Chartjunkies

Eine der ungesündesten Gewohnheiten, die ich nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei vielen anderen Investoren beobachtet habe, ist die starke emotionale Abhängigkeit vom aktuellen Preis von Bitcoin und das zwanghafte Bedürfnis, jede noch so kleine News oder Marktentwicklung zu verfolgen. Es ist wie eine Sucht: Man checkt ständig Apps, Foren oder Social-Media-Kanäle, um zu sehen, ob der Kurs steigt oder fällt. Diese ständige Überwachung kann zu impulsiven Entscheidungen führen, die langfristig schädlich sind.

Statt sich auf den fundamentalen Wert zu konzentrieren, wird man von kurzfristigen Schwankungen emotional mitgerissen – Euphorie bei Aufwärtstrends und Panik bei Rücksetzern. Das ist nicht nur mental belastend, sondern lenkt auch von anderen wichtigen Aspekten des Lebens ab.

Bevor ich in Bitcoin investiert habe, war mein Fokus hauptsächlich auf Gold gerichtet – und das ist er teilweise immer noch. Bei Gold habe ich nie dieses Verlangen ständig nach News, Beiträgen oder dem aktuellen Kurs zu schauen. Warum? Weil ich ein klares Verständnis dafür hatte, dass Gold als „hartes Asset“ langfristig an Wert gewinnt. In einer Welt, in der fiat-Währungen durch Inflation entwertet werden, fließt Kapital natürlicherweise in stabile Wertspeicher wie Gold um. Ich wusste, dass der Preis über die Jahre steigen würde, unabhängig von täglichen Fluktuationen. Das gab mir Ruhe und Gelassenheit.

Im Gegensatz dazu scheint Bitcoin bei vielen Anfängern eine Art emotionaler Achterbahn zu erzeugen, vielleicht weil es noch volatiler und weniger etabliert wirkt. Aber im Kern teilt Bitcoin viele Eigenschaften mit Gold: Es ist knapp, dezentral und widerstandsfähig. Für diejenigen, die bereits länger in Bitcoin investiert sind – sagen wir, seit den frühen Jahren oder mindestens durch mehrere Markzyklen hindurch –, verändert sich die Perspektive grundlegend. Das Thema wird weniger zu einer reinen Finanzangelegenheit und mehr zu einem philosophischen oder freiheitlichen Diskurs. Stell dir vor, du hast dein Investment verhundertfacht oder sogar mehr: Plötzlich geht es nicht mehr primär um den nächsten Pump, sondern um Fragen wie finanzielle Unabhängigkeit, die Dezentralisierung von Machtstrukturen oder die Rolle von Kryptowährungen in einer freieren Gesellschaft. Man diskutiert über die Implikationen für globale Wirtschaftssysteme, Freiheit oder sogar die Zukunft der Menschheit.

Es ist einfacher, sich aus solchen erweiterten Perspektiven mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man nicht mehr unter dem Druck steht, „reich zu werden“, sondern bereits finanzielle Sicherheit erreicht hat.Mit der steigenden Marktkapitalisierung von Bitcoin – wir sprechen hier von Billionen-Dollar-Niveaus – werden die Preissprünge logischerweise langsamer und weniger dramatisch ablaufen. Das ist eine mathematische Notwendigkeit: Je größer die Basis, desto schwieriger ist es, prozentuale Gewinne in der gleichen Geschwindigkeit zu erzielen. Natürlich wünschen wir uns alle das Gegenteil – explosive Bullenmärkte, die uns über Nacht reich machen. Aber die Realität ist nüchterner: Bitcoin wächst zu einem etablierten Asset heran, ähnlich wie Aktienindizes oder Rohstoffe. Die Volatilität nimmt ab, und das ist eigentlich ein positives Zeichen für die Reife des Marktes. Es bedeutet, dass institutionelle Investoren einsteigen, Regulierungen stabiler werden und Bitcoin mainstream wird. Dennoch bleibt der Wunsch nach schnellen Gewinnen ein menschlicher Instinkt, den man lernen muss zu zähmen.

Meine Kernbotschaft ist : Sei nicht so verkrampft und fixiert auf den aktuellen Preis. Sieh Bitcoin stattdessen als ein Tool für finanzielle Souveränität, Diversifikation und langfristigen Wertzuwachs. Konzentriere dich darauf, wie es in dein Gesamtbild passt, anstatt dich von täglichen Schwankungen leiten zu lassen. Nutze die Zeit, die du sonst mit Preis-Checks verbringen würdest, um dich in anderen Lebensbereichen weiterzuentwickeln: Baue Beziehungen auf, lerne neue Fähigkeiten, investiere in deine Gesundheit oder engagiere dich in Hobbys. Am Ende des Tages ist Bitcoin nur ein Teil deines Lebens – nicht das Zentrum. Indem du diese Balance findest, wirst du nicht nur ein besserer Investor, sondern auch ein ausgeglichenerer Mensch.

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Ich kann das für mich schon im ersten Satz ausschließen. Letzten Endes ist Bitcoin (sind Aktien oder Fonds) ja nichts weiter, als Geld! Reichtum, Besitz, Geld… kommt und geht. Es ist niemals der Schlüssel zum Glück - und für viele eher eine Kompensation anderer, menschlicher Bedürfnisse.

Das von dir ausführlich beschriebene „Problem“, das Empfinden einer unguten „Passion“ ist etwas, was sich durch „Mindset“ ganz einfach lösen lässt. Der Schlüssel nennt sich nicht Seed, Passphrase oder nsec - er heisst „Achtsamkeit“!

Leben im Hier und Jetzt, statt in fernen Zukunftsszenarien, die es ohnehin nur in deinem Kopf gibt und die, dass weiß der Volksmund schon seit Jahrhunderten, „meistens anders kommen, als man denkt“.

Dazu eine Portion Demut und Dankbarkeit. Sich selbst nicht so ernst nehmen und die Fähigkeit erlangen, gedanklich einen Metastandpunkt einzunehmen, von dem aus man sich selbst beobachten und beurteilen kann - im Kontext dessen, was du dann um dich herum siehst.

Ich bin ja schon im letzten Viertel meiner Laufstrecke des Lebens. Und wenn es eines gibt, was mir dabei weiter geholfen hat, dann ist es ein Leitsatz, den mir vor Jahrzehnten mal ein junger Mensch in einem Lehrgang mitgegeben hat. Er war zuvor erfolgreicher Börsenmakler und selfmade Millionär und hatte irgendwann nur noch Leere gespürt. Daraufhin hat alles hingeworfen und ist (nach eigenen Angaben) glücklicher Freelancer geworden. Seine These war „Je mehr du im Leben los lässt, desto mehr kommt zurück“.

Über diesen Satz habe ich lange nachgedacht und mein Leben damit neu geordnet. Auch, wenn es dümmlich, inhaltsleer oder esotherisch klingt: Ich kann den Satz bestätigen! Selbst Bitcoin ist für mich eine solche Erfahrung. Ich hatte vor meinem Einstieg „etwas los gelassen“. Und bislang ist es echt toll gelaufen mit Bitcoin!

Mein Rat also: Scheiss drauf! (Auf die Kurse, meine ich). „Riches come and go“

Dazu fällt mir nur das ein:

126 Tausend Aufrufe :man_facepalming:

Ich schau ehrlich gesagt viel zu oft auf den Kurs… probiere es aber zu reduzieren, ändert ja eh nichts…würde eh nicht verkaufen und Fiat hab ich keine größeren Summe übrig. nutze die freie Zeit lieber um mich mit der Technik und den Möglichkeiten zu beschäftigen

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Der Thread hat mich daran erinnert, dass ich heute noch nicht nach dem Bitcoin Kurs geschaut habe. Habe ich jetzt schnell gemacht … :smiley:

Man sollte dieses Verlangen aufjedenfall zügeln, damit es keine krankhaften Formen annimmt. Ich verfolge aber durchaus sehr aktiv die Marktentwicklung. Aber es geht dabei nicht ausschließlich und nicht immer nur darum zu erfahren wie viel mein Investment gerade wert ist. Es ist auch die Neugier daran wie Bitcoin sich allgemein entwickelt und auch wenn das manche irgendwie weg reden wollen, der Preis in Dollar ist sehr wohl ein Indikator für die Stimmungslage diesbezüglich. Und generell will ich den Markt besser verstehen und ich begrüße es auch dass starke Kursbewegungen mich testen und abhärten können

Der Bodo Schäfer hat mal gesagt man müsse sich an seinem Vermögen erfreuen.

Wer Goldbarren hortet sollte sie ab und an aus dem Safe nehmen und damit spielen wie mit Dominosteinen.

Mit BTC geht das nun leider schlecht. Da bleibt mir nur ein Blick in die Wallet um mich an den Beständen zu erfreuen.

Genau, wie Dagobert. Regelmässig ein Bad nehmen :joy:

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Gute Ansicht, aber so ist das wohl am Anfang bei jedem. Je länger man dabei ist, desto weniger hängt man sowieso an irgendwelchen Kursschwankungen. Denn das Plus, das man über die Jahre gemacht hat, wenn man einfach nur geduldig ist, übersteigt sowieso das, was man jemals in derselben Zeit mit Aktien oder Gold als Gewinn gemacht hätte.

Nach jedem Halving wird es entspannter :smiling_face_with_sunglasses:.