Klar hast du recht, dass es hier ein Individuelles Bedürfnis gibt, das nicht gleichbedeutend mit dem Bedürfnis der Gemeinschaft ist. Dazu kommt, dass ein Bewohner aus einer Mietskaserne deutlich andere Präferenzen haben wird als jemand mit einem Einfamilienhaus
Der Stadtbewohner ist also mehr auf das Stromnetz angewiesen als die Landbewohner weil der Stadtbewohner einfach nicht die Dachfläche hat, die er für sich benötigen würde.
Deiner Vision nach bedeutet der Solarausbau, dass der Strom teurer wird. Wer sich aber von diesen Kosten zu befreien versucht (also autarker vom Stromnetz wird), der benötigt Sonnenplatz oder Windfläche, die nicht jeder hat. Zusätzlich bedeutet es Investitionen in Erneuerbare und Stromspeicher, was auch nicht jeder einfach bezahlen kann.
Und obendrein bedeutet der höhere Grad an Autarkie einzelner Leute, dass die anderen Menschen wieder mehr für das Stromnetz bezahlen müssen, denn die gleichen Ausbaukosten werden dann von weniger Menschen bezahlt (hier auch mal mit gebrochenen Menschen gerechnet, weil man ja auch z.B. nur 80% Autarkie haben kann und somit auch deutlich weniger für die Netze über die Stromrechnung bezahlt).
Sagen wir mal so, wenn wir die Individualverhalten im Einzelnen betrachten, dann sind sehr viele Variablen in die Betrachtung zu ziehen sodass eine Prognose für die Zukunft absolutes Glaskugellesen ist. Wenn man aber den Blick erstmal “thermodynamisch” bzw. makroskopisch nur auf die Gesellschaft richtet, dann kann man mit den aktuellen Zahlen erkennen, dass die Energiewende einfach sehr teuer ist und ohne Speicher nunmal nicht funktionieren kann. Diese Speicher in der benötigten Größenordnung hat Deutschland nunmal nicht. Die Schweiz vielleicht schon, da kenne ich mich nicht gut genug aus. Mit Wasserkraft hat sie zumindest deutlich mehr Potential als Deutschland.
Du sprichst damit aber einen interessanten Punkt an: Wenn die Menschen individuell einen Anreiz haben, Solar weiter auszubauen weil sie davon individuell profitieren, die Gesellschaft dadurch aber ehr einen Schaden hat, wer wird dann insgesamt reicher und wer wird ärmer?
Ich denke, es wird wie immer ehr die treffen, die sowiso schon arm sind. Also die, die sich keine Stromautarkie kaufen können (ob kein Geld oder keine Dachfläche ist ja erstmal dafür egal) und die somit weiter vom gemeinschaftlichem Stromnetz abhängig sind, das ja somit immer teurer gemacht wird.
Werden Solarzellen denn wirklich immer effizienter?
Im Labor werden die Solarzellen immer effektiver, aber Handelsübliche Solarzellen haben immernoch nur einen Wirkungsgrad von maximal 25%. Mein Vater hat sich ca. 2004 oder 2005 schon eine Solarzelle mit einen Wirkungsgrad von 21% aufs Dach gestellt. Ich hab mir letzte Woche eine Solarzelle mit einem angegebenen Wirkungsgrad von 22,5% gekauft. Der theoretisch maximale Wirkungsgrad von herkömmlichen Solarzellen liegt bei 33% (Shockley-Queisser-Grenze) und kann mit Multibandlückensystemen auf maximal 66% erhöht werden, was aber heutzutage deutlich zu teurer ist und somit nur im Labor gemacht wird.
Wirklich viel Spielraum ist in der Effizienz also nicht mehr viel drin, wirkliche Fortschritte gab es in den letzten 20 Jahren auch nicht. Silizium als Basis ist da schon sehr doll ausgereizt.
Aber wie immer: die historischen Daten bedeuten nicht, dass es nicht doch morgen eine geniale Erfindung gibt, die das alles ändert, der Trend ist aber ehr bei gleichbleibender Effizienz. Was aber noch verbessert werden kann sind die Herstellungskosten von Solarzellen um die effizienteren Modelle marktreif(er) gegenüber den Silizium-Zellen zu machen.
Ähnlich sieht es bei der Windkraft aus. Der Maximal zu erreichende Wirkungsgrad wird nach dem Betzschem Gesetz bestimmt weil man nie den Wind bis zum absoluten Stillstand abbremsen kann. Für vertikale Rotoren liegt der maximalwert bei ca 45% weil sich dann immer ein Rotorblatt gegen die Windrichtung bewegen muss. Für die in der Landschaft bekannten Windkraftanlagen mit horizontaler Rotationsachse liegt der maximale Wirkungsgrad bei ca 60%.
Heutige Windkraftanlagen schaffen dem Leifi-Wiki nach 46%, benötigen dafür aber gigantische Anlagen mit einem Rotorduchmesser von mehr als 100 Metern. Kleinere Anlagen scheinen wegen dem Overhead wie Getriebe effektiv zu viel Energie zu verlieren. Aber auch hier sehe ich zum aktuellem Stand keine großen Fortschritte mehr als die Anlagen immer größer zu bauen. Einen wirklichen Fortschritt würde es hier vielleicht noch mit Supraleiter im Zimmertemperaturbereich geben, weil man sich damit dann vielleicht die mechanischen Getriebe sparen könnte. Aber auch das ist nur Hypothese und es ist auch noch nicht klar, ob es Supraleiter im Zimmertemperaturbereich überhaupt gibt.
Also zusammenfassend: eine wirkliche Effizienzsteigerung wird es mit aktueller Technologie nicht geben, da müsste es schon völlig neue Ideen geben. Ob die aber kommen ist nicht abzusehen. Ich würde zumindest nicht darauf bauen, solange nicht eine solche Idee kommt.