Bitcoin in einer Welt OHNE STAATSFEINDE und OHNE BANKEN

So, jetzt möchte ich’s wirklich wissen.

Gibt es in der community auf diesem Kanal (Forum und youtube) Mitglieder, die sich Bitcoin als (Leit-)Währung in einer demokratisch organisierten Gesellschaft vorstellen können?

Warum die Frage:
Ich bin seit knapp einem halben Jahr dabei, war am Anfang Bitcoin-begeistert und habe alle Videos geschaut und viele Threads gelesen.

Dann aber wurde in einem Blocktrainer-Video zum ersten Mal unverblümt Staats-Bashing betrieben, wirre politische Aussagen wurden sowohl von Roman wie auch von vielen chat-usern getätigt. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt schon gefragt, ob man als Demokrat hier noch richtig ist.

Dann wurde „How the economic machine works“ vom Hedgefonds-Manager Ray Dalio gehyped, in dem es seltsame Kausalketten für die Begründung von Schuldenzyklen gibt – aus Sicht eines Milliardärs = Großkapitalisten eben, dann wurde „Der Bitcoin Standard“ ins Feld geführt. Seither ist kein Halten mehr.

Ammous-Jünger, Anhänger der Österreichischen Schule, Hayek-/von Mises-Fans, Libertäre, Befürworter von „Freien Privat-Städten“, Anarchokapitalisten machen sich in den Threads mit nicht-technischen Themen und in den youtube-Kommentaren breit. Der Blocktrainer lässt kaum eine Gelegenheit aus, das Ammous-Buch zu bewerben oder den Verlag, der es ins Deutsche übersetzt hat. Empfohlen werden die podcasts, Bücher und Kanäle der Freunde im Geiste.

Mir persönlich vergeht allmählich der Spaß hier – dabei war es schön, sich mit Bitcoin und seinem Potential zu beschäftigen.

Deshalb möchte ich wissen, ob es andere community-Mitglieder gibt, die sich ebenfalls nicht derartigen markt-fanatischen, staatsfeindlichen Strömungen zugehörig fühlen, sondern sich eine Welt mit Bitcoin in einer demokratisch organisierten Gesellschaft vorstellen können.

Kann man über eine demokratische Welt nachdenken, in der es keine EZB und ihre Geldpolitik gibt, aber sehr wohl Bitcoin? Weg von der quantitativen Wachstums-Besessenheit, weg mit dem aktuellen Finanzsystem?

Am Ende des Horizonts, wenn nur noch Bitcoin als Geld verfügbar ist, könnte eine ‚gute‘ Gesellschaft stehen, so wurde es von Roman in einem früheren youtube-Video einmal skizziert, ganz einfach, weil das limitierte Geld verhindert, dass immer mehr Ramsch produziert und umgeschlagen wird. Eine solche Gesellschaft muss sich aber ganz anders aufstellen als heute, da eben nicht alle Lebensbereiche mehr durchkommerzialisiert sind.

Denkanstöße für eine solche zukünftige Gesellschaft kann man sich z.B. in der Postwachstums-Ökonomie holen, die das menschliche Miteinander und einen sorgsamen Umgang mit knappen Ressourcen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt – v.a. durch Suffizienz / Subsistenz / regionale Ökonomie u.a. (Prof. Paech favorisiert konviviale Technologien und regionales Geld und ist weder Globalisierungs- noch Bitcoin-Anhänger. Da er Beispiele von Komplementärwährungen anführt, sollte sich m.E. der Bitcoin als Leitwährung in seine Modelle integrieren lassen.)

Aber das muss ja auch noch nicht das letzte Wort sein. Wer hat Ideen oder kennt Denker für eine weiterentwickelte demokratische Gesellschaft mit dem Rahmenwerk unseres Staatswesens, das mit Bitcoin als Leitwährung zusammengehen könnte? Mit einem Marktgeschehen, das durch Regelwerke gegen Exzesse geschützt ist und nicht das Kapitalinteresse in den Mittelpunkt stellt, sondern humanitäres, soziales Gedankengut unter besonderer Berücksichtigung der limitierten Ressourcen dieses Planeten? Oder ist der Bitcoin dafür nicht geeignet?

Bitte melden.

Hinweis:

In diesem Thread bitte keine Hayek-/von Mises-Ideologien usw. debattieren, das wird in den anderen schon zur Genüge getan. ----------------> Hier gilt „Austrian School - Nein Danke“.

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Das hängt jetzt ganz stark von der Definition einer Demokratie ab. Ich denke dessen fehlen sorgt auch in manchen anderen Threads für die Eskalation. Meinst du eine Parteiendemokratie? Wieviel Selbstbestimmung/-organisation lässt deine Demokratiedefinition zu? Ist alle vier Jahre wählen überhaupt schon eine Demokratie? War die Schweiz vor 60 Jahren, als Frauen dort noch nicht wählen durften eine Demokratie? Die USA bevor Afro-Amerikaner wählen durften? Jetzt, da Gefängnisinsassen dort nicht wählen dürfen? etc., etc.

Viele hier denken, dass Bitcoin die Welt grundlegend verändern wird. Wenn Bitcoin wirklich vermag, Staat und Geld voneinander zu trennen, dann wird das Auswirkungen auf den Staat haben – das ist eine Tautologie. Die Frage ist jetzt: Was kann/wird/muss daraus entstehen? Was lohnt es sich zu bewahren? Was kann man loslassen?

Bin ich jetzt ein Staatsfeind, weil ich nicht alles bewahren will was ist? Sind die, die manches bewahren wollen, deshalb reaktionär? – Natürlich nicht!

Die Spaltung entsteht vielleicht, weil die Staatsfeinde deduktiv zu der Einsicht gelangen, dass der Staat so nicht mehr existieren kann wenn sich ein Bitcoin Standard durchsetzt. Das ist keine moralische oder normative Forderung sondern eine Schlussfolgerung! Die kann man teilen oder nicht.

Du bringst jetzt mit der „Postwachstums-Ökonomie“ selbst einen Begriff rein, aus dem man durchaus staatsfeindliches ableiten kann. Meine Rückfrage deshalb an dich: Willst du hier über die Vereinbarkeit von Bitcoin mit anderen Werten diskutieren, oder worum geht es dir genau? Das habe ich noch nicht verstanden.

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Mir wäre es schon lieb, wenn Bitcoins Existenz als Alternativgeldsystem Akzeptanz fände und nicht durch gesetzliche Restriktionen madig gemacht würde.

Die staatstheoretischen Topics nehmen mMn inzwischen Überhand. Ich finde wir sollten zurückkommen zu den technischen Belangen rund um Bitcoin und vor allem Lightning. Das Lightning Netzwerk ist stetig am Wachsen, Apps steigern die Usability und Nodes vernetzen sich weiter über mittlerweile sehr einsteiger- und benutzerfreundliche Webseiten (bspw. lightningnetwork.plus). Neue LN-Technologien werden entwickelt (Pickhardt Payments, multi-part-payments (MPP), AMP (Abo-Keysends), dual-funded-channels, etc. pp.). Es gibt hier viel zu entdecken und zu berichten.

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Im Prinzip kann in diesem Forum jeder diskutieren was er möchte, selbst wenn es am Ende in der Kategorie Off-Topic landet.

Aber ich geben dir recht, dass wir nicht vier oder fünf parallele Threads zum gleichen Thema brauchen.

@ThePriWi ich verstehe deine Intention, aber dieser Thread wird leider genauso wie die anderen enden. Auch wenn du explizit forderst, dass es keine Libertartarismus gegen alle anderen Debatte wird. Aber du kannst es ja versuchen. :slight_smile:

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Als ob er die Aufforderung gelesen hätte, veröffentlicht David Scheider heute auf BTC-ECHO einen Artikel zur Humanen Marktwirtschaft. Danke, @BTC-ECHO! Und Danke, David!

Die Humane Marktwirtschaft baut laut BTC-ECHO auf vier Säulen auf: 1. Bildung, 2. Ordnungsrahmen, 3. Wertelandschaft und 4. Humanismus und Menschenbild. Und weiter:
„Anders als im Ordoliberalismus steht die Humane Marktwirtschaft indessen auf einem klaren ethischen Grundgerüst. So wirtschaften Akteure nicht im wertfreien Raum, sondern orientieren sich an Idealen wie Humanität, Eigenverantwortung und Solidarität. Auch die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens spielt in der Humanen Marktwirtschaft eine Schlüsselrolle. Anarcho-kapitalistische Vorstellungen, wie sie so mancher Bitcoiner vertritt, sind mit den Idealen der Humanen Marktwirtschaft also nicht deckungsgleich.“

Wie die Humane Marktwirtschaft und Bitcoin zusammenpassen

Damit ist genau die Denkrichtung gefunden, die ich gesucht habe. Vertreten wird sie u.a. von Maximilian Erlmeier, einem in der Brauwirtschaft tätigen Unternehmer. Das ist mir natürlich sehr sympathisch – wir lieben das Bier in Bayern. :beers:

Zum Weiterdenken für Interessenten: Humane Marktwirtschaft

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Natürlich. Bitcoin sorgt ja nur für mehr Freiheit, er erzwingt sonst nichts. Ich bin mir sicher, dass viele Leute in Demokratien leben wollen und das werden sie dann natürlich auch machen können. Bitcoin sorgt dafür, dass wir Macht über andere Menschen verlieren (erzwungene Herrschaft, worunter auch die aktuelle Demokratie fällt) und selbst mehr Wahlmöglichkeiten, also Macht über uns selbst zurückbekommen.
Ihr braucht keine Angst vor Freiheitlichen haben. Alles was wir wollen, ist euch in Ruhe machen lassen was ihr wünscht und selbst in Ruhe gelassen zu werden.

Es ist nur ein sehr gutes Werkzeug. Wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie man es einsetzt.

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Danke für den Post und die spannende Frage. Ganz ähnliche Gedanken gehen mir auch seit ein paar Tagen durch den Kopf. Ich kann hier (noch) nicht so viel beitragen, weil ich zuerst einige angesprochene Begriffe für mich einordnen muss. Aber ich wollte mich explizit für den mutigen Post bedanken – ein Herz alleine hätte da nicht gereicht! :star_struck:

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Mir geht das zumindest teilweise so wie dem Threaderöffner. Die ideologische Überfrachtung des Bitcoin geht mir zunehmend gegen den Strich und stellt mir mitunter gar das gesamte Projekt infrage, da ich eben nicht hinter den hier teilweise geäußerten Zielvorstellungen stehe.

Es hat im Übrigen seine Gründe, warum „Der Bitcoin Standard“ im akademischen Umfeld so gut wie gar nicht rezipiert wurde, im Gegenteil zum Bitcoin als solchen. Manche der darin aufgestellten Thesen sind einfach nur haarsträubend und zeugen von der kompletten Ahnungslosigkeit des Verfassers im Bereich der Geschichtsforschung, des postmodernen Kunst- und Kulturbegriffs und einiger anderer Disziplinen in denen er auch eher polemisiert, statt argumentativ sauber konstruierte Thesen aufzustellen. Selbst seine Ausführungen zur Geschichte und Funktionsweise des Geldes sind nicht immer schlüssig und stellen zumindest innerhalb der Wissenschaft eine absolut randständige Position dar. Wenig überraschend gilt dasselbe für die „Österreichische Schule“.

Ich will keinem nehmen, hier interessante Anregungen zu finden und sich mit der allgemeinen Denkrichtung zu identifizieren, ich persönlich tue das allerdings nicht.

Ich glaube auch generell nicht, dass man, um einer ideologischen oder politischen Sache willen, ein Finanzinstrument schaffen sollte, eine Kritik, die bereits dem Euro entgegengebracht wurde. Inwiefern der Bitcoin überhaupt eine Währung werden kann ist dabei noch offen und momentan ist er auch als Wertspeicher nicht für jeden überzeugend.
Andererseits bin ich nach wie vor fasziniert von der technischen Eleganz des Projekts und seiner Möglichkeiten, die wir vermutlich noch gar nicht überblicken. Ähnlich wie das Internet in den frühen 90ern steht hier eine Technologie vor der Verwirklichung, ohne selbst von ihren Schöpfern verstanden zu werden. Damals redete man von Kühlschränken, die selbst frische Milch bestellen und was weiss ich. Amazon oder Google wurden hingegen später belächelt.

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Kann ich teilen und ist genau mein Eindruck von den letzten Wochen hier im Blocktrainer-Kanal und auf youtube. Ich will einen freien Bitcoin und keinen, der sich fesseln lässt von einer bestimmten Geistesströmung. You know what I mean.

Alex Gladstein, CSO der Human Rights Foundation, von dem es auf youtube clips zur Ertüchtigung von Human Rights durch Bitcoin gibt, vor Kurzem in einem Interview mit btc21:

“Ich denke nicht, dass (Bitcoin) so sehr ein technologisches Phänomen, sondern vor allem ein soziales, gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Phänomen ist. Die Trennung von Geld und Staat ist eine sehr radikale Idee. Sie ist meiner Meinung nach genauso radikal wie die Trennung von Staat und Tyrannei oder die Verbreitung von Information von einer Handvoll an viele, wie wir es bei Revolutionen wie der Druckerpresse und dem Radio, dem Fernsehen und schließlich dem Internet und Smartphones gesehen haben. Wir reden hier nicht über die Privatisierung von Unternehmen.“
Quelle: Interview mit Alex Gladstein

Ich bin beim Bitcoin gelandet, weil mir die Geldpolitik der EZB und anderer Zentral-/Banken zunehmend auf die Nerven geht. Aber um davon wegzukommen, ist es eben doch sehr interessant, das Bitcoin-Potential etwas weiter zu ergründen als in seiner reinen Wertspeicher- und Geldfunktion als Sekundärwährung. Bitcoin beflügelt ja, s.o., gesellschaftliche und damit gesellschaftspolitische Änderungen weltweit.

Bitcoin hat das Potential zum Game Changer, das ist wohl keine Frage. Die Frage aber ist, wie das neue Spiel aussehen wird.

Deshalb.

+++++++++ Der Bitcoin ist frei. +++++++++
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Cool, erinnert mich an diesen Thread, den ich zu dem Thema erstellt hatte:

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Um die Frage nach dem Demokratiebild, von dem ich ausgehe, zu beantworten.

Von dem, das ich aus unseren modernen liberalen Demokratien im Westen kenne, und das ich für sehr gut halte. Nämlich mit Rede- und Pressefreiheit, Gewaltenteilung des Staates und natürlich freien Wahlen.

Dass allgemeine Menschenrechte dem Gebilde zugrunde gelegt werden … selbstredend.
Daraus ergibt sich automatisch die Anforderung, Minderheiten zu schützen.

Die ideellen Errungenschaften unserer Vorgenerationen also.

Das Gesamtpaket zählt. Freie Wahlen alleine ist zu kurz gesprungen.

-_-_-_-_-_-_-_-_ Der Bitcoin ist frei. -_-_-_-_-_-_-_-_
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Da lese ich raus, dass die Personenwahl für dich zu einer Demokratie dazugehört.

Kannst du dir ein System ohne Personenwahl vorstellen, welches deiner Definition von Demokratie genügt?

Vorstellbar ist eine direkte digitalisierte Demokratie sicherlich in mittel- bis langfristiger Zukunft.

Evtl. ist das aber noch nicht genug für PriWi, das kann ich nicht sagen.

Die Frage ist immer wie und ob ein

Das ist korrekt, genau diese Überlegungen muss man anstellen. Aber da würde ich doch ein bisschen top-down vorgehen. Oder vom Groben ins Feine, wie man so schön sagt.

Dabei sehe ich nicht, dass die Frage der Personenwahl nun kriegsentscheidend wäre bei den Überlegungen, den Bitcoin in eine demokratische Zukunftsgesellschaft einzubetten - und zwar ohne staatliches Geldmonopol. Sondern eher solche Fragen wie get rid of the banks.

Aber bitte erkläre doch, warum du die Personenwahl vordringlich entscheiden würdest. Würde mich interessieren.

=============== Bitcoin is free. ==============

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Das habe ich nicht gesagt. Mir geht es um was anderes.

Ich lese hier häufig „staatsfeindlich“, „verfassungsfeindlich“, „demokratiefeindlich“, aber nie eine klare Definition dessen was Demokratie für Euch bedeutet. Auf Rückfrage kommen dann so Merkmale wie z.B. „Minderheitenschutz“ und andere Eigenschaften, denen ich zum größten Teil auch zustimmen würde.

Ich habe bei den Kritikern der „Staatsfeinde“ hier im Forum aber noch nicht gelesen, wie ein demokratischer Staat organisiert sein soll. Mein Vorwurf ist, dass ihr der Frage nach dem eigentlichen Staatswesen ausweicht.

Deshalb habe ich eingangs nach Deiner Definition von Demokratie gefragt.

Man kann darüber nachdenken, aber wenn man nicht darüber nachdenkt, wie man dahin gelangen kann, dann bleibt man philosophisch. Der Bitcoin-libertäre Standpunkt ist da meiner Meinung nach ein anderer. Den verstehe oder interpretiere ich so, dass Bitcoin eine so starke Kraft ist, dass Gesellschaft und Politik in eine libertäre Richtung gezwungen werden. Auch wenn ich die libertären Ideen zu einem großen Teil auch moralisch unterstütze – für mich ist hier entscheidend, dass der Auslöser für einen gesellschaftlichen Wandel nicht die Ideologie selbst ist. Bei der Demokratie ist das anders. Eine deduktive Schlussfolgerung steht also einem normativen Anspruch gegenüber.

Sorry für diesen Exkurs. Ich will wirklich nicht deinen Thread kapern. Ich will nur begründen, warum die Demokraten in meinen Augen hier in der Bringschuld sind. Wenn es nämlich stimmt, dass Bitcoin die Gesellschaft von sich aus, evolutionär in Richtung einer libertären verändern wird, so treten demokratische Ansprüche als Hemmnis und Gegenposition auf. Das ist in meinen Augen begründungsbedürftig – auch moralisch.

Das ist der Grund warum ich in meinem ersten Post hier frage, was bewahrt werden soll, was weg kann, und wie eine Demokratie organisiert sein soll.

Was die Personenwahl angeht: Alle vier Jahre zwei Bits zu setzen hat für mich nicht viel mit Partizipation geschweige denn Gestaltung zu tun. Ich denke die Personenwahl ist eine Sackgasse.

Personenwahl anzusprechen war lediglich ein Versuch von mir, die Diskussion für die Frage der Ausgestaltung einer Demokratie zu öffnen. Nimmst du das als gegeben hin? Wie könnte eine demokratische Gesellschaft sich noch organisieren?

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Danke, Makowski, für deine Erklärung, wieso du nach der Personenwahl gefragt hattest. Ich bin etwas zwiegespalten, ob ich deinen Ball auffange, denn ich möchte vermeiden, dass dieses Hick-Hack zwischen Libertären und Demokraten auch hier wieder losgeht. Ich finde eigentlich auch, dass deine Aussagen bzw. Fragen in die anderen bereits laufenden Threads gehören, du deutest es ja selbst an.

Im hier vorliegenden Thread soll der gesetzte Rahmen ein demokratisches Staats-Modell sein (im Gegensatz zu z.B. Privatrechtsgesellschaften).

Ich würde wirklich gerne über BTC-gestützte demokratische Utopien nachdenken, ohne dass das Ganze in einen Glaubenskrieg zwischen zwei Richtungen ausartet.

Wie in einem brainstorming. Die konstruktiven Ideen sammeln, ohne sie durch Kritik gleich wieder niederzumachen oder ihre Unmöglichkeit zu postulieren.

Obwohl ich nicht für andere sprechen kann („ihr“), so kann ich ziemlich lapidar antworten, dass ich mit unserem Staatswesen im Großen und Ganzen ja zufrieden bin. Ich sähe per se keine dringende Notwendigkeit, daran was zu ändern. Bestimmt kann man verbessern, auch in Richtung bürgernäherer Demokratie, aber mein persönliches Unbehagen stammt ja nicht vom Staatswesen, sondern der Geldpolitik / dem Finanzwesen und den seit vielen Jahren regierenden Parteien. Die Differenzierung zwischen Staat und Regierung kommt mir in einigen Diskussionen hier zu kurz. Das habe ich in den anderen Threads schon öfters gesagt.

Stimmt. Nur ist es sinnvoll, bei der Reihenfolge zu bleiben: erst das Ziel definieren, dann den Weg dorthin. Um es anschaulich zu machen: du musst wissen, ob du nach Hamburg oder Stuttgart willst, sonst weißt du nicht, welche Autobahn du nehmen sollst. Und Punkt 1 ist noch lange nicht erledigt …

Wenn dem so wäre, könnte man sich ja alle Diskussionen sparen. Dann wäre die Entwicklung gesetzt. Das kann ich nicht glauben, denn die Menschen sind es und ihr Wille und die daraus folgenden Aktionen, die den Weltlauf verändern, und nicht ihre Produkte per se.

Auch gefällt mir gar nicht die Vorstellung, dass der Bitcoin mich in eine Richtung zwingen soll, und dann auch noch in eine, die mir nicht zusagt. Das würde ihn mir sehr unsympathisch machen, denn genau seine freien und demokratischen Grundzüge finde ich sehr attraktiv.

Das ist zwar schön formuliert, ich stimme aber nicht zu. Denn m.E. geht es sehr wohl um Ideologien als Auslöser auf jeder Seite, da es sich um gedankliche Konzepte handelt und nicht Naturgesetze. Der Punkt ist für mich sowieso irrelevant, da mein Gedankenansatz an einer anderen Stelle beginnt = die Veränderungsleistung woanders ansetzt, nämlich get rid of the banks - und zwar bei gesetztem Staats- und Demokratierahmen, s.o.

(Und es wäre schön, wenn über diesen Punkt jetzt kein Ping-Pong entsteht. Du hast gesagt, was du glaubst, ich habe gesagt, was ich glaube. Mehr Aufwand, um den anderen vom Gegenteil zu überzeugen, ist nicht nötig.)

Aber diese Aufgabe nehme ich nicht an, schon gar nicht stellvertretend für alle Demokraten. Und sowieso nicht, weil es ja paradox ist, dass Demokraten begründen sollen, auch noch moralisch, wieso sie den Libertären im Weg stehen. Sei nicht bös, aber da muss ich wirklich lachen. Morgenkaffee in der Hand und kräftig lachen. Good joke.

Und nur zum Schluss:

Das ist auch wahrlich nicht die einzige Möglichkeit, sich in politisches Geschehen einzubringen, dieses Missverständnis (oder bewusst falsches Narrativ) ist ja das Traurige. Wer wirklich politisch interessiert ist und sich aktiv beteiligen will, kann in der Kommunalpolitik anfangen und sich in seinem direkten Lebensraum engagieren und dort gestalten. Oder weitreichender - er engagiert sich in einem parteipolitischen oder auch nicht-parteipolitischen Verein, wird unbezahlter oder bezahlter Lobbyist, gründet eine eigene Partei. Ist doch der Wahnsinn, was du bei uns alles machen kannst … Aber für die meisten Menschen ist es eben bequemer, nur alle vier Jahre zwei Bits zu setzen, sich aber zu beklagen, dass sie nur alle vier Jahre zwei Bits setzen.

(Kein persönlicher Affront, Makowski, ich weiß ja nicht, ob du nicht doch ein etwas aktiverer Staatsbürger bist.)

Guten Start in die Woche jedenfalls!

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Ich bitte darum! Ich habe bisher noch nichts utopisches gelesen. Du sagst ja selbst:

Ich war mal in einer Partei. Das Problem was ich damit habe ist, dass das Parteisystem Menschen begünstigt, die nach Macht streben. In Konsequenz finden sich an der Spitze nicht die kompetentesten sondern diejenigen, die ihr Machtbedürfnis am geschicktesten zur Geltung bringen. Zu diesem Geschick gehört auch die Täuschung, denn sie wird nicht Sanktioniert. Politiker tragen nicht gerade viel Verantwortung für ihr Handeln.

Ich denke nicht, dass das mit kleinen Korrekturen getan ist, da ja im Großen und Ganzen alles in Ordnung sei. Bin sehr gespannt auf Eure Lösungungsvorschläge und Utopien.

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Roman hatte gestern auch einen Tweet geliked, wo es um ein Video ging, indem ein Anwohner der Flutkatastrophe seinen Dank für alle HelferInnen aussprach. Die Person, die das Video teilte betitelte es allerdings mit „Hört es euch an und sagt noch mal „ohne Staat würde [beliebiges geschwurbel einfügen]“…“. Ein bisschen übertrieben wie ich finde. Schade, dass dir so etwas gefällt @Blocktrainer, zumal das nur EINE Person ist, die ihre Situation schildert und den Eindruck erwecken lässt, als würde der Staat mit Feuerwehr o.ä. gar nichts tun. Ganz von den unterirdischen Kommentaren abgesehen, die unter dem Tweet stehen. #antistaathaltung

Quelle: https://twitter.com/murphy2510/status/1416788503933902852

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Da stimme ich zu, die Meta der momentanen Politik ist:
Je manipulativer man die Menschen überzeugen kann, desto mehr Stimmen bekommt man.
Spitzenpolitik ist ein Sport der Manipulation, der beste Manipulator kommt an.

Dennoch muss man sehr vorsichtig sein, alle staatlichen Organe abzuschaffen oder ähnliches wie es dann wieder manche in den Kommentaren bei dem geteilten Tweet z.B. fordern.

Hab in den alten Threads die Idee von Teamsystemen, die für einzelne Themenbereiche zuständig sind ja schon geschildert. Wenn man nicht nach „mögen“ für alle Bereiche stimmt, sondern nach Fachkompetenz bei jedem Bereich bei dem man genug Ahnung hat sich eine Stimme zuzutrauen, könnten auch Politiker sich etablieren, bei denen es nicht ums Reden sondern um die Pläne geht.

Hier ein Beispiel was u.A. in den Kommentaren des Tweets verbreitet wird:
[Der Klimaschwindel (2007) RTL EXTRA SPEZIAL : RTL : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive]

Ich sehe das zB so. Mehr Freiheit → jeder bekommt mehr Möglichkeiten selbst zu entscheiden was er will.

Sagt dir nicht zu, dass du selbst mehr Freiheit bekommst? Das wäre mMn absurd, denn du kannst sie dann wieder gegen Kontrolle eintauschen. Oder sagt dir nicht zu, dass andere Menschen Freiheiten bekommen?

Ist es etwa nicht so? Frage dich mal warum Libertäre in Demokratien nicht leben können wie sie es sich wünschen aber Demokraten in einer Welt nach Vorstellung von Libertären sehr wohl leben können wie sie wollen und diverse andere ebenso.

Ich glaube du hast noch immer nicht verstanden, dass Freiheit etwas optionales ist, man kann sie abgeben, wenn man lieber Demokratie oder andere Herrschaftsformen wünscht zB. Warum will man aber die Freiheit anderer einschränken?
Demokraten halten sich für den weißen Ritter, sind es aber nicht.

Es gibt auch sehr viele verschiedene Demokratie-Modelle und man wird mMn in Zukunft viel einfacher in ein anderes Modell wechseln und auch diesbezüglich mehr Experimente beobachten können. Man erkennt dann, was besser funktioniert und im Wettbewerb müssen die anderen dann nachziehen, sonst hauen ihnen die Menschen ab.

Am Ende wird einem trotzdem von anderen ein Herrscher bzw eine Bande von Herrschern aufgezwungen.

Ja weil sie nicht bekommen was sie wollen. Man überlege 100 Leute gehen in den Supermarkt und es wird demokratisch entschieden was jeder kaufen muss, anstatt dass jeder kauft was er will und es auch bekommt. Ist das fair? Warum gibt es das so nicht?

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