Bitcoin, Derivate und der Kreditmarkt

Hallo zusammen,

ich habe gerade das Video, sowie den Blogeintrag zum Thema Bitcoin Futures gesehen. Ich verstehe den Effekt, den diese Art von Arbitrage Handel verursacht. Nur habe ich eine Frage zum technischen Ablauf eines solchen Handels.

Angenommen ich habe 1.000.000 Euro.

Also leihe ich mir Bitcoin im Wert von 300.000 Euro da die LTV-Ratio ja bei 33% liegen kann.

Auf diese 300.000 Euro muss ich wie im Eintrag beschrieben ca. 5 Prozent Zinsen p.a. zahlen.

Heißt: Für drei Monate ca. 3.750 Eur

Angenommen eine Bitcoin kostet aktuell 50.000 Euro. Dann leihe ich mir 5 BTC.

Diese 5 BTC werden nach 3 Monate zu einem Preis von 55.000 Euro verkauft, da ja beim Future Short eine Pflicht besteht den Basiswert zu verkaufen.

Nun ist es so, dass ich mit diesem Trade einen Gewinn von 5x 5.000 Euro habe = 25.000 Euro minus Zinsen.

Sind schöne 7,1 Prozent ohne einen Finger krumm zu machen.

Allerdings ist auch mein BTC weg. Diesen muss ich ja nach Ablauf des Futures an den Käufer verkaufen. Ich muss ja aber dem BTC Verleiher seine 5 BTC wieder zurück geben.

Angenommen der BTC liegt bei Ablauf des Futures bei 70.000 Euro.

Dann muss ich am Sport Markt 5 BTC für 350.000 Euro kaufen und diese dem Verleiher zurück geben. Dann hätte ich ja 25.000 Euro Verlust gemacht. Das funktioniert also nur wenn der BTC Preis bei Ablauf niedriger ist als der Future Wert für den ich die BTC verkaufe. Heißt: Ich muss hoffen, dass der BTC nicht über 55.000 Euro steht?

Oder habe ich da was falsch verstaden?

Gruß
Fabian

Im Blog Beitrag heist es: „Hier ein Beispiel: Auf Binance kostet ein Future Vertrag für den Juni $67.500. Der aktuelle Preis für einen Bitcoin liegt bei $62.500. Gehe ich nun zu diesem Preis long, kann ich den Future Vertrag shorten und bekomme eine Rendite von 7,3% auf zweieinhalb Monate.“

Es ist ganz normal das die Base bei Futures positive ist. Je länger der Futur läuft desto höher ist im allgemeinen die Base.

Mann kann natürlich fuer $62.500 einen Bitcoin kaufen. Und diesen Bitcoin dann per Future shorten. Nur man kauft den Future Contract fuer $67.500. Abgerechnet wird im Juni. Entscheidend ist der Preis des Bitcoins an dem Tag, an dem der Bitcoin Future endet. Ist der Bitcoin Preis >$67.500 macht man Verlust. Ist der Bitcoin Preis <$67.500 macht man Gewinn.

Binance: The settlement price used for delivery of contracts will be calculated as the average of the price index every second over the last hour (between 7.00 and 08.00 UTC) before delivery

https://www.binance.com/de/support/faq/a3401595e1734084959c61491bc0dbe3

Normalerweise habe ich bei Halten des Basiswerts Haltekosten (Lagerung, Versicherung …) und Finanzierungskosten (Kredit oder Verzicht auf anderweitige Kapitalerträge). Im Gegenzug kann der Basiswert selbst Erträge abwerfen und man hat evtl. eine stark positive Erwartung für eine Preiserhöhung. Von diesen Faktoren hängt es ab, ob die Futures höher notieren als der Kassakurs.

Du kaufst bei diesem Arbitragebeispiel gleichzeitig den Bitcoin für 62.500 $ und verkaufst den Future für 67.500 $.

Für den Future erhältst du dieses Geld allerdings nicht auf die Hand, sondern verkaufst über Margin Trading, d.h. du wirst nur die zukünftigen Kursänderungen erhalten/bezahlen.

Das Geld für den Bitcoin musst du deshalb finanzieren, d.h. du hast Kreditzinsen oder verzichtest auf anderweitige Kapitalerträge.

Wenn die Differenz aus Future- und Kassapreis größer ist als die Finanzierungszinsen, macht man Gewinn. Der Preis von Future und Basiswert bei Fälligkeit ist identisch und damit egal. Man verkauft einfach kurz vorher den Bitcoin und kauft den Future zurück.

Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe den im Artikel erklärten Prozess leider auch nicht.

Echte Arbitrage funktioniert natürlich und ist auch sehr wichtig, da hierüber der Futurespreis immer mit dem Kassapreis korreliert bleibt.

Wenn man sich den Bitcoin allerdings nur leiht, dann kann man diesen nicht zur Glattstellung des Geschäfts verkaufen.

Meiner Meinung nach muss man den Bitcoin also wirklich kaufen, nicht leihen. Um das Risiko gering zu halten, kann es auch Sinn machen den Future zu verkaufen. Entweder gleichzeitig zur Arbitrage wie diskutiert, oder später zur Absicherung von Gewinnen. Der Effekt, also die weitere Vernappung, wäre trotzdem vorhanden, da die Bitcoin bis zur Futures-Fälligkeit gehalten werden.

Wenn eine Firma außerdem keine Bitcoin kaufen darf, kann sie beim Lending auch keine Bitcoin hinterlegen, sondern nur Fiat. Das LTV Ratio wäre also nur bei der Betrachtung der Finanzierungskosten relevant, nicht für die Bitcoinverknappung.

Ich würde mich deshalb auch über eine Erklärung freuen. Die Mod-Kollegen fragen auch den Autor mal, ob er hier im Forum etwas schreiben möchte.

Hallo! Ich habe den Artikel verfasst. Ich hoffe ich kann einige Unklarheiten beseitigen!

Zuerstamal zum Zinsatz bei einem Overcollatorlized Loan bei Bitcoin. Dieser ist abhänging von der LTV-Ratio. Bei Celsius beträgt der Zinsatz < 1% bei einer LTV von 25%, ~7% bei 33% und 12% bei 50%. Auf BlockFi und Unchained Capital sind diese ähnlich. Der Zinssatz für das Borrowing bzw. Lending ist unterschiedlich. Kann sein, dass das im Artikel/Video nicht klar rübergekommen ist.

Was ich nochmal klarstellen will ist, dass jegliches Geld, das als Absicherung an den Tisch gebracht wird sofort in Bitcoin umgewandelt wird von der Plattform. Egal ob das Fiat, ein tokernisierter Dollar wie Tether oder Altcoins sind. Deshalb gibt es auch diesen ganzen Mechanismus mit dem Versiegeln und der Angebotsverknappung im Derivatenmarkt nur bei Bitcoin.

Zu deiner letzten Frage noch: Ein sehr guter Punkt, den ich bis jetzt noch nicht so gehört habe, aber Sinn macht. Auch wenn sie einen Arbitrage Gewinn machen, müssen sie die Bitcoin refinanzieren. Ich denke es muss aber noch berücksichtigt werden, dass es sich hierbei nicht um kleine Privatanleger handelt, die das machen. Ich rate auch jeden davon ab sowas auszuprobieren. Hodln und Tee drinken ist defintiv die bessere Option :smiley: . Ich kann mir aber vorstellen, dass Investmentbanken und Hedgefonds gegen sowas von der Plattform abgesichert werden, sprich günstigere Konditionen bekommen. Wenn BlackRock bei dir klingelt und sich Bitcoin im Millionen Bereich ausleihen will, dann kannst du davon ausgehen, dass jedes Risiko minimiert wird. Letztendlich profitieren ja beide Seiten davon.

Zum letzten Punkt noch. Ja es würde am meisten Sinn machen sich die Bitcoins zu kaufen. Meine Recherche hat allerdings ergeben, dass Bitcoin Physically-Settled Futures-Veträge mit geliehenen Bitcoins abgeschlossen werden. Ich konnte auf der Seite von CME dazu keine klare Erklärung finden.

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Zuerst einmal willkommen und super, dass du dich im Forum angemeldet hast um das zu diskutieren! :+1:

Zur Klarstellung: Ich bin selbst kein Wirtschaftler, deshalb sind meine Aussagen nur Halbwissen und Vermutungen. :slight_smile:

Ok, das wusste ich nicht und das ist wirklich interessant. Das führt natürlich in der Tat zu einer starken Verknappung durch Lending!

Es hängt davon ab, wie investiert wird.

Entweder legen sie das Geld ihrer Kunden an. Dann würden sie an dieser Stelle auf sichere Kapitalerträge verzichten. Dabei ist entscheidend, welchen Zinssatz sie für diese sicheren Kapitalerträge zugrundelegen. Dieser ist sicher sehr niedrig, wenn nicht sogar negativ.

Oder sie hebeln das Bitcoin Investment noch mit Fremdkapital, wobei dann Kreditzinsen fällig werden.

In beiden Fällen sind die entsprechenden Zinsen so gering, dass sie wahrscheinlich nicht ins Gewicht fallen.

Das Problem als Privatanleger ist erstens der hohe Steuersatz, der einem vom Bitcoingewinn flöten geht, wenn man nach einigen Monaten glattstellt. Und auch zweitens das Futures Margin Trading, mit dem man sich dann beschäftigen muss.

Das ist für mich der springende Punkt. Ich habe noch nicht verstanden, wie das Modell überhaupt mit geliehen Bitcoin funktionieren kann?

Wenn man diese BTC als Collateral beim Futures Trading benötigen würde, dann würde das Sinn machen. Aber ich bin mir zu 99% sicher, dass man auf der CME auch beim Verkaufen von Futures kein Collateral in diesem Asset benötigt. Es reicht immer USD, da man die Verträge nicht auslaufen lässt, sondern vorher glattstellt. Sie schreiben „Note that our bitcoin futures product is a cash-settled futures contract.“.

Unabhängig vom Collateral beim Futures Trading, benötigt man aber doch den Bitcoin, den man für die Arbitrage kauft und später wieder verkauft?