Moin,
ich würde gerne im Unterforum Diskussionen mal eine neue Themen-Kategorie gründen:
Buch-Diskussion. Ein besserer Name ist mir nicht eingefallen…
Und zwar lese ich zur Zeit mein sechstes von acht Büchern zum Thema Finanz-/Geldsystem und Bitcoin.
Und es kommt tatsächlich vor, dass mir zu Textpassagen Gedanken in den Kopf kommen, die ich gerne (ohne KI
) weiter ausdiskutieren und hinterfragen sowie dass ich vielleicht wieder auf den Boden der Tatsache gebracht werden möchte, falls ich doch falsch liege.
Starten möchte ich mit dem Buch: Broken Money: Warum unser Finanzsystem uns im Stich lässt und wie wir es verbessern können von Lyn Alden
Hinweis vorab: Ja, es gibt hier bereits einen Thread zu dem Buch, aber da wurde nur die deutsche Version angekündigt und danach das Thema (direkt schon zu Beginn) so dermaßen verfehlt, dass ich den Thread gar nicht erst hier verlinken möchte…
Alden schreibt bereits in der Einleitung
Dies ist […], kein Buch, das einfach nur Bitcoin lobpreist, […]. (S. 6)
sowie
[…] damit wir besser verstehen, woher wir kommen und welche Pfade wir in Zukunft einschlagen können. (S. 6)
und obwohl Bitcoin in den ersten drei Kapiteln noch keine Erwähnung gefunden hat, gibt Alden mir schon jetzt die Vorstellung, dass Bitcoin eben doch die eine Lösung sein kann bzw. dass wir in Zukunft unweigerlich zu einem Bitcoin-Standard kommen werden, eben weil sich bislang immer das härteste Geld durchgesetzt hat. Bislang waren das Gold und zum Teil Silber.
Insbesondere das 3. Kapitel „Wie Gold alle anderen Warengelder unterwarf“ (und es gab hier nicht eine Erwähnung zu Bitcoin!), hat mich darauf gebracht, dass Bitcoin irgendwann Gold unterwerfen wird, so wie Gold auch alles andere unterworfen hat.
Folgende Textstellen fand ich interessant. Wie seht ihr das?
Wie bereits erwähnt, schneidet Gold bei den meisten Eigenschaften von Geld gleich oder besser ab als Silber, außer bei seiner Teilbarkeit. Silber ist besser teilbar als Gold, weshalb Silber über tausend von Jahren als Geld für den Alltagsgebrauch war, während Gold hauptsächlich von Königen, Kaufleuten und religiösen Orden verwendet wurde. (S. 43)
Bitcoin ist teilbarer als Gold und Silber. Und selbst wenn sich P2P nicht durchsetzen sollte, weil alle hodlen, dann würden Strategy und die Staaten Bitcoin als Sicherheit hinterlegen, was zu einem Bitcoin-Standard führen könnte? Ebenso käme mir hier Strategy als Bitcoin-Bank in den Sinn.
Weiter heißt es:
Der Goldstandard […] war geboren. Es herrschte zu diesem Zeitpunkt wenig Veranlassung, weiter Silber zu verwenden, denn Gold war das knappere und haltbarere Metall mit einem höheren s2f-Verhältnis und es war dank dieser Abstraktion auf einer Ebene höher praktisch genauso gut teilbar wie Silber. (S. 43)
Das gleiche könnte, wie gesagt, Gold auch erfahren. Bitcoin ist knapper, haltbarer (außer wir bomben uns in die Steinzeit) und wird Gold damit ersetzen?
Banknoten optimierten die Teilbarkeit von Gold und so setzte sich das härtere Geld im Laufe der zeit zwangsläufig durch, wobei klar ist, dass Netzwerkeffekte infolge politischer Entscheidungen für die zeitliche Abfolge und die örtliche Ausbreitung dieser Art von Veränderung bedeutsam sind. (S. 44)
Kein Wort zu Bitcoin. Ok, das Kapitel ist über Gold, aber ich finde, der Abschnitt hätte eins zu eins auf Bitcoin umgemünzt (hihi Wortspiel) werden können?
Es gibt keinen besseren, natürlich vorkommenden Rohstoff, der seinen [Anm.: Gold] Platz einnehmen könnte. (S. 45)
Na, außer Bitcoin? Außer man möchte Bitcoin nicht als „natürlich“ bezeichnen. Es sei denn, da der Mensch auch Teil der Natur ist und diesen Rohstoff quasi herstellt, dann ja eigentlich doch?
Wenn die beste Form des Geldes eine inhärente Einschränkung aufweist - wie die begrenzte Teilbarkeit von Gold - dann ermöglicht das die Koexistenz mehrerer Geldarten. (S. 45)
Also irgendwann auch Bitcoin neben Gold?
Da weder Gold noch Silber weiterhin als Tauschmittel verwendet werden, aber beide immer noch als langfristige Wertspeichermedien dienen, ist Gold aufgrund seiner besseren Haltbarkeit, des höheren s2f-Verhältnisses und des höheren Wertes pro Masse und Volumen für die meisten größeren Besitzer die attraktivere Wahl. (s. 45)
Eigentlich würde ich jetzt erwarten: „Und dann kam Bitcoin.“