Ja, genau das wollte ich auch damit sagen.
Die ganze Biomechanik des Menschen ist ja evolutionär entstanden, aus sogenannter toter Materie. Und da stellt sich gleich die Frage: Was ist tote Materie überhaupt.
Wenn sich Quarks zu Atomen zusammenschließen, aber auch wieder zu den Elementarteilchen zerfallen können, sprechen wir generell noch nicht vom Leben. Auch wenn sich die Atome zu Molekülen zusammen setzen (z.B. DNA), sprechen wir generell noch nicht vom Leben. Erst wenn sich viele Moleküle zu einer biologischen Zelle zusammen tun, dann sprechen wir von Leben, obwohl die Prozesse des „Zusammenlebens“ der Moleküle sehr mit den Prozessen des Zusammenlebens der Quarks zu Atomen ähnelt.
Und größere Zusammenschlüsse von vielen Zellen zu Individuen (Menschen) sind Leben, aber geht man wieder eine Stufe hoch und schaut sich Gruppen von Individuen, also z.B. Firmen oder Staaten an, dann spricht man auf einmal wieder nicht mehr von Lebewesen… Aber auch hier ähneln sich die Prozesse des Zusammenclusterns sehr: Effizienzsteigerung durch Arbeitsteilung lässt die Clustergröße wachsen aber Energie/Machtgewinne durch Angriff auf andere Cluster spaltet die Cluster (auf jeder Ebene) wieder.
Für mich macht es keinen Unterschied, ob man hier Bewustsein definiert und die Objekte als eigenständig handelnde „Personen“ bezeichnet oder ob diese Objekte aus rein physikalischen Regeln getrieben so handeln, wie sie handeln.
Beide Betrachtungsweisen sind exakt gleichwertig im Sinne von: Sie liefern exakt den gleichen Wahrheitsgehalt über ein exakt gleiches (reales) System. Der Unterschied liegt also nicht im System, dass entweder durch Bewustsein oder Physik erklärt wird, der Unterschied liegt in der Betrachtungsweise bzw. dem Blickwinkel der Objekte. „Vermenschlicht“ man die Objekte und spricht ihnen so eine Persönlichkeit zu, dann kann auch ein beliebiger Stein eigenständig handeln und z.B. den Berg hinab rollen. Und diese Betrachtungsweise ist eben gleichbedeutend mit einem beliebigen abstrakten äußeren Beobachter, der die Physik des Systems kennt und weiß, dass die Schwerkraft dafür verantwortlich ist, dass der Stein „handelt“ und herunter rollt.
(Genau hier werden eben Simulationen, Computerspiele, Geschichten oder Romane interessant weil man hier die reale Physik durch neu erdachte physikalische Regeln austauschen kann. Bedeutet: in Geschichten kann man problemlos „unphysikalische“ Magie einbauen, die wir als Beobachter unphysikalisch ansehen können, für die handelnden Personen in diesen Geschichten ist diese neue Physik aber so real wie die Realität für uns. Die handelnden Akteure in der Geschichte müssen dann mit der Magie zwangsweise umgehen können (im Sinne von: müssen mit den gegebenen magischen Gesetzen leben und sich nach ihnen richten).)
Bedeutet: für die Beschreibung der Realität macht es kein Unterschied, ob man ein imaginäres Bewustseinsfeld definiert, das die Handlungen der Akteure im System erklären soll, oder ob man die physikalischen Gesetzt als Axiome zu Grunde legt, solange beide Modelle das System richtig beschreiben, solange sind auch beide Modelle exakt gleichberechtigt richtig.
Aber selbst wenn beide Modelle richtig sein können, so gibt es meistens doch ein Modell, dass bei gleicher „Richtigkeit“ bessere bzw. einfach erklärbarer Ergebnisse liefert.
Bestes Beispiel ist ja das Heliozentrische vs. Geozentrische Weltbild. Beide Ansichten sind physikalisch 100% richtig, da es physikalisch keinen Unterschied macht, wo und wie man sein Koordinatensystem setzt um die Bewegung des Sonnensystems zu beschreiben. Aber das heliozentrische Weltbild ist einfach symmetrischer und damit deutlich einfacher als das geozentrische Weltbild. Ellipsen sind halt deutlich einfacher als eine unendliche Taylorreihe von Sinus/Cosinnus-Termen, die die Hin- und Herbewegung der Planeten in der Ekliptik erklären. Aber sie erklären die Planetenbahnen eben genauso gut, nur eben mathematisch etwas komplexer. Und der Grund ist einfach: es wird eben das gleiche System auf unterschiedlicher Betrachtungsweise modelliert.
Ich persönlich stimme dir also zu, dass die „Mechanische“ oder physikalische Erklärung, warum Menschen ober beliebige Akteure so handeln, wie sie handeln, mir deutlich besser liegt. Aber solange die Gegenseite mit dem Bewustseinsfeld das System auch genauso beschreiben kann, solange ist deren Theorie nicht falsch sondern äquivalent. Die Frage ist dann: kann die Bewustseinstheorie genauso viel herleiten bzw. voraussagen wie das physikalische Modell? Wo ist das physikalische Modell besser? Was kann das Bewustseinsmodell besser? Und an welchen Stellen können beide Theorien voneinander lernen (und sich verbessern)?
Ich würde sagen: Klar erlebt er es weil seine Sensoren ihm das mitteilen. Ich persönlich würde auch aus oben genannten Gründen keinem Stein sein Runterrollerlebnis absprechen. Einfach weil es völlig egal ist (äquivalent), ob jemand etwas aktiv macht oder ob er es passiv mit sich machen lässt.
Naja, nur weil wir uns nicht vorstellen, wie ein Roboter sich beim Laufen fühlt oder wie sich ein Stein beim Runterrollen fühlt, weil der Stein es uns logischerweise nicht sagen kann, bedeutet es nicht, dass der Stein als Objekt nicht auf das Runterrollen reagiert (er kann z.B. dabei zersplittern).
Es ist also für das System nicht wichtig, ob ein Objekt Entweder nicht fühlt, es aber trotzdem reagiert oder ob das Objekt eine bewusste Entscheidung/Reaktion dank einkommender Sensorinformation macht. Das Resultat ist in beiden Fällen das Gleiche (die Reaktion) und beide Betrachtungsweisen damit äquivalent. Für das System ist es also komplett irrElefant, ob das Objekt ein Bewustsein hatte oder nicht.
ich will damit nicht sagen, dass ich davon ausgehe, dass ein Stein ein Bewusstsein hat, aber der Perspektivwechsel, der Versuch die Welt aus der Sicht eines Steines zu sehen, alleine das sind schon extrem spannende Gedanken. Aber wenn sich mein Bewustsein als dieser Stein ausgibt, dann hat der Stein doch ein Bewustsein, nämlich meines, oder?
All diese Fragen oder Gedankenspiele sind eben wegen der Äquivalenz von Physik und Bewustsein (im Sinne von Handlungsfähiger Akteur) möglich.
Das sehe ich etwas anders. Vielleicht kann die Physik/Chemie/Biologie das noch nicht auf molekularer Ebene erklären. Aber auf den Größenordnungen von Menschen mit ca 10²⁵ Atomen ist das auch sehr schwierig. Aber genau deswegen ist die Physik gut in Statistik und statistisch lassen sich schon sehr gute Erkenntnisse darüber gewinnen, wie der Bioroboter Mensch funktioniert. Ich denke schon, dass alle menschlichen Prozesse problemlos in physikalischen Vorgängen entschlüsselt bzw. beschrieben werden können, und die Entwicklung der KIs zeigen, dass selbst die Funktionsweise der Gedanken und des Gehirns so langsam „verstanden“ wird. Zumindest sind wir schon in der Lage, die menschlichen Gedankengänge mittels KIs nachzubauen.
Die Trennung zwischen Religion, Glaube, Seele und Bewustsein und die physikalischen Ursachen für diese Gedanken wird wohl nicht mehr lange ein physikalisches Rätsel bleiben.
Und ich persönlich halte mich da an das Äquivalenzprinzip der Modelle: solange die Modelle das gleiche System beschreiben, solange sind sie auch gleichwertig, egal wie unterschiedlich die Beschreibung aussehen mag. Erst wenn es Unterschiede in den Beschreibungen gibt (z.B. Ein System nach Anwendung beider Modelle auseinander driftet), dann muss man sich fragen: Welches der Modelle ist realitätsgetreuer und damit besser als Modell geeignet?
Das denke ich nicht. Bäume und Pflanzen „spüren“ sehr wohl, wenn man ihnen Äste wegschneidet. Auch die Pflanzen schließen ihre Wunden, nur dass diese Wunden eben nicht so aussehen wie tierische Wunden. Das bedeutet für mich: Klar haben sie eine Abgrenzung ihres eigenem Körpers von der Umgebung, ansonsten „wüssten“ sie ja nicht warum sie die Wunde verschließen sollten. Oder anders gesagt: ohne eine definierte Abgrenzung des eigenen (Baum-)Körpers könnten sie ja keine Wundschließung initiieren weil sie den fehlenden Ast nicht als „fehlend“ oder „Anders“ erkennen könnten.
Auch Pflanzen reagieren z.B. auf Wasser oder Sonnenlicht, haben ein Imunsystem und Abwehrstrategien z.B. gegen Fressfeinde oder andere Bedrohungen, selbst wenn diese Informationsverarbeitung nicht (stand meines heutigen Wissens) über ein neuronales Netz verarbeitet wird. Aber sie verarbeiten diese Information, z.B. durch chemische Reaktionen wie in einer biologischen Zelle.
Meiner Meinung nach gibt es für kein Objekt einen Grund, ihnen ihr jeweiliges individuelles Bewusstsein abzusprechen, gerade weil es Äquivalent ist, ob sie wirklich bewusst handeln oder ob sie physikalisch getrieben sind.