Hallo zusammen, hallo Blocktrainer-Team,
ich möchte euch ein Projekt vorstellen, an dem ich die letzten Wochen gearbeitet habe: BTC-Herkunft, ein lokales Open-Source-Tool, das aus euren Wallets einen prüffähigen Herkunftsnachweis für das Finanzamt erstellt.
Hintergrund
Das Finanzministerium hat einen Referentenentwurf in Umlauf gebracht, nach dem die einjährige Haltefrist für ab 2027 angeschaffte Kryptowerte wegfallen soll. Beschlossen ist noch nichts. Falls es so kommt, wird der saubere Nachweis für den Altbestand entscheidend. Das BMF-Schreiben vom 06.03.2025 stellt außerdem klar, dass die bloße Angabe von Adressen oder xpubs als Nachweis nicht ausreicht. Die Blockchain liefert Zeitpunkt und Menge, aber nicht, wem die Coins gehören und woher sie wirtschaftlich stammen.
Was das Tool macht
Ihr fügt die öffentlichen xpubs eurer Wallets ein (Ledger, BitBox, Trezor, alles mit Standard-xpub/ypub/zpub). Das Tool betrachtet alle Wallets zusammen und unterscheidet Zuflüsse von außen, Umbuchungen zwischen euren eigenen Wallets und Abflüsse nach außen. Daraus entsteht:
- Einzelbetrachtung je Coin: Jeder UTXO wird über alle Umbuchungen hinweg verfolgt, das Anschaffungsdatum bleibt erhalten (BMF Rz. 61).
- Abgleich mit Börsenexporten: CSV-Exporte von Relai, Bison, Bitvavo, Strike, BitGo, 21bitcoin, Coinbase und Binance liefern echte Kauf- und Verkaufsdaten und benennen die Gegenstellen.
- Jahres-Resümee: möglicher Gewinn oder Verlust je Jahr, getrennt nach Haltedauer unter und über einem Jahr, mit Gebühren als Werbungskosten.
- PDF „Herkunftsanalyse Bitcoin“ mit Mengenabstimmung gegen die UTXOs auf den Satoshi. Belegte Werte und Ersatzwerte sind klar getrennt. Fehlt ein Kaufnachweis, steht dort „Kaufnachweis fehlt“ und keine stille Kostenbasis von 0.
- Finanzamt-Fassung: belegt jede Veräußerung prüfbar, enthält aber keine Bestände, keine xpubs, keine Adressen und keine Transaktions-IDs ohne Bezug zu einer Veräußerung.
- Altbestand nach Reformentwurf: Coins werden als Alt- oder Neubestand gekennzeichnet, dazu gibt es ein eigenes PDF „Nachweis Altbestand“ je Coin.
- Label-Packs für bekannte Adressen von FTX, Mt. Gox, Celsius, BlockFi, Voyager und Binance. Gerade bei pleitegegangenen Börsen hilft das, Zuflüsse überhaupt zuzuordnen.
Privatsphäre
- Das Tool läuft komplett lokal, die API bindet nur an 127.0.0.1. Es gibt keinen Account und keine Cloud.
- Es werden nie Seeds oder private Schlüssel verwendet, nur öffentliche xpubs.
- Die Sitzung liegt nur im Arbeitsspeicher. Beim Beenden ist alles weg. Berichte werden nur auf Klick erzeugt, nichts landet automatisch auf der Platte.
- Eure Börsenexporte legt ihr selbst in einen privaten Ordner, den das Tool nur liest.
- Wichtig: Für die Blockchain-Abfragen nutzt das Tool einen Electrum-Server. Standardmäßig ist das ein öffentlicher Server, und der sieht eure Adressen. Wer das nicht möchte, trägt seinen eigenen Node oder Electrum-Server ein. Das empfehle ich ausdrücklich.
Warum jetzt
Uns bleibt womöglich nicht mehr viel Zeit, um sauber zu dokumentieren, woher die alten Coins stammen. Börsenexporte, alte Auszahlungsmails und Kontoauszüge sind heute noch greifbar. Wie FTX gezeigt hat, kann sich das schnell ändern. Mein Tipp, auch unabhängig vom Tool: Ladet jetzt die vollständigen Historien bei allen Börsen herunter, auch bei alten Konten, und sichert Auszahlungsbestätigungen als PDF.
Offene Frage an euch und das Team
Die entscheidende Frage für das Projekt: Akzeptiert ein Finanzamt einen solchen Bericht aus Blockchain-Daten und Börsenexporten als Nachweis? Und wie geht es mit gut begründeten Ersatzwerten um, wenn eine Börse wie FTX nicht mehr existiert?
Wer schon Erfahrungen mit dem Finanzamt oder mit Steuerberatern zu dem Thema hat, teilt sie bitte gern hier. Und liebes Blocktrainer-Team: Falls ihr das Thema interessant findet, würde ich mich freuen, wenn ihr es mal in einem Podcast oder Video aufgreift. Eine Einschätzung aus eurem Steuerberater-Netzwerk wäre für alle hier Gold wert.
Code & Mitmachen
Das Projekt steht unter MIT-Lizenz auf GitHub:
Für Windows gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung vom ZIP-Download bis zum PDF (ANLEITUNG.md), unter Linux und macOS läuft es ebenfalls. Feedback, Kritik, Issues und Pull Requests sind herzlich willkommen, besonders zu Börsenexporten, die noch fehlen.
Hinweis: Ich bin kein Steuerberater. Das Tool ist keine Steuerberatung, sondern soll euch helfen, eure Unterlagen sauber aufzubereiten.
Viele Grüße
Uwe