Ich finde das Zitat ziemlich treffend. Gerade weil ich Diskussionen nicht als Kampf verstehe, bei dem einer am Ende „gewinnen“ muss. Wenn ich jemanden von meiner Sicht überzeugen kann, aber dafür die Beziehung zerstöre, habe ich vielleicht sachlich gewonnen und menschlich trotzdem verloren.
Allerdings würde ich noch einen Schritt weitergehen: Eine Beziehung zu erhalten bedeutet für mich nicht, jede Diskussion zu vermeiden oder dem anderen immer recht zu geben. Im Gegenteil.
Manchmal gehört gerade eine offene Auseinandersetzung dazu. Entscheidend ist für mich, ob ich noch mit dem Menschen gemeinsam nach der Realität suche oder ob ich nur noch meinen eigenen Standpunkt verteidigen möchte.
Und da sehe ich auch das Problem mit persönlichen Angriffen. Sobald aus „Ich sehe das anders, weil …“ ein „Du bist halt …“ wird, verlässt man die Sachebene. Dann wird nicht mehr das Argument angegriffen, sondern die Person. Und damit wird ein Perspektivwechsel natürlich schwieriger, weil der andere sich plötzlich selbst verteidigen muss.
Bei dem Begriff „verbale Gewalt“ bin ich allerdings etwas vorsichtiger. Nicht jede unfreundliche oder dumme Aussage würde ich gleich als Gewalt bezeichnen. Gerade im Internet kann ich sehr viel davon selbst filtern: Ich kann antworten, ignorieren, blockieren oder die Diskussion beenden. Das ist für mich etwas anderes als tatsächliche Gewalt.
Was ich aber interessant finde: Warum müssen wir überhaupt gewinnen?
Was habe ich davon, wenn ich am Ende Recht habe, aber der andere mich nicht mehr hören kann?
Vielleicht ist eine gute Diskussion nicht die, bei der einer den anderen besiegt, sondern bei der beide danach etwas mehr verstehen als vorher.
Manchmal gehört dazu auch, am Ende zu sagen: „Okay, da lag ich vielleicht falsch.“
Das empfinde ich übrigens nicht als Schwäche. Für mich ist das eher ein Zeichen dafür, dass mir die Realität wichtiger ist als mein eigenes Ego.