Bitcoin vs Gold in einer Währungskrise – Praxisbeispiel Bäcker

Goldbugs argumentieren oft, dass man in einer Währungskrise oder Hyperinflation mit Gold oder Silber wieder „echtes Geld“ hätte und damit im Alltag bezahlen würde, zum Beispiel beim Bäcker.

Wenn man dieses Szenario aber praktisch durchdenkt, sehe ich mehrere Probleme:

Ein Brötchen ist schlicht zu günstig für eine Gold oder selbst eine Silbermünze. Der Bäcker kann kein Wechselgeld herausgeben. Dazu kommt ein massives Vertrauensproblem: Woher soll der Bäcker wissen, ob die Münze echt ist? Die wenigsten haben Prüfgeräte oder Fachwissen dafür.

Auch historisch spricht wenig dafür. In der deutschen Hyperinflation der 1920er Jahre haben Menschen tatsächlich Milliarden an Papiergeld für ein Brötchen bezahlt, und die Bäcker haben es angenommen. Gold und Silber spielten im täglichen Zahlungsverkehr kaum eine Rolle. Man hatte also selbst damals lieber wertloses Papier mit allgemeiner Akzeptanz als „hartes Geld“ ohne Alltagstauglichkeit.

Damit haben Gold und Silber in einer akuten Währungskrise ein echtes Praxis und Vertrauensproblem.

Jetzt zur Frage: Kann Bitcoin das besser lösen?

Ich glaube nicht, dass Bitcoin in einer Hyperinflation sofort automatisch zur neuen offiziellen Währung würde. Aber man kann sich ein realistisches Szenario vorstellen:

Ein Bäcker kauft sich ein Bezahlgerät welches Lightning unterstützt oder nutzt eine App und sagt: Ab jetzt akzeptiere ich nur noch Bitcoin.

Ein Brötchen kostet heute z.B. umgerechnet einen Euro. Dieser Betrag lässt sich problemlos in Satoshis darstellen und per Lightning sekundenschnell bezahlen. Keine Echtheitsprüfung, kein Wechselgeldproblem. In dieser Hinsicht ist Bitcoin im Alltag klar praktikabler als physisches Gold oder Silber.

Das nächste große Problem ist aber die Verteilung:

Nicht jeder Bürger besitzt zu diesem Zeitpunkt Bitcoin. Wie kommen die Menschen dann an Bitcoin?

Die idealistische Sicht wäre: Banken oder Sparkassen bieten Bitcoin Kauf an, Bürger tauschen einen Teil ihres Geldes in Bitcoin, richten sich eine Wallet ein und bezahlen beim Bäcker über Lightning. Technisch wäre das machbar.

Die realistische Frage ist jedoch:

Würde der Staat oder das Bankensystem in einer Hyperinflation überhaupt zulassen, dass Menschen massenhaft aus einer kollabierenden Währung in Bitcoin flüchten?

Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Börsen, Handelsplätze und auch Bankfunktionen eingeschränkt oder geschlossen würden, um genau das zu verhindern. In diesem Fall könnten nur Menschen Bitcoin nutzen, die ihn bereits besitzen oder untereinander tauschen. Die breite Bevölkerung ohne Bitcoin wäre faktisch vom Zahlungsverkehr ausgeschlossen, wenn Händler nur noch Bitcoin akzeptieren.

Damit könnte eine Hyperinflation paradoxerweise die Bitcoin Adoption kurzfristig sogar bremsen bzw. für den alltäglichen Einkauf nicht praktikabel sein , statt sie zu beschleunigen.

Was meint ihr:

Ist Bitcoin in einer echten Währungskrise wirklich praktikabler als Gold im Alltag oder scheitert es am Ende ebenfalls an staatlichen Eingriffen und fehlender Verteilung?

1 „Gefällt mir“

Bitcoin interessiert sich eigentlich nicht für staatliche Eingriffe, das tun immer nur die entsprechenden Marktteilnehmer. Wenn der Bäcker Dir ein Brötchen für Sats verkaufen will - und Du bspw. eine non-custodial-Wallet wie Cake Wallet benutzt, dann kann nur ein Stromausfall das Zustandekommen des Geschäfts verhindern.

Wenn wir schon so weit sind, dass man erwägt mit Gold- oder Silbermünzen zum Bäcker zu rennen, dürften sich die wenigsten Kleinunternehmer noch um eine korrekte Abführung der Mehrwertsteuer bzw. ordentliche Deklaration der Einnahmen scheren.

In so einer Krise greifen ganz andere Mechanismen.

Du vermutest fehlende Akzeptanz und Alltagstauglichkeit als Grund dafür, dass Gold und Silber in einer Währungskrise nicht für Alltagsgeschäfte verwendet werden, aber der eigentliche Grund dafür ist das Greshamsche Gesetz, und das gilt auch für Bitcoin.

Deine weiteren Überlegungen decken sich in Folge auch nicht mit historischer Realität: Jenseits von staatlichen Eingriffen etc. ist es tatsächlich die individuelle rationale Entscheidung eines jeden Marktteilnehmers, lieber mit einem Schubkarren voll inflationierenden Scheinen zum Bäcker zu gehen als eine härtere Währung aus der Hand zu geben, die dafür sorgt, dass sich kein alternatives Zahlungssystem etabliert.

Weil du das Greshamischr Gesetz angesprochen hast . Ich glaube , dass dann das Thiers’sche Gesetz in Kraft treten würde:

• Die Menschen verweigern die Annahme des wertlosen („schlechten“) Geldes (hyperinflationierter Euro)

• Sie fordern stattdessen stabiles („gutes“) Geld (z. B. Bitcoin).

In diesem Fall verdrängt das gute Geld das schlechte, weil niemand mehr das schlechte haben will.

Die entscheidende Frage ist: Was passiert, wenn die Regierung den Umtausch von Euro in Bitcoin verbietet, bevor der Durchschnittsbürger überhaupt welche besitzt?

Wird sich Bitcoin trotzdem durchsetzen? Oder wird der Staat (nach einem Schuldenschnitt) einfach eine neue Währung einführen und das bisherige Finanzsystem (‚Fiatgame‘) von vorne starten? Man darf dabei nicht vergessen, dass etwa 80 % der Bevölkerung kaum Wissen über Geldtheorie oder Finanzen besitzen.

2 „Gefällt mir“

Kann in weiterer Folge auch sein, aber dann sprechen wir nicht mehr über eine Währungskrise, sondern über einen Währungskollaps.

In dem Fall ist die Antwort nicht schwierig: Damit Thiers’ Gesetz überhaupt greifen kann, müssen derartige Gesetze und Regularien von der breiten Masse schon längst ignoriert werden, also haben sie auch keine Auswirkung auf die Situation mehr.

Das Problem ist doch: Wenn der Staat den Tausch von Euro in Bitcoin über Banken und Börsen blockiert, kann die breite Bevölkerung das nicht einfach „ignorieren“ ,wie du schreibst.

Für die Akzeptanz von Bitcoin als neue Währung , müsste eine breite Verteilung in der Bevölkerung herrschen. Was ich quasi sagen möchte , ist das der Staat und die Regierung bestimmen welche Währung im Land vorherrscht . Ich glaube das einige Bitcoiner sich das ganze zu leicht vorstellen wie so ein Währungsumschwung auf Bitcoin bei einem Fiat-Kollaps laufen würde .

Im Endeffekt müsste dann die Bevölkerung die aktuelle Regierung stürzen oder abwählen , so dass der Zugang zu Bitcoin (Euro zu Bitcoin Tausch) wieder freigeben würde oder die Bevölkerung wird sich erneut auf eine neue Fiatwährung einlassen. Zweiteres Szenario sehe ich als wahrscheinlichsten an, wie in meinem vorigen Post erläutert.

In der Realität wird es wahrscheinlich auf die Fiat-Währung einer anderen Nation als Alternativwährung hinauslaufen, was auch historisch gut belegt ist, einfach weil – wie du richtig sagst – diese Alternativwährung erst mal ihren Weg in die Bevölkerung finden muss, was üblicherweise über transnationalen Handel geschieht.

2 „Gefällt mir“

US-Dollar-Stablecoins erobern gerade die sog. “3. Welt”.

Vorteil ggü. Bitcoin:
Für den täglichen Gebrauch weniger schwankungsanfällig, den Dollar kennen vermutlich 99 % der Menschheit.

Beides taugt nicht als Krisenwährung, den beides ist eher ein Spargut.

Aber wenn es so weit ist, dann kann man ja mit dem Ersparten eine sehr kleine Hühnerfarm gründen und die Eier an den Bäcker verkaufen.

Man könnte auch direkt als sein Fiat gegen Bitcoin tauschen und anschließend mit Bitcoin bezahlen, das würde weniger Inflationsverluste ergeben als das Fiat Stück für Stück auszugeben.

Bitcoin taugt als Währung.
Wenn Käufer und Verkäufer sich darauf einigen, können sie ohne Probleme damit handeln

Währungsakzeptanz hängt nicht von politischer Erlaubnis ab.
Bitcoin muss keine neue Landeswährung werden, um relevant zu sein.

Er muss nur als Wertmaßstab dienen, als Sparvehikel existieren und als neutrale Abrechnungseinheit verfügbar sein. Das reicht vollkommen aus, um Fiat zu disziplinieren oder zu ersetzen.

Angenommen, der Staat blockiert Banken, Börsen und diverse offizielle Rampen…
… dann passiert nicht Bitcoin stirbt, sondern Peer-to-Peer nimmt zu, Sachwerte werden indirekte Brücken, Schwarzmarkt entsteht, Kapitalflucht verstärkt sich und Vertrauen in den Staat sinkt weiter. Das ist jedes Währungszerfall-Szenario der Geschichte. Verbote wirken nur, solange das alte System funktioniert. In dem Moment, wo es bröckelt, verstärken sie den Abfluss.

Die breite Bevölkerung kann Restriktionen nicht ignorieren. Aber sie muss es auch nicht.

Was Menschen tun, ist immer dasselbe:

  • sie sichern ihr Erspartes
  • sie suchen Stabilität
  • sie handeln pragmatisch, nicht ideologisch

Wenn Fiat kollabiert, gibt es nur zwei Optionen:

  • Ein neues Fiat akzeptieren (mit Vertrauensvorschuss)
  • Einen externen Maßstab nutzen, der nicht manipuliert werden kann

Bitcoin konkurriert nicht mit der Regierung um Macht. Er konkurriert um Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit kann man nicht erzwingen.

Der Staat kann sagen: Steuern werden in Euro gezahlt.
Er kann aber nichtsagen: Du darfst nicht denken, dass dein Euro morgen weniger wert ist.

Bitcoin ist zuerst kein Zahlungsmittel, sondern ein Referenzpunkt. Und Referenzpunkte entziehen sich politischer Kontrolle.

Kurzfristig wählen Menschen oft den bequemeren Weg. Genau deshalb gewinnt Bitcoin nicht explosiv, sondern unaufhaltsam. Nicht weil Menschen rebellisch werden,
sondern weil sie ermüden, immer wieder zu glauben.

Bitcoin setzt sich nicht durch, weil Staaten ihn erlauben.
Und auch nicht, weil Menschen rebellieren.
Sondern weil Realität irgendwann stärker ist als Autorität.

1 „Gefällt mir“