichts vom eigenen Depot/Wallet ??? Das passt irgendwie nicht zusammen.

Vielleicht hatte er wirklich BTC. Keys auf Papier versteckt unter Bergen von alten Börsenaudrucken?
Seedzettel verteilt auf die Papieberge und vielleicht noch bei Freunden?
Wer weiß.
Ich denke Du wirst nichts finden, aber wenn Du die Suche nicht als Arbeit sondern als Abenteuerurlaub betrachtest und Spaß dabei hast… :slight_smile:

Danke dir, sehe ich mittlerweile nach systematischer Überprüfung aller Daten auch so. Der hatte wahrscheinlich nie BTC, weil selbst bei einer Hardware-Wallet, hätte ich irgendwelche Software-Reste gefunden, da war aber nix. Ich habe von den internen Festplatten Images gemacht, ebenso von den USB-Sticks und der externen Festplatten. :locked_with_pen: Jetzt kann ich meine KI noch nicht auf diese Menge Daten loslassen, also nicht OCR von jedem Dokument machen lassen und jede Word- und Excel durchsuchen lassen. Das kostet mich zu viel Zeit und auch Token. Ich hebe alles mal 5 Jahre auf und lasse es dann vielleicht nochmal mit neueren Methoden überprüfen, aber ich denke das ist aussichtslos.

@Donald danke dir für die Ausführungen. Ich denke auch, dass es bei dem Mann ähnlich war. Wahrscheinlich hatte der nie BTC. Der Berg an Papier und alles ist schon lange entsorgt, darauf habe ich keinen Zugriff mehr. Sicherlich hätte die Papiersuche mehr gebracht, weil der Mann den PC anscheinend nur zur Recherche nutzte. :upside_down_face: Naja, meine Suche war systematisch, aber ohne Treffer. Ich habe dafür extrem viel dazu gelernt und hatte daran meine Freude. War interessant die ganzen Forensik-Tools kennenzulernen und das Vorgehen durchzuprobieren. Irgendwann brauche ich diese Skills vielleicht wieder, wer weiß, dann finde ich auch mal was.