Wie Spekulation ins Chaos führt | Doku HD | ARTE

Ich bin über diese Dokumentation gestolpert und fand sie mega interessant.
Ich finde es erschreckend dass eine vermeintlich kleine Entscheidung eines Politikers eine dermaßen große Welle nach sich ziehen kann. Jedoch sind mir im Laufe der Doku einige Fragen durch den Kopf gegangen:
Gab es wirklich einen direkten Zusammenhang zwischen der Entscheidung von Bill Clinton und dem Krieg im Irak?

Jedenfalls hat mich diese Doku ziemlich erschrocken. Aber an einer solchen Situation kann Bitcoin auch nichts ändern oder sehe ich das falsch? Spekulation wird es doch immer geben.

Viele Grüße

Reppi

1 „Gefällt mir“

Ich habe die Doku nicht gesehen. Bei Spekulation ist das gefährliche, wenn:

  1. die „Verlierer“ keine negativen Konsequenzen erwarten. (Dadurch werden sie es immer wieder irgendwann übertreiben.)
  2. Privatanleger dazu genötigt werden zu spekulieren, um ihre Ersparnisse nicht zu verlieren. (Höre ich in meinem Freundeskreis: „Wir müssen ein Haus kaufen, damit wir später auch mal was haben, wenn wir alt sind“ von Leuten, die gar keine Ahnung vom Immobilienmarkt oder den Macro Entwicklungen haben.)

Beide dieser Punkte werden von Bitcoin (zumindest in Teilen) verbessert.

Ich denke mir halt einfach: Es ist egal ob die Spekulationen auf Mais, Weizen oder Rohöl in Dollar, Euro oder Bitcoin stattfinden; die Preise treibt es immer nach oben und irgendwann ist der Punkt erreicht wo es sich jemand nicht mehr leisten kann. Das ist bei Luxusgütern vielleicht noch zu verkraften aber es wird halt schlimm wenn die Spekulationen auf Lebensmittel den Preis so sehr nach oben treibt dass man 50% seines monatlichen Einkommens für Lebensmittel aufwenden muss - und dass nur weil ein paar Idioten mit vollen Taschen sich die Taschen noch voller machen wollen indem sie den Preis in astronomische Höhen treiben.
Mich würde es halt wirklich interessieren ob es einen Unterschied machen würde ob wir jetzt ein inflationäres FIAT-Geld oder eben ein deflationäres Geld wie Bitcoin verwenden würden. Ich bin kein Ökonom deshalb macht es für mich keinen Unterschied aber vielleicht schenke ich einem bestimmten Punkt ja nicht genug Beachtung bzw. habe ihn noch nicht mit in meine Gedanken mit einbezogen.

Ich glaube, dass man nicht so leichtfertig seine Bitcoin in einer Spekulation aufs Spiel setzen wird. Deine Dollar schon, denn sie sind morgen weniger wert.

Und wie ich schon versucht habe zu sagen: Hedge Funds (wenn du von Spekulation auf Lebensmittel eingehst, dann sind das ja solche) haben eine intrinsische Motivation (z.B. durch Bonuszahlungen der Manager) ein (zu) hohes Risiko einzugehen oder zumindest irrational zu handeln. Und auch bodenständige Unternehmen müssen mit der Zeit immer mehr Risiko eingehen, um gegen die Entwertung anzukommen. Unsere aktuelle Finanzwelt baut auf einem immer weiter ansteigendem Schuldenberg auf.

In einer Bitcoin Welt könnte es sein, dass man sein Geld spart, weil es ohne Risiko an wert gewinnt.

In einer Fiat Welt muss man Risiko eingehen, damit die Ersparnisse nicht weniger wert werden. Und dabei muss man immer schneller gegen ankommen und alte Schulden kann man mit neuen Schulden begleichen. Die Devise ist: Wachstum um jeden Preis!

Und zu den Lebensmittelspekulationen: Da kenne ich mich nicht so gut aus. In der Regel ist der Markt effizient. Wenn jemand eine Ineffizienz sieht, dann kann er diese finanziell ausnutzen. Dadurch wird dann wieder ein Gleichgewicht geschafft in einem freien Markt. Also z.B. sind wir abhängig von russischem Öl. Dadurch können die Russen uns „erpressen“. Wir zahlen „zu viel“ und werden uns zukünftig so orientieren, dass wir weniger abhängig sind und dadurch weniger zahlen. Aber: Je mehr der Staat hier eingreift und reguliert oder subventioniert, desto eher entstehen solche Ineffizienzen, da der Staat eigene Interessen hat und nicht so viele Faktoren beachten kann, wie im freien Markt unsichtbar mitwirken. (Z.B. die Pipeline vom Staat, die jetzt auf einmal doch nicht genutzt werden soll, weil wir politische Sanktionen verhängen. In einem freien Markt, können Autofahrer auch die Pipeline von Shell und BP nutzen, die auch noch aus Norwegen, den USA, Kanada und Saudi Arabien Öl importieren und nur an Gewinn und nicht politischem Poker interessiert sind. Das ist jetzt wahrscheinlich zu naiv gedacht und sehr vereinfacht.)

Die „Dokumentation“ dokumentiert nichts. Sie schneidet die, zugegebenermaßen gut gedrehten, Bilder von den Katastrophenzentren dieser Welt zusammen, emotionalisiert mit herzzerreißenden Aufnahmen von Kindern und schiebt die Verantwortung den bösen Spekulanten, Hedgefonds; Putin und den Rechtsradikalen zu… und dem Schmetterlingseffekt. Das ist Voodoo, und die älteste und billigste Propagandamasche der Welt.

Der Mensch ist ein emotionales Wesen und somit eben nicht nur von Rationalität sondern eben vor allem von seinen Emotionen getrieben.

Angst und Gier sind mit die stärksten Emotionen und somit wird es auch immer Spekulation geben und Menschen, die andere übervorteilen (zumindest so lange es die Menschheit als Spezies gibt).

Diese Tatsachen wird auch Bitcoin nicht „fixen“.

1 „Gefällt mir“

@rhock Ich stimme Dir in der Analyse zu, nicht aber in der Bewertung. Ich betrachte „Angst und Gier“ nicht als häßliche Makel des Menschen und Spekulation nicht per se als Betrug, Aber das zu vertiefen, wäre hier wohl off topic.

2 „Gefällt mir“

Sehe ich genau so. Wird viel zu schnell pauschal negativ abgestempelt ohne rationalen Gründe (für emotionale Entscheidungen) auch nur ansatzweise zu erlauben.

Einerseits ist das natürlich sehr erschreckend wenn man ~33% seines Öls von einem Anbieter bezieht, andererseits ist die Belieferung des Rohöls aus Russland durch eine Pipeline natürlich auch günstiger und ökologischer als wenn man alles mit einem Tankschiff hierher transportieren würde da es sich (mehr oder weniger) ja vor der Haustür befindet.

Naja, der Name „Spekulation“ kommt von spekulieren und ich möchte da gerne einmal Wikipedia zitieren:

Spekulation ist in der Wirtschaft die mit einem Risiko behaftete Ausnutzung von Kurs-, Zins- oder Preisunterschieden innerhalb eines bestimmten Zeitraums zum Zwecke der Gewinnmitnahme.

Und wenn das Bankensystem mit Rohstoffpreisen spielt, geraten dabei leider auch unbeteiligte in Mitleidenschaft. Und man muss nicht mal auf Rohstoffbörsen gucken sondern das Elend fängt meiner Meinung nach doch schon bei der EU und ihren unnötigen Subventionen an - wie kann es denn bitte sein dass das in Europa produzierte, geschlachtete und dann tiefgefrorene Fleisch auf dem afrikanischen Markt günstiger angeboten werden kann als ein Huhn was dort unten gezüchtet wird? Marktautonomie schön und gut aber wenn sich der Markt durch Lobbyismus and „unseren“ Steuergeldern bedient ist das doch kein Markt mehr. Das ist: Ich beeinflusse jemanden um eine Unterstützung zu bekommen damit meine Produkte günstiger sind, mehr gekauft werden und ich weiter expandieren kann. Ich nenne das Marktverzerrung.

2 „Gefällt mir“

Lieber @Repairman, Du machst in Deinem Beitrag eine ganze Reihe von Fässern auf. Ich entnehme zunächst (zustimmend), daß wir keine Rechtsradikalen, Mullahs oder Diktatoren brauchen, um die Unbill dieser Welt zu erzeugen. Wir sind selbst die (oder einige der) „Bösen“. Die Massenproduktion zeitigt schon erstaunliche Ergebnisse, auch ganz ohne Steuergeldverschwendung, Marktmanipulation und Korruption, welche ich natürlich nicht kleinreden will. Ich will darauf hinaus: wir brauchen die großen Schurken nicht. Sie sehen uns zum Verwechseln ähnlich.

1 „Gefällt mir“

Sorry dafür aber ich wollte meinem entsetzen mal etwas Luft verschaffen. Wenn man sich intensiver mit dem Bitcoin beschäftigt kommt man zwangsweise auch zum Thema Ökonomie in Berührung. Schon alleine wenn man sich mit der Inflation von FIAT-Geld beschäftigt und warum ein Deflationäres Geldsystem besser für die Menschen wäre.
Bis jetzt hat mich dieses Thema immer relativ kalt gelassen; ich habe nicht das „Big Picture“ gesehen. Aber ich finde es einfach total spannend wenn man erkennt dass z.B. durch unsere Agra Subventionen in Afrika die Landwirte pleite gehen. Und wenn man dann noch bedenkt dass viele Landwirte das ganze Jahr über z.B. Milch produzieren, dies aber mit Null Gewinn - und die Familie des Landwirts praktisch von den Subventionen lebt die die EU 1x im Jahr an sie ausschüttet, dann läuft da doch einiges Falsch. Und es frustriert mich zutiefst wenn ich sehe dass wir Verbraucher innerhalb von 2 Monaten plötzlich 10% mehr für einen Liter Milch bezahlen sollen. Versteht mich bitte nicht falsch, wenn die Preiserhöhung an die Landwirte gehen würde, würde ich sogar sagen: erhöht den Preis um 20% denn jeder brauch was zum Leben; aber die Preiserhöhung kommt ja niemals bei denen an.

Und so ist es auch mit dieser Zockerei auf den Rohstoffmärkten - es sollte Verboten werden wenn darunter unnötigerweise Menschen leiden müssen. Es läuft einfach so viel verkehrt auf dieser Welt und man kann gefühlt als Einzelperson so wenig dagegen tun. Man kann ja noch nicht mal was gegen die Missstände im einen Land tun - und da gäbe es schon mehr als genug zu tun.

Es tut mir leid wenn ich so weit aushole aber wie bereits erwähnt: Es erschreckt mich wenn man erfährt wie weit sich die Auswirkungen einer Entscheidung erstrecken können. Wenn man heute ein Kilo billigstes Schweineschnitzel kaufe, sorge ich indirekt dafür dass dieses System mit gequälten Schweinen aufrecht erhalten wird. Ich behaupte jetzt mal: Das wünscht sich eigentlich niemand, jeder der gerne Fleisch isst möchte dies meiner Meinung nach auch ohne ein schlechtes Gewissen tun. Aber für viele Menschen ist das nicht möglich weil die Entscheidungen, die in der Politik getroffen werden für die einzelnen Bürger teilweise so eine große Wirkung haben dass für viele die Frage eher lautet: Was kann ich mir diese Woche überhaupt noch zu Essen leisten?

Lieber @Repairman, von der allgemeinen Spekulationskritik sind wir über das Ölgeschäft jetzt auf die Landwirtschaftspolitik gekommen, von der anscheinend keiner von uns viel Ahnung hat. Das ist zwar schon konkreter, aber so was von Offtopic, daß ich Skrupel habe, ob wir das hier überhaupt weiter vertiefen sollten. Zwischen Dir und dem Milchbauern steht nur der Groß- und Einzelhandel. Die Knappheit auf allen Seiten ist gewollt. Sie zwingt den Bauern, noch produktiver, und den Handel, noch effizienter (billiger) zu werden. Als Motiv für die Subventionen kann ich mir vorstellen, daß die Entscheider mit Blick auf die (weltweite) Bevölkerungsentwicklung und die Änderung von Konsumgewohnheiten die Produktionskapazität unbedingt aufrechterhalten wollen. Genau weiß ich das nicht und es geht mich auch nichts an, aber ich vertraue darauf, daß schon alles seinen Sinn hat.
Spekulanten schauen darauf, was sich in absehbarer Zeit verändern wird, und versuchen, daraus Kapital zu schlagen. Das finde ich in Ordnung und wir machen es ihnen auch leicht, wenn wir unsere einstmals bewährte Energiepolitik und alle uns zur Verfügung stehenden Energieträger wegen eine Spinne von uns und unsere Lieferanten vor den Kopf stoßen. In ebenso absehbarer Zeit werden wir bald den Vorzug genießen, uns in die Reihe der Spekulationsopfer zu integrieren und werden ganz ehrlich und mit echtem Entsetzen schimpfen können. Wohlan.

1 „Gefällt mir“