Es beschreibt wie modern etablierte Wirtschaftstheorien auf Grundannahmen beruhen, die zwar vernünftig klingen, in der Realität jedoch zerstörerische Kräfte entfalten. Der Begriff meint in Anlehnung an Goethes Faust eine Haltung, die das Gute verspricht, aber systematisch das Böse bewirkt.
Die 7 Axiome nach Christian Kreiß:
Die Annahme, menschliche Bedürfnisse seien unbegrenzt, dient als Rechtfertigung für ewiges Wirtschaftswachstum. Laut Kreiß führt dies zu Ressourcenverschwendung und ökologischem Raubbau, da natürliche Grenzen ignoriert werden.
Das exponentielle Wachstum durch den Zinseszins führt zu einer schleichenden Umverteilung von Vermögen von unten nach oben. Es erzeugt einen permanenten Wachstumszwang im Finanzsystem, der die Reallohnentwicklung abkoppelt.
Unbegrenzte Vermögensakkumulation wird als Schutz der individuellen Freiheit verkauft. In der Praxis führt dies jedoch zu extremen Machtkonzentrationen, die Demokratien untergraben und soziale Ungleichheit verschärfen.
Die Verengung des Unternehmenszwecks auf den Shareholder-Value blendet soziale und ökologische Folgekosten (externe Effekte) aus. Was betriebswirtschaftlich als logisch gilt, schadet oft der Gemeinschaft.
Das Modell des Homo Oeconomicus setzt voraus, dass Menschen stets informiert und egoistisch-rational entscheiden. Kreiß argumentiert, dass emotionale Manipulation durch Werbung und geplante Obsoleszenz dieses Prinzip längst ad absurdum führen.
Das Prinzip „Jeder gegen Jeden“ soll Leistung fördern, zerstört aber Kooperation und führt zu Dauerstress sowie Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt.
Der Glaube, dass eigennütziges Handeln automatisch dem Gemeinwohl dient (nach Adam Smith), entbindet Akteure von moralischer Verantwortung. Es entsteht ein System, das Ethik durch Marktmechanismen ersetzt.
Ist halt n’ Linker, daher, zumindest in der Zusammenfassung, nichts sonderlich neues dabei.
Aus österreichischer Sicht (sofern relevant):
„Ressourcenverschwendung“ ist ein Werturteil, zu dem er nicht im Stande ist. (Das sieht er so, das ist nicht objektiv.) Gleiches gilt bei „Raubbau“ und bei „natürlichen Grenzen“ aus ähnlichen Gründen.
Er beschreibt Fiat, nicht Zins.
Ist wieder so ein Prämissen-Ding. Demokratie und Gleichheit, sprich der Erhalt der derzeitgen Machtelite und seine persönliche soziale Wertvorstellung, wird als erstrebenswert vorrausgesetzt um daraus „zerstörerische Effekte“ abzuleiten.
Wieder Werturteil. Siehe 1. Dazu schwingt wieder ein bisschen Projektion von Fiatwachstumszwang mit. Ohne diesen würden sich Sharholder-Value-Maximierung auch etwas anders manifestieren.
Homo Oeconomicus als konkrete Wesensbeschreibung des Menschen ist abseits von Mill einfach ein Strohmann.
„Jeder gegen Jeden“ ist auch eine Fehlkarakterisierung eine arbeitsteiligen Marktwirtschaft, welche eben dieses jeder gegen jeden verringert. Der Metzger konkurriert nicht mit dem Bauarbeiter, wie er es als autarkes Individuum ohne Handel tun würde.
Gemeinwohl ist keine Sache an und für sich, sondern beschreibt lediglich zusammengefasst die Summe aller individuellen Zufriedenstellung. Wert ist subjektiv, durch Handel entsteht daher eine beidseitig positive Bilanz. Im Rahmen des Marktes ist daher eigennütziges Handeln sehr wohl eine Steigerung des Allgemeinwohls. Moralische Verantwortung, wieder Werturteil. Darüber hinweg wohnt dem Markt eine eigene Ethik inne.
Zusätzlich ist die Charakterisierung der Martkwirtschaft von „Verspricht Gutes, tut Böses.“ gerade anhand der Natur der "Lösungs"ansätze für solcherlei Probleme doch etwas ironisch.
Das bedeutet zumindest wenn Entitäten 40 % des Netzwerkwerts kontrollieren und Renditen dorthin fließen ist das kein Werturteil.
Das Geldsystem wirkt zwar als Beschleuniger, aber die Ursache sind Zinseszins-Effekte, Unternehmensübernahmen, Skalenerträge.
Auch unter einem Sachwert-Standard (z. B. Gold) führt eine Eigenkapitalrendite, die dauerhaft über dem realen Wirtschaftswachstum liegt (wie von Thomas Piketty gezeigt), zwingend zu einer Konzentration bei wenigen Entitäten.
Wenn eine Handvoll von 147 Finanzinstitutionen (wie BlackRock, Vanguard etc.) gleichzeitig Großaktionäre bei den konkurrierenden Metzgereien, Baukonzernen und Zulieferern sind, existiert die klassische Marktlogik nicht mehr. Es entsteht eine oligopolistische Struktur, in der Kapitalrenditen abgeschöpft werden, bevor der klassische Tauschhandel zwischen Arbeitern überhaupt greifen kann.
Siehst du hier das Gemeinwohl als Summe aller individuellen Zufriedenstellung gesenkt durch diese oligopolische Struktur?
Er ist Links aufgrund seiner Ansichten. (Genau so wie Piketty übrigens.) Aber keine Sorge, er hat auch schon mit B90 und Die Linke rumgeklüngelt. Das ist mir beides nicht entgangen.
Gegenfrage: Kannst du erklären, wie das auf einem freien Markt ein Problem darstellen soll?
Die Investfirma „Böse Inc.“ kauft den Metzger, den Bäcker, den Schreiner und den Supermarkt. Jedes mal braucht sie hierfür Geld. Wenn diese Betriebe aufhören Bedürfnisse zu befriedigen, werfen sie keine Gewinne ab, ergo keine Rendite. Gleichzeitig verunmöglicht freier Markteintritt Kartelle und Monopole, verstärkt dadurch, dass diese neuen Konkurrenten zusätzlich keine Rendite an Böse Inc. ausschütten müssen. Hmm ja, aber was, wenn Böse Inc. einfach jeden aufkauft, der versucht bessere Leistungen anzubieten? Naja hat bei Standard Oil auch nicht geklappt und Böse Inc. hat nur so lange Geld um Unternehmen zu kaufen, wie seine bisherigen Betriebe Geld verdienen, sprich weiter Bedürfnisse besser erfüllen als die Konkurrenz.
Böse Inc. ist langfristig genauso vom Markt abhängig wie alle anderen. Das einzige Szenario, in dem dies nicht so ist, beinhaltet Kapitalzuflüsse durch Fiat oder künstliche Markteintrittsbarrieren.
Ja, der Mensch ist böse und will immer hoch hinaus. Das wird man auch nicht ändern indem man appelliert.
Es gibt keinen Zinseszins. Es gibt nur Zinsen auf ausstehende Schulden. Wenn in den Schulden Zinsen enthalten sind, kann man das zwar so nennen, es ist aber nichts anderes. Was zu einer schleichenden Umverteilung führt, sind Preisdeckel auf Geld
„Die Demokratie untergraben“ - ja, Demokratie hat einen bias. Und jetzt? Das Vermögen ist nicht daran schuld. Die Art wie Vermögen durch Preisdeckel erschaffen werden kann trägt einen deutlich größeren Anteil daran, wie sich Macht konzentriert.
Wer soll sonst entscheiden was produziert wird wenn nicht das Geld des Kunden? Die Mitarbeiter? Was, wenn die Kunden das Produkt nicht haben wollen? Nur was sich finanziell trägt, ist nachhaltig.
Der Mensch kennt nur die nötigen Informationen für sich selbst und seine Familie - und auch das vielleicht in manchen Fällen nicht zu Genüge. Es ist jedoch größenwahnsinnig anzunehmen, dass ein anderer Mensch das noch besser weiß.
Jeder gegen jeden wird Kooperationen fördern wenn es jeden nutzt. Zwei die miteinander handeln, sind keine Gegner sondern Partner.
Es gibt kein Gemeinwohl. Wenn zwei Parteien eigennützig handeln, geht es beiden Parteien besser da es sonst keinen Handel gegeben hätte.
Die Blütezeit der mächtigsten Monopole der Geschichte (die „Trusts“ wie Standard Oil, Carnegie Steel oder J.P. Morgan) lag im späten 19. Jahrhundert – der Epoche des klassischen Goldstandards. Standard Oil kontrollierte in den 1890er-Jahren rund 90 % des US-Raffineriemarktes. Das Unternehmen scheiterte keineswegs an neuen Konkurrenten auf dem freien Markt, sondern musste 1911 durch staatliche Anti-Trust-Gesetze gewaltsam zerschlagen werden.
Unter einem Goldstandard ist Geld eine physisch begrenzte Ressource. Großkonzerne und Finanz-Entitäten, die den Großteil des physischen Goldes halten, kontrollieren damit faktisch das Banken- und Kreditwesen.
Neue Wettbewerber erhalten gar keine oder nur extrem teure Goldkredite, weil sie keine Sicherheiten vorweisen können.
„Böse Inc.“ kauft unvermehrbare Sachwerte (Grundbesitz, Minen, Infrastruktur, Verkehrsnetze). Diese natürlichen Monopole lassen sich auch mit noch so viel freiem Wettbewerb von Marktneulingen nicht duplizieren.
Wer bereits große Mengen Gold oder Sachkapital besitzt, erzielt daraus kontinuierlich Zinsen, Mieten und Pachten. Dieser Akkumulationsprozess sorgt auch ohne Fiat-Inflation dafür, dass sich Realkapital an der Spitze schneller vermehrt, als die breite Bevölkerung es durch reine Arbeit ansparen kann.
„Böse Inc.“ muss Konkurrenten gar nicht aufkaufen. Betritt ein neuer, unabhängiger Bäcker den Markt, senkt „Böse Inc.“ in dieser Filiale die Preise temporär unter die Herstellungskosten.
Dank ihrer riesigen Goldreserven aus anderen Märkten kann „Böse Inc.“ diese lokalen Verluste über Jahre quersubventionieren.
Der neue Konkurrent ohne massive Goldreserven hält diesen Preiskampf nur wenige Monate durch und geht pleite. Danach hebt „Böse Inc.“ die Preise wieder auf Monopolniveau an.
Ob man es sprachlich „Zinseszins“ nennt oder „Zinsen auf Schulden, die aufgenommen wurden, um alte Zinsen zu bezahlen“: Das mathematische Resultat ist identisch.
Kann ein Staat seine jährlichen Zinsverpflichtungen nicht vollständig aus laufenden Steuereinnahmen decken, muss er neue Staatsanleihen ausgeben, um die alten Zinsen zu begleichen. Die Zinslast wird damit zum neuen Kapitalstock, auf den im Folgejahr erneut Zinsen fällig werden.
Müsste der Staat für seine Schuldenberge ungedeckte, echte Marktzinsen zahlen, würde die Zinseszins-Spirale den Haushalt binnen kürzester Zeit sprengen. Der „Preisdeckel“ enteignet zwar die Sparer durch Negativ-Realzinsen, schützt den Staat aber vor der sofortigen Zahlungsunfähigkeit.
Selbst in einem System ohne staatliche Geldpreisdeckel (z. B. einem reinen Goldstandard) erzeugt extreme Vermögenskonzentration Abweichungen von der rein demokratischen Entscheidungsfindung.
Ab einer gewissen Vermögensgröße wird politische Einflussnahme zu einer Investition mit hoher Rendite. Das Großkapital finanziert Thinktanks, Parteien und Lobbygruppen, um Marktregeln, Steuergesetze und Subventionen zu seinen Gunsten zu formen.
Der Besitz von Kommunikationsplattformen, Zeitungen, Netzwerkinfrastruktur und Energieversorgern ermöglicht es einzelnen Entitäten, öffentliche Diskurse zu prägen und politische Themen zu setzen.
Geldpolitische Verzerrungen und die politische Macht von Großvermögen schließen sich nicht aus, sondern bilden eine Feedback-Schleife.
Am Markt gilt nicht „Ein Mensch, eine Stimme“, sondern „Ein Euro, eine Stimme“. Wenn Vermögen extrem konzentriert ist, steuert das Preissignal die Produktion nicht nach den dringlichsten Bedürfnissen der meisten Menschen, sondern nach der Kaufkraft der reichsten Entitäten.
Der Handel ist dann zwar formal „freiwillig“, nutzt aber faktisch eine Notlage aus. Die behauptete Partnerschaft wird zum Diktat des Stärkeren.
Der Markt ist das beste Werkzeug zur Koordination privater Güter unter gleichstarken Akteuren. Er stößt jedoch überall dort an seine Grenzen, wo extreme Machtkonzentration die Freiwilligkeit zerstört und unbezahlbare Gemeinschaftsgüter keine Preisschilder tragen.
Es gab eine sehr interessante Ökonomin Elinor Ostrom, die bewiesen hat, warum manche Gemeinschaften dauerhaft florieren und andere scheitern.
Stimmt ihr mit den von Elinor genannten Gründen überein?
Es ist eindeutig geregelt, wer nutzungsberechtigt ist und welche Ressource dazugehört.
Die Regeln für die Nutzung sind an die spezifischen örtlichen Umstände und Gegebenheiten angepasst.
Die Betroffenen können die Regeln selbst verändern und anpassen.
Die Einhaltung der Regeln wird von den Nutzern selbst oder von ihnen Rechenschaft schuldigen Personen kontrolliert.
Erstverstöße werden mild geahndet, wiederholte oder schwere Verstöße führen zu stufenweise härteren Strafen bis hin zum Ausschluss.
Bei Streitigkeiten gibt es schnelle, günstige und faire lokale Schlichtungsstellen.
Höhere staatliche Stellen akzeptieren die Autonomie der Gemeinschaft und grätschen nicht in die lokalen Regeln hinein.
Bei größeren Systemen (z. B. ganzen Flusseinzugsgebieten) sind die Zuständigkeiten auf mehreren Ebenen netzwerkartig ineinandergreifend organisiert.
Standard Oils Marktanteil ist von 90% auf 60% gefallen BEVOR die Kartellbehörde auch nur einen Finger krumm gemacht hat. Das fällt bei der KI-Zusammenfassung leider untern Tisch.
Preisdumping ist leider auch a-ökonomischer Humbug. Querfinanzierung kommt aus dem Nichts und dann gehen alle Bankrott? Ach ne, damit setzt du die Quellen der Querfinanzierung proportional mehr unter Konkurrenzdruck. Du hast da ein magisches Vieleck, dass niemals jeden Punkt abdecken kann.
Böse Inc. kauft also jede einzelne Straße, jeden einzelnen Quadratzentimeter nutzbares Land, jedes einzelne Rohstoffeld, etc. Mit Geld, dass sie haben, weil sie alle Unternehmen aufkaufen, was sie mit Geld tun, dass sie bekommen, weil sie alle Ressourcen aufkaufen.
Und sie bekommt Kredite, weil Sicherheiten, die sie mit Zinsen zurückzahlen, ergo gewinnbringend anlegen muss, ergo nicht in Preisdumping, Käufe von Konkurrenzunternehmen oder brach liegenden Ressourcen investieren kann. Und die Kredite selbst müssen erst aus der Sparleistung Dritter entstehen.
Das hinkt alles vorne und hinten, du findest jeweils eine nebulöse Kapitalquelle, die zwei Schritte weitergedacht eben wieder durch den Markt geregelt wird. Allein darin offenbahrt sich die Notwendigkeit des Geldmonopols für einen solchen Prozess.