Definition "Wallet": Schlüsselverwahrungsort vs. Keys/Adressen eines Seeds

Mir fällt in letzter Zeit immer öfter auf, dass wir zumindest hier im Forum den Begriff „Wallet“ in zwei Bedeutungen verwenden, was hin und wieder zu Missverständnissen führt.

Mich würde eure Meinung interessieren.

Bedeutung 1

Wallet = Aufbewahrungsort der Private Keys bzw. des Seeds („Schlüsselbund“)

Hardware Wallet → Private Keys befinden sich auf einer separaten Hardware
Software Wallet → Private Keys werden von einer PC Software verwaltet und auf dem PC gespeichert
Paper Wallet → Private Keys befinden sich auf einem Stück Papier
etc.

Zu dieser Definition passen auch die Begriffe Cold Storage bzw. Cold Wallet und Hot Wallet. Einmal sind die Private Keys auf einem offline Gerät (cold), das andere Mal auf ein online Gerät (hot) gespeichert.

Bedeutung 2

Wallet = Accounts, Keys und Adressen, die von einem Seed abgeleitet werden

In diesem Fall definiert der Seed die Wallet. Unabhängig davon, wo der Seed oder die Private Keys gespeichert werden.
Ich spreche hier bewusst vom Seed, nicht von Seedphrase bzw. Mnemonic. Schließlich sagen wir z.B., dass eine Seedphrase zusammen mit einer optionalen Passphrase zu einer komplett neuen Wallet führt.

Nur bei dieser Definition ist es sinnvoll zu sagen, dass bestimmte Accounts oder Adressen zu einer Wallet gehören. Unabhängig davon wo Seed bzw. Keys gespeichert sind.

Auch nur bei dieser Definition kann man sagen, dass man mehrere Wallets innerhalb einer Software oder auf einer Hardware verwaltet.

Obwohl die Coins außerdem auf der Blockchain „liegen“, kann man nach dieser Definition trotzdem sagen, dass sie sich in oder auf einer Wallet befinden. Schließlich sind die Coins bestimmten Adressen zugeordnet.

Wie seht ihr das?

Ich persönlich bin vor der normalen, ursprünglichen Definition 1 irgendwann immer mehr zur Definition 2 übergegangen.

Es ist natürlich unrealistisch sich auf eine Definition festlegen zu können.
Begriffe wie Hardware Wallet oder Paper Wallet stehen einfach fest. Ins Straucheln kommt man aber schon wenn man eine Hardare Wallet z.B. mit Electrum, Sparrow etc. verwaltet. Ich bezeichne letztere dann immer als Wallet Software, nicht als Software Wallet, um Verwirrung zu vermeiden.

Wir sollten insbesondere bei Fragen von Neulingen in Zukunft zumindest mehr darauf achten, die verwendete Bedeutung kurz zu erklären.

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Konsequenterweise müsste man mittlerweile die 2. Bedeutung verwenden. Wobei die erste natürlich nicht falsch ist.

  • Eine BitBox02 ist eine Wallet.

  • Wenn ich eine Passphrase verwende lande ich in einer anderen Wallet, obwohl der Aufbewahrungsort natürlich noch der selbe ist.

Diesen Widerspruch (aus Anfängersicht) kann man nicht vermeiden.

Wichtig ist finde ich auch dass wir mit Accounts das gleiche meinen, nämlich die standardisierte Accountfunktion über den Derivation Path innerhalb einer Wallet bzw. innerhalb eines Seedwertes (m/84’/0’/0’/0/0) und nicht etwa einen Seed mit Passphrase o.ä.

Auch fällt mir immer wieder auf das sowieso nicht klar ist was eine Wallet konkret ist.

Man muss deutlicher kommunizieren dass eine Wallet einfach nur Schlüssel verwaltet bzw. für ein bestimmtes Set an Schlüsseln steht.

Der Satz „Bitcoin liegen auf einer Wallet“ ist faktisch nicht richtig, aber in der Umgangssprache unter Bitcoinern völlig normal. Für einen Anfänger ist es dann aber schwieriger zu verstehen warum er seine Bitcoin mit 12 Wörtern wiederherstellen kann, wo doch seine Bitcoin „auf dieser einen Wallet drauf liegen“.

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Interessant… ich tendiere auch eher zu Variante 2.
Zumal sie auch „Custodial Wallets“ einbeziehen würde.

Und es stellt sich immer mehr die Frage, wie es dann mit Lightning aussieht. Da unterscheide ich eine „Node“ und eine „Wallet“, die einen Account (auf einer Node, meist custodial) verwaltet.

Solche Feinheiten ergeben hier im Forum natürlich Sinn, aber bei „normalen“ Konsmenten ist eine Wallet einfach etwas mit dem man bezahlen kann, oder?

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Sehe ich genauso. Ich versuche mich immer an den „Account“ des Ableitungspfades zu halten.

Zu einer Wallet gehören nach Definition 2 viele Accounts unterschiedlicher Coins. Zu jedem Account gehören dann viele Adressen.

Falls es jemanden stört, dass unterschiedliche Coins in einer Wallet liegen, ist Definition 1 besser.

In der Realität hat man allerdings auch mal unterschiedliche Währungen im Geldbeutel. Überhaupt finde ich den eigentlichen Begriff „Wallet“, also „Geldbeutel“, besser zu Definition 2 passend.

Mit der Bedeutung 2 ist diese Aussage auf jeden Fall wesentlich sinnvoller.

Klar im Endeffekt sind die Coins nur Outputs von Transaktionen, die bestimmten Adressen zugeordnet sind. Aber man kann nach Definition 2 denke ich guten Gewissens sagen, die Coins liegen auf der entsprechenden Wallet.

Gute Frage. Müsste ich auch nochmal darüber nachdenken.

Da hast du natürlich vollkommen Recht! Falls sich jemand durch diese Erbsenzählerei gestört fühlt, sollte er diesen Thread besser umgehend wieder verlassen. :grin:

Mir ist wie gesagt nur bei Erklärungen für Neulinge öfter aufgefallen, dass das zu Missverständnissen führen kann. Durch diesen Thread möchte ich ein gewisses Bewusstsein dafür schaffen.

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Ich befürchte, das liegt an den unterschliedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten zwischen Sprache und Technik.

Um jetzt mal nur im deutschen zu bleiben: Bis heute verwenden wir das Wort Börse für so unterschiedliche physische und digitale Dinge
Angefangen von nicht viel mehr als einem Münzbeutel, über einfache Geldbörsen, bis hin zu Kellnerbörsen oder ganz beliebt bei vielen die rießigen Multifunktionalbörsen die schon so groß sind wie ein ganzes Tagebuch. Zusätzlich dazu verwenden wir seit jeher das selbe Wort auch für Marktplätze - ob Aktien - Auktionen - Flohmärkte …
Und mittlerweile eben auch digitale Softwareanwendungen die uns Zugriff auf unsere Konten gewähren, in App-Zahlungen ermöglichen oder eben auch unsere crypto-wallets (sowohl HW als auch SW).

Ich befürchte diese Evolution werden wir auch künftig nicht aufhalten können, und wir werden uns daran gewöhnen müssen, exakter zu formulieren, einerseits Anfängern gegenüber - andererseits aber auch dann, wenn der konkrete Zusammenhang nicht eindeutig die Bedeutung festlegt.


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Ich bin einfach gestrickt. Ich übersetze „Wallet“ mit „Geldbörse“.

In meiner Wallet liegen meine Coins.

Faktisch nicht richtig, aber wenn ich dem „investor vulgaris“ mit Seed, Derivation Path oder Private Key komme, schaltet er direkt ab.

Aber als Fachmann (*kicher*) tendiere ich eher zu „Bedeutung 2“.

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Im Grunde macht der Begriff Wallet, also Brieftasche/Geldbörse, für etwas wo gar nicht das Guthaben selbst, sondern nur die Schlüssel dazu aufbewahrt werden, wenig Sinn. Zumindest widerspricht es dem (international?) üblichen Sprachgebrauch, was einem zu denken geben sollte.

P.S.: die Apple Wallet ist doch eigentlich auch nur eine Verknüpfung zum Guthaben auf dem Girokonto (in Deutschland), oder?

Das mag im deutschen vielleicht gut lösbar sein, indem wir uns angewöhnen vom „Schlüsselbund“ an Stelle der „Geldbörse“ zu sprechen … aber stell dir mal die internationale Verwirrung vor, wenn dort von „keychain“ statt „wallet“ gesprochen wird?

In so fern macht es durchaus Sinn einen deutlich unterscheidbaren Begriff für die „Verwahrstädte der Keys“ im Unterschied zur Technologie „Blockchain“ oder „Dezentralized azyclic graf“(hab ich jetzt sicher falsch geschrieben) zu verwenden. Sonst wird der Einstieg für Anfänger noch viel schlimmer.

Hallo, für mich als Anfänger ist die BitBox02 eine Hardware_Wallet.
Genauso wie die von Hardware von Ledger oder Trezor.

Ja, und trotzdem ist sie eine Wallet - weil man das als Oberbegriff sehen kann.

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