Liquidität runter - BTC runter

Moin. Mal ein paar Gedanken zur aktuellen Entwicklung der Kapitalmärkte:

Ich habe mir den Gesamtkapitalmarkt in den letzten Monaten intensiv angeguckt: sieht einfach nach einer normalen Korrektur aus hinsichtlich Aktien und BTC. Gemäß der steigenden Inflation (aktuell 4% in den USA) steigen die Kapitalmarktzinsen bzw. Anleiherenditen. Demgemäß wird Geld etwas knapper. Die Umlaufgeschwindigkeit kommt langsam ins rollen, es gibt auf der Angebotsseite eine noch nicht wieder voll angelaufene Produktion sowie einen Arbeitskräftemangel: ergo kann nur der Preis steigen sprich CPI.

Dass die Vermögenswerte seit mehreren Jahrzehnten inflationieren, liegt einzig am Cantillon-Effekt: Vermögende kommen schneller an Kredite, so dass das billige Geld der moder-money-theory schneller bei den Reichen und weniger bei den Armen landet.

Wie geht’s jetzt weiter mit dem BTC-Kurs, wenn man mal die Stock-to-flow Geschichten weglässt: ich glaube es wird erstmal noch weiter seitwärts und leicht bergab gehen, bevor die nächste Stufe gezündet wird. Eine weiter steigende Verbraucherpreisinflation wäre nicht gut, da die Notenbanken dann gezwungen wären, die Geldmenge zu „tapern“. Den 19 Mio BTC steht aktuell eine so große Geldmenge gegenüber, dass 1 BTC = 50.000$ sind. Beim Tapering würde auf der rechten Seite der Gleichung Dollar weggenommen werden.

Kommt Tapering? Kommt drauf an. Aktuell gibt’s auch viele Faktoren, die deflationär wirken: die Staatshaushalte werden in den kommenden Monaten wieder mehr auf Haushaltssanierung bestehen. Es werden Unternehmen pleite gehen, wodurch Schuldentitel gestrichen werden. Womöglich werden sogar Staatsanleihen genullt werden. Das Verbrauchervertrauen ist jetzt nicht gerade so, dass jeder eine prosperierende Wirtschaftszukunft auf uns zukommen sieht. Viele werden Bargeld und Sparguthaben weiterhin zurückhalten, nachdem sie diesen Sommer mal endlich wieder konsumiert haben. Die Demographie weltweit in den Industrieländern tendiert dahin, dass immer weniger Konsumenten vorhanden sind. Die Globalisierung nimmt nach den Lockdowns wieder Geschwindigkeit auf, Waren werden wieder weltweit gehandelt und wirken dadurch wieder deflationär. Was spricht für Inflation: die Geldmenge. OK. Die Umlaufgeschwindigkeit? Nein, denn die Einmaleffekte eines erhöhten Konsums diesen Sommer werden bald wieder aufgebraucht sein. Seit Jahren sehen wir eine sinkende Geldumlaufgeschwindigkeit. Blicken wir auf die andere Seite der Quantitäts-Gleichung (Geldmenge * Umlaufgeschw. = Angebot * Preis): die Verknappung des Warenangebots durch Flaschenhälse bei coronageschockter Produktion und Handel werden bald ihre inflationstreibende Wirkung verlieren, wenn die Containerschiffe die Globalisierung wieder anziehen lassen. Was dann für P als Preisniveau bleibt ab Herbst: ein eher gleichbleibendes Niveau, vielleicht inflationär mit 1-2%.

Weil die Staaten sich bei laufenden Transferzahlungen in Form von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld und Subventionen aber entschulden müssen, muss die Inflation hoch bleiben, damit die Schuldenlast weginflationiert. Und 1-2% reichen da nicht mehr. Also wird ab Herbst nicht über ein Tapering (Geldmengenverknappung) nachgedacht. MMn.

Da mit steigender Inflationserwartung der Kapitalmärkte aber die Zinsen wiederum ansteigen, wird eine Entschuldung der Privaten über Insolvenzen erfolgen, da deren Schuldendienst bei erhöhten Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Wenn dann nicht erneut die Geldmenge ausgeweitet wird, müssen Staaten die insolventen Unternehmen aufkaufen oder die daraus folgenden Arbeitslosen mit Sozialleistungen bedienen. Um diese zu finanzieren, müssten Staaten wiederum Anleihen emittieren und die Zinskurve künstlich niedrig halten (yield-curve-control) oder bei fehlender Geldmengenerweiterung den Staatsbankrott ausrufen mit Währungsreform, Lastenausgleich etc.

Da Staaten aber nicht pleite gehen wollen, wird das Geldmengenwachstum schon bald eine neue Stufe zünden. Von daher bin ich bullish für Bitcoin, aber baerish für das, was ich mir von meinen BTC in Zukunft werde kaufen können. Unterm Strich: bleibt 1 Bitcoin 1 Bitcoin. Was wirklich wichtig ist zu wissen: dein Lohn wird weginflationiert im Verhältnis zu den Vermögenswerten und solange man nicht selbst seine Produktivität steigert, wird man immer weniger Reallohn zur Verfügung haben je älter man wird. Gesichertes Grundeinkommen wird kommen mMn. Der Westen wird an Bedeutung verlieren. Bitcoin wird selbstverständlich aufsatteln, sobald der Dollar am Ende ist. Aber das kann noch dauern.

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Nichts für ungut, aber ich mag solche Prognosen, denn Du wirst immer richtig liegen.

Geht es seitwärts: „Hab’ ich ja geschrieben.“

Geht es runter: „Hab’ ich ja geschrieben.“

Geht es hoch: „Hab’ ich ja geschrieben.“

Sehe ich auch so. Aber nichtsdestotrotz wird die Preissteigerung des BTC den Verlust durch Inflation übertreffen.

Ich hoffe es.