Vergleich Fiat-Layers mit Bitcoin-Layers

Hallo liebe Bitcoiner,
ich habe zwar keine direkte Frage, würde aber gerne mal meine Gedanken zur Diskussion stellen, was Main-Layer und Second-Layer angeht.

Beginnen wir ganz früh: Das erste Geld hat sich gebildet, weil Tauschwirtschaft ineffizient war. Man hat ein Geld gebraucht, um Arbeitsleistung zu konservieren, das gleichzeitig Tauschmittel und Recheneinheit war, das nicht verderblich war und trotzdem leicht und kompakt. So hat sich Gold gebildet, und seit König Krösus seine Münzen eingeführt hat, waren es damit auch Markenprodukte (einheitliches Gewicht und genormter Feingehalt). So gesehen ist Gold der Main-Layer des Finanzsystems. (Mal davon abgesehen, dass in Bretton Woods ein Teilreserve-System eingeführt wurde, und Nixon vor ziemlich genau 50 Jahren die Basis komplett entzogen hat, aber darauf will ich gar nicht raus.)

Irgendwann wurden physische Banknoten emittiert, die damals noch 1:1 mit Gold gedeckt und eintauschbar waren, und diese Banknoten ließen sich auch viel schneller und leichter handhaben, und vor allem im täglichen Gebrauch einsetzen (Das Wechselgeld bei Bezahlung mit einer Goldmünze stelle ich mir schwierig vor…) Ich sehe also die physischen Banknoten (und Münzen) als Second-Layer des Geldsystems, muss dabei aber dem Staat vertrauen.

Mit dem Giralgeld (Third-Layer) kam dann noch mehr Komfort und Geschwindigkeit dazu. Man musste die Banknoten nicht mehr physisch übergeben, sondern hatte hier „Vertrauenswürdige Dritte“, die man für den Geld-Transfer beauftragt.

Inzwischen sind wir sogar schon beim Fourth-Layer angekommen, wenn man Unternehmen wie paypal, WeChat, AliPay usw. betrachtet.

Diese zusätzlichen Layer bringen Geschwindigkeit, Einfachheit, Komfort, … basieren aber immer auf dem zugrundeliegenden Layers (mal von der fehlenden Golddeckung abgesehen). Das bedeutet: Ich kann Überweisungen und paypal-Zahlungen machen, ohne überhaupt auch nur Gold zu besitzen.

OK, jetzt der Switch zu Bitcoin.
Auch hier haben wir einen MainLayer, der nicht besonders schnell ist, aber für die Sicherheit im System sorgt. Das ist kein Problem, weil im „alten System“ war die Aufgabe von Gold ja auch nicht Schnelligkeit, sondern Sicherheit.

Dass auf diesem MainLayer dann z.B. Lightning/Strike als SecondLayer aufgebaut wird, ist doch genau das gleiche wie im traditionellen System: Ich benötige einen vertrauenswürdigen Dritten, der mit diesem Layer Eigenschaften einführt, die der darunterliegende Layer nicht hatte. In diesem Fall Geschwindigkeit, Währungsumrechnung, Einfachheit der Anwendung usw. Und genauso wie es im traditionellen System nicht notwendig war Gold physisch zu besitzen, ist es doch auch bei Lightning nicht notwendig Bitcoins direkt zu besitzen, um dieses Layer für Zahlungen nutzen zu können.

Dabei hat Bitcoin gegenüber dem Gold-System noch einen weiteren Vorteil: Der angeblich größte Goldbesitzer (USA mit 8000 Tonnen) weigert sich seit ca. 50 Jahren eine Bestandsprüfung durchzuführen, weil die Kosten dafür zu hoch wären. Und auch das „deutsche Gold“ ist nur teilweise physisch in Deutschland eingelagert, und besteht zu einem erheblichen Anteil nur aus „Papier-Goldforderungen“ an die USA bzw. England.
Gedanken-Experiment: Falls wir eines Tages einen Bitcoin-Standard hätten, wäre so eine Bestandsprüfung/Auditierung in wenigen Sekunden erledigt, was beim physischen Gold (Anzahl der Barren, Reinheit, Prüfung auf evtl. Fälschungen) ein erheblicher Aufwand wäre.

Dieser Multi-Layer-Gedanke geht mir schon seit ein paar Wochen durch den Kopf, und ich würde gerne mal eure Gedanken dazu hören.

Liebe Grüße!

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Doch. Es gibt keine Geldschöpfung in Lightning. Lightning ist lediglich ein Netzwerk zum Austauschen von Forderungen und Schuldverschreibungen.

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Sorry, ich war ein wenig ungenau. Es müsste heißen:
Es ist für die Lightning-Anwender nicht notwendig, Bitcoins zu besitzen. Für die Channel-Betreiber natürlich schon, aber die sehe ich in diesem Fall als einen Bestandteil der Gruppe „Vertrauenswürdige Dritte“.

Also irgendwo hat man ja auch Geld in Bitcoin, Lightning ist ja eher das „Kleingeld“ welches man gerade übertragen will.

Also so oder so würde ich mir Gedanken machen wenn ich kein Geld in Bitcoins hätte welches ich bei Bedarf in Lightning sende.

Denn dies ist ja eher für Kleingeld gedacht.

Im Falle davon, dass die ganze Welt Bitcoin nutzt wäre es natürlich etwas erstebenswertes wie momentan ein Auto oder Haus, mal so viele mBTC zu besitzen, dass sich ein Transfer aus eine Cold Storage wie BitBox lohnt.

Bin mir nicht sicher, was du damit meinst. Im Lightning-Netzwerk fließen ebenfalls Bitcoins. Da gibt es keine Abstraktion der Währung im darunterliegenden Layer.

Hallo Osito, richtig, da fliessen Bitcoins im Lightning-Netzwerk. Aber das sind Bitcoins die dem Nutzer nicht gehören, sondern den Channel-Eigentümern. Das ist ja der Unterschied zwischen Payment-Layer und Settlement-Layer.
Wenn ich von meinem paypal-Konto was an dich überweise (und mein paypal-Account ausreichend Deckung hat), dann fliessen ja auch keine Euros, sondern auf der paypal-Datenbank werden nur zwei Datensätze aktualisiert.

Das ist nicht korrekt. Du kannst auf Lightning nur das verschicken, was du auch zu dem Zeitpunkt auf die Kette bringen könntest. Umgekehrt kannst du das Guthaben in lighnting nicht gleichzeitig on chain anderweitig ausgeben.

Als Channel Teilhaber gehören dir auch immer die Coins auf deiner Seite des Channels. Das sind genau die, die du jederzeit auf die chain holen kannst. Jeder Nutzer ist auch immer ein Channel Teilhaber, es sei denn wir sprechen bereits von einem 3rd layer.

Ich verstehe deinen Gedankengang nicht.

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Man könnte maximal sagen, wenn man einen Custodial-Wallet nutzt, dann hat man die die Bitcoin nicht selbst, sondern der Betreiber. Aber bei einer Non-Custodial-Wallet braucht man natürlich selbst Bitcoin.

@Buntes_Schwarz Du hast Bitcoin auf einer Adresse machst mit deiner Lightning-Wallet einen Channel zu einer Node auf und transferierst die Bitcoin auf das „Gemeinschaftskonto“ von dir und dem Node-Betreiber. Wenn du dann etwas zahlst, geht ein Teil der Balance zu deinem Node-Betreiber über. Deine Balance sinkt. Wenn du den Kanal schließt bekommst du deinen Teil wieder zurück und hast wieder Bitcoin auf deiner eigenen Adresse.