Auch mit Gold kann man verarmen lieber Hr. Krall

Habe einen Essay zum Thema Gold als Wertspeicher verfasst den ich unserem libertären Freund Markus K. widmen will.
Gewürzt mit einer Prise Polemik so wie es Markus mag und selbst auch gerne macht.
Ihr könnt den Essay gerne weiter verbreiten.

Los geht’s:

Auch mit Gold kann man verarmen

Gold – der heilige Gral der Sicherheitsfanatiker. Seit Jahrtausenden überlebt es Kriege, Pleiten und Währungsreformen. Und deshalb glauben viele bis heute: Mit Gold kann ich nichts falsch machen.

Ein schöner Gedanke. Leider falsch – wie eine besonders bittere Episode der Geschichte zeigt. Am 21. Januar 1980 erreicht Gold ein legendäres Hoch von 850 USD pro Unze. Damals wie heute - Euphorie überall. Wer damals kaufte, fühlte sich auch clever. Das ultimative Krisenmetall, und die Weltlage sprach auch damals angeblich dafür. Die Welt hielt sich nur nicht an das Drehbuch. In den folgenden zwei Jahrzehnten bröckelte der Goldpreis beständig, bis er Ende 2000 bei rund 275 USD landete. Ein Einbruch von −68 %. Zwei Drittel weg. Und das nicht in Wochen oder Monaten – sondern über 20 Jahre, in denen der treue Buy-and-Hold-Gläubige tapfer hoffte, das Metall werde sich schon wieder berappeln.

Doch der eigentliche Schmerz beginnt erst jetzt. Denn diese Zahlen sind nominal. Und der Dollar verlor zwischen 1980 und 2000 rund 53 % seiner Kaufkraft. Wer damals Gold hielt, verlor also nicht nur wegen des fallenden Preises, sondern zusätzlich durch die schleichende Dollar-Entwertung. Das Ergebnis ist brutal: Aus −68 % nominal werden real etwa −84 %. Die Kaufkraft dessen, was nach 20 Jahren übrigblieb, schrumpfte auf kaum mehr als 16 % des Ausgangswertes. So viel zur „sicheren Wertaufbewahrung“.

84 % futsch nach 20 Jahren Buy & Hold – ist dies das Ende einer Anleger-Horrorstory? Die Antwort ist leider: Nein, die gelebte Realität ist noch schlimmer. Denn bis hierher haben wir nur mit den offiziellen Inflationszahlen gerechnet, also mit einem staatlich zusammengestellten Warenkorb aus Brot, Butter und anderen Alltagsgütern, die seit Jahrzehnten im Vergleich zu Vermögenspreisen erstaunlich stabil wirken. Vielleicht wollte unser Goldanleger von 1980 im Jahr 2000 aber gar nicht stolz ins Supermarktregal marschieren, um sich von seinen Unzen ein paar Lebensmittel zu gönnen. Vielleicht wollte er etwas das Menschen wirklich reich macht: eine Wohnung, ein Grundstück oder Unternehmensanteile?

Doch genau dort gelten nicht die Regeln des Warenkorbs, sondern die Regeln der Geldmenge. Und die explodierte. Zwischen 1980 und 2000 wuchs die US-Geldmenge M2 um rund 230 %. Das heißt aus einem Dollar wurden rechnerisch gut 3,3 Dollar. Diese zusätzliche Liquidität floss nicht in Butter, Brot, WC-Papier und Zahnpasta, sondern in echte Vermögenswerte bzw. Knappheit: Immobilien, Aktien, Land, Unternehmen. Während also unser Goldanleger 2 Jahrzehnte zusehen musste, wie sein Metall von 850 auf 275 Dollar durchgereicht wurde, wurden Vermögenspreise durch die Geldflut nach oben gespült.

Wie sieht das in Zahlen aus?

Von den 100 % des Startwertes blieben nominal nur noch 32 % übrig. Teilt man diese 32 % durch die Geldmengenausweitung auf das 3,3-fache, bleiben real – gemessen an der Asset Price Inflation – nur noch etwa 10 % übrig. Ein Wertverlust von rund −90 % gegenüber der tatsächlichen Vermögenspreisentwicklung. Der Anleger von 1980, der sich im Jahr 2000 vielleicht den Traum einer kleinen Wohnung erfüllen wollte, kann sich von seinem Investment tatsächlich gerade noch Brot und Butter leisten. Der Traum vom Immobilienkauf endet an der Supermarktkasse – und selbst dort muss er nun anfangen zu rechnen.

Vielleicht ist der eine oder andere Gold-Bug nach diesen syntaktischen Schwerthieben nun leicht verunsichert? Gibt es überhaupt noch eine weitere Steigerung die ein Goldinvestment von anno dazumal noch schlechter stellt? Ja, die gibt es – ganz böse und gemeine Zeitgenossen würden daher folgende weitere Ausführgen dem Leser nicht vorenthalten: Wie wäre denn unser Anleger gefahren, wenn er statt in den „tollen“ Sachwert Gold in den Sachwert Unternehmensanteile investiert hätte? „Gold und Aktien“ werden immer von Anlageberatern mit apokalyptischem Unterton als inflationsgeschützte „Sachwerte“ in einem Atemzug genannt. Klingt harmonisch - ist es aber nicht.

Wieder wenden wir uns den nackten Zahlen zu:

Während Gold zwischen 1980 und 2000 über 2 Jahrzehnte nominal fast 70 % verlor, verwandelte der S&P 500 Total Return – also breit diversifizierte Unternehmensanteile an Großkonzernen mit reinvestierten Dividenden – jeden eingesetzten Dollar in rund 23,70 Dollar. Gold dagegen machte aus einem Dollar gerade einmal 32 Cent. Legt man beide Wege nebeneinander, ergibt sich die ultimative Stereo-Watsch’n - frei nach Bud Spencer - für den Goldanleger: Er besitzt im Jahr 2000 nur noch etwa 1,36 % dessen, was ein Aktieninvestor erreicht hat. Andersrum formuliert: 98,64 % des potenziellen Vermögens sind für den Goldanleger verloren. Ein klassischer Totalverlust den man nicht mit einem Wertspeicher, sondern mit einem Penny Stock assoziiert. Ich weiß es ist schwer diese Zahlen für real zu halten aber sie sind nun mal Fakt.

Gold hat ihn nicht geschützt – Gold hat ihn im Vergleich zu produktivem Kapital enteignet. Zwei Sachwerte, ja – aber der Eine arbeitet, wächst, wirft Erträge ab, während der Andere zwei Jahrzehnte lang still in der Schublade lag und darauf hoffte, dass sich die Welt irgendwann wieder für ihn erwärmt. Es gibt eben Sachwerte – und es gibt „Sachwerte“.

Und so bleibt als Pointe: Gold glänzt zwar – aber manchmal glänzt es nur über den eigenen Irrtum hinweg. Wer 1980 auf den „sicheren Hafen“ vertraute, fand sich zwanzig Jahre später gestrandet wieder, während die Aktienanleger längst in anderen Gewässern segelten – mit 23-facher Beute im Gepäck. Gold mag unzerstörbar sein, doch das Vermögen seiner Besitzer ist es nicht. Wer also weiterhin glaubt, ein funkelndes Metall könne ihm das Denken abnehmen, dem sei gesagt: Gold schützt nicht vor Dummheit. Es konserviert sie nur besonders elegant.

Fairerweise muss man sagen: Heute ist nicht 2000. Wir schreiben 2026 und der Goldpreis steht wieder deutlich höher. Niemand behauptet, dass sich Geschichte in identischer Form wiederholt. Aber als Mahnung bleibt: Das heutige Chartbild von Gold ähnelt durchaus dem von 1980. Niemand kennt die Zukunft, doch Märkte haben ein Talent dafür alte Muster zu imitieren. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – heißt es. Und wenn sich 1980 und 2026 tatsächlich in der Rückschau „reimen“ sollten, dann sieht es für all jene, die jetzt Anfang 2026 blind in den vermeintlich sicheren Hafen Gold flüchten, düster aus.

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