Bitcoin-Lending: HODLen oder beleihen und davon leben – wo ist der Riss in der Matrix?

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit einer Frage, die mich nicht loslässt, und umtreibt.

Angenommen, jemand - ich frage für einen Freund - hat über Jahre Bitcoin/Sats akkumuliert und ist jetzt im Ruhestandsalter.

Die klassische Maxi-Antwort ist: „Einfach weiter HODLen bis Bitcoin der Standard ist.“ Aber was, wenn man heute Liquidität braucht?

//Zwei Optionen

  1. Bitcoin verkaufen → evtl. Steuern zahlen, Upside verlieren, aus Bitcoin raus :grimacing:
  2. Bitcoin als Sicherheit für einen Fiat-Kredit → Bitcoin behalten, von der Wertsteigerung profitieren

//Die Rechnung (theoretisch)
Wenn Bitcoin langfristig 30% p.a. steigt und der Kredit 8% kostet, ist die Arbitrage positiv. Man entnimmt regelmäßig Liquidität durch Refinanzierung, ohne jemals zu verkaufen.

//Aber durchaus heftige Risiken sind vorhanden

  • Plattformrisiko (RIP Celsius, BlockFi, FTX…) :skull_and_crossbones:
  • Margin Calls bei Crashes → Zwangsliquidation
  • Custody aufgeben (not your keys, not your coins) :face_with_thermometer:
  • Abhängigkeit von zentralisierten Institutionen
  • Man finanziert das Fiat-System mit Zinszahlungen

//Mein Gedanke
Ist das vielleicht ein pragmatisches Übergangsinstrument? Kein Endstadium, aber ein Werkzeug für die Übergangsphase vom Fiat- zum Bitcoin-Standard? Oder rationalisiere ich hier nur custodial risk weg, weil die Mathematik auf den ersten Blick verführerisch aussieht?

//Ehrliche Frage
Wo ist der Denkfehler? Was übersehe ich? (Kontext: Ich habe dazu einen Rechner gebaut, um die Strategie über mehrere Jahre zu modellieren – nicht zum Shillen, sondern weil ich das für mich selbst durchrechnen wollte. Und entstanden ist dazu noch ein sehr ausführlicher Blogbeitrag Ich bin gespannt auf konstruktive Kritik. Aber ich denke in dem Blogbeitrag sind schon ziemlich viele Optionen und Risiken ausführlich beleuchtet.

Das Dir niemand sagen kann ob BTC 30% p.a. steigt…

4 „Gefällt mir“

Die 30% sind historische Durchschnittsrendite.

Aber:

  • Bitcoin könnte die nächsten 10 Jahre nur 10% machen
  • Oder sogar negativ sein
  • Oder 50% - niemand weiß es
    Die Strategie basiert auf der Annahme, dass Bitcoin langfristig stärker steigt als die Kreditkosten. Wenn das nicht stimmt, ist die Strategie nicht nur unrentabel, sondern potenziell katastrophal (Zinsen auf fallenden Asset + Liquidationsrisiko).
    Vielleicht ist die ehrliche Antwort:
    Es gibt keinen „sicheren“ Weg, von Bitcoin zu leben, ohne zu verkaufen. Man muss entweder:
  1. Verkaufen und evtl. Steuern zahlen (DACH Raum)
  2. Warten bis Bitcoin Zahlungsmittel ist
  3. Das Lending-Risiko akzeptieren

Wie genau wäre denn dein Refinanzierungsplan? Jedes Mal einen höheren Kredit aufnehmen, um den alten zurückzahlen? Das wäre ein sehr hohes Risiko. Es sei denn du hast weit mehr Bitcoin, als du jemals brauchen wirst.

Ich vermute mal dass, wenn dieser Plan lukrativ wäre, sehr viele auf diese Idee kommen würden. Vermutlich würden sich dadurch irgendwann die Konditionen ausgleichen. So dass sich die Strategie langfristig niemand mehr oder nur die Reichsten leisten können werden.

Dennoch sehe ich viel Potential in diesem Ansatz. Nur werden solche Strategien deutlich mehr Komplexität fordern, um auch langfristig lukrativ zu bleiben. Als Vorbild könnte man Strategy und dessen Wirrwarr an verschiedenen Aktien hernehmen. Dahinter wird auch ein sehr komplexer Plan stecken, um langfristig lukrativ zu bleiben.

Ich würde dir empfehlen dran zu bleiben und dich noch mehr mit dem Thema auseinander zu setzen. Vielleicht findest du ja einen Weg.

Ich habe bei meiner Recherche rausgefunden, dass diese Dauer Refinanzierung sogar ein gängiges Prinzip in der Fiatwelt ist. Nennt sich Buy, Borrow, Die: How the Rich Avoid Taxes und wurde von einem Professor McCaffery entwickelt.
Die Übertragung auf die Bitcoin Welt funktioniert sicher nicht eins zu eins. Die Volatilität spricht dagegen - die Upside dafür.
Und wie Du schon schreibst - Du brauchst ordentlich Reserven oder arbeitest mit einer sehr niedrigen Beleihungsrate. Ich halte es trotzdem für hochinteressant - vor allem wird es bei steigenden Bitcoinpreisen auch für Durchschnittshodler spannend.

…dann gebe ich auch mal meinen Senf dazu ;).

Bin kein Fan von Krediten, gerade hier im BTC Bereich, wo es extreme Schwankungen gibt.

Als Normalo/Kleinanleger würde ich also:

  1. Sparplan machen.
  2. Auch mal mehr kaufen, z.B. Weihnachtsgeld im Angestellenverhältnis
  3. (Wenn möglich was vom Erbe reinstecken).

Ich werde auch immer mal parallel GOLD kaufen, damit man mal später sieht, was besser akzeptiert wird.

Ggf. für den Fall der Steuer (würde ich mir im WORST CASE) immer sagen, besser in der Situation 20% abgeben, und immer noch Gewinne, die ich in FIAT nicht hätte.

Klar, nehmen wir mal einen Wert von 1.000.000€ [in 10 Jahren an] bleiben immernoch 800.000€ über. Klar, schöne Häuser bekommste da bestimmt auch nicht mehr wirklich von, aber in anderen Anlagen ist ein so hoher Gewinn nicht zu erwarten.

Alternativ, wären die potenziellen 800.000€ auch nett für einen VORRUHESTAND geeignet.

Da aber alles ungewiss ist, würde ich max 30% meines BARVERMÖGENS in BTC halten, damit ich fexibel in die Zukunft gehen/gucken kann.

1 „Gefällt mir“

Hast Du den Post von @robrevolver nicht gelesen?

@robrevolver IST nun im Ruhestand bzw. kurz davor!

Ist also Quark von großen Investitionen zu reden….

1 „Gefällt mir“

:blush: jo der entscheidene Satz ist mir durchgegangen ;).

@robrevolver schöne Tabelle.

Dennoch denke ich, ob Rentner; oder wer noch etwas mehr Zeit im Berufsleben hat, der sollte sich im klaren sein: Konsumschulden (auch wenn es “GUTE” Schulden für BTC sein könnten) können einen in schwierige Situtionen bringen !

1 „Gefällt mir“

Weiss nun nicht ob die „In Kind“ Finanzierungen hier erlaubt sind. Denke dass der Retail Bitcoin Investor irgendwann eine Firma, ein Geschäft gründen oder ein Haus kaufen möchten. Diese Art der Finanzierung ist sicherlich in Entwicklung. Natürlich muss man schauen wie die Bitcoin verwaltet werden. Stichwort Multisig.

Vermutlich aber nur wenn man entweder noch ein Einkommen hat, was bei Superreichen üblicherweise in Form von Aktien ausgeschüttet wird, oder man genügend Vermögen in Assets hat, um davon mehr als ein Leben zu finanzieren.

Die Fiat-Welt ist schon echt pervers. Da fällt mir mal wieder Henry Fords Zitat ein „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

Aber: „Don’t blame the player, blame the game“. Wer nicht mitspielt muss harte Konsequenzen akzeptieren. Schließlich wird unser gesamtes Leben von diesem Game belastet.

Ich denke auch wir sind da ganz am Anfang - Steuerberater ist da bei höheren Summen sicher ein Muss. Und auch das Verwahrungsrisiko ist in meinen Augen der noch größere Knackpunkt.

2 „Gefällt mir“

Ich bin wirklich jeden Tag froh und dankbar dass es Bitcoin gibt :star_struck: egal wie da jetzt eine Lösung aussieht.

1 „Gefällt mir“