Bitcoin als Lohn in der Medizin

Moin

Ich habe eine Frage bzgl. der Umsetzbarkeit einer Bezahlung mit Bitcoin im deutschen Gesundheitssystem. Ich bin Mitglied beim Marburger Bund und möchte mich für eine bessere Bezahlung von Pflegekräften und Ärzten dahingehend einsetzen, dass wir nicht mehr um 1-2% pro Jahr feilschen, sondern dass eine Bezahlung seitens der Arbeitgeber im öffentlichen Dienst über Bitcoin ermöglicht wird.

Ich habe da bislang nur ein paar kleine Ideen und würde mit euch gerne einen brainstorm starten, um herauszufinden, was es bräuchte, um die Idee in die Praxis umzusetzen.

Eins vorweg: wenn wir Ärzte wie vor 2 Jahren alle gemeinsam streiken, haben wir eine große Macht. Wir konnten vor 2 Jahren durchsetzen, dass wir keine 24h Dienste mehr machen müssen und dass wir mehr Freizeitausgleich bekommen und weniger Dienste machen müssen. Dafür haben wir Ärzte gerne auf mehr Geld verzichtet. Nun sehen aber mehr und mehr Ärzte, dass sie zwar 40-60h pro und mehr arbeiten, was deutlich weniger ist als früher. Wir merken aber deutlich, dass wir für ein Arztgehalt kaum noch ein Haus in der Zukunft abbezahlt bekommen. Zumindest sind die Zeiten vorbei, wo man als Assistenzarzt bereits in den Genuss diverser Vorzüge kam wie z.B. das Fahren eines teuren Sportwagens. Ich möchte betonen, ich selbst fahre nur Fahrrad und hab kein Auto und stehe auch nicht auf sonem Mist. Aber ich möchte damit nur sagen: es lohnt sich kaum noch, 13 Jahre in der Schule hart zu büffeln, 6 Jahre zu studieren und wie verrückt zu lernen, wenn man doch danach das erste Gehalt wie Schnee vor der Sonne wegschmilzen sieht. Ich weiß, es gibt eigtl nix zu meckern für Ärzte, sie verdienen gut. Ja, das mag sein, wenn man sieht, dass das Stück vom Kuchen immer noch das größte ist. Aber es ist nun glaube ich an der Zeit, sich für alle Kuchenstück-Esser dafür einzusetzen, dass der Kuchen insgesamt wieder größer wird. Zumindest nicht immer kleiner.

  1. Jeder Angestellte im Gesundheitswesen sollte die Möglichkeit haben, sein Gehalt in Bitcoin oder Fiat auszahlen zu lassen. Besser noch: es sollte jedem freistehen, einen Anteil, z.B. 50% von seinem Gehalt in Bitcoin nominieren zu lassen.

  2. Nehmen wir Mal an, ich bekomme jetzt nur noch 50% in Fiat ausgezahlt. Und die restlichen 50% möchte ich in Bitcoin anlegen. Dann muss das Krankenhaus mir 50% in Bitcoin auf meine Wallet auszahlen.

  3. Damit Gebühren gespart werden, erfolgt die Auszahlung einmal jährlich zum Ende des Jahres. Bis dahin wird kein physischer Bitcoin vorgehalten, sondern nur das angesparte Vermögen beim Arbeitgeber verbucht als Guthaben.

  4. Damit der Arbeitgeber nicht in Zahlungsschwierigkeiten kommt, wird folgende Vereinbarung getroffen: die Anrechnung in Bitcoin erfolgt monatlich zum jeweiligen Preis des gleitenden 200 Tage Durchschnitts. Das würde bedeuten, dass der Bitcoin, da er aktuell fast genau mit 46.000$ am 200er Durschnitt notiert, 1:1 proportional zum Monatsgehalt gutgeschrieben wird. Nehmen wir an, ich verdiene 2000€ netto, dann bekomme ich 1/23 Bitcoin für den jetzigen Monat August gutgeschrieben.

  5. Steigt der Bitcoin in astronomische Höhen im Dezember, sagen wir auf 90.000$, und der 200er Tage Durschnitt ist auf 54.000$ gestiegen, dann bekomme ich für Dezember 1/27 BTC gutgeschrieben. Fällt der Bitcoin in einen Bärenmarkt und er notiert im April 2022 bei 26.000$, dann sinkt der gleitende Durchschnitt auf 48.000$ (nur ungefähr - keine genaue Rechnung). Ich bekomme wieder mehr Bitcoin, nämlich 1/24.

  6. Damit mein Arbeitgeber nicht Insolvenz anmelden muss, hat er die Möglichkeit, in Phasen, in denen das Fiatgeld aufwertet im Vgl. zu BTC, die Kryptowahrung günstiger im Paket auf Vorrat zu kaufen/anzuhäufen. Sollte der Markt für BTC nämlich wieder anziehen, kann er bei einem BTC-Preis oberhalb der 200-Tage-Linie das Gehalt aus den angehäuften Reserven bezahlen.

  7. Nehmen wir an, die durschnittliche jährliche „Rendite“ von Bitcoin läge bei 25%. Das hieße BTC deflationiere im Verhältnis zu Fiat und umgekehrt inflationiere Fiat mit einer Rate von 25% zu BTC. Damit man den Arbeitnehmern keine Gier unterstellen könne, würde man sich darauf einigen, eine Obergrenze von 12,5% / Jahr „Lohnsteigerung“ zuzugestehen. Sollte der Bitcoin um 50% jährlich steigen, würde man dem Arbeitnehmer eben „nur“ eine maximale Steigerung von 12,5% jährlich zugestehen müssen. Würde der BTC umgekehrt Mal Jahre hinlegen, in denen er nur mit 10% / Jahr zulegt, dann stünde dem Arbeitnehmer auch nur 5% Lohnsteigerung zu. Man würde quasi bis zum Max. von 12,5% eine 50/50 fity-fifty Regelung einführen, um die für alle unschöne Inflationierung durch Fiat gerecht aufzuteilen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

  8. Man könnte die Bezahlung auf komplett freiwilliger Basis lassen. Man könnte aber auch eine Bindungsfrist vereinbaren. Hieße: wenn du möchtest, dass dein Gehalt für die nächsten 24 Monate zur Hälfte in Bitcoin ausgezahlt wird, dann musst du auch für 24 Monate dich an dieser Regelung verbindlich halten. Eine höhere Auszahlung in Fiat in Schwächephasen des BTC wäre dann fairerweise nicht möglich.

  9. Aus Schutz vor "Komplettverlust gäbe es auch eine Mindestgrenze, die in Fiat ausgezahlt werden muss. Man könnte bzgl. der Bitcoin Auszahlung auch klein anfangen. Man könnte z.B. erstmal nur damit anfangen, die vermögenswirksamen Leistungen in Bitcoin auszuzahlen auf Wunsch.

Welche Fallstricke gäbe es? Was müsste man anders regeln? Was wären KO-Kriterien, die eine solche Idee ad absurdum werden ließe? Ich weiß, es ist utopisch. Aber bei Bitcoin bin ich mir da gar nichtmal so sicher, ob das so absurd ist.

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Steuerlich schwierig, mach doch folgendes: Tausche es direkt in Bitcoin und sorge einfach dafür, dass es andere auch machen. Durch gute Gespräche etc. und mittelfristig brauchst du gar nicht mehr arbeiten…

Be the change you want to see in the world.

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Guter Punkt. Klar die Steuern hab ich außer acht gelassen.

  1. Bzgl. Versteuerung sollte natürlich, solange Bitcoin kein offizielles Geld ist und nicht länger als 1 Jahr gehalten wird, auch um die 25% Kapitalertragssteuer bzw. deinem persönlichen Steuersatz abgezogen werden

Du kannst doch in Bitcoin sparen. Wo ist das Problem? Du kannst dein Gehalt nach Erhalt sofort zu dem Satz, den du möchtest tauschen.

Genauso können es die Unternehmer handhaben: Krankenhäuser, Arztpraxen, Hersteller medizinischer Geräte, etc.

Bitcoin ist Deregulierung! Warum willst du regulieren?

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Moin Makowski.

Aus ganz einfachem Grund möchte ich „Regulierung“: ich möchte Bitcoin deswegen in einer offiziellen Lohnabrechnung, weil es mit Bitcoin leichter ist, seine Gehaltshöhe vor Inflation zu schützen. Es wäre ein Ersatz für Tarifverhandlungen. Es würde die Arbeitgeber sensibilisieren.

Tarifverhandlungen finden in der Wirtschaft meist nur alle 2-3 Jahre statt. In der Zeit hat es aber 2-3 Mal eine Inflationierung von mehr als 10% auf deinen Lohn gegeben. Mit einer Lohnsteigerung von 2% kommst du da dann nicht weit. 12,5% bekommst du nicht durchgesetzt, außer man versucht einen Umweg über das Thema hartes Geld namens Bitcoin.

Du solltest nicht vergessen: vor 50 Jahren konntest du dir noch von einem durchschnittlichen Jahresgehalt ein halbes Haus kaufen oder 3 Mittelklassewagen. Heute kannst du dir von durchschnittlichen Einkommen nur noch einen Kleinwagen oder 1/10 Haus kaufen. Das gleiche passiert mit deiner Rente. Auch die Betriebsrente. Die vermögenswirksamen Leistungen.

Das Argument, „hey, Kauf dir doch einfach von deinem Monatslohn Bitcoin, indem du die Fiat eintauschst“ ist nicht unrelevant. Aber damit kannst du dich nur marginal vor Inflation schützen. Steigt der Bitcoin um 20%, steigt dein Gehalt ja nicht um selbige Größe. Du kannst dann deinen nächsten Monatslohn in Fiat um 20% weniger in Bitcoin umtauschen.

Ich glaube nicht, dass sich Arbeitgeber auf dieses enorme Risiko einlassen. Warum sollten sie?
Es wird mittel- bis langfristig passieren, aber dann ist die hohe Volatilität weg und man kann recht gut kalkulieren.
Wenn mein AG mein Gehalt in BTC festlegt, würde ich mir schon einmal etwas neues suchen, denn er wird pleite gehen oder mich kündigen.

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Es stimmt, dass bei einem in Bitcoin nominierten Gehalt die Verhandlungspositionen umgekehrt werden. D.h. Der Arbeitgeber muss nun mit den Angestellten um eine Gehaltsreduktion verhandeln.

Das ist prinzipiell ein interessanter Gedanke, aber ich fürchte das ist aus den von @Denni genannten Gründen noch viel zu früh dafür.

Du müsstest Deinen Arbeitgeber dazu bringen, selbst Bitcoin zu verdienen. Andernfalls reicht der Cashflow nicht aus, um die Gehälter zu bezahlen. Per Arbeitskampf ist das nicht zu erreichen.

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