Hallo,
nachdem die „Panik“ um die Selbstverwahrung nach Coldcard etwas zurückgegangen ist, wollte ich mal einen Selbstverwahrungs-Plan teilen, an dem ich schon seit langem grüble.
Zuerst möchte ich nochmal ganz klar sagen: Für Anfänger und für die, die einen kleinen Teil des Vermögens in Bitcoin halten, reicht mE eine gute Hardwarewallet wie die Bitbox leicht aus. Auch das halten von „kleinen“ Beträgen auf einer seriösen Börse sehe ich nicht mehr so kritisch. Ich möchte hiermit auf keinen Fall jemand zu einem komplexen Selbstverwahrungssetup animieren, der dies nicht vollständig begreift.
Bei meinem Gedankenspiel, das ich vielleicht nie umsetzen werde, geht es eher um Min-Maxing. Dabei stand ich immer vor dem Problem, dass man, wenn man die Sicherheit erhöhen möchte, sich neue Probleme holt. Es ist immer ein Trade-Off, je besser abgesichert die Wallet ist (Multisig, Passphrase, unzugängliche Verstecke…) desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man nach X Jahren durch Vergessen, Verlieren oder Zerstörung selbst den Zugriff verliert.
Seit ich Seedor Chris das erste mal über die Liana Wallet habe sprechen hören, habe ich eine Lösung dafür. In dieser Walletsoftware kann man mit seinen Hardwarewallets ein Multisig erstellen (zB. 2/2), dass nach einer selbst gewählten Anzahl an Blöcken weitere Ausgabemöglichkeiten freischalten (wird zB. zu 1/2). So kann man mit maximaler Sicherheit starten und wenn man den UTXO über x Monate nicht erneuert, kommt man immer noch leicht ran.
Konkret habe ich folgendes Setup überlegt und hätte dazu gerne Feedback:
Man startet mit maximaler Sicherheit vor Angriffen, einem 2/2 Multisig, eine Bitbox und ein Trezor, beide mit unterschiedlichen Passphrases, die man nur im Kopf hat, beide Geräte schnell verfügbar, aber an unterschiedlichen Orten gelagert.
Den UTXO würde man regelmäßig erneuern. Passiert dies nicht spätestens nach 12 Monaten, degradiert das Multisig auf ein 2/5. Es kommen also noch 3 weitere Seeds dazu, die mitzeichnen können, wobei keiner davon alleine ausgeben darf. Hier könnte man Seeds wählen, die man bei Freunden, Familie oder im Schließfach lagert, welche die man schon für ein Single Sig nutzt oder solche, die man nur im Kopf hat.
Verstreichen 3 weitere Monate kommt ein weiterer Seed dazu, der alleine (1/1) ausgeben darf. Hier könnte man den Seed in ein Testament schreiben, das verschlossen zuhause im Safe mit einer Anleitung der Liana Wallet aufbewahrt wird.
Offensichtliche Nachteile sind, dass man 1-2 mal jährlich eine onchain Transaktion durchführen muss um den UTXO zu erneuern, aber solang die Kosten dafür nicht größer sind, als das, was ein Schließfach kostet, wäre das für mich kein Problem.
Ein anderer Nachteil ist, dass man den Wallet-Deskriptor und eine passende Software, wie zB. die Liana Wallet braucht. Beides könnte man aber auf USB-Sticks vervielfältigen und jeder Hardwarewallet und jedem Seed beilegen, sodass man selbst dann kein Problem hat, wenn es Liana nicht mehr gibt.
Der letzte offensichtliche Nachteil ist, dass das Setup schon sehr komplex ist, vielleicht zu komplex, damit Erben dies begreifen und sicher auch komplexer als es sein müsste. Aber ich bin eben ein Technik-Spielkind und hätte einen rießenspaß an dieser Komplexität.
Also was meint ihr? Coole Idee oder absoluter Schwachsinn? ![]()