Bitcoin Fragen und Bedenken

Lieber Roman, liebes Blocktrainer Team,

ich würde jetzt mal sagen, dass ich eher ein Neuling in der Kryptoszene bin, und ich versuche, mich stets weiterzubilden. Deshalb möchte ich ein herzliches Dankeschön für eure Arbeit, euren hoch informativen Content und die Sympathie, die Roman in seinen Videos mitbringt, aussprechen J

Da ich euch allerdings nicht direkt via E-Mail anschreiben konnte, schreibe ich dies nun ins Forum, da sich bei meinen Recherchen über Bitcoin einige Bedenken meinerseits geäußert haben. Vielleicht könnt ihr mir hier weiterhelfen?

Bitcoin Dezentralität

Laut dem Nakamoto Koeffizienten stellen 3 Mining Pools über 50% der weltweiten Mining Power:

Falls ein Core-Developer das Protokoll umschreiben beispielsweise den Inflations-Bug wieder einbauen würde, die Mining Pools die neue Version implementieren, kann es hier zu einer 51% Attacke kommen? Wahrscheinlich nicht, da ich schätze, dass hier die Fullnodes noch ein Wörtchen mitzureden haben oder? Oder ist Bitcoin hier akutell doch noch zu zentral aufgestellt?

Mining Hardware

Da Bitcoin von euch als Geld für alle bezeichnet wird, weil es keine Ländergrenzen kennt, zensurresistent ist usw., sollte Bitcoin dann nicht auch so aufgesetzt sein, das es von jedem/r mit jeder CPU oder GPU gemint werden kann, da nur so die Dezentralität maximiert werden kann. Durch die speziell für Bitcoin designte Hardware, welche erhebliche Kosten in der Anschaffung verursacht und bis vor nicht allzu langer Zeit nur von wenigen Herstellern produziert wurde, steht nur wenigen diese Option zur Verfügung und bestärkt dadurch die Zentralisierung.

Ebenso hier auch meine Frage: Haben hier wiederum die Fullnodes ein Wörtchen mitzureden?

Meinung zu Altcoins

Roman hat es schon mehrmals angesprochen und einige Leute in den jeweiligen Chats ebenso … dass Altcoins quasi als Shitcoins bezeichnet werden und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese sich nach und nach auflösen bzw. untergehen.

Nun meine Frage bzw. Bitte: Jeder hat ein Recht seine Meinung zu sagen und das ist auch gut so. Mit einem großen Youtube Kanal hat man hier allerdings schon etwas mehr Verantwortung, mit seiner Meinung achtsam umzugehen. Darum meine Bitte, nicht alle Altcoins in einen Topf zu werfen und diese als Shitcoins zu bezeichnen. Es gibt tausende Shitcoin Projekte da draußen – das ist mir schon bewusst. Dennoch gibt es eine Zahl von Projekten (Projekte mit Real World Use Cases), in denen hunderte, wenn nicht sogar tausende Entwickler ihr Herzblut und Lebenszeit reinstecken, mit der Vision, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Meiner Meinung nach tut Roman diesen Projekten Unrecht und generell ist die Wortwahl „Shitcoin“ nicht eurem Niveau entsprechend.

Bitcoin 1st Mover Advantage?

Die Grundidee von Bitcoin ist einfach genial. Die Welt braucht Bitcoin und das Lightning Netzwerk trägt meiner Meinung nach sehr viel zur Massenadoption bei. Jedoch ist die Weiterentwicklung von Bitcoin eher eingeschränkt, da ich aus unterschiedlichen Quellen erfahren habe, dass es schier unmöglich ist Smart-Contracts zu emplementieren und dadurch der Use-Case von Bitcoin eher begrenzt ist. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass es sich hier um gefährliches Halbwissen handelt, und ich mich über eine Aufklärung diesbzgl. sehr freuen würde J Um den Gedanken dennoch weiter auszuführen, verdienen einige Projekte im Cryptospace ihre Daseinsberechtigung, da Bitcoin nicht alles abdecken kann. Diese Projekte wurden dazu konzipiert, mehr Real-World-Use-Cases abzubilden, wodurch eine bessere und effizientere Implementierung von Lösungen gegeben ist. Meiner Meinung nach kann daher der 1st-Mover-Advantage von Bitcoin nicht mehr lange von Dauer sein – Beispiel Amazon, Google Anfang der 2000er. Aber ich glaube, dass Bitcoin und diverse andere Projekte koexistieren werden, was ich gut finde J

Ich hoffe, ich bin mit diesem Schreiben niemandem zu nahe getreten, und hoffe hier ein paar Inputs vom Blocktrainer-Team oder der Community zu bekommen, wofür ich mich bereits im Voraus sehr herzlich bedanke.

Lg Joe

Huhu Yogivogi,
schön dass du selber auch ein wenig recherchierst und dich für das tolle aber sehr komplexe Thema Bitcoin interessierst.
Jeder hat mal klein angefangen :slight_smile:

Bezüglich der Miningpools:
Die Minigpools sind „nur“ Zusammenschlüsse von vielen verschiedenen Einzelteilnemer.
Heutzutage haben Einzelminer keinen großen Einfluss auf die Gesammthashleistung für die Blockchain mehr. Wenn du dir ein higend-Mining Gerät kaufst, dann wirst du damit auch nur alle paar Jahre einen Block finden. Der Rewart ist also extrem selten aber dafür sehr groß (ca 7 BTC für einen Block sind aktuell ca 140K€). Wenn du diese aber nur alle 10 Jahre erhältst ist das eventuell schon wieder recht wenig. Deswegen schließen sich die Einzelminer zusammen. Damit haben sie eine höhere Hashleistung und können ihren Gewinn regelmäßiger auszahlen. Große Miningpools können dann jeden Tag einen Block finden, müssen sich diesen Block aber dann den Gewinn des Blockes mit allen Teilnemern teilen.
Soviel zu den Grundlagen der Miningpools. Was passiert aber, wenn die Miningpools anfangen zu zensieren oder Angriffe zu fahren? Sie werden ineffizient und die Einzelteilnemenr ziehen ihre Hashleistung ab. Die Miningpools haben also, selbst wenn sie groß sind keine wirkliche Macht im Netzwerk.

Bezüglich Mining Hardware: Es steht jedem Frei Bitcoin auch mit einer CPU oder GPU zu minen. Allerdings sind das Universalrechenmaschinen die alles können und somit für einzelne spezielle aufgaben deutlich mehr Energie benötigen als die ASICS Miner. Diese MiningHardware kann nur eines: Bitcoin minen und dass so effizient wie möglich. Wegen der Spezialisierung sind die deutlich energieeffizienter als CPUs oder GPUs und damit deutlich profitabler.
Versuch einmal Bitcoin mit einer Higend-CPU zu Minen, du wirst nur vielleicht alle 100 Jahre mal einen Block finden aber trotzdem deine Energie dafür bezahlen müssen.

Bezüglich Shitcoins: Natürlich gibt es auch einige wenige gute Projekte neben Bitcoin, der weitaus größere Teil ist aber Scam und Abzocke. Bis auf wenige Projekte wie Monero ist kein anderes Kryptogeldprojekt wirklich dezentral, alleine schon weil es von einer Zentralen Partei oder Firma gegründet wurde, meist um Geld zu verdienen oder als Startkapital einzusammeln. Das hätten diese Projekte aber auch offen mit Spenden handhaben können ohne ein neues Geld zu erfinden. Sozusagen sind die meisten Projekte nur eine Art Börsengehandelte Aktie ohne Regulierung und von so ziemlich allem sollte man die Finger weglassen. Bitcoin ist Quelloffen, jeder kann sein eigenes Geld kreieren. Das heisst aber nicht dass das Geld dann auch gut ist. Ich sage immer: Wenn Etherium zur neuen Geldwährung ernannt wird dann tauschst du nur die Zentralbanken durch die Etheriumfoundation aus. Natürlich haben all diese Projekte ihre daseinsberechtigung und liefern gute Ideen was mit Bitcoin alles möglich währe, aber frag dich mal, warum sie ihr eigenes Geld erfinden müssen anstatt bei Bitcoin zu bleiben und es in Second-Layern zu erweitern.

Bitcoin hat seinen usecase als Wertespeicher und Geldtransfer. Smart Contracts, so schön sie auch im ersten Moment klingen sind auch eine Gefahr für das Geldsystem und deswegen wird es sowas nicht bei Bitcoin geben, zumindest nicht im Hauptlayer. In jedem Second Layer kann man problemlos solche Sachen Implementieren und benutzen. Sollte es Fehler in solchen Smart Contracts geben betrifft das nicht das komplette Netzwerk.
Jeh Komplexer ein System wird, desto anfälliger wird es gegenüber von Fehlern. Und Etherium hat schon einigemale gezeigt wie schweerwiegend ein Fehler bei Smart Contracts sein kann. Das widerspricht der Sicherheit und Einfachheit von Bitcoin.

Soviel ersteinmal in aller kürze, aber ich bin mir sicher da tun sich noch weitere Fragen auf :slight_smile:

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Maligner Code dürfte kaum eine Chance haben, von einzelnen Rogue-Playern in die Code-Basis integriert zu werden. Du hast offenbar recht wenig Vorstellung davon, wieviele Augen auf zu integrierenden Code in Bitcoin Core schauen und darüber wachen. Die Prozesse für Code-Änderungen sind langwierig, werden meist ausführlich diskutiert usw. usf.

Warum sollten wenige Big Player unter den Mining-Pools Dinge übernehmen, die das Bitcoin-Ökosystem nachhaltig stören könnten? Du sägst dir doch hoffentlich auch nicht den Ast ab, auf dem du sitzst und dein Geld verdienst.

Warum sollten die drei größten Pools gemeinsame Sache für eine nachhaltig vertrauenschädliche 51%-Attacke machen? Die werkeln jeweils in Konkurrenz miteinander und 51%-Attacke bedeutet nicht, du kannst damit alles mögliche machen, sondern lediglich, daß du Double-spend machen kannst und die jüngste Transaktionshistorie umschreiben kannst. Du kannst aber definitiv nicht fremde Transaktionen verändern, sondern diese höchstens nachträglich aus der Blockchain tilgen.
Auch der potentielle Vorteil einer 51%-Attacke dürfte kaum die Folgen des daraus resultierenden Vertrauensverlusts kompensieren, der zu einem massiven Kurssturz führen dürfte. Das wäre zwar nice zum Nachkaufen, aber einmal massiv verspieltes Vertrauen wird man so schnell nicht beseitigen können. Eine Kurserholung dürfte nach sowas so schnell nicht wieder eintreten.

Nein, du wirst effektiv mit einer CPU und selbst einer GPU praktisch niemals eine Chance haben, je einen Block gegenüber der ASIC-Konkurrenz zu finden. Deine Erfolgswahrscheinlichkeit ist Deine Hashrate \div Netzwerkhashrate. Fette Server-Xeons schaffen so 200MH/s und damit bräuchtest du bei einer aktuell durchschnittlichen Netzwerkhashrate von ~2*10^{20} H/s gute 1,9*10^7 Jahre, um einen Block damit zu finden. Aussichtslos…
[verlässliche aktuelle Hashraten für CPUs zu finden, ist nicht ganz leicht, weil das keiner wirklich macht, da es komplett sinnfrei ist bzw. vergeudete Energie, die zu keinerlei Erfolg führen kann.]

Wer weiß, wie deine Quellen sind, aber z.B. gibt es als eine Lösung die RSK-Blockchain, die an Bitcoin andockt. https://www.rsk.co/

Bei Smart Contracts muss man genau hinschauen, wozu die gut sind und welche Vorteile man davon hat. Nicht alles, was auf anderen Coins gemacht wird, ist für Bitcoin gut und umgekehrt wahrscheinlich auch. Langfristig glauce ich schon, daß man Bitcoin auch in diese Richtung weiterentwickeln wird, z.B. diese sog. Covenants. Aber ich bin ganz froh, daß man bei Bitcoin nicht gleich jeden Shice vorschnell raushaut. Blutige Nasen und Wallets dürfen sich gerne die ganzen anderen Coins und Token holen…

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Shit Coin ist natürlich ein bewusst provokativer Begriff. Jedoch sind sie alle Geld, mit bestimmten Eigenschaften. Vergleicht man diese Eigenschaften mit denen von Bitcoin, wird man bei genauer Betrachtung erkennen, dass sie das schlechtere Geld darstellen. Demzufolge kann auch jede Fiat Währung als Shit Coin bezeichnet werden.

Man könnte sogar noch provokativer sagen dass sie gegen Bitcoin abstinken, genau wie sh*t.

Übrigens dass zum Beispiel behauptet wird dass Ethereum kein Geld sein will, spielt keine Rolle. Ethereum und alle anderen Alt Coins sind sehr wohl Geld. Schließlich transferieren sie innerhalb ihres Systems Wert.

Die Daseinsberechtigung der Alt Coins hält sich auch stark in Grenzen. Ja, es gibt eine hohe Nachfrage. Allein das kann man schon als Daseinsberechtigung deklarieren. Jedoch beschränkt sich die Funktion meiner Erfahrung nach immer nur auf digitales Geld, DeFi oder irgendein unrealistisches Marketing-Geschwätz.