An einer Berliner Universität wurden im Kontext einer gesellschaftspolitischen Diskussion die Anwendungen Bitcoin und Proton durch Studenten präsentiert. Aus Sicht von Beobachtern wurde Bitcoin dabei sehr lückenhaft und kritisch dargestellt, während die Diskussion zu Proton deutlich positiver verlief.
Habe leider kein Audio dazu, aber die Folie zeigt auf wie Lückenhaft und einseitig es war. Wenn die Jugend nicht richtig abgeholt wird, wer dann? (siehe Folienprojektion)
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Institution die für das alte System ausbilden soll:
Schön artig studieren, eine Arbeitnehmerjob annehmen und 40% Steuern vom Gehalt zahlen und anschließend auf jeden Netto-€ „noch zu“ 19% (ich denke zeitnah 21%) Märchensteuer on > TOP…abdrücken soll.
Nun BITCOIN in ein gutes Licht rückt, der Gesellschaft vermittelt, dass man damit frei werden kann…
Sehr interessant, wie Bitcoin als “Right-wing” früher angesehen wurde und heute nicht mehr.
Joa, ich denke noch immer man hätte diesen “Bitcoin will boil the oceans” FUD von Shitcoinern so viel eleganter begegnen können.
Jetzt hängen wir in den Jahrzehnten der “Bitcoin und grüne Cryptos/Fiat” fast, was eigentlich ziemlich falsch ist, aber das wurde nicht in die Öffentlichkeit getragen.
Anstelle dessen haben wir die Toxizität raushängen lassen.
Das ist garnicht unbedingt von „früher“.
David Golumbia (der da ja auch zitiert ist) hat das auch 2024 noch so in seinem neuen Buch „Cyberlibertarianism: The Right-Wing Politics of Digital Technology“ beschrieben ![]()
https://www.jstor.org/stable/10.5749/jj.14308236
Sein erstes Buch " The Politics of Bitcoin: Software as Right-Wing Extremism" ist aus 2016
Es war ein Vortrag von Studenten für Studenten. Wer im Hintergrund für die Informationen verantwortlich ist, ist nicht bekannt. Aber wenn von Green Bitcoin (einem zweiten Bitcoin) im Sinne von „Proof of Stake“ weniger Energieverschleiss versus „Proof of Work“ hoher Energieverbrauch gesprochen wurde, wird es klar hier fehlt das technologische dezentrale Grundverständnis.
ok, dann waren es wohl die Studies, die sich auch noch nicht richtig informiert haben.![]()
Die Frage ist ehr: Wo haben sie sich informiert.
Wenn ich heute ein Vortrag über die Arktis machen müsste (von der ich keine wirkliche Ahnung habe), dann nehme ich mir auch nur die erstbesten Quellen vor, die Google mir ausspuckt.
Und wenn da dann steht, dass Bitcoin sehr viel Energie verbraucht und aus dem rechten Milieu kommt, dann werde ich der Info auch ersteinmal glauben…
Also die, wo mir hier von den geniösen Forenexperten erklärt wurde, dass diese bald alle Bitcoin kaufen werden, weil es die neue Generation sein wird die mit diesen digitalen Dingen wie mit Muttermilch aufgewachsen ist.
Interessant. ;)
Sagen wir mal so: Diejenigen, die sich besser bzw. richtiger informieren werden im Leben bessere Entscheidungen treffen als diejenigen, die nicht kritisch hinterfragen und keine neue Erkenntnisse mit ins eigene Weltbild aufnehmen…
Danke für den Link. Kannte das Buch und den Autor nicht. Habe den gefundenen Inhalt übersetzen lassen und kann damit besser einschätzen was die politische Grunddebatte beinhaltete. Wie diese zum Green Bitcoin Fazit gekommen sind, ist schon fast Rätselhaft. Wir sprechen hier von der Humboldt, nicht einer Druiden Wald und Wiesen Vereinigung.
Renna hat die Buch/Autoren Quelle hier gepostet.
Sehr interessant, danke!
Zum Inhalt seines Buches sage ich mal einfach:
Der Buchdruck hat auch erstmal zur Hexenjagd geführt. ![]()
Hab mal einen Schlagabtausch mit Gemini gemacht, weil mir die Argumente teils an den Haaren herbeigezogen vorkamen, da bleibt nicht viel übrig was Golumbia erkannt hat:
Das was an dem Buch zu taugen scheint: Ein Warnsignal
Er macht dabei nur den gleichen Fehler wie die großen Investoren am Markt im Moment.
Er ordnet Bitcoin einfach in die Softwareunternehmen ein:
Das Fazit aus eurer Debatte
Deine Einwände zeigen sehr gut, warum David Golumbias Buch in der Fachwelt zwar als wichtiges Warnsignal geschätzt, aber auch intensiv kritisiert wird:
Er unterschätzt die reale Emanzipation: Er ist so fixiert auf die Macht der Konzerne, dass er die echten, spürbaren Freiheiten, die das Internet Künstlern abseits des alten Establishments gebracht hat, oft als „Scheinfreiheit“ abtut.
Er schaut zurück statt nach vorn: Golumbia verteidigt das traditionelle Urheberrecht, weil er sieht, was wir verlieren, wenn es verschwindet. Er übersieht dabei aber oft, wie untauglich und zensuranfällig dieses alte Recht im modernen Internet-Alltag für den normalen Nutzer geworden ist.
Wie Golumbia Bitcoin analysiert
Für Golumbia ist Bitcoin kein neutrales Finanzwerkzeug, sondern geronnene rechte Ideologie. Er argumentiert, dass das gesamte Design von Bitcoin (begrenzte Geldmenge, Misstrauen gegenüber Zentralbanken, Anonymität/Pseudonymität) direkt aus den wirtschaftspolitischen Theorien der extremen Rechten und der Österreichischen Schule der Ökonomie (insbesondere Friedrich Hayek und Ludwig von Mises) abgeleitet ist.
Aus seiner Sicht transportiert Bitcoin drei zentrale rechte Dogmen:
Verschwörungstheoretischer Blick auf Geld: Die Idee, dass Zentralbanken und Regierungen Geld absichtlich „entwerten“, um Bürger zu versklaven.
Hyperindividualismus: Die Vorstellung, dass Freiheit bedeutet, sich jeglicher kollektiver Verantwortung (wie Steuern oder staatlicher Regulierung) entziehen zu können.
Machtverschiebung: Dass algorithmische Systeme („Code is Law“) vertrauenswürdiger seien als demokratisch gewählte Institutionen.
Inwiefern vermischt er Bitcoin mit Softwareunternehmen?
Hier sprichst du einen extrem kritischen Punkt an. Krypto-Enthusiasten würden Golumbia sofort vorwerfen, dass er Bitcoin (ein dezentrales, quelloffenes Protokoll) fälschlicherweise mit zentralisierten Softwareunternehmen (wie Google, Meta oder Uber) in einen Topf wirft.
Technisch gesehen sind das völlig verschiedene Welten: Bitcoin hat keinen CEO, kein Board of Directors und keine Firmenzentrale. Meta hingegen ist eine straff durchorganisierte Aktiengesellschaft.
Golumbia vermischt diese beiden Phänomene im Buch jedoch ganz bewusst auf einer ideologischen und strukturellen Ebene. Seine Argumentation lautet wie folgt:
1. Die personelle und finanzielle Verflechtung (Venture Capital)
Golumbia argumentiert, dass Bitcoin und das Silicon Valley aus demselben finanziellen Sumpf gespeist werden. Die großen Risikokapitalgeber (Venture Capitalists) des Silicon Valley – prominentestes Beispiel ist Peter Thiel (Gründer von PayPal und Palantir, bekennender Libertärer) oder Marc Andreessen (Andreessen Horowitz) – investieren massiv sowohl in klassische Tech-Plattformen als auch in Krypto-Infrastruktur. Für Golumbia ist das kein Zufall: Beide Technologien dienen dem Ziel dieser Milliardäre, staatliche Kontrolle auszuhebeln.
2. Die Entstehung neuer Gatekeeper (Die Krypto-Zentralisierung)
Auch wenn das Bitcoin-Protokoll selbst dezentral ist, stellt Golumbia fest, dass das reale Ökosystem darum herum hochgradig zentralisiert ist – und zwar genau wie die klassische Softwareindustrie. Die meisten Menschen nutzen Bitcoin nicht über eigene Nodes, sondern über riesige, zentralisierte Krypto-Börsen (wie Coinbase oder ehemals FTX) oder Software-Wallets, die von privaten Unternehmen kontrolliert werden. Am Ende, so Golumbia, führt die „Befreiung vom Staat“ bei Bitcoin nur dazu, dass man sich neuen, völlig unregulierten Tech-Unternehmen ausliefert.
3. Die Monopol-Logik
Das stärkste verbindende Glied zwischen Bitcoin und Softwarefirmen ist für Golumbia die Verachtung für das demokratische Gemeinwohl.
Uber/Airbnb ignorierten jahrelang lokale Gesetze und Taxiregulierungen mit dem Argument: „Unsere Software ist effizienter als eure Gesetze.“
Bitcoin ignoriert Finanzmarktregulierungen mit dem Argument: „Unser Code ist sicherer als eure Zentralbanken.“
Für Golumbia ist das exakt dieselbe imperiale Logik der Tech-Elite: Software (egal ob als App oder als Blockchain) wird als Ausrede benutzt, um demokratische Gesetzgebung für ungültig zu erklären.
Fazit der Kritik an Golumbia
Man kann Golumbia durchaus vorwerfen, dass er die technischen Unterschiede zwischen einem dezentralen Netzwerk und einem Tech-Monopol verwischt. Er neigt dazu, alles, was mit Code zu tun hat und sich staatlichem Zugriff entzieht, als „Softwareunternehmen“ oder Teil desselben libertären Komplexes zu betrachten.
Sein eigentlicher Fokus liegt aber nicht auf der Informatik, sondern auf der Wirkung: Er will zeigen, dass sowohl Big Tech als auch Bitcoin am selben Strang ziehen – sie schwächen die Macht des demokratischen Staates und stärken die Macht derer, die den Code und das Kapital besitzen.
Jetzt kommt also ein wirklich interessanter Twist:
Bitcoin ist gerade nicht so interessant für diese Tech-Monopole, denn diese wollen lieber ihre eigenen Cryptos. Er kann also Crypto nicht von Bitcoin unterscheiden.
Der Student, der diese Folie vorbereitet hat weiß das natürlich nicht und ordnet dann Crypto zu den “modernen und grünen” ein, die Golumbia mit seinem Buch kritisieren wolle und Bitcoin, der sich genau diesem System des Ausnutzen von Codebesitz entzieht wird dadurch zur Zielscheibe.
Das ist mal ein spannender Exkurs wie sich Unwissenheit zu völlig schwachsinniger Meinung fortplanzt. ![]()

