Zensur im Bitcoin-Netzwerk? F2Pool filtert OFAC-sanktionierte Adressen!

Im Oktober hat der Mining-Pool F2Pool vier Transaktionen in Übereinstimmung mit OFAC-Sanktionen aktiv gefiltert und zurückgehalten.

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Dennoch sollten wiederholte Zensurversuche natürlich nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Zwar haben diese aktuell keinerlei nachhaltigen Effekt, es ist allerdings essenziell, dass Tools und Metriken zur Verfügung stehen, um etwaige Filtermaßnahmen erstens zu erkennen und zweitens darüber zu berichten und Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen.

Sehe ich auch so. Solche „Zensurmaßnahmen“ haben zwar praktisch überhaupt keinen Effekt, da die betroffenen Transaktionen halt einfach mal eine Stunde warten müssen, bis jemand anders sie aufnimmt.

Allerdings ist es wie du sagst wichtig, dass das ganze überwacht wird und auf Seiten wie Blocktrainer.de darüber berichtet wird. Somit sind die Miner informiert und können reagieren.

Ob weitere gefilterte Transaktionen bei Blöcken von F2Pool auffallen, oder ob sich gar weitere Mining-Pools solchen Maßnahmen anschließen, wird sich zeigen. Insbesondere auf die spieltheoretische Überlegung im vorherigen Absatz könnte diese Entwicklung dahingehend interessant werden, ob die Hashrate solcher „zensierenden“ Pools tatsächlich Einbußen verzeichnet, also ob Miner den Pool zunehmend häufig verlassen.

Das wäre wirklich sehr interessant. Wenn man das ganze aber mal durchdenkt, muss eigentlich nur die Fee groß genug sein:

Pools zensieren
→ Falls verlorene Fee niedrig
→ Minern ist es egal
→ Betroffene Transaktionen erhöhen Gebühren
→ zurück zum Anfang

Diese Scheife wird solange durchlaufen, bis die verloren gehende Fee groß genug ist, dass bei Veröffentlichung dieses Pool-Verhaltens signifikant Miner abspringen.

Man hat ja schon den Aufschrei gesehen, als F2Pool die 20 BTC an Paxos zurückgegeben hat. Das war natürlich eine große Menge auf einmal. Aber stetiges Weglassen von Transaktionen mit hoher Fee kommt bestimmt auch nicht gut an.

Glücklicherweise wird es außerdem in Zukunft technische Möglichkeiten geben, die Aufgabe der Auswahl von Transaktionen, den Mining-Pools teilweise oder sogar vollständig zu entziehen: Mit Stratum V2, dem Mining-Protokoll der nächsten Generation, können Block-Kandidaten dezentral bzw. unabhängig gebaut werden, ohne dabei auf die eigentliche Dienstleistung von Mining-Pools verzichten zu müssen.

Da bin ich auch gespannt. Ich habe mir das Protokoll noch nicht genau angesehen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die meisten Miner auf das Feature verzichten, falls es die effektive mittlere Hashrate signifikant reduziert. Schließlich verliert man pro Block einmal zu Beginn die Zeit, um einen neuen Block zu bauen.

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Stratum V2 bietet doch die Möglichkeit, vorab den nächsten Block-Kandidaten schon vorzubereiten, sodass final nur noch der Previous Hash benötigt wird, um möglichst verzögerungsfrei direkt weiterzuarbeiten. Siehe Job distribution latency.

Ich hätte jetzt angenommen, dass die optionale Job selection Komponente damit kombiniert werden kann, also man sich mit dem Pool schon auf den nächsten selbst gebauten Block Kandidaten einigen kann, während man am aktuellen Template noch arbeitet.

Ob man dann einen eigenen Job Negotiator betreibt, einen dritten Dienstleister dafür nutzt oder direkt vom Pool übernimmt, spielt dahingehend doch eigentlich keine große Rolle, oder?

Ansonsten natürlich Zustimmung: Stratum V2 ist technisch eine super Entwicklung, die Miner müssen aber auf besagte Funktionen natürlich erstmal anspringen.

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Aktuell machen nur zwei Mining-Pools, Foundry USA und AntPool, ungefähr 55% der Rechenleistung im Netzwerk aus, was häufig als Argument für die vermeintliche Zentralisierung von Mining-Pools hervorgebracht wird.

Tut mir leid, aber wenn zwei Pools 55 % der Hashrate kontrollieren, ist das keine vermeintliche, sondern eine tatsächliche Zentralisierung. Wenn sich diese beiden zusammen koordinieren, könnten sie erfolgreich einen 51%-Angriff durchführen und unerwünschte Transaktionen für immer zensieren. Klar, das würde vermutlich auffallen und die Miner könnten in andere Pools wechseln. Aber ob sie das tun, ist fraglich angesichts der Beobachtung, dass es den meisten Minern ohnehin schon nichts ausmacht, stark zentralisierten Pools beizutreten, anstatt solo zu minen oder Werkzeuge wie den dezentralen P2Pool zu nutzen. Die Zentralisierung des Minings ist ein echtes Problem von Bitcoin, das man nicht einfach so als unhaltbar wegwischen darf.

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Erst einmal kurz zu den möglichen Auswirkungen…

Nein, das könnten sie nicht. Immer noch würde ja fast die Hälfte aller Blöcke von den anderen Pools gemined. Diese Pools können also auch solche Transaktionen mit aufnehmen.

Das Zensur-Szenario ist keine ad-hoc Bedrohung, die von jetzt auf gleich ein Problem darstellt, wie z.B. ein Double Spend.

Während so einer Phase haben also die angeschlossenen Miner lange Zeit, um solche Pools zu verlassen. Falls sie das nicht tun, und den Veranlassern der zensierten Transaktionen die Ausführungsdauer egal ist, ist das ganze auch kein Problem. Ist die Dauer nicht egal, werden sie die Fees erhöhen. Das wiederum führt zu Unmut bei den Minern des zensierenden Pools, so dass sie evtl. irgendwann doch wechseln.

Es gäbe noch das Szenario, dass die unehrliche 51% Mehrheit einfach eigenständig, unabhängig von anderen neuen Blöcken, die längste Kette mined, in der die unerwünschten Transaktionen nicht enthalten wären.
In diesem Fall könnte tatsächlich vollständig zensiert werden. Das Verhalten wäre aber ähnlich wie ein Double Spend zu sehen und würde den Bitcoin stark einbrechen lassen. In so einem Szenario wäre also die Zensur das geringste Problem.

Ja, das könnten sie.

Ab jetzt wird es im Prinzip off-topic…

Interessant ist an der Stelle die Frage, ob das eine Bedrohung ist.

Proof of Work geht grundlegend davon aus, dass mehr als 50% der Hashrate von ehrlichen Teilnehmern kommt. Was hält nun die Teilnehmer davon ab, unehrlich zu sein?

Bei den meisten wahrscheinlich einfach die Moral. Beim Rest ist es die Abwägung, ob man durch ehrliches Mining zukünftig mehr Geld verdient und weniger negative Konsequenzen zu befürchten hat, als durch einen Double Spend.
Je mehr Bitcoin und je weniger Mining Hardware man besitzt, desto eher lohnt sich der Double Spend. Ob die große Ausbeute dann negative Konsequenzen wie z.B. den entgangenen zukünftigen Gewinn oder eine mögliche Strafverfolgung rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden.

Wer sind nun die „Teilnehmer“?

Beim aktuellen Mining Protokoll Stratum V1 sind die in diesem Kontext relevanten Teilnehmer ganz klar die Pools, da sie die Blöcke vorgeben.
Bei den Pools kann es ohne weiteres vorkommen, dass ein oder zwei Pools eine 50% Mehrheit besitzen (s.o.). Gleichzeitig existiert in den großen Pools durch die große Umschlagsmenge und den Gewinn meist auch ein relatives großes Bitcoin-Vermögen (Halbwissen!), während keine eigene Hardware notwendig ist (zumindest keine ASICS).

Beim zukünftigen Mining Pool Protokoll Stratum V2 sind die relevanten Teilnehmer ganz klar die Miner. Allerdings nur, falls der Großteil das Feature nutzen wird, eigene Blockkandidaten zu minen.
Zumindest die großen Miner haben wahrscheinlich auch ein relativ großes Bitcoin-Vermögen (Halbwissen!). Gleichzeitig besitzen die Miner aber viel Hardware, und zwar umso mehr, je größer ihr Anteil an der Gesamthashrate, also auch die Bedrohung durch sie ist. Zu guter Letzt haben selbst die größten Mining-Firmen einen geringeren Anteil (einige Prozent) als die großen Pools (einige 10 Prozent).

Wenn man also Gegenwart und mögliche Zukunft bzgl. Double Spend Bedrohung vergleicht, stellt man folgendes fest:

Bei den Pools heutzutage würde es reichen, wenn wenige Verantwortliche sich für einen Angriff entscheiden, während die Ausbeute groß und der Hardware-Verlust gering ist.
Bei den Minern in Zukunft hingegen müssten sich sehr viele Einzelne gleichzeitig für einen Angriff entscheiden und koordinieren, während die Ausbeute, aber auch der Hardware-Verlust groß sind.

Unabhängig davon, ob das nun in jedem Fall eine irrationale Entscheidung wäre, so dass die absolute Wahrscheinlichkeit für so einen Angriff sehr gering ist:
Die Wahrscheinlichkeit für das Bestehen einer ehrlichen 50% Mehrheit ist mit Stratum V1 geringer als in einer möglichen Stratum V2 Zukunft.

Ich stimme dir also insofern zu, dass man die Größe der Mining Pools nicht einfach als komplett irrelevant abtun sollte. Vor allem sollte Stratum V2 mehr diskutiert und vorangetrieben werden.

Danke für die Info, das hört sich gut an! Ich habe es mir noch nicht im Detail angeschaut.

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Doch, könnten sie, eben mit dem 51%-Angriff. Wer die Kette mit dem größten Proof of Work konstruieren kann, kann alle Blöcke mit unerwünschten Transaktionen draußen halten. Aber das ist dir offensichtlich ohnehin völlig klar, da du es ja selbst weiter unten schreibst.

Auf diese Weise könnte ein sehr unangenehmes Zensurszenario entstehen: Wenn die 51%-Angreifer nur wenige Transaktionen zensieren und Blöcke, die die unerwünschten Transaktionen beinhalten, aus der Chain raushalten, werden sich vielleicht andere Pools gezwungen sehen, die Zensurregeln auch zu befolgen, da sie sonst nichts mehr verdienen.

Aus den von dir beschriebenen Gründen war Stratum von Anfang an ein fataler Irrweg in der Mining-Geschichte. Schon sehr früh (2013) gab es mit getblocktemplate eigentlich einen besseren, offenen Standard, der die Kontrolle von Pools zu Minern verschoben hätte. Aber die dominanten Pools haben diesen einfach nicht umgesetzt (siehe auch https://en.bitcoin.it/wiki/Stratum_mining_protocol#Criticism). Es wäre natürlich schön, wenn dieser ursprüngliche Gedanke mit Stratum V2 Wirklichkeit würde. Noch besser wäre es allerdings, in dezentralen Pools nach dem P2Pool-Prinzip zu minen – dann wäre die zentrale Kontrolle komplett weg. Leider scheint daran sehr wenig Interesse zu bestehen.

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Ok, du scheinst dich damit auf jeden Fall besser auszukennen als ich. Sorry für meinen langen Text! Obwohl ich das natürlich auch für eventuelle Mitleser immer etwas ausführlicher schreibe. :slight_smile:

Dieses Szenario ist auf jeden Fall ein „echter“ Angriff und hat natürlich mit der aktuellen Zensur wie beim F2Pool wenig zu tun. Sollte so etwas passieren wäre das Vertrauen in Bitcoin m.E. schon ähnlich erschüttert wie bei einem Double Spend.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Pool so etwas macht.

Beim Double Spend kommt er wenigstens noch mit einem ordentlichen Gewinn aus der Geschichte raus. Aber das von dir beschrieben Szenario würde dazu führen, dass der Bitcoin Kurs nach unten kracht. Der Pool würde also, gemessen in Kaufkraft, im weiteren Verlauf sehr viel weniger Gewinn machen.

Aber ob ich mir das vorstellen kann ist eigentlich egal. Ich stimme dir zu, dass das Mining Protokoll aktuell eine nicht zu vernachlässigende Schwachstelle ist. Vor allem in Hinblick auf die großen Pool-Anteile.

Das habe ich neulich bei Braiins schon nebenbei gelesen, weil ich mir das Stratum V1 Protokoll angesehen hatte, hatte den Teil aber nur überflogen:

Stratum [V1] versus Getblocktemplate

Getblocktemplate introduced in bitcoind 0.7 is a very progressive solution for delegating block creation from full bitcoin client to standalone, specialized software. Stratum mining server uses getblocktemplate mechanism under the hood. There are still some reasons why Stratum is, in my opinion, a better solution for pooled mining:

[…]

There’s really only one reason why Stratum is worse than getblocktemplate solution at this time: miners cannot choose Bitcoin transactions on their own. In my experience 99% of real miners don’t care about transaction selection anyway, they just want the highest possible block reward. At this point they share the same interest with pool operator, so there’s no real reason to complicate mining protocol just for those 1% who want to create custom blocks for the pool.

I already have some ideas for Stratum mining protocol extension, where miners will be able to suggest their own merkle branch (I call it internally “democratic mining”), which will solve such issues as centralized selection of transactions. For now I decided to focus on such a solution, which will fit to majority of miners and do some extensions later.

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Das sehe ich auch so, und entsprechend niedrig ist nun mal der Anreiz für eine Mehrheits-Hashrate, bei sowas mitzumachen.

Selbst wenn ein Pool kurzfristig unehrlich wird, kann ich mir kein Szenario vorstellen, bei denen sämtliche Teilnehmer im Pool das einfach schulterzuckend mitmachen. Und das ist schließlich das eigentliche Argument, das im Beitrag gebracht wird.

Ich habe das vermeintlich übrigens gestrichen, das hat mir selber nicht mehr gefallen beim drüber lesen und wird der Diskussion um das Thema nicht wirklich gerecht.

Denn natürlich sind Mining-Pools in erster Instanz zentral. Wie sich potenziell unehrliches Handeln des Pools auf die dezentral verteilten Teilnehmer im Pool auswirken, wurde im Anschluss ja angesprochen. Ich sehe da aktuell jedenfalls kein relevantes Risiko, trotzdem ist es natürlich auch nicht gerade ein Aushängeschild. Das wird im Fazit auch eingeräumt, inklusive Ausblick auf Stratum V2. Ich finde also nicht, dass hier irgendwas „weggewischt“ wurde.

Das ist halt ineffizienter und kostet entsprechend.

Ich hoffe wie erwähnt, dass eigene Templates in Stratum V2 keine signifikanten Nachteile verursachen und entsprechend auch genutzt werden. Dann wäre diese ständig anhaltende Diskussion zum Großteil erstmal aus dem Weg.

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Das mit dem Double-Spend-Angriff vs. Zensurangriff sehe ich schon noch ein bisschen anders. Ein Double-Spend-Angriff ist mit 51% Hashrate zwar auch möglich, müsste allerdings sehr schnell gehen und die ausführenden Pools würden sich sofort allen als offensichtliche Betrüger erscheinen. Das zwei große Pool-Betreiber in Zusammenarbeit so etwas versuchen würde, halte ich, genau wie du, für sehr unwahrscheinlich.

Zensur dagegen wirkt deutlich subtiler und ist gesellschaftlich akzeptierter. Viele Menschen finden ein gewisses Maß an Zensur für garnicht schlecht aus bekannten Gründen (Geldwäsche usw.). Das würde man den Pools viel eher durchgehen lassen, insbesondere, wenn zu Anfang nur sehr wenig zensiert wird. Sieht man ja auch daran, dass F2Pool sich durch diese Aktion nicht komplett selbst zerlegt hat. So kann auf schleichende Weise ein immer größeres Zensurumfeld entstehen, was bei einem Double Spend nie möglich wäre.

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Da wäre ich nicht so zuversichtlich. Hat denn F2Pool durch die Aktion nun groß an Hashrate eingebüßt? Es ist natürlich noch etwas kurzfristig, um das definitiv zu sagen, aber auf den ersten Blick scheint es die Miner nicht groß zu jucken.

:orange_heart:

Stimmt natürlich, Dezentralität hat immer einen gewissen Preis. Deshalb braucht Bitcoin auch eine Blockchain mit sehr begrenzter On-Chain-Transaktionskapazität und hohem Energie- und Rechenaufwand, um dezentral sein zu können – alles Dinge, die ein traditionelles, zentralisiertes Bankensystem nicht benötigt. Aber als Bitcoiner sagt man eben, dass die Dezentralität diesen Aufwand wert ist. Dasselbe sage ich auch für P2Pool. Dieser ist auch nicht besonders viel ineffizienter und aufwändiger, als zentrales Mining. Dafür beseitigt er die zentrale Kontrolle über die eigene Hashrate eines Miners vollständig, auch besser als Stratum V2.

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Ich als ehemaliger miner würde mir das zumindest mal merken und nach anderen Pools Ausschau halten. Vor allem da in Zukunft die Transaktionsgebühren immer mehr ausmachen

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Falls du jemals wieder ins Mining einsteigen solltest, überleg dir, ob du es nicht lieber mit P2Pool machen möchtest.

Nebenbei bemerkt verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz, warum nicht mehr Solo gemined wird. Mehr als 99 % der Bitcoin-Hashrate scheint in der Hand von Pools zu liegen. Dabei sollte Solo-Mining doch zumindest größeren Mining-Unternehmern problemlos möglich sein. Wenn man über ausreichend Hashrate verfügt um beispielsweise durchschnittlich einmal wöchentlich einen Block zu finden (also ca. 0,1% der Gesamthashrate) dürften die statistischen Fluktuationen bei den Auszahlungen klein genug sein, um ein stabiles Geschäft zu ermöglichen. Dafür spart man sich dann die Pool-Gebühren.

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Genau das habe ich noch nie verstanden warum die in Pools Minen. Sie wären ja auch effizienter

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Da bin ich mir eben gar nicht so sicher. Die Varianz ist praktisch schon ein großes Problem. Wenn ich im Mittel zwar alle zwei Wochen einen Block finde, aber plötzlich in vier Wochen zufällig nur einen, dann kann ich womöglich meine laufenden Kosten nicht decken.

Entsprechend bezahlen sie für die deutlich kleinere Varianz mit einem Teil ihres Gewinns und haben ein deutlich berechenbareres Geschäftsmodell.

Die etwas größeren Mining Unternehmen finden aber im Mittel nicht einen Block in zwei Wochen sondern mehrere am Tag. Also daran liegt es zumindest nicht

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Das kommt mir ehrlich gesagt nicht wie eine gute Erklärung vor. Erstens ist es was, worauf man sich gut vorbereiten kann, indem man Rücklagen dafür bildet, was die großen Unternehmen sowieso schon tun. Es kommen ja auch immer Zeiträume, in denen man mehr Blöcke findet, als im Durchschnitt. Zweitens sind die Unternehmen augenscheinlich auch in der Lage Bitcoin-Kurseinbrüche um > 50 % zu verkraften, das dürfte viel schwieriger zu verkraften sein, als mal eine Zeit lang keinen Block zu finden, vor allem, da man es nicht statistisch einkalkulieren kann. Und wie @eucare schon sagt, die ganz großen Unternehmen haben so viel Hashrate, dass sie deutlich mehr als nur einen Block pro Woche finden. Für die richtig großen Player mit > 1% der Gesamthashrate dürfte Solo-Mining wirklich kein Problem sein, trotzdem tun sie es seltsamerweise nicht.

Ja, aber eben mit größerer Varianz. Das sorgt für (vermeidbare) Unsicherheit.

Naja, Kurseinbrüche wirken sich nicht unbedingt darauf aus. Laufende Kosten werden aus „laufenden“ Gewinnen bezahlt. Hier muss der Puffer imho nicht allzu groß sein. Sinkt der Preis von Bitcoin müssen ggfs. nicht rentable Miner vom Netz genommen werden. Fertig. Kein wirklich großes Risiko per se.

Wer 1% der Gesamthashrate hat, der hat entsprechend auch viele Mining-Geräte und damit hohe Kredite und hohe laufende Kosten (durch Strom und Personal), die regelmäßig bezahlt werden müssen.

Also nur, weil jemand mehr Hashrate hat bedeutet es nicht unbedingt, dass er mit Schwankungen unbedingt besser umgehen kann. In jedem Fall haben große Mining-Firmen offensichtlich ein Interesse sich Pools gegen eine Gebühr anzuschließen, um ihre Varianz zu verringern.

Wie sonst soll das Phänomen erklärt werden? :slight_smile:

Als stumpfes Beispiel mit ausgedachten Werten:
Unternehmen X findet im Mittel Blöcke im Wert von 300.000€ im Monat. Um alle Mitarbeitenden und die laufenden Kosten bezahlen zu können, muss es mindestens Blöcke im Wert von 250.000€ finden. Schließt es sich einem Pool an, so findet es mit 95% Wahrscheinlichkeit Blöcke im Wert von mindestens 250.000€ pro Monat.

Möchte es allerdings Solo-Mining betreiben, so nimmt die Varianz deutlich zu. Plötzlich findet es nur noch mit knapp 80% Blöcke im Wert von mindestens 250.000€ pro Monat, obwohl der Erwartungswert selbst, nach wie vor bei 300.000€ liegt. Dieser Varianz möchte er sich nicht stellen, da sie sein Geschäft bedroht.

Mathematisch gesprochen:
Das Mining Unternehmen möchte eine möglichst schmal verlaufende Dichtefunktion um ihren Erwartungswert. Deshalb ist sie bereit ihren Erwartungswert geringfügig zu schmälern (bedingt durch die Pool-Gebühr), um dafür eine minimale Streuung rund um ihren Erwartungswert zu gewährleisten.

Das ist richtig, aber wie schon gesagt, ist diese Unsicherheit statistisch perfekt kalkulierbar. Anders als so gut wie jedes andere Geschäftsrisiko. Und für das eingehen dieser Unsicherheit bekommt man ja auch zusätzlichen Gewinn, nämlich indem man sich die Pool-Gebühren spart.

Das ist schon ein Risiko. Schließlich verursacht jeder Mining-Rig Investitionskosten. Diese müssen erstmal wieder reingeholt werden. Jeder rumstehende Rig, der nicht kostendeckend betrieben werden kann, ist eine teure Fehlinvestition. Außerdem mindert das Abschalten von Rigs ja auch die laufenden Einnahmen.

Doch, eben schon, weil die Schwankungen kleiner werden, je mehr Hashrate man hat. Das ist ja genau der Grund, warum überhaupt in Pools gemined wird. Ein großes Unternehmen mit > 1% Hashrate hat schon für sich allein genommen mehr Hashrate als manch kleinerer Pool. Wenn kleine Pools mit < 1 % der Hashrate existieren können, können Unternehmen mit > 1 % Hashrate auch Solo minen. Ist kein Unterschied.

Das ist kein gutes Beispiel. Erstens würde ein solches Unternehmen durch einen Kurseinbruch von nur 8,3% ruiniert werden, da es dann seine laufenden Kosten nicht mehr bedienen kann, was ja in deinem Beispiel zum Ruin führt. Es ist also nicht sehr resilient aufgestellt. Außerdem ist das von dir herangezogene Mining-Unternehmen eher klein. Bei den derzeitigen Bitcoin-Preisen heißen 300k€/M, dass man gerade mal etwas mehr als einen Block pro Monat findet. Das ist in der Tat etwas wenig für Solo-Mining, weil das Risiko, dass man mehrere Monate lang mal keinen Block findet, noch relativ hoch ist. Mein Beispiel war ja eine Hashrateanteil von mindestens 0,1 %. Damit findet man im Schnitt ca. einen Block pro Woche. Die Wahrscheinlichkeit dass man mit dieser Hashrate einen Monat lang keinen Block findet, ist ca 1%, die Wahrscheinlichkeit, dass man zwei Monate lang keinen Block findet, ist ca 0,015%. Sehr überschaubar. Dazu kommen Monate, in denen man mehr Blöcke als sonst findet und in denen man Rückstellungen bilden kann.

Ich weiß es nicht, darum frage ich ja. Aber deine Erklärung überzeugt mich aus genannten Gründen nicht – sorry.

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Jein.

Mir ist schon klar, dass die Varianz mit steigender Hashrate abnimmt.

Aber einen Pool kann ich mit einer Hashrate unter einem Prozent betreiben, weil ich als Pool kaum laufende Kosten habe. Als Einzelunternehmen dagegen ist die Varianz für mich viel bedrohlicher.

Insofern denke ich nicht, dass man aus dem bestehen kleiner Pools schlussfolgern kann, dass Unternehmen mit vergleichbarer Hashrate solo-minen können.

Du klammerst die laufenden Kosten völlig aus. Nur, weil ein Unternehmen dann mindestens einen Block pro Woche findet, heißt es nicht, dass es sich finanzieren kann.

Der erwartete Gewinn muss immer in ein Verhältnis der laufenden Kosten gesetzt werden. Und wer im Schnitt einen Block pro Woche findet, der hat entsprechend auch ziemlich hohe Kosten. Und es geht ja nicht darum in einem Monat keinen Block zu finden. Eventuell habe ich schon ein Problem, wenn ich nur einen oder zwei im Monat finde. Ich verstehe jedenfalls, weshalb Unternehmen die Planbarkeit bevorzugen.

Ich probiere es noch einmal mit meinen mega-starken Paint-Skills :wink:

Unternehmen Blau hat sich einem großen Pool angeschlossen und die Rewards schwanken geringfügig um ihren Erwartungswert von 300.000€ im Monat.

Unternehmen Rosa hat die gleiche Hashrate wie Blau, aber schließt sich keinem Pool an. Die Dichtefunktion verläuft deutlich flacher.

Summieren wir die Flächen unter den Grafen (ab der Schwelle von 250.000€) auf, dann sehen wir, dass Blau mit sehr hoher Sicherheit immer seine Kosten decken können wird. Das Unternehmen Rosa hat allerdings eine deutlich kleinere Fläche rechts des Grenzwertes. Für das Unternehmen Rosa gilt also, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich höher ist, vereinzelt ihre laufenden Kosten nicht decken zu können. Das hieße möglicherweise Kredite aufnehmen und wäre womöglich teurer als eine Pool-Gebühr.

Offensichtlich ist meine Zeichnung plakativ. Man müsste sich wohl mal die Mühe machen die Funktionen für ein Unternehmen mit 1% Hashrate (an der Gesamthashrate) und ein weiteres Unternehmen mit 1% der Gesamthashrate, welches sich allerdings einem Mining-Pool wie Foundry mit einem Anteil von ~25% angeschlossen hat, zu plotten.

Ich bin selber gespannt wie sehr sich dies auf die Varianz auswirkt. Und ob die Varianz tatsächlich das ausschlaggebende Argument für den Beitritt zu einem Mining-Pool ist. :nerd_face: