Das Wunder von Wörgl

Hallo Ihr lieben !

Ich höre immer von allen BTC’lern Geld sollte ein gutes Wertaufbewahrungsmittel sein. Aber ist das wirklich so?

Warum war dann das Schwundgeld der Gemeinde Wörgl inmitten der schlimmsten Weltwirtschaftskrise so ein durchschlagender Erfolg?

Könnte es nicht auch evtl. sinnvoll sein eine Trennung von Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel zu haben?

Wie ist denn sonst das Wunder von Wörgl zu erklären?

Der Gedanke mag spannend sein, praktisch wird diese Trennung in einer freien Welt nicht funktionieren.

Denn das umlaufgesicherte Geld würde von den Bürgern stattdessen durch Devisen, Edelmetalle (und Bitcoin) substituiert, welche keinem Wertverfall unterliegen.

Ich würde in meinem Geschäft zumindest explizit anschreiben, dass ich kein umlaufgesichertes Geld annehme.

Das ist eine gute Frage.

Die gesamte Wirtschaftslage war geprägt von einer Deflation: Die Preise der Waren fielen, das Geld gewann ständig an Wert und wurde deshalb auch zurückgehalten: Waren Anschaffungen nicht unbedingt nötig, so wartete man ab - bei fallenden Preisen die logische Folge.

Ja, das Schwundgeld löste das Problem kurzfristig. Aber eben auf Kosten (die Entscheidungsfreiheit) von Sparer:innen.

In einem solchen System hätte man auch warten können. Es gibt immer einen Zeitraum, an dem Ausgaben nicht weiter zurückgehalten werden können. Wie Nahrung etc.

Ja, in einer Welt mit einer konstanten Geldmenge wächst eine Wirtschaft eventuell langsamer. Aber dafür ehrlich, nachhaltiger und nicht auf Kosten der Bevölkerung.

Letztlich haben wir beim Schwundgeld natürlich auch wieder eine zentrale Ausgabe- und Kontrollstelle. Allein das geht mir zuwider. :slight_smile:

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Zusatzgedanke:

Es gilt die Quantitätsgleichung.
Geldseite = Güterseite.
G×U = H×P

Wir haben also die umlaufende Geldmenge G, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes U, das Preisniveau P und das Handelsvolumen H.

Das Schwundgeld muss diese Gleichung erfüllen. Das heißt, dass bei gleichbleibender Güterseite das Produkt aus G und U nur dann konstant ist, wenn die Umlaufgeschwindigkeit im gleichen Maße zunimmt, wie das Geld an Wert verliert.

Tut es das nicht, fällt also in der Folge das Preisniveau und/oder das Handelsvolumen. Das muss es tun.

Weniger Handel ist aber blöd, denn das Schwundgeld will doch das Gegenteil erreichen. Fallen allerdings die Preise, so kommt es zur Deflation und Ausgaben werden aufgeschoben. Damit sinkt aber die Geldseite. Die Umlaufgeschwindigkeit verringert sich.

Insofern ist ein Schwundgeld kein Garant für eine erhöhte Umlaufgeschwindigkeit.

Legt man als Ziel sogar ein stabiles Preisniveau fest, so bleibt die Frage, wer die Wertverlustrate so anpasst, dass sich das stabile Preisniveau einstellt.

Eine EZB 2.0?!

Haben wir damit wirklich etwas gewonnen?

Es mag sein, dass das Schwundgeld für 14 Monate eine bessere Wirtschaft bot, als der Rest der Welt während der Weltwirtschaftskrise. Fiat-Geld scheint ja auch auf kurze Sicht zu funktionieren. Die Betrachtung muss aber langfristiger sein und hier werden auch systembedingte Probleme entstehen.

Den fehlenden Sparmechanismus empfinde ich beim Wörgler Schwundgeld als fatal. Auch hier wird derjenige belohnt, der sich verschuldet bzw. sein Geld schnell ausgibt.

Ich habe noch nicht ganz verstanden, warum Geld eine hohe Umlaufgeschwindigkeit haben muss. Dies bezieht sich doch immer nur auf eine steigende Wirtschaft… für alles andere ist dieser Punkt völlig irrelevant.

Genau Tauschmittel und Wertaufbewahrung wären von einander getrennt.

Wenn es ein gesetzliches Zahlungsmittel wäre müsstest du das aber tun.
Man zwingt ja heute auch schon Geschäftsinhaber wertloses FIAT anzunehmen.

Mir natürlich auch. Hier geht es ja erst einmal um die Theorie.

Nein.

Schade das dies nach 14 Monaten wieder eingestellt wurde. Sonst wüssten wir jetzt mehr.

Wir wissen also in der schweren Deflation hat das Schwundgeld gut funktioniert. Leider wissen wir ja nicht wie das in anderen Wirtschaftsphasen gewesen wäre.

Es wurde ja nicht eingestellt, sondern verboten.
Es hat für mich zwei abschreckende Punkte.

Zum einen zeigt es, dass der Staat und die Zentralbanken nicht zulassen, dass eine andere zentralisierte Stelle Geld ausgiebt, selbst wenn es erfolgreich isr. So wurde auch dieses Geld durch Gerichtsprozess verboten.

Zum anderen macht es noch mehr Sorge vor CBDC. Heutzutage ist es gewollt die Umlaufgeschwindigkeit zu erhöhen um ein immer größeres Wirtschaftwachstum zu realisieren. Trotz demografischen Wandel, trotz immer größerer Schere zwischen Arm und Reich.
Ein CBDC welches für alle öffentlichen Zahlungen eingeführt wird und nach dem Beispiel des Schwundgeldes ein Ablaufdatum hat wäre ein Traum für die Notenbanken und ein Albtraum der Bürger. Auch nur eine Form moderner Sklaverei. Du bekommst ein paar Kröten und bist verpflichtet sie schnellstmöglich für das auszugeben was die Zentralbank dir vorschreibt.

Das Schwundgeld war durch Bargeld gedeckt, dass Bargeld war durch Gold gedeckt es wurde eingeführt um die böse Deflation abzuwenden.
Sprich es wurde wie Fiat genutzt um den Selbstreinigungsprozess der Wirtschaft zu verhindern.
Je weiter wir mit Fiat gehen, je größer wird der Schmerz bei der Hyperbitcoinisation. Das ist nicht die Schuld von BTC sondern vom Fiat.

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Wie wäre das bei Schwundgeld wenn ich z.B Autohändler Lutze wäre. Jemand kauft bei mir ein Auto und er gibt mir 30.000 Schwundgeld, jetzt läuft die Uhr Tick Tack und ich muss schnellstmöglich als Autohändler neue Ware finden sonst ist das Geld nur noch ein Teil wert. Schwundgeld mag kurzfristig in einer Deflation funktionieren, so wie derzeit unser Fiat. Aber langfristig würde auch Bäcker und Metzger Lutze dahinter kommen das sie die Preise nach oben treiben können weil die Leute es auf jeden Fall ausgeben müssen. Das ist ja einer der Probleme von Inflation.Preise steigen vor den Löhnen, und die Löhne auch nicht im gleichen Maße wie die Inflation. Wie kann man bei so einem Geld überhaupt auf so etwas wie ein Auto sparen wenn das Geld schnell an Wert verliert?

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Wenn Muskeln gesund sind und du mit dem spritzen von Testosteron schneller Muskeln aufbauen kannst ist das dann gesund?

Kurzfristig kurbelt man natürlich die Wirtschaft an, da die Menschen dazu genötigt werden jeden scheiss zu kaufen, weil das immer noch besser ist als Geld zu verlieren! Lieber unnötige Dinge anhäufen als Arbeitsleistung zu verlieren.

Ist halt nicht nachhaltig und die süsse Droge, die auf Dauer den Menschen und der Umwelt schadet.

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Wenn Schwundgeld funktionieren würde, würde ja auch jeder vom Wunder der EZB sprechen :rofl:

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Hallöchen, ich fand es interessant, dass gestern im Livestream das „Wunder von Wörgl“ Thema war :slight_smile:
Ist für mich auch eine Frage, welches das bessere Geld ist, früher bin ich fest davon ausgegangen, dass dieses Schwundgeld als Zahlungsmittel sehr viel Sinn macht, mittlerweile bin ich da nicht mehr so sicher… wie dem auch sei, wen das Thema interessiert, ich habe vor einigen Jahren mal als Freelancer bei btc-echo gearbeitet und Bitcoin und den Wörgl bzw. Schwundgeld wie den Chiemgauer (die darauf beruhen) miteinander verglichen. Hier ist der Artikel: Bitcoin vs. Chiemgauer: Kann Geld Wertspeicher und Tauschmittel zugleich sein?

Da krigt ihr einen Überblick!

LG aus Münster nach Münster :slight_smile: